Jungen und Mädchen

»Sechs‐ bis zehnjährige Kinder zeigen geschlechtstypische Unterschiede in ihrem Sozialverhalten. [...] Jungen wetteifern miteinander, zeigen Dominanzstreben und Risikobereitschaft. Ihre Fantasien und Geschichten kreisen um Konflikte, Gefahren, Zerstörung, körperliche Stärke und heldenhafte Taten. Mädchen bevorzugen Zweierbeziehungen, reagieren eher auf Vorschläge anderer, machen mehr Vorschläge und geben weniger Befehle. Für sie steht Kooperation im Vordergrund.«

(Gabriele Haug‐Schnabel. Grundlagen der Entwicklungspsychologie. Breisgau 2005. S. 162)

Solche und ähnliche Aussagen findet man häufig in der pädagogischen und psychologischen Fachliteratur. Im Deckmantel der objektiven Forschung werden Verhaltensweisen von Jungen oft eher negativ und das Verhalten von Mädchen eher positiv bewertet. Ich kann so einer einseitigen, klischeebehafteten und häufig reproduzierten Beobachtung nicht zustimmen. Auch wenn ich nur drei Schulen sowie mein gesamtes privates Umfeld als Gegenthese heranziehen kann. Weiterlesen

Der pädagogische Happen (29)

Mutter: »Könnten Sie mir bitte helfen, meine Tochter zu finden?«

Pädagoge: »Ja, natürlich!«

(Mutter verschwindet unauffällig. Der Pädagoge sucht und findet das Kind auf dem Schulhof.)

Pädagoge (zur Kollegin): »Sag mal, hast Du die Mutter von Lena gesehen?«

Kollegin: »Sie meinte, sie wartet in ihrem Auto vor der Schule und Du möchtest ihre Tochter doch bitte zu ihr bringen.« (Der Pädagoge bringt das Kind zum Auto.)

Mutter: »Danke, dass Sie mir geholfen haben!«

Pädagoge: »Frau Kolaczyk, es ist eigentlich nicht unsere Aufgabe die Kinder zu suchen und zum Auto der Eltern zu bringen. Bitte holen Sie Ihr Kind das nächste mal bitte selbst ab.«

Mutter: »Aber ich kann meine Tochter immer so schwer finden!«


Der pädagogische Happen (1−28)

Der Pädagogische Happen (26)

(Auf dem Schulhof)

Kind: »Auf dem Mädchenklo soll ein fremder Mann in Frauenkleidern Mädchen entführen!«

Erzieher: »Hat ein Kind diesen fremden Mann schon mal gesehen?«

Kind: »Nein.«

Erzieher: »Hat ein Lehrer, Erzieher oder Elternteil diesen fremden Mann schon mal gesehen?«

Kind: »Nein.«

(Zwei Tage später auf der Teamsitzung)

Erzieher: »Haben wir hier auf der Schule wirklich ein Sicherheitsproblem? Mehrere Kinder und Eltern erzählen etwas von einem fremden Mann?«

Leitung: »Die Eltern haben via Whatsapp einen Artikel der BILD herumgeschickt. Dabei geht es um eine Schule, die 40 Kilometer von hier entfernt ist. Und wie viel selbst an dieser Geschichte stimmt, wissen wir nicht. Jedenfalls wollen viele Eltern ab sofort ihre Kinder aus den 3. und 4. Klassen wieder persönlich abholen.«


Der pädagogische Happen (1−25)
Elternängste

Fördern. Fördern. Fördern.

Die Leistungs‐ und Wettbewerbsgesellschaft produziert nicht nur systematisch ein ausgegrenztes Prekariat, sie verdient auch an und mit der Angst. Insbesondere Eltern sind stellenweise ganz gezielt massiv verunsichert worden. Jahrzehntelang haben vermeintliche Erziehungsexperten durch allerlei mediale Kanäle (TV, Buch, Web, Radio, Zeitung etc.) die elterliche Intuition nachhaltig beschädigt. Man müsse und solle seine Kinder so und so erziehen, man solle das sagen, das unternehmen, sich so verhalten und so weiter. Dann wird wieder genau das Gegenteil erzählt und propagagiert. Hinzu kommt ein Dschungel an pädagogischen Konzepten, Haltungen und Werten, die sich nicht nur gegenseitig widersprechen, sondern alle von sich behaupten, dass sie die »einzig wahre Erziehungsmethode« betreiben würden.

Das Ergebnis sind pränatale Frühförderung (»Je früher desto besser!«), Kindergarten‐Chinesisch sowie die Auffassung, dass alles Tun pädagogisch wertvoll, also Förderung sein muss. Es ist der Zeitgeist der uns sagt, dass Kinder und Jugendliche arbeitsfähig genormt werden müssen. Ihre ökonomische Verwertbarkeit und Funktionstüchtigkeit sollen hergestellt werden. Oder anders: »Unsere Kinder sind unsere Zukunft«. Eine Ware. Ein Rohstoff. Ein Objekt. Das soll eben bestmöglich optimiert werden.

Was häufig fehlt, ist eine subjektbezogene, ehrliche und authentische Seins‐Haltung zu Kindern und Jugendlichen. Sie in ihrem Wesen so annehmen können, wie sie sein wollen und nicht, wie Unternehmen, Politiker oder Eltern sie nach ihren eigenen Vorstellungen formen wollen. Es ist insofern absolut nicht verwunderlich, dass psychische Kinderkrankheiten zugenommen haben: man behandelt sie allerorten wie Knetmasse.


