Büttel des Kapitals

„Tatsächlich gehört zu den 99 Prozent neben den Verdammten dieser Erde auch eine relativ breite obere Mittelschicht aus Ärzten, Akademikern, Journalisten, leitenden Angestellten, Werbeleuten und hohen Beamten, ohne die sich die Herrschaft des einen Prozents keine 48 Stunden länger halten könnte.“

Serge Halimi. „Die Illusion der 99 Prozent“. Le Monde Diplmatique. August 2017. S. 5

Anmerkung: Die kleinbürgerliche Erzählung, das Glück komme mit Ehe, Haus, Garten, Auto, Urlaub und Kindern von ganz alleine, hält sich weiterhin fest in den Köpfen der Biedermeier-Weltverleugnungs-Bio-Öko-Spießer-Mitte. Dabei muss man sich nur einmal anschauen, wie viele Unterhalts-, Sorgerechts- und Scheidungskriege es mittlerweile gibt. Würde die extreme Mitte nicht ständig nur um sich selbst und um ihren Sozial-Status kreisen, gebe es vielleicht noch Hoffnung auf Veränderung. So bleibt mir nur der Zynismus.

Armut

Boeckler Impuls 10/2017 der Hans-Boeckler Stiftung des DGB

Boeckler Impuls 10/2017 der Hans-Boeckler Stiftung des DGB

Armutsgewöhnungszuschlag
Arme Erwerbstätige
Von Armut betroffen
Armutszuwanderer
Armutsgefährdet
Armutsdefinition
Absolute Armut
Kaufkraftarmut
Relative Armut
Armutsbericht
Armutsstatistik
Armutspolitik
Kinderarmut
Altersarmut
Armutsrisiko
Armutslagen

Armutsbekämpfung?
Die Armen bekämpfen.

Afrika

Quelle: pixabay.com

Quelle: pixabay.com

Wenn man von Afrika spricht, so tauchen in aller Regel folgende Assoziationen auf: Flüchtlinge, Krieg, Hunger, Armut, Korruption und Aids. Vielleicht noch die große Hitze und die exotischen, wilden Tiere (Safari-Urlaub!). Die vielfältige kulturelle Vielfalt, aber auch die große herzliche Mentalität und Lebensfreude der Afrikaner werden eher selten thematisiert. Im öffentlichen, aber auch im privaten Diskurs wird zudem über Neokolonialismus kaum gesprochen. Es sei ja schon wieder so eine Schulddebatte. Das passt vielen nicht in das selbstverliebte Narrativ des „Wir sind die Guten“. Außerdem möchte man doch sowieso endlich einen Schlußstrich ziehen. Und am besten für gar nichts mehr Verantwortung übernehmen. Weiterlesen

The Act of Killing

Die Massenmorde an Kommunisten in Indonesien in den Jahren 1965/66, bei denen zwischen 500.000 und 2 Millionen Menschen brutal gefoltert und getötet wurden, sind im westlichen Bewusstsein kaum vorhanden. Die kommunistische Partei Indonesiens (PKI) zählte im Jahr 1960 rund 3 Millionen Mitglieder und gehörte damit zur weltweit drittgrößten kommunistischen Partei. Diktator Suharto hatte bei den Massenmorden massive Unterstützung von der westlichen Welt.“ Für westliche Regierungen, Geheimdienste und Konzerne war das wohl: „konsequenter Antikommunismus“. Die Massaker wurden daher auch nicht verurteilt, sondern eher „begrüßt“. Mit einem verstörenden Doku-Trip thematisiert Joshua Oppenheimer die damaligen Ereignisse in Indonesien aus der Sicht der Täter in „The Act of Killing“.

Eure Armut kotzt mich an!

immo_titel

„Ein hoher Prozentsatz von Privatwohnungen ist selten oder gar nicht bewohnt, während viele Leute, die auf der Warteliste für eine Sozialwohnung stehen, aus ihrem Stadtteil oder gleich ganz aus der Stadt wegziehen müssen.“

Rowland Atkinson. „Die toten Häuser von London“. Le Monde Diplomatique. Ausgabe Juli 2017. S. 8

Anmerkung: So ist das. Geld und Kapital regieren die Welt. Aber nein, wer so etwas sagt, ist polemisch, populistisch und vereinfacht die herrschenden Verhältnisse. Immer wieder, lese ich -insbesondere von vermeintlich linken Akademikern und Wissenschaftlern- dass ja alles immer und überall wahnsinnig kompliziert, diffus und abstrakt sei. Damit verschleiern und relativieren sie sehr häufig, wenn womöglich auch unbewusst, reale Macht- und Herrschaftsverhältnisse. Denn anstatt den Reichen, Milliardären, Konzernen, Banken, Oligarchen und Mafias auf die Finger zu schauen, wird sich lieber mit Inklusion, Gender und anderen Nebenkriegsschauplätzen beschäftigt.

Wirtschaftskultur

„Seit ein paar Jahren denken manche Leute aus der Musikbranche mehr ans Geld als an alles andere. Die Musiker werden manipuliert. Sie unterzeichnen Knebelverträge und müssen ihre Urheberrechte auf Lebenszeit an diese Unternehmen abtreten. Für die ist Musik bloß Content, den man zu Geld machen kann, nicht die Frucht künstlerischer Arbeit.“

Frage: Von welchem Land ist hier die Rede?

