Neusprech: »Solidarität«

Vor nicht allzu langer Zeit war »Solidarität« noch kommunistisches Teufelszeug. Lohnarbeiter, die sich miteinander solidarisieren wollen? Prekär Beschäftigte, die sich via Streik, Protest, Widerstand und Demonstration gegen menschenverachtende, neoliberale Ausbeutung wehren wollen? Bildungsproteste von Lehrern, Schülern und Eltern gegen das Spardiktat? Aufmärsche gegen Kriege und für den Frieden? Bitte nicht! Alles Chaoten, Verschwörungstheoretiker, Neu‐Rechte, Radikale, Sozialromantiker oder Kommunisten.

Nein, »Solidarität« war und ist im marktkonformen Deutschland das exakte Gegenteil all dessen wofür unsere neoliberale Regierung steht! Wenn Konkurrenz, Wettbewerb und Eigennutz die dominanten Werte sind, ist für »Solidarität« keinen Platz mehr. Daran hat sich auch in Corona‐Zeiten absolut nichts geändert. Oder hat sich unser Wirtschaftssystem gewandelt und ich habe davon nichts mitbekommen? Es wird zwar überall »Solidarität« gepredigt, aber im Kern weiterhin nur »Neoliberalismus« gesoffen. Weiterlesen

Meinungs‐ und Deutungshoheit

Denunziation, Diffamierung und Diskriminierung unliebsamer Personen und Inhalte hat in Deutschland schon lange Tradition. In der Corona‐Massenhysterie wird das wieder überdeutlich. Die Blockwartmentalität und die Gesinnungspolizei sind weit verbreitet (quer durch alle Lager). Unbequeme -und/oder alternative‐ Aussagen, Argumente und Analysen stellt man vorzugsweise als indiskutabel hin, indem man die Personen, als unglaubwürdige Zeitgenossen diskreditiert.

Dafür gibt es mittlerweile ein ganzes Arsenal an Kampfbegriffen. Was ursprünglich ein Herrschaftsinstrument von US‐Diensten war, ist heute allgemeiner Kanon von Massenmedien und Stammtisch. Habermas Lebenswerk und sein Glaube daran, dass der Austausch von rationalen Argumenten die Grundlage für herrschaftsfreie Räume seien, wird im Angesicht dieser ausufernden Herrschaftsmethode ad absurdum geführt. Denn dieser findet kaum noch statt. Stattdessen wird fast im Minutentakt gebrüllt: Weiterlesen

Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)

»Ne Firma ist wie ne Ehefrau, die fickt dich wenn du gar nicht mehr damit rechnest.« (Bernd Stromberg)

»Seit 2004 sind Arbeitgeber verpflichtet, länger erkrankten Beschäftigten ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (kurz: BEM) anzubieten.«

Die Sprache ist und war schon immer verräterisch. Zwischen Bullshit‐Bingo, Euphemismen, Marketing‐Geblubber und verbrannten Begriffen (wie beispielsweise »Nachhaltigkeit«), tropft immer die eigene Weltanschauung hindurch, sowie die Werte, Normen und Narrative, die man den Leuten ins Gehirn impfen will. So auch beim »Betrieblichen Eingliederungsmanagement« (BEM). Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) betont, dass es darum gehe, die Arbeitsunfähigkeit zu überwinden. Die Lohnarbeitsdrohne habe eben unablässig zu funktionieren! Außerdem: »Für den Arbeitgeber rechnet es sich, weil es die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten fördert, Fehlzeiten verringert und damit Personalkosten senkt.«

Die Vokabel »Betriebliches Eingliederungsmanagement« verdeutlicht zwei Dinge. Zum Einen zeigt sie auf, dass nur wer lohnarbeite dazu gehöre, er »eingegliedert« sei. Warum Teilhabe an der Gesellschaft primär und immer Lohnarbeit bedeute, war mir schon immer suspekt. Es beweist, welcher Lohn‐Arbeitsfetisch in Deutschland vorherrscht. Außerdem definiert der Begriff die Ware Arbeitskraft, die Haltung zum Lohnarbeiter als Ressource, Humankapital und Objekt. Den Menschen aber vor allem auf seine Funktion als Lohnarbeiter zu reduzieren, ist zutiefst menschenverachtend. Heute aber scheinbar allgemeiner Konsens.


Neusprech
Lohnarbeitswahnsinn

Wiederholungen

Urlaub: Alles bleibt anders?

