Neusprech: Gesellschaftliche Teilhabe

Nur wer ein regelmäßiges und ausreichendes Einkommen besitzt, ist in der Lage, sich in die Gesellschaft einzubringen und am kulturellen Leben teilzuhaben.

- Piratenpartei

ZG-Artikel: Neusprech HeuteEine immer wiederkehrende Erzählung in Politik und Gesellschaft, ist die Redewendung von der »gesellschaftlichen Teilhabe«. Besonders Gewerkschaften, Parteien und linke Organisationen verwenden dieses Narrativ gerne, um auf existenzielle Armut und die immer größer werdende Schere zwischen Armut und Reichtum aufmerksam zu machen. Wer an Politik, Kultur und Gesellschaft teilnehmen will, so die Erklärung, braucht ein Mindestmaß an finanzieller Sicherheit. Wer nicht über ausreichend monetäre Mittel bzw. ein regelmäßiges Einkommen verfüge, der würde ausgegrenzt werden. Diese Argumentation ist im (links-)politischen Diskurs weit verbreitet. Mir stellen sich hierzu jedoch einige Fragen. Weiterlesen

Vorwürfe rechtfertigen

Typische Euphemismen um sich selbst eine Legitimation zu schaffen, um vorwurfsvoll sein zu dürfen, ohne jedoch der/die »Böse« zu sein, weil man den Gesprächspartner doch darauf vorbereitet habe, sind:

  1. Du darfst das jetzt bitte nicht persönlich nehmen, aber...
  2. Bitte nicht falsch verstehen...
  3. Das ist jetzt nicht böse gemeint...

Wenn man einen Satz so beginnt, kann man mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass danach Schuldzuweisungen, Vorwürfe, Kritik, Verurteilungen, Tadel, Rügen, Maßregelungen und Beanstandungen folgen. Der Versuch, die Kritik präventiv rosarot zu färben, heißt noch lange nicht, dass sie zwingend angemessen ist.

Der Anschlag (13)

anschlagWikileaks hat geheime Dokumente veröffentlicht, nach denen Microsoft Hacker beauftragt haben soll, einen Virus für Windows XP zu entwickeln, um den weltweiten Windows XP Usern Angst zu machen. Hintergrund sei, dass Microsoft alle weltweiten Nutzer zu ihren neuen, vermeintlich sicheren, Betriebssystemen locken will.

Der SPD-Politiker und Buchautor Thilo Sarrazin wurde mit dem bayerischen Integrationspreis ausgezeichnet. In der Laudatio betonte Markus Söder (CSU), Bayerischer Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat, dass Sarrazin mit seinem Buch »Deutschland schafft sich ab!« viel zur interkulturellen Verständigung beigetragen habe.

In Los Angeles haben iphone-Fans die erste Apple-Kirche eröffnet. Diese wurde nach dem Apple-Visionär Steve Jobs benannt. Bereits am Tag der Eröffnung versammelten sich über eine Million Fanatiker Jünger, um der Einweihung des mystischen Ortes und der heiligen Erleuchtung beizuwohnen.

Master of the Universe

Der ehemalige Investmentbanker Rainer Voss erläutert, in der Dokumentation »Der Banker«, die Methoden und Mechanismen der Bankenwelt. Ein hermetisch abgeschottetes System, dass bedingungslose Loyalität verlangt. »Märkte und Investoren lernen nicht. Sie springen in genau denselben Abgrund, in den sie vor zwei Jahren schon mal gesprungen sind«

Ukraine-Propaganda

Ich habe lange nichts oder nur sehr wenig zum Ukraine-Konflikt und der deutschen Medienpropaganda gesagt. Nicht nur, weil es für jeden halbwegs denkenden Menschen eine offensichtlich einseitige Berichterstattung in den deutschen Medien gibt, sondern auch, weil ich über dieses Thema gar nicht ausgewogen schreiben kann, weil wir von allen Seiten, sei aus russischer oder eben aus der NATO-Perspektive, mit Halbwahrheiten und Lügen zugebombt werden. Und wer nicht vor Ort ist, kann dazu sowieso nichts wirklich sagen. Die Wahrheit wird irgendwo dazwischen liegen.

