Zwangsharmonie

Der Biedermeier-Zeitgeist, der sich von allem zurückzieht, was nicht unmittelbar das eigene Leben betrifft, ist wieder schwer angesagt. Häufig ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich selbst vermeintlich Alternative, Linksgrüne und Progressive in den heimeligen Spießer-Familien-Bunker verkriechen. Und dort hat Frieden zu herrschen! Bei Familenfeiern. Im Urlaub. Auf Fotos. Der krampfhafte Versuch, der sozialen Außenwirkung zu dienen, endet fast immer in bigotter Selbst-Heuchelei. Man wird so, wie man nie sein wollte.

Selbst wenn die ganze Welt unter brennender Lava verglühen sollte, solange man selbst auf einem kühlen Stein sitzt, kann und darf alles Lebendige elendig verrecken. Wer auf diesen weitverbreiteten, menschenverachtenden Habitus hinweist, gilt als unangenehm und anstrengend. Als Pessimist, Schwarzseher und Nörgler. Es herrschen verordnete Zwangsharmonie und devoter Zwangsoptimismus: »Uns geht es doch gut!«

Neusprech: Resilienz

ZG-Artikel: Neusprech HeuteAls Resilienz (lateinisch resilire »zurückspringen«, »abprallen«) bezeichnet man die ressourcenabhängige und individuell unterschiedliche Fähigkeit, krisenhafte Lebensumstände ohne gesundheitliche Einbußen physischer oder psychischer Art zu bewältigen (persönliche Widerstandskraft). Resilienz ist kein Zustand, sondern ein stetiger Prozess. Das Gegenteil von Resilienz ist Verwundbarkeit. Faktoren, die Resilienz beeinflussen sind:

  • Umweltfaktoren (Familie oder Gemeinschaft, schulische Umgebung)
  • Personale Faktoren (Intelligenz, Deutungs- und Sinngebungs-Modelle der Realität, Religiosität)
  • Emotionale Faktoren (Emotionskontrolle, Selbstwirksamkeitserwartung, Beziehungsfähigkeit, Frustrationstoleranz)
  • Prozessfaktoren (Wahrnehmung, Perspektiven, Konzentrationsfähigkeit, persönliche Strategien)
  • Lebenseinstellung (selbstbestimmt/keine Opferhaltung, Lösungsorientierung, Vertrauen in die Selbstwirksamkeit, Optimismus)

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Der Anschlag (21)

anschlag_teaserLaut seriösen Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), wurden -durch die Einführung des Mindestlohns in Deutschland seit dem 1. Januar 2015- mehr als 10 Millionen sozialversicherungspflichtige, existenzsichernde Arbeitsplätze vernichtet. Das Institut empfiehlt der Politik dringend, den gesetzlichen Mindestlohn ersatzlos abzuschaffen. Stattdessen sollen allein die Unternehmen die Löhne bestimmen.

Weltweite Psychologie-Experten empfehlen, immer glücklich, zufrieden und optimistisch zu sein. Sachverhalte zu hinterfragen, seinen Chef zu kritisieren oder sich (links-)politisch zu engagieren, würde nur unglücklich machen und berufliche Nachteile mit sich bringen.

Beim Wasserkonzern Veolia ist der Umsatz eingebrochen. Um die Aktionäre zufrieden zu stellen, wird der Dienstleister vor allem in Frankreich, Großbritannien und den USA, das Wasser tagsüber abdrehen und nur noch von 20 bis 21:00 Uhr den Bürgern zur Verfügung stellen. Die entsprechenden Regierungen haben, wegen zu erwartender Proteste, diesbezüglich 50 neue Wasserwerfer bestellt.

Der rosarote Duckblick

rosa_titelVor einiger Zeit war ich auf einer Eltern-Kind-Reise im nahegelegenen brandenburgischen Wald bei Wandlitz mit vielen anderen Kindern und Eltern unterwegs. Alles in allem war das eine durchaus nette und klassische Angelegenheit mit Lagerfeuer und Stockbrot, im See schwimmen, einen Pferdehof besuchen und so weiter. Es gab weder große Probleme, noch Konflikte (außer einer Horde Mücken :SICK: ). Was mir allerdings extrem aufgefallen ist, war das oft völlig übertriebene Positiv-Gequatsche der Eltern. Offensichtliche Dinge, wie beispielsweise das wirklich schäbige Essen der Jugendherberge mit zerkochten Nudeln, Kartoffel-Püree-Pampe, halbgaren Fischstäbchen sowie einer Resteverwertung vom Vortag, wurden nicht kritisch erwähnt, sondern sogar gelobt: »Echt leckeres Essen hier, das muss man schon sagen!« Weiterlesen