Die G20-Medien-Hölle

tagesschau.de vom 10. Juli 2017

tagesschau.de vom 10. Juli 2017

Ich war bei den diesjährigen G20-Protesten in Hamburg nicht dabei. Ich kann also nicht berichten, was sich wann und wie vor Ort wirklich abgespielt hat. Für die bürgerlichen Massenmedien, die natürlich immer sofort zur Stelle sind, um das Kapital zu verteidigen und um systemkritische Menschen zu diffamieren, sind die Schuldigen stets die Gleichen: die Demonstranten. Auch das Ritual, nur von Randale, Chaos und Gewalt zu berichten, anstatt auch mal einen Veranstalter und/oder Demonstranten zu interviewen, also die eigentliche Motivation für den Protest komplett medial zu verschweigen und zu ignorieren, wird bei großen Protesten schon seit Jahrzehnten so gehandhabt. Auch von Agent Provocateurs ist natürlich nie eine Rede. Eine kleine Presseschau. Natürlich ohne Links, denn man muss die Systempresse nicht auch noch mit Klicks unterstützen. ;) Weiterlesen

Neofeudalismus

Die Regierung soll sich um neue Jobs für diejenigen kümmern, die infolge von großer Agrarinvestitionen arbeitslos werden“, so die weniger euphemistische Übersetzung eines Agrar-Investors in einer ARD-Dokumentation mit dem Thema „Landraub“, die mittlerweile leider weder in der Mediathek, noch auf Youtube zu finden ist (ich hatte sie mir vor einigen Wochen mit dem Tool „MediathekView“ angesehen). Die Dokumentation zeigte sehr gut auf, dass wir auch in Deutschland (in Afrika und Asien schon seit Jahrzehnten) wieder feudalistische Verhältnisse haben. Agrar-Familienbetriebe (beispielsweise in Brandenburg oder Mecklenburg Vorpommern) werden aufgekauft, zerschlagen und dann in den finanziellen Ruin getrieben, wenn sie nicht mehr genug Profit abwerfen.

Großinvestoren interessieren sich nicht dafür, was eine Region wirklich benötigt, ob es den Tieren oder den Arbeitskräften vor Ort gut geht und inwiefern es negative Folgen für die Umwelt gibt, sie wollen nur den größtmöglichen Gewinn herauspressen. Sucht man im Internet jedoch nach dem Thema Landraub in Deutschland, dann findet man aber fast nur Beiträge über Asien, Südamerika und Afrika. Dabei ist das auch längst in Deutschland -wieder- ein Thema.

KenFM

Ich habe im Presseblick (und beispielsweise auch hier) schon öfters erwähnt, dass es mittlerweile ein ganzes Arsenal an herrschaftlichen Kampfbegriffen gibt, um die Glaubwürdigkeit von Menschen zu untergraben, die unangenehme Sachverhalte, Meinungen und Thesen ansprechen. Populismus, Verschwörungstheorie, Antisemitismus, Putinversteher, Gutmensch, Querfront – um nur einige zu nennen. Wer so immer und immer wieder gelabelt und etikettiert wird, der ist schnell eine Persona Non Grata: ein Schmuddelkind, mit dem man sich besser nicht abgibt, weil man sonst selbst nicht mehr glaubwürdig stattfindet. Diese Herrschaftstechnik funktioniert in vielen Fällen (leider) ganz hervorragend. Weiterlesen

Kulturimperialismus

Plakat des katholischen Hilfswerkes "Misereor". Marktwirtschaftliche Methoden als vermeintliche Lösungen, um den Welthunger zu bekämpfen. Auch eine Form von kulturimperialistischer Propaganda. Schließlich kann der Welthunger durch Reichtums-Umverteilung sehr viel effektiver verhindert werden.

Plakat des katholischen Hilfswerkes „Misereor“. Marktwirtschaftliche Methoden als vermeintliche Lösungen, um den Welthunger zu bekämpfen. Auch eine Form von kulturimperialistischer Propaganda. Schließlich kann der Welthunger durch Reichtums-Umverteilung sehr viel effektiver verhindert werden.

In linkspolitischen Kreisen werden häufig NATO-Angriffskriege, prekäre Beschäftigungsverhältnisse sowie die politischen Massenverarmungsprogramme kritisiert. Auch die entsprechenden Hintergründe und Zusammenhänge werden analysiert. Ein Aspekt kommt mir jedoch häufig zu kurz: die Macht und der Einfluss von Büchern, Filmen und der Unterhaltungsindustrie auf unser Denken, Fühlen und Beurteilen. Denn unsere Wertvorstellungen werden nicht nur von unserem Elternhaus und der Schule geprägt, sondern auch wesentlich davon, was wir medial im Laufe der Jahre konsumieren. Gleichzeitig sind viele Unterhaltungsprodukte ein Spiegel gesellschaftlich gelebter, aber nicht zwingend gesetzlich verankerter Konventionen. Weiterlesen