Nur langsam wird es absurd. Zuerst veröffentlichen rund 60 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien einen Friedens-Aufruf auf zeit.de (über 1.500 Kommentare), der von vielen Medien komplett ignoriert wird (einschließlich der Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten, die Propagandaschau hat hierüber berichtet) und eine Woche später gibt es ein öffentliches Manifest von angeblich über 100 Osteuropaexperten (wer da auf einmal alles ein »Experte« ist) im Tagesspiegel, die dem widersprechen. Putin sei der Aggressor und wir müssten uns verteidigen. Friedenssicherung statt Frieden. Hauptsache es sind 40 Unterzeichner mehr. Ist dann wohl glaubwürdiger, oder wie? Gibt es jetzt bald den Aufruf gegen den Aufruf gegen den Aufruf?

Presseblick (33)

Mo Seetubtim, Gründerin, Autorin und Kreativdirektorin bei brandmentalist.com, schreibt auf huffingtonpost.de über »Diese 20 Überzeugungen machen Menschen erfolgreich«. Jeder könne alles erreichen, wenn er nur die richtige Einstellung habe. Schließlich hat die Götze Eigenverantwortung magische Kräfte und kann, wie von Geisterhand, ökonomische Abhängigkeiten, Anpassungszwänge und Selbstentfremdungsmechanismen, spielend leicht überwinden. Konzerne und Banken treiben die Welt nicht in den Ruin, dafür ist der Einzelne mit seiner negativen Einstellung verantwortlich. Jawohl! Weiterlesen

»Taschenspieler-Tricks und okkulte Opferrituale«

Eine wirklich gute Grundsatzrede von Sahra Wagenknecht. Dem ist nur noch wenig hinzuzufügen. Wir sollten endlich aufhören, uns an Parteien oder Politikern abzuarbeiten, sondern uns vielmehr denjenigen widmen, die wirklich die Macht in den Händen halten: Konzerne und Banken. Zum Thema Schiedsgerichte und TTIP: »Wenn wir hier im Bundestag keine Gesetze mehr machen können, die den Banken und Konzernen nicht gefallen, dann verkommt das was wir hier tun, zu einer schlichten Theatervorstellung.«

Marktgerechtigkeit und Verwertungsmoral

Und täglich sollt Ihr einkehren in unsere Konsumtempel!

Und täglich sollt Ihr einkehren in unsere Konsumtempel!

Das oberste Gebot im Kapitalismus lautet: alles ist erlaubt und angemessen, was Profit bringt. Lügen, betrügen, sparen und kürzen, verschleiern, verheimlichen, abzocken, verschmutzen, verschwenden: solange es dem Wirtschaftswachstum dient –also der heiligen Götze des Marktes– ist es gut und richtig. Der Rendite muss sich alles unterordnen. Der Kapitalismus ist nicht daran interessiert, dass es der Bevölkerung und der Umwelt gut geht, sondern einzig daran, dass die wenigen Reichen, noch reicher werden. Ganz im Gegenteil: umso mehr Menschen ängstlich, unzufrieden, chronisch krank, ungebildet oder drogenabhängig sind, umso besser. Weiterlesen

Zombie Nation

»[...] dass Fremde – ob Migranten oder Asylsuchende – so etwas wie Barbaren sind, gegen deren Invasion sich die EU wehren muss. [...] Sind 113.000 Asylsuchende wirklich eine Bedrohung für einen Kontinent, auf dem 500 Millionen Menschen leben? [...] Im Vergleich zu früher gibt es unter den Neuankömmlingen heute kaum noch sogenannte Wirtschaftsmigranten. Die meisten von ihnen wollen politischer und religiöser Verfolgung entkommen.«

- Niels Kraditzke. »Brüssel liegt nicht am Meer«. Le Monde Diplomatique. November 2014. S. 4

Anmerkung: Menschen, die der Gewalt und dem Tod entkommen wollen, werden kriminalisiert, in Auffanglager gesteckt und/oder wieder abgeschoben. Während die Sicherheitskräfte der EU-Grenzpolizei Frontex, regelmäßig unter Gewaltanwendung, Flüchtlingsboote mit Verzweifelten und Hungernden wieder ins Mittelmeer zurücktreiben. Wer ist denn hier der wirkliche »Barbar«?

ZG-Rückblick: Frauenquote

ZG-Rückblick

Nun ist sie da: die Frauenquote ab 2016 für börsennotierte Unternehmen. Fortan soll knapp ein Drittel der Aufsichtsratsposten in den 108 börsennotierten Unternehmen von Frauen besetzt sein. Sollten die Firmen die Posten nicht ausreichend mit Frauen besetzen können, sollen die Stühle leer bleiben.

Ein richtiger und wichtiger Schritt zu mehr Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen? Typisches Ablenkungsthema? Sieg der feministischen Ideologie? Oder folgt bald die Diffamierung der »Quotenfrau«? Weiterlesen