Für Lohn arbeiten

Immer und immer und immer und immer wieder das Gleiche und das Dasselbe jeden Tag machen. Das soll Selbstentfaltung, Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung sein? Ernsthaft?

Da gibt es Herren und Knechte; denn da muss Geld verdient werden, da muss die Hazienda ertragreich gemacht werden, damit sie mit tausend Prozent Gewinn verkauft werden kann.“
(B. Traven. „Die weiße Rose“. Universitas Verlag. Berlin 1962. S. 12)


Selbstoptimierung
Selbstentfremdung
Lohnarbeitswahnsinn

Inklusion predigen. Neoliberalismus leben.

Auf jeder Arbeitsstelle müsste ein Schild hängen: »Beim Betreten endet die Demokratie! Willkommen im Neofeudalismus!«

Die Welt der Pädagogik ist nicht selten eine realitätsverweigernde Glasglocke, in der mit schillernden Fachbegriffen ein humanistisches Weltbild proklamiert wird, das vor allem in der real existierenden Lohnarbeitswelt (aber auch sehr häufig im zivilgesellschaftlichen Leben) schlicht nicht existiert. Da wird von...

  • Partizipation
  • Selbstwirksamkeit
  • Wertschätzung
  • Ganzheitliches Lernen
  • Inklusion

...und vielem mehr gesprochen. In der Regel interessiert das weder Politiker, Manager, Banker oder Unternehmensbosse. Für sie zählt nur der persönliche Vorteil und der Profit. Die pädagogische Arbeit ist daher in großen Teilen nicht nur ein Kampf gegen Windmühlen, sondern auch eine ermüdende Sisyphos‐Arbeit. Kinder lernen vor allem: »Wasser predigen. Und Wein saufen!«


»Die zehn Gebote des Neoliberalismus«
»Berliner Bildungsprogramm: eine Kritik«
»Der tägliche Lohnarbeitswahnsinn«

Der Anschlag (55)

Ab sofort gibt es ein Teppichmesser‐Verbot nicht nur in Flugzeugen, sondern auch in allen internationalen Zügen, Bussen, Bibliotheken, Autos, Apotheken, Baustellen und Baumärkten. »Zur präventiven Vermeidung von Flugzeug‐Entführungen und Terror‐Attentaten«, so die Sicherheitsbehörden.

Wer keine israelischen Waffen kaufen und damit keine Araber töten will, ist in den Augen von angesehenen Persönlichkeiten ein Antisemit.

Das Bundesfamilienministerium will in Deutschland mehr Kindertageseinrichtungen finanziell unterstützen und fördern, die 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und 365 Tage im Jahr geöffnet haben. Für eine bessere Humakapitalverwertung »bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie«, heisst es.


»Der Anschlag«

»Hartz 4 ist toll!«

-Oder: »Spätrömische Dekadenz«-
-Oder: Fordern und Fordern‐
-Oder: »Danke, Gerhard Schröder, Frank‐Walter Steinmeier und Peter Hartz!«-

Für die Ewiggestrigen, Sozialstaatsromantiker und Gutmenschen hier mal eine Auflistung, warum ein modernes Deutschland ohne die Arbeitslosengeld 2‐Aktivierung nicht mehr denkbar ist: Weiterlesen

Ich. Bin. Wichtig.

  • Ich verdiene monatlich viel Geld und auf meinem Konto stapelt sich die Kohle. Ich bin wichtig.
  • Ich kaufe, trage und konsumiere Markenleidung, Markennahrung und Markenkosmetik. Ich bin wichtig.
  • Ich ernähre mich vegan, treibe regelmäßig Sport, kaufe Bio und verwende eine gendernormierte Sprache. Ich bin wichtig.
  • Ich bin in mindestens 10 verschiedenen WhatsApp‐Gruppen aktiv. Ich bin wichtig.
  • Ich habe eine leitende Position auf der Lohnarbeit, eine tolle Berufsbezeichnung, erhalte viel Lob und Anerkennung und/oder mache vermeintlich relevante Tätigkeiten. Ich bin wichtig.
  • Ich verbessere jeden/jede ungefragt in Rechtschreibung und Grammatik. Ich bin wichtig.
  • Ich bin verheiratet, habe Kinder, ein Haus mit Garten, ein Auto und fahre zwei mal im Jahr in den Urlaub. Ich bin wichtig.
  • Ich habe auf Facebook mehr als 50 Likes für mein Proflbild sowie mehr als 150 Freunde. Ich bin wichtig.
  • Ich blogge regelmäßig. Ich bin wichtig. ;)

