Misserfolge sind Erfolge

„Frankreich engagiert sich bereits massiv in Afrika und ist nicht in der Lage, einen Krieg im Nahen Osten zu gewinnen.“

Serge Halimi. „Nichts gelernt“. Le Monde Diplomatique. Dezember 2015. S. 8

Anmerkung: Vielleicht definiert man Erfolg aus der falschen Perspektive? Vielleicht ist die derzeitige Syrien-Krise ein Erfolg für die internationale Waffenindustrie? Ein globaler „Waffenübungsplatz“, bei dem man sich eine goldene Nase verdienen kann? Vielleicht ging es beim Afghanistan-Krieg nie um Demokratisierung und Menschenrechte, sondern um die Sicherung von Rohstoff-Transportwegen (Pipelines) sowie um die Opiumfelder? Vielleicht ist die „Schock-Strategie“ der Erfolg, den man will? Womöglich wäre ein dauerhafter Frieden, Freiheit und Wohlstand im Nahen und Mittleren Osten,  ein echter Misserfolg für die Interessen westlicher Regierungen und Konzerne?

Kranke Gesellschaft

Wir alle sind krank. Die einen, weil sie keine Arbeit haben. Die Anderen, weil sie Arbeit haben.“

– Volker Pispers

Anmerkung: In unseren bürgerlichen Massenmedien wird jedoch vor allem nur darüber gesprochen, dass Erwerbslosigkeit krank machen würde. Sie würde Depressionen und Süchte verursachen. Wer sich nicht der Zwangsverwertung und der Selbstentfremdung durch Lohnarbeit unterwerfe, sei sinnentleert und unglücklich, so der Tenor. Dabei wird gerade auch die große Mehrheit der Bevölkerung durch ihre Lohnarbeit krank und kaputt.

Empathie mit Russland

„…weil die Führung der Wehrmacht ihre Soldaten hatte wissen lassen, dass ein Russenleben nicht annähernd so wertvoll sei, wie das eines Deutschen. Wer solche und allzu ähnliche Geschichten mit sich herumträgt, kommt nie in die Versuchung, über die Russen aus der Position moralischer Überlegenheit zu reden. Aber genau dies ist heute wieder Mode geworden.“

Erhard Eppler. „Wider die Spaltung Europas: Für eine neue Verständigung mit Russland“. Blätter Ausgabe August 2016. S. 91

Anmerkung: Die Abwertung und Entmenschlichung ener Nation, Ethnie oder eines Volkes ist stets der erste Schritt, bevor es zu einem Krieg kommt. Die Tutsis in Ruanda wurden als Kakerlaken, die Juden in Deutschland als Ratten und Ungeziefer und die Moslems heute im Nahen Osten werden als Terroristen bezeichnet. Was wird sich die Kriegspropaganda für die Russen ausdenken?

Zweierlei Maß

„Nach einer Erhebung des Bundeskriminalamts (BKA) gab es im vergangenen Jahr 1005 Attacken auf Asylunterkünfte. Davon haben demnach 901 einen eindeutig rechtsradikalen Hintergrund.“

Spiegel Online vom 28.01. 2016

Anmerkung: Wo bleibt der gesellschaftliche Aufschrei? Was wäre denn, wenn in gleicher Höhe Türken oder Moslems, Synagogen und Kirchen angegriffen hätten? Hätten wir dann nicht das große Terror-und-Sicherheits-Geschrei? Geht es letztlich gar nicht um die Straftaten selbst, sondern nur darum, wer sie, mit welcher Ideologie ausgeführt hat? Weshalb messen wir hier mit zweierlei Maß?

Realsatire des Tages

„Die SPD war –und ist eigentlich immer noch- eine Partei der Arbeitnehmer.“

– Stefan Grönebaum. „Ohne Solidarität ist alles nichts“. Blätter Ausgabe April 2016. S. 9

„Würde es da nicht ausreichen, wenn eine wiederbelebte Sozialdemokratie sich ein neues und überzeugendes Programm für mehr Gleichheit auf die Fahnen schriebe?“

– Jan-Werner Müller. „Schatten der Repräsentation: Der Aufstieg des Populismus“. Blätter Ausgabe April 2016. S. 73

Anmerkung: Die weltfremde Hoffnung und der naive Glaube, die Spezialdemokraten könnten den Kapitalismus doch noch irgendwie zähmen und würden den faschistischen Volkshabitus doch noch aufhalten können, ist illusorisch. Denn es war vor allem die SPD unter Schröder, die mit der Agenda 2010, Hartz 4, deutschen Kriegen, der Zulassung von Hedge-Fonds, der Privatisierung der Altersvorsorge und einer drastischen Steuersenkung für Reiche und Vermögende, Parteien wie der AfD, Tür und Tor geöffnet haben. Und ausgerechnet die Verursacher sollen nun die Hoffnungsträger sein?

