Geld stinkt!

Wenn alles Denken und Handeln am Geld gemessen wird...

  • Kreativität jeglicher Art ist nur dann interessant, wenn man sie zu Geld macht.
  • Geschriebene Texte sind nur dann lesenswert, wenn man Bücher verkauft.
  • Videospiele sind nur dann keine Zeitverschwendung, wenn man via E‐Sports mit ihnen Kohle verdienen kann.
  • Musik ist nur dann mitreißend, wenn man sie irgendwie kommerziell vermarkten kann.
  • Dummheit ist erstrebenswert, wenn man sie verkaufen kann.
  • Und so weiter.

...dann könnte man doch auch bei der Mafia arbeiten? »Aber die töten doch Menschen!«, lautet dann der moralische Einwurf. Seit wann interessieren uns Ethik und Menschenechte? Glaubt Ihr etwa Banken, die Pharma‐ und Rüstungsindustrie oder die Jobcenter töten keine Menschen?

»Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Suizid treiben, einen in den Krieg führen usw. Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten.«
(Bertolt Brecht. Aus: »Me‐Ti. Buch der Wendungen«.)

P:S: Ich muss was gegen meinen Zynismus tun. Ob Sport hilft?

Ökonomisierter Habitus

Der Soziologe Jürgen Habermas spricht von der Ökonomisierung unserer Lebenswelten. Normative, ethische Werte würden zunehmend von ökonomischen Prämissen und Ansichten verdrängt werden. Und das eben in sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen. In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 30. Mai 2010 von Charlotte Frank zeigt sich das ganz deutlich. In dem Artikel geht es um künstliche Befruchtung. Der Beitrag mit der Bezeichnung »der Preis der Kinderlosen« thematisiert das Thema mit rein ökonomischen Argumenten. Und gerade beim Thema Kinder, Familie und Liebe finde ich das sehr bedenklich, normative Überlegungen völlig zur Seite zu schieben. Die Sprache von Frau Frank könnte ökonomischer kaum sein. Kinder werden als Kostenfaktoren und die Familienplanung als ein wirtschaftliches Gesamtinteresse betrachtet.

In ihrem gerade mal ca. 450 Wörter kurzen Artikel verwendet sie folgende Begriffe: 4x »Kosten«, 5x »Preis«, 4x »zahlen«, 2x »Geld«. Das Thema der Künstlichen Befruchtung wird so zu einer reinen Preis‐, Kosten‐ und Geldfrage. Wörter wie Liebe, Glück und Gefühl gibt es im Sprachschatz von  rational versachlicht denkenden Funktions‐Ökonomierobotern nicht.