»Du bist schuld!«

  • ) Wenn Du unter Armut leidest, dann hast Du nicht genug Eigenverantwortung gezeigt und/oder die falsche Lebenseinstellung!
  • ) Wenn Du gesundheitlich eingeschränkt oder krank bist, dann hast Du Dich falsch ernährt, zu wenig Sport getrieben und/oder zu viel Alkohol getrunken und geraucht!
  • ) Wenn Dein Partner fremd geht, dann hast Du ihm zu wenig Aufmerksamkeit und Liebe geschenkt!
  • ) Wenn Du unglücklich bist, dann hast Du Dich nicht um Deine Resilienz gekümmert!
  • ) Wenn Du unter Behördenwillkür leidest, dann warst Du nicht freundlich genug oder hast Deine Unterlagen nicht sortiert!
  • ) Wenn Du in Deiner Familie gemieden wirst oder sozial isoliert bist, dann bist Du nicht optimistisch und zwangsharmonisch genug!
  • ) Wenn Du...

Es gibt keine politischen, strukturellen, ökonomischen, sozialen, ideologischen oder umweltbedingten Ursachen oder Erklärungen! Nur den Einzelfall und die Eigenverantwortung. »Jeder ist seines Peches Schmied!« Basta! :JAJA:

Vitamin S

»Außerdem ließen sich die Projektleiter oft von persönlichen Sympathien leiten.«

Chris Avellone, Obsidian‐Mitbegründer auf gamestar.de vom 4. Mai 2015

Anmerkung: Schön, dass das mal jemand öffentlich ausspricht! Wie oft habe ich in Büros, bei Vorstellungsgesprächen, in Praktikas, in Schule, Ausbildung, Universität, bei Neben‐ und Aushilfsjobs, in der Medienbranche oder auch bei Freunden und Kollegen erlebt, dass Entscheidungen, Bewertungen oder auch Kompetenzen primär nach Vitamin S, also Sympathie, getroffen wurden. Das ganze Job‐ und Bewerbungscoacher‐Gerede von Leistung, Fachwissen und Selbstmarketing, wird nicht nur extrem überbewertet, sondern ist in den meisten Fällen auch völlig belang‐ und nutzlos.

Denn die ganzen Theorien, Verhaltensnormen und Selbstmarketings‐Optimierungen sind komplett unerheblich, wenn Dich jemand nicht riechen oder leiden kann. Und da die Gründe für persönliche Sympathien so zahlreich, wie die NATO‐Jünger in den LeiDmedien sind, gibt es hierfür eben auch kein Patentrezept, dass die Coacher‐und‐Selbstoptimierungs‐Industrie finanziell verwerten könnte. Was sie aber natürlich trotzdem nicht davon abhält, ihre Seminare und Kurse anzubieten: »So werden Sie sympathisch!« :EYEBROWS:

Neofeudale Psychopathen

»Beschäftigte mit bestimmten Persönlichkeitsstörungen sind in Führungspositionen überrepräsentiert und kassieren im Schnitt höhere Löhne. [...] Eine Reihe antisozialer Persönlichkeitsmerkmale erhöht demnach die Chance auf Beförderungen und hohes Einkommen.«

Böckler Impuls Ausgabe 192017

Anmerkung: Wie jetzt? ich dachte immer, dass die Korrelation stets heißt: wenig Geld gleich wenig Bildung und wenig Empathie (»sozial schwache Schichten«/»bildungsferne Schichten«)? Jetzt kommt raus, dass die sozialresistenten Schichten, die Reichen, die Karrieristen und Chefs, die eigentlichen Psychopathen sind. Für viele ist das sicher keine brandneue Erkenntnis. Aber schön, dass sich auch mal Ökonomen und Forscher damit beschäftigt haben. :d


» „Aber mein Chef braucht mich!“
» Immer schön die Klappe halten!
» »Ach, wie überraschend: Reiche Menschen sind sozial schwächer«

Der tägliche Lohnarbeitswahnsinn (Teil 9)

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 [Im Personalbüro]

Herr Schabanowski: »Mach doch erstmal drei Probetage, dann sehen wir weiter!«

Bewerber: »Den ersten Tag arbeite ich gerne unentgeltlich, aber für die anderen zwei Tage müssten wir jetzt eine ortsübliche Vergütung ausmachen!«

Herr Schabanowski: »