Letztens wurde mir in einem Gespräch vorgeworfen, meine Kritik würde sich zu oft wiederholen und das schwäche meine Argumentation. Ich entgegnete, wenn sich der Irrsinn um mich herum immer wiederholt (Orwell lässt grüßen!), dann kann sich meine Kritik daran auch nicht großartig verändern. Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb man einerseits die ständigen Medien‐Propaganda‐Wiederholungen und -Narrative locker ertragen kann (der böse Russe, gefakte Arbeitslosenzahlen, »Wir sind die Guten« etc.), aber andererseits jedwede wiederholte Kritik daran, als unbequem und anstrengend empfindet?

Die täglich monotone Wiederholung der eigenen Lohnarbeits‐Aktivitäten wird kaum thematisiert. Selbstentfremdung ist außerhalb akademischer Diskurse kaum eine Frage. Mir drängt sich der Verdacht auf, dass jegliche Art von Störung der eigenen Biedermeier‐Komfortzone und Mikro‐Bequemlichkeitswelt (und sei es nur ein Hintergrundrauschen), als ganz persönliche Belästigung betrachtet und empfunden wird. Das eigene Denk‐ und Wertesystem (und sei es noch so schief, kaputt oder pathologisch), dürfe nicht angerührt werden. Wer auf den Schmutz aufmerksam macht, ist somit nicht nur schmutzig, er verursacht auch den Schmutz. :JAJA:

Bildungssprache

Die »Bildungssprache« wird als Abgrenzung zur Alltagssprache in der Sprachpädagogik definiert. Die These ist, dass vor allem in Bildungs‐Institutionen, in Politik und Wissenschaft eine eigene Sprache mit spezifischen Fachbegriffen gesprochen werde, die nicht jeder Schüler gleich gut verstehen und erlernen könne. Besonders Kinder aus »bildungsfernen Familien« sowie mit »Migrationshintergrund« (sind damit auch Schweizer, Spanier und Amerikaner gemeint?) hätten hier große Schwierigkeiten, so die pädagogischen Experten.

Ist es nicht grundsätzlich fragwürdig, Bildung als das Auswendiglernen und Anwenden von Fachbegriffen zu verstehen? Begriffs‐Fetisch und Begriffs‐Dropping als primäre Merkmale von Wissenschaft, Intellekt und Bildung?


Berliner Bildungsprogramm: eine Kritik
Wunderwaffe: »Bildung«
Bildung nur für Reiche

Lacher des Tages: die SPD

Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister via Twitter am 10. Februar 2019

Ich weiß nicht, ob ich lachen, heulen oder etwas zerstören soll!? Haben wir schon Fasching? Will Olaf Scholz beim Satire‐Magazin »Titanic« einsteigen? Hat die SPD ihren schlechten Humor wieder entdeckt? Haben Verschwörungstheoretiker, Putinversteher und Populisten die Genossen unterwandert? Glauben die auch selbst an das, was sie so von sich geben? :SHOCK:

»Höhe der Zeit« und »Modernisierung« sind Neusprech‐Hülsen für neoliberale Anpassungen, die Schaffung des größten Niedriglohn‐Sektors in Europa, die Installierung eines menschenverachtenden Schikane‐und‐Willkür‐Systems -auch Hartz4 genannt‐ sowie die großflächige Entrechtung und Enteignung von mittellosen Menschen. Und nun schlagen sie »abermals eine Modernisierung« vor? Das ist keine »SPD‐Erneuerung«, sondern eine Drohung! :SICK:

Neusprech: »Bedauerlicher Einzelfall«

»Ich bin nur ein Einzelfall!«

»Nur Einzelfälle? Die lange Liste rechter Ausrutscher.«

(derstandard.at vom 21. November 2018)

»Dass Mietzahlungen bereits wegen geringer Überschreitungen der angemessenen Miete gekürzt werden, ist in Essen leider kein Einzelfall.«

(hartz4-essen.info vom 27. Februar 2018)

Kinder‐ und Altersarmut
Obdachlosigkeit
ALG2‐Willkür
Völkerrechtswidrige Angriffskriege
NATO‐Journalismus
Explodierende Mieten
Soziale Ängste
Landraub
Korrupte Politiker
Depressionen
Hungertote
Kriminelle Banken
Prekäre Arbeitsverhältnisse
Plastikmeere
Missbrauchsfälle bei der katholischen Kirche
Steuerhinterziehung
...

Das alles sind leider »bedauerliche Einzelfälle«. Dahinter steckt kein System! Es gibt keine Gesetze, Rahmenbedingungen, Mechanismen und/oder Strukturen, die bestimmte Verhaltens‐ und/oder Handlungsweisen hervorrufen. Es gibt nur die »Eigenverantwortung«. :JAJA:


Neusprech
Einzelfalltheorie

Inhalte überwinden!