Die „Blätter“ kleben noch immer an der SPD-Sozialromantik der 70er Jahre und am reformierbaren Status Quo – Glauben. Das durchzieht die gesamte April-Ausgabe. Die Le Monde Diplomatique ist da schon einen Schritt weiter: „In der Gesellschaft breitet sich die Gewissheit aus, dass das System nicht mehr reformierbar ist.“ (Serge Halimi, Direktor der Le Monde Diplomatique. „Hollande auf dem falschen Pferd.“ Ausgabe März 2016. S. 5)

Höher. Schneller. Weiter.

„Die seit mehr als 30 Jahren betriebene Liberalisierung und Deregulierung von Märkten und die Privatisierung öffentlicher Güter haben keineswegs dafür gesorgt, dass Demokratie und Menschenrechte sich weltweit verbreiten und Konflikte friedlich beigelegt werden.“

– Birgit Mahnkopf. „Globalisierung, Armut und Gewalt. In: der Sound des Sachzwangs.“ Blätter Edition 2006. S. 31

Anmerkung: Früher wollten wir, dass es unseren Kindern einmal besser geht. Heute wünschen wir uns nur noch, dass es unseren Kindern später nicht schlechter als uns ergehen wird. Und dennoch glauben wir weiterhin daran, dass Wachstum, Beschleunigung, Innovation sowie Produktivitätssteigerung uns zufrieden und glücklich machen können? :WTF:

Glück bremst Wachstum

„Die Anhebung des materiellen Lebensniveaus geht in den Vereinigten Staaten mit einer unglaublichen Absenkung des tatsächlichen Glücks der Mehrheit der Amerikaner einher. Diese Verringerung sei wesentlich der reellen Herabstufung der companionship, also der fundamentalen menschlichen Beziehungen, geschuldet.“

Serge Latouche. „Vom Glück zum BIP“. Blätter Ausgabe Dezember 2015. S. 89

Anmerkung: Glückfreie Profitwirtschaft. Gerade Linksgrüne und Spezialdemokraten wollen bis heute nicht verstehen und wahrhaben, dass die kapitalistische Wachstumsdynamik, unglückliche, unzufriedene, ungesunde und unausgeglichene Menschen unbedingt braucht. Als Kunden und Konsumenten, die Produkte, Dienstleistungen und Ideen erwerben, die eine Lösung der häufig gezielt konstruierten Probleme (Schönheitswahn, Minderwertigkeitskomplexe, Ängste etc.)  versprechen. Glückliche, ausgeglichene, gesunde und zufriedene Menschen sind einfach schlecht für das Wirtschaftswachstum. Insofern ist es ein unabdingbares Ziel des Kapitalismus, die Menschen zuerst unglücklich und krank zu machen, um dann das Produkt zur Heilung verkaufen zu können.

Charter Cities

„Versagende Staaten könnten bald ungeahnte Anlagemöglichkeiten bieten. […] In speziellen Zonen (Anm.: Charter Cities) sollen Unternehmen den Platz von Regierungen einnehmen und ihre eigenen Regeln schaffen, […] bei der demokratische Mitbestimmung nicht vorgesehen ist.“

Carsten Lenz und Nicole Ruchlak. „Charter Cities“. Blätter Ausgabe Dezember 2015. Ab S. 98

Anmerkung: Von der Lobbykratie zur Sonderwirtschaftszone bis zur Charter City. Das Konzept der kapitalistischen-privatisierten Utopie sieht vor, dass die Macht von Unternehmen und Konzernen endgültig institutionalisiert und die Bevölkerung als willfährige Knetmasse von Konzerninteressen benutzt werden soll. Der Wirtschaftsprofessor Paul Romer träumt von einem dystopischen Freiluftgefängnis ohne jede staatliche Kontrolle mit einer privaten Sicherheitsarmee sowie mit eigenen Gesetzen zur Profitsicherung.

Links zum Thema:

>> Eine Stadt als Start-up
>> US-Ökonom empfiehlt Deutschland als Kolonialmacht
>> Neue Städte für Migranten

Geldkrieger

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„Kein Mensch bei Verstand würde im Privatleben einen solchen Vertrag unterschreiben (Anm.: TTIP), mit dem er sich künftig allen noch nicht bekannten Befehlen von ihm ebenso unbekannten Organisationen unterwerfen würde.“

– Fritz Glunk. „TTIP: Die Selbstaufgabe des Staates“. Blätter. Ausgabe November 2015. S. 14

Anmerkung: Und warum zum Teufel findet unsere Bundesregierung das Konzerninteressenabkommen dann so toll? Alle nicht bei Verstand? Oder werden sie etwa doch gekauft, bedroht und/oder erpresst? Aber das ist ja wieder Verschwörungstheorie, nicht wahr?