Archiv für die Kategorie ‘Neusprech’

Neusprech: Coaching

25. August 2010 von epikur

»Ich bin ja schon lange nicht mehr revolutionär unterwegs. Ich bin Aufklärer. Ich will, die Fackel der Wahrheit in die Menge tragen. […] Jeder Coach wird sich mit der Zeit seine zu ihm passende Klientenpopulation heraus korrespondieren«

- Dr. Wolfgang Looss, Begründer der deutschen Coaching-Szene am 23. April 2009 auf coaching-report.de

Als Coaching versteht man eine person-, prozess- und organisationsbezogene Beratung.  Die Kombination aus individueller Beratung, persönlichem Feedback und praxisorientiertem Training, soll die Problemlösungs- und Konfliktfähigkeit der Coachees (die, die gecoacht werden) stärken. Nicht selten wird das coachen, auch als Hilfe zur Selbsthilfe verstanden.

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»Sie haben doch auch Wünsche, oder?«

11. August 2010 von epikur

Als ich letztens bei meiner Freundin war, besuchte uns unverhofft ein Vermögensberater. Durch einen eher ungeschickten Zufall, den ich hier nicht näher erläutern möchte, landete der Finanz-BWL-Schnösel mit Krawatte und Anzug tatsächlich auf unserer Couch. Eine  rhetorische Frage, die jeder Finanzdienstleister, Versicherungsvertreter und Vermögensberater in seinen Seminaren und Kursen lernen dürfte, wird wohl folgende sein:

Sie haben doch auch Wünsche, Träume und Ziele, die sie verwirklichen wollen, oder? Weiterlesen »

Neusprech: Management

14. Juli 2010 von epikur

Projekt-Management, Content-Management, Sozial-Management, Qualitäts-Management, Zeit-Management, Finanz-Management,  Personal-Management, Konflikt-Management, Team-Management usw. usf. Viele Bereiche im öffentlichen oder privaten Leben bekommen heute den Zusatz »management« (an der Hand führen). Ursprünglich ein Begriff aus der Welt der Wirtschaft, der vor allem  Führungspersonen (Manager) in Großunternehmen meinte, ist er heute ein Synonym für allemöglichen Tätigkeiten und Prozesse die geleitet, geführt und kontrolliert werden sollen. Das dieser Begriff längst die Ebene der Wirtschaft verlassen hat, ist ein Zeichen für die Ökonomisierung vieler Lebensbereiche. Weiterlesen »

Neusprech: Modernisierungsverlierer

30. Juni 2010 von epikur

Der Begriff »Modernisierungsverlierer« bezeichnet eine Gruppe von Menschen, die durch gesellschaftliche  oder ökonomische Veränderungen benachteiligt werden. Er setzt sich aus zwei Begriffen zusammen, wobei der Erste positiv konnotiert ist (modern) und der Zweite eher negativ (Verlierer). Das Schlagwort, welches von Wilhelm Heitmeyer geprägt wurde, und er vor allem rechtsextreme Jugendliche damit meinte, beinhaltet für mich gleich mehrere Problematiken. Weiterlesen »

Neusprech: »Zu Ihrer Sicherheit«

12. Juni 2010 von epikur

Auf Berliner U-Bahnhöfen ist am Eingang folgendes Schild zu sehen:

Alle Berliner U-Bahnhöfe werden videoüberwacht. Von den Zügen werden nur die neueren Modelle videoüberwacht. Der Slogan »Zu Ihrer Sicherheit« soll suggerieren, dass eine Videoüberwachung einen Sicherheitsgewinn darstelle. Ich frage mich jedesmal, wie eine Kamera einen Gewalttäter aufhalten kann? Kommen aus der Kamera hochmoderne Laserstrahlen, die den Übeltäter aufhalten? Weiterlesen »

Neusprech: Sozialstatus

26. Mai 2010 von epikur

Klassifikationssystem, das Menschen in wertvolle und weniger wertvolle Personen einteilt, ähnlich dem Kastensystem in Indien. Genauer: subtiles Herrschaftsinstrument zur Unterstützung und Stabilisierung der vorhandenen gesellschaftlichen Ungleichheiten. Der Sozialstatus bestimmt den Umgang der Menschen unter- und miteinander. Wer einen angesehenen Beruf nachgeht, viel Geld und gesellschaftlichen oder sozialen Einfluss hat,  große Besitztümer sein eigen nennt, darf sich als Herrenmensch fühlen und gebaren. Alle anderen haben ihm -direkt oder indirekt- zu dienen oder zumindest ehrfürchtig zu ihm aufzublicken. Weiterlesen »

