Antikriegsfilme

Es gibt für mich nur wenige Filme, denen ich das Attribut »gegen den Krieg zu sein« verleihen würde (»Apocalypse Now«, »Der schmale Grat«, »Full Metal Jacket«). »Der Soldat James Ryan« gehört beispielsweise nicht dazu. Ein Antikriegsfilm (oder besser: Friedensfilm) muss nicht nur schockieren, nachdenklich stimmen sowie die Grausamkeit und Brutalität des Krieges zeigen, sondern darf auch keinen heuchlerischen Pathos oder verlogenen Nationalismus beinhalten. Wenn er Kriegslügen aufdeckt (oder zumindest thematisiert) und die Dämonisierung des Feindes als Propagandainstrument entlarvt, umso besser.

Vor kurzem habe ich zum ersten mal »Johnny zieht in den Krieg« aus dem Jahre 1971 von Dalton Trumbo, der zu den berüchtigten »Hollywood Ten« gehörte, gesehen. Der Film ist auch 50 Jahre später immer noch düster, depressiv, ein lebendiger Alptraum. Wenn ein Antikriegsfilm unterhält, hat er etwas falsch gemacht. Denn Krieg ist kein »Spaß«. Die NATO‐Massen‐und‐Unterhaltungs‐Medien schweigen ihn tot, was vermutlich auch an solchen Aussagen liegt: »Demokratie ist wie andere Regierungsformen, wo sich junge Leute gegenseitig umbringen.«


Kriegssprache
Die Inszenierung des Krieges
»Und plötzlich war er da: der Krieg«

Mary Sue

»Mary‐Sue steht synonym für eine bestimmte Sorte Charakter, der hübsch oder herausragend talentiert ist, dem alles ohne großes Zutun oder Opfer gelingt, der im Zentrum des ganzen Universums steht, der keine Fehler macht und auch keine (wirklichen) Fehler hat — kurzum, ein perfekter Charakter ist.« (fanfiktion wiki)

Im Zeitalter von Social‐Justice‐Warrior‐Kämpferinnen (SJW) in der Unterhaltungsindustrie, trifft man diese Form der weiblichen Charakterzeichnung leider immer häufiger an. Dabei gibt es eben keinen langweiligeren Helden als den (fast) unbesiegbaren »Superman«. Ein Charakter, der (so gut wie) keine Schwächen und Fehler hat, entwickelt sich nicht. Mit ihm kann sich niemand so wirklich identifizieren, weil so eine Figur über den Dingen schwebt. Ein prominentes Beispiel für eine »Mary Sue« ist beispielsweise »Rey« aus der neuen Star Wars‐Reihe. Während Luke Skywalker noch Meister Yoda benötigte, um die Macht zu lernen (und dabei ordentlich Fehler machte), besiegt Rey, die noch nie ein Lichtschwert in der Hand hatte, gleich beim ersten Kampf Kylo Ren, der jahrelanges Training bei einem Meister hatte.

Auch Michael Burnham aus »Star Trek: Discovery«, kann alles, weiß alles und hat keine wirklichen Schwächen. Captain Marvel, Buffy und Pipi Langstrumpf, wären weitere Beispiele. Dabei gibt es toll geschriebene weibliche Rollen, wie Ripley aus der Alien‐Saga oder Carrie in der »Homeland« Serie. Und ja, es gibt auch den männlichen »Gary Stue« (Captain Kirk!). Aber wenn ich mir so die heutige Filmlandschaft anschaue, scheint man da, was männliche Charakterzeichnungen angeht, erheblich weiter zu sein. Oder was denkt Ihr?


Moviefans
TV‐Reflektion

Die Inszenierung des Krieges

Ich gehöre zur glücklichen Generation, die persönlich noch keinen Krieg miterlebt hat. Dennoch reicht meine Fantasie aus, um mir vorzustellen, wie unfassbar schrecklich, brutal und grausam ein Krieg sein muss. Es scheint fast unmöglich, diese totale Zerstörung menschlichen Geistes und menschlicher Emotionen in Bildern, Gedichten, Büchern oder Filmen zu dokumentieren und festzuhalten. Es gibt zahlreiche Werke, die diesen Versuch unternommen haben. Darunter empfehlenswerte Filme wie »der schmale Grat«, »Apocalypse Now« oder »the deer hunter«.

Trotzdem fällt auf, dass gerade die besonders absurden, wahnwitzigen und höllischen Folgen eines Krieges, immer wieder -auch bei den sehr kritischen Werken‐ häufig ausgeklammert werden. Beispielsweise das Phänomen des »Friendly Fire«, der Eigenbeschuss von Soldaten und Kriegsgerät (»Im Vietnamkrieg starben 18 % der 58.220 in Vietnam getöteten US‐Soldaten durch friendly fire«.). Massenvergewaltigungen, Plünderungen, Zivilisten‐Morde und -Massaker sowie das massenhafte Desertieren von Soldaten. Diese Phänomene werden selten in Büchern und Filmen thematisiert. Sie passen in keine poetisch‐verklärende Helden-(Kriegs-)Geschichten und würden die Rezipienten nur unnötig verstören.