»Elternängste«
»Familienkonflikte«
»Der pädagogische Happen«

Der pädagogische Happen (25)

(An der Abmeldung eines großen Schulhortes klingelt das Telefon.)

Mutter: »Ich kann meine Tochter heute leider nicht abholen. Mir ist ein wichtiges Kundengespräch dazwischen gekommen. Wäre es möglich, dass meine Nachbarin sie heute mit nimmt? Sie steht leider nicht als abholberechtigt im Ordner.«

Pädagogin: »Dann geht das nicht. Tut mir leid! Wir benötigen immer eine schriftliche Erklärung mit Unterschrift!«

Mutter: »Es wäre doch nur eine Ausnahme? Meine Nachbarin ist eine ganz freundliche Person!«

Pädagogin: »Wir können das leider nicht machen! Sie können gerne ihre Nachbarin als abholberechtigt schriftlich bei uns eintragen lassen, dann kann sie ihre Tochter beim nächsten Mal abholen.«

Mutter: (sauer) »Sie kommen den Eltern aber auch gar nicht entgegen, oder?« (legt auf)


Der pädagogische Happen (1−24)

Der pädagogische Happen (24)

Vater: »Du Leon, was möchtest Du später eigentlich mal werden?«

Sohn: »Ich weiß es nicht.«

Vater: »Aber Du musst doch wissen, womit Du später Dein Geld verdienen willst! Schließlich musst Du Deine Miete mal selbst bezahlen, willst sicher auch mal in den Urlaub fahren und Dir was gönnen, oder?«

Sohn: »Ich weiß es wirklich nicht.«

Mutter: »Was macht Dir denn besonders viel Spass?«

Sohn: »Malen und zeichnen, Autoscooter fahren und mit Lego spielen.«

Vater: »Ach komm, als Busfahrer oder Künstler kann man doch keine Familie ernähren! Du wirst mal schön studieren und dann was ordentliches lernen. Arzt. Anwalt. Betriebswirtschaft. Ingenieur.«


Der pädagogische Happen (1−23)
Selbstentfremdung

Der pädagogische Happen (23)

 

 

 

 

(Tag 1. Schulhort. Abholsituation.)
Mutter: »Du Jonas, jetzt komm endlich, wir müssen dringend zum Judo!«
Pädagoge: »Jonas, Du räumst aber bitte noch das Lego auf!«
Mutter: »Muss das jetzt wirklich sein? Wir haben es sehr eilig!«
Pädagoge: »Das Aufräumen gehört zum Spielen dazu!«
(Die Mutter zieht ein langes Gesicht.)
(Tag 2. Klassenzimmer. Elterngespräch.)
Mutter von Jonas: »Mein Sohn will Zuhause nie aufräumen. Es gibt immer Streit. Habt Ihr da vielleicht ein paar Tipps?«


Der pädagogische Happen (1−22)

Der pädagogische Happen (22)

Kind: »Kann ich heute mit meinem Fahrrad fahren?«
Mutter: »Nein!« Ich muss noch so viel im Haushalt machen!«
Kind: »Aber ich kann doch auch alleine ein bisschen fahren!«
Mutter: »Nein! Das ist nicht sicher!«
Kind: »Papa, wollen wir Tischtennis spielen gehen?«
Vater: »Ach...wie wäre es mit einer Runde Fifa 18?«
Kind: »Na gut. Okay.«


» Der pädagogische Happen

Der pädagogische Happen (21)

_happen_

(Auf dem Schulhof. Eine Mutter beobachtet zwei Jungen beim raufen und toben. Die Jungen lachen dabei.)

Mutter: »Wie handhaben Sie das hier eigentlich mit der Gewalt?«

Schulpädagoge: »Gar nicht! Wir schauen nur zu, schließen unter den Kollegen Wetten ab und freuen uns tierisch darüber, wenn Knochen knacken und das Blut spritzt!«

Schulpädagoge: »Wir gehen dazwischen, wenn es notwendig ist und Grenzen überschritten werden. Dennoch benötigen die Kinder auch eine gewisse Form von körperlicher Ertüchtigung, Bewegungserziehung, Wettkampf und Bolzerei. Das ist für die Entwicklung von Selbstbestimmtheit, Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein wichtig!

Mutter: »Also haben Sie hier kein wirkliches Anti‐Gewalt‐Konzept? Verstehe ich das so richtig?«


» »Der pädagogische Happen«
» »Kinder in Deutschland; Teil 35: Gewalt«

Der pädagogische Happen (20)

_happen_Tochter: »Du Mama? Darf ich heute alleine vom Hort Nachhause gehen?«

Mutter: »Ich hole Dich doch um 16 Uhr heute ab!«

Tochter: »Ja, aber warum darf ich nicht einfach um vier Uhr vom Hort los gehen und wir treffen uns dann Zuhause?«

Mutter: »Nein, Claire. Ich möchte das noch nicht. Dafür bist Du noch zu jung! Vielleicht in Zwei Jahren oder so!«

Tochter: »Aber ich bin doch schon 10 Jahre alt!«


» »Der pädagogische Happen«
» »Elternängste«