Neusprech: Protestwähler

12. Mai 2010 von epikur

Die Wahlforschung unterscheidet vier Wählertypen: den Stammwähler, den Wechselwähler, den Nichtwähler und den Protestwähler. Während die ersten drei sich von selbst erklären, wird der Begriff des »Protestwählers« häufig instrumentalisiert, um Wähler einer bestimmten Partei zu unterstellen, sie würden diese nicht wegen den Inhalten wählen, sondern nur, um andere Parteien und Politikern zu schaden. Inwiefern kann man überhaupt Protest wählen? Nur weil man für keine große Partei stimmt, ist man automatisch ein Protestwähler? Weiterlesen »

Neusprech: Notlüge

21. April 2010 von epikur

»Wenn die Wahrheit nur verletzen und entmutigen würde, ist man zum Lügen verpflichtet«

- Sozialwissenschaftler Peter Stiegnitz

Das Free Dictionary bezeichnet die Notlüge, als eine Lüge, die eine peinliche Situation bzw. etwas unangenehmes abwenden oder Nachteile vermeiden möchte. Eine Lüge, die durch eine vermeintliche Not entsteht bzw. die eine Not vermeiden möchte, gilt insofern als weniger schwer, als eine »normale« Lüge. Der Begriff wird häufig verwendet, um eine Lüge zu rechtfertigen, sie weniger lügend aussehen zu lassen. Dabei bleibt die Unwahrheit immer die Unwahrheit. Weiterlesen »

Neusprech: Innovative Verhörmethoden

17. März 2010 von epikur

»CIA-Chef Porter Goss erklärt, die CIA habe einzigartige und innovative Techniken entwickelt, aber diese seien keine Folter und völlig legal«

- Meldung auf Telepolis vom 22. November 2005

Gibt man bei der Suchmaschine Google den Begriff »Verhörmethode« ein, kommt als erster Eintrag die sog. »Waterboarding«-Folter auf Wikipedia. Umstrittene und grausame Verhörmethoden sind die weiteren Einträge. Dies zeigt sofort auf, dass selbst Google, den Terminus Verhörmethode als einen Euphemismus für Folter definiert. Das Adjektiv innovativ verhält sich ähnlich wie das Plastikwort »modern« – es wird als positive Aufladung für das darauf folgende Nomen verwendet. Innovativ soll neu, kreativ, modern und dem Zeitgeist entsprechend bedeuten. Ob und inwiefern eine Sache wirklich innovativ dann ist, steht auf einem anderen Blatt. Weiterlesen »

Die Methode der Verleugnung

13. März 2010 von epikur

Eines der wohl beliebtesten rhetorischen Werkzeuge in der Politik, ist die Methode der Verleugnung. Tatsachen, Zustände und Gegebenheiten werden einfach als nicht vorhanden abgeschrieben. Das geht meist sogar so weit, dass an die eigene Verleugnung geglaubt wird. Wenn also Müntefering mit dem Zitat »in Deutschland gibt es keine Unterschichten, sondern nur Menschen die es schwer haben« auftrumpft, dann ist es eher unwahrscheinlich, dass er lügt. Er glaubt an seine eigene Realitätsverleugnung. Auch Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder glaubte sicherlich an seinen Satz, den er am 5. Juli 2004 in der ARD-Sendung »Bericht aus Berlin« der Nation mitteilte: »Es gibt keine Alternative zu meiner Reformpolitik«. Auch viele Experten die davon überzeugt sind, dass es keine Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland gäbe und dass Hartz4 ja eigentlich etwas ganz tolles sei, glauben sehr wahrscheinlich an ihre eigenen Aussagen. Auch Westerwelle ist eher ein Überzeugungstäter, als ein notorischer Lügner.

Es ist eine Sache, gezielt zu lügen und Dinge zu verleugnen. Eine andere ist es, an die eigene Lüge zu glauben. Wie nennt man sowas noch gleich in der Psychologie?


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