Zwangsharmonie

Der Biedermeier-Zeitgeist, der sich von allem zurückzieht, was nicht unmittelbar das eigene Leben betrifft, ist wieder schwer angesagt. Häufig ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich selbst vermeintlich Alternative, Linksgrüne und Progressive in den heimeligen Spießer-Familien-Bunker verkriechen. Und dort hat Frieden zu herrschen! Bei Familenfeiern. Im Urlaub. Auf Fotos. Der krampfhafte Versuch, der sozialen Außenwirkung zu dienen, endet fast immer in bigotter Selbst-Heuchelei. Man wird so, wie man nie sein wollte.

Selbst wenn die ganze Welt unter brennender Lava verglühen sollte, solange man selbst auf einem kühlen Stein sitzt, kann und darf alles Lebendige elendig verrecken. Wer auf diesen weitverbreiteten, menschenverachtenden Habitus hinweist, gilt als unangenehm und anstrengend. Als Pessimist, Schwarzseher und Nörgler. Es herrschen verordnete Zwangsharmonie und devoter Zwangsoptimismus: »Uns geht es doch gut!«

Rassismus der Mitte

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Die bürgerlichen Massenmedien haben uns jahrzehntelang rassistische Werturteile in die Köpfe gehämmert. Und weil es typisch deutsch ist, nach unten zu treten und nach oben zu kriechen, haben wir die kleinbürgerliche Menschenverachtung, das Konkurrenz- und Wettbewerbsdenken gerne in uns aufgesogen. Pegida und die brennenden Flüchtlingsheime sind insofern die Ernte einer Saat, die lange -vor allem eben von der Mitte der Gesellschaft, den Kleinbürgern, den Spießern, den Schrebergärten-Besitzern, den Bürokraten und Biedermännern- gestreut wurde:

»Die Ausländer nehmen uns unsere Arbeitsplätze weg.«
»Moslems sind islamistische Terroristen.«
»Migranten wollen kein Deutsch lernen.«
»Asylanten sind Sozialschmarotzer.«
»Zigeuner betteln und klauen.«

Syrische Weißwurst

Spiegel-Online vom 15. Oktober 2015 (ohne link)

Spiegel-Online vom 15. Oktober 2015 (ohne link)

Norbert Lammert (CDU) möchte also, dass alle Flüchtlinge Saufpartys in Mallorca veranstalten oder Sex-Ferien in Thailand machen. Natürlich erst, wenn sie offiziell assimiliert integriert sind. Sie sollen den ganzen Tag Helene Fischer hören sowie humorlose, rechthaberische, unfreundliche, geizige, unterwürfige und kleingeistige Weltverleugner werden. Ganz so, wie der gemeine Deutsche. Außerdem sollen sie sich fortan eine ordentliche Bierplauze zulegen, viel über die Lohnarbeit jammern (sich gleichzeitig darüber definieren) und stets nach unten treten und nach oben kriechen. Bigotte Bürokraten, Biedermänner und Brandstifter. Haben wir davon nicht schon genug hier?

Der rosarote Duckblick

rosa_titelVor einiger Zeit war ich auf einer Eltern-Kind-Reise im nahegelegenen brandenburgischen Wald bei Wandlitz mit vielen anderen Kindern und Eltern unterwegs. Alles in allem war das eine durchaus nette und klassische Angelegenheit mit Lagerfeuer und Stockbrot, im See schwimmen, einen Pferdehof besuchen und so weiter. Es gab weder große Probleme, noch Konflikte (außer einer Horde Mücken :SICK: ). Was mir allerdings extrem aufgefallen ist, war das oft völlig übertriebene Positiv-Gequatsche der Eltern. Offensichtliche Dinge, wie beispielsweise das wirklich schäbige Essen der Jugendherberge mit zerkochten Nudeln, Kartoffel-Püree-Pampe, halbgaren Fischstäbchen sowie einer Resteverwertung vom Vortag, wurden nicht kritisch erwähnt, sondern sogar gelobt: »Echt leckeres Essen hier, das muss man schon sagen!« Weiterlesen

Heute keine Kritik

Ihr habt jetzt echt mal genug genörgelt! Ihr kleiner, möchtegern-elitärer-Blog-Netzwerk-Haufen. Ihr denkt echt, Ihr seid was Besseres, hm? Dabei seid Ihr nur abgefuckte Klugscheißer, Besserwisser und Pseudo-Politiker. Ständig nur am Meckern, wie schlecht doch alles ist. Zumindest müsst Ihr in Deutschland nicht hungern. Geht doch mal nach Afrika, denen geht es wirklich schlecht. Seid froh, dass es euch so gut geht, hier in Deutschland. Wenn Ihr wenigstens mal sagen würdet, wie man es besser machen kann, aber nein, nur am Dauer-Kritisieren. Typisch, diese linksverbohrten Gutmenschen-Dogmatiker! Ihr seid Träumer und Spinner. Wir sind nicht bei »wünsch Dir was«, sondern bei »so isses«. Weiterlesen

Drei Zitate zur Weltverleugnung

»Gleichzeitig ist der Durchschnittsmensch so selbstsüchtig mit seinen Privatangelegenheiten beschäftigt, dass er allem, was über seinen persönlichen Bereich hinausgeht, nur wenig Beachtung schenkt«

- Erich Fromm

»Tatsachen schafft man nicht aus der Welt, indem man sie ignoriert«

- Aldous Huxley

»Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt«

- Erich Fried

Parlamentarische Veränderungen, Gesetzesänderungen oder eine Veränderung der politischen Machtkonstellation in Deutschland bewirken rein gar nichts, wenn die Mentalität der Menschen sich nicht mit verändert. Es ist uns ein besonderes Anliegen das Elend der Welt zu verdrängen, uns nicht damit zu beschäftigen. Die heimelige Weltverleugnung ist uns lieb und teuer.