Wann gibt es den nächsten US‐Blockbuster über das Desertieren oder das »friendly fire« von US‐Soldaten im Zweiten Weltkrieg?


»Und plötzlich war er da: der Krieg«
Kriegssprache
Kriegsfolgen

Kultfilm: »Robocop«

Copyright Metro Goldwyn Mayer (MGM)

Zu meinen absoluten Lieblingsfilmen gehört »Robocop« aus dem Jahr 1987 von Paul Verhoeven. Der Film funktioniert auf vielen Ebenen ganz hervorragend. Er beinhaltet zynische Gesellschaftskritik, beißende Medienschelte sowie dystopische Realsatire. Viele subtile Warnungen an die naive Fortschrittsgläubigkeit sind heute komplett unaufgeregter Alltag geworden: Söldner‐Firmen, chronische Unterfinanzierung der Polizei, Privatisierungen öffentlicher Daseinsfürsorge, Massen‐Überwachung, Kommerzialisierung sämtlicher Lebensbereiche, Drohnenmorde oder die massenmediale Verblödung durch Trash‐TV‐Sendungen. Spoiler‐Warnung!

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Filmbesprechung

© jtheripper (ZG Blog)

© jtheripper (ZG Blog)

In den letzten Monaten und Jahren habe ich ein großes Interesse an Serien und Filmen entwickelt, die nicht nur gut inszeniert sind, mit tollen Schauspiel‐Leistungen glänzen, eine gute Geschichte aufweisen sowie glaubhafte Dialoge beinhalten, sondern mich auch zum Nachdenken anregen. Ich verstehe bis heute nicht, warum »Hirn aus — Action rein!« Unterhaltung sein soll. Verdummung und Verblödung sind für mich keine Kriterien für Entertainment. Im folgenden eine lose Sammlung von kurzen Anmerkungen zu unterschiedlichen Filmen, Serien und Regisseuren.

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Der Anschlag (41)

anschlag_teaserDie Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hat der Bundesregierung vorgeschlagen, sämtliche Streik‐Aktionen nur noch nachts zwischen 1 Uhr und 4 Uhr stattfinden zu lassen. Der entsprechende Post auf Facebook hat bereits mehr als 500.000 Likes erhalten.

Der russische Kinofilm „roter November“ hat bisher eine Milliarde Dollar weltweiten Umsatz erwirtschaftet. Die US‐Regierung hat den Film scharf kritisiert, da in der Handlung US‐Terroristen vorkommen würden. Die Produktionsfirma „Time Warner“ bezeichnete das Werk als „propagandistisches Schmierenstück“.

Job‐Coacher und Selbstvermarkter befürworten nicht nur das „lebenslange Lernen“, sondern auch den Zwang zur lebenslangen Selbstoptimierung. Jeder solle stets so sein, wie andere (also Unternehmen) ihn oder sie haben wollen würden und nicht, wie man wirklich sei.

(Bisherige Folgen)

Filmzitate raten (12)

Mann 1: „Curtis, jeder hat seinen ihm vorbestimmten Platz! Und jeder ist dort anzutreffen, bis auf sie!“

Mann 2: „Das sagen die, die alles haben, zu denen, die nichts haben! Hier gibt es keinen Einzigen, der nicht mit Ihnen tauschen würde!“

Mann 1: „Würden Sie mit mir tauschen wollen?“

Mann 2: „Lecken Sie mich!“

(Filmzitate raten)

Schwarzfahrer

Der Rassismus in Deutschland ist nie wirklich verschwunden. Im Zuge der Flüchtlingskrise (aber auch schon vorher mit Thilo Sarrazin´s »Thesen«) flammt er in Form von Pegida, AfD und der typisch deutschen Schrebergarten‐Ausländerfeindlichkeit wieder auf. Der Kurzfilm »Schwarzfahrer« wurde wohl bewusst in schwarz/weiß gehalten, da er zeitlos gültig ist. Ob im Jahr 1920 oder 2017, Deutschlands Mittelschichts‐Nazis: »Ich habe ja nichts gegen Ausländer aber...solange sie sich benehmen und integrieren...der Türke im Hausflur grüßt auch ganz freundlich« usw., sind wieder allgegenwärtig. An dieser Stelle noch einmal Danke an MT, der die mich auf diesen Film aufmerksam gemacht hatte. Übrigens: während »Schwarzfahrer« rund 130.000 Aufrufe auf youtube hat, bekommt die Rede von Frauke Petry (AfD) in Landau ganze 220.000 Aufrufe.