»Wir sind angewiesen, ein bisschen pro Regierung zu berichten«
(freie WDR‐Autorin Claudia Zimmermann am 18. Januar 2016 in der niederländischen Sendung »De Stemming«)

  • Wer die Massenmedien kritisiert, ist ein »Lügenpresse‐Schreihals« und damit ein verkappter Nazi!
  • Wer die US‐Regierung, US‐Geheimdienste, die Wall‐Street oder Großbanken kritisiert, ist ein Querfront‐Antisemit!
  • Wer nicht an die öffentlichen Verlautbarungen von Regierungen und Politiker glaubt, ist ein Verschwörungstheoretiker!
  • Wer die Schulmedizin oder Impfungen kritisiert, ist ein Esoteriker, der an Jesuswasser und Chemtrails glaubt!
  • Wer die Interessen der Mehrheit und der Bevölkerung im Fokus behält, ist ein Populist!
  • Wer nicht an die NATO‐Propaganda glaubt und kein Russland‐Bashing betreibt, ist ein Putinversteher!
  • Wer die westlichen Narrative und Werte hinterfragt, ist ein Extremist und Kommunist!

Meinungskontrolle. Diskurshoheit. Kampagnen‐Journalismus. Es geht schon lange nicht mehr um den Austausch von Argumenten, Ursachen oder Analysen, sondern nur noch darum, den Sender der Botschaft zu diffamieren. Insbesondere dann, wenn die vermeintliche neoliberale Alternativlosigkeit als Herrschaftsinstrument enttarnt wird. Damit die Meinung der Herrschenden auch die herrschende Meinung bleibt.


Populismus
Antisemitismus
Verschwörungstheorie

Neusprech: »Freiwillige Selbstverpflichtung«

Das Schlagwort »freiwillige Selbstverpflichtung« ist in Politik und Wirtschaft ein beliebtes Argument, um verbindliche Regelungen zu vermeiden. Es wird suggeriert, dass eine gesetzliche Regulierung nicht nötig sei, da Konzerne, Banken und Unternehmen freiwillig ihrer sozialen und ökologischen Verantwortung nachkommen würden. Warum sie -ohne effektive Sanktionsmöglichkeiten‐ überhaupt etwas anderes machen sollten, was nicht in ihrem ureigenen (Profit-)Interesse liegt, verraten uns weder das Schlagwort, noch Politiker, die diese Phrase verwenden. Weiterlesen

Neukaledonien

Es ist immer wieder erstaunlich, wie euphemistisch Wikipedia‐Einträge sind, wenn es um westlichen (Neo-)Kolonialismus und Imperialismus geht. Neukaledonien ist eine zu Frankreich gehörende Inselgruppe im südlichen Pazifik. Sie wurde vom französischen Militär erobert, weil dort zehn Prozent der weltweiten Nickel‐Vorkommen existieren. Wikipedia schreibt beschönigend:

Die Urbevölkerung der Melanesier oder Kanak bildet mit einem Anteil von ungefähr 44 Prozent der Bevölkerung eine Minderheit. Eine große Bevölkerungsgruppe stellen die Nachfahren der ersten „Siedler“ aus Frankreich, die Caldoches, zusammen mit den Métropolitains, den französischen Neueinwanderern. Insgesamt machen Weiße, also Europäischstämmige, 34,1 % der Bevölkerung aus.«

Wie jetzt? 44 Prozent sind die Minderheit und 34 Prozent die Mehrheit? Und warum ist »Siedler« in Anführungszeichen gesetzt? Warum schreibt man nicht gleich westliche Eroberer, Kolonialisten, Besatzer oder Imperialisten? Weiter gehts mit:

»...zu Frankreich gehörige Überseegemeinschaft mit besonderem Status.«

So nennt man heute ein gewaltsam besetztes Gebiet, bei dem die Ureinwohner brutal unterdrückt werden.

»Die Eingriffe in die Ökosysteme der Insel sind teils erheblich

Welche Folgen der radikale Nickel‐Abbau für Natur, Umwelt und Landbevölkerung ganz konkret hat, verrät uns Wikipedia aber nicht, wie beispielsweise vergiftete Flüsse und Bäche, tote Fische und verdorrte Wälder.

Wie ich darauf komme? Durch den hervorragenden Spielfilm »Rebellion«, der einen Aufstand der Ureinwohner in Neukaledonien gegen die französischen Besatzer zum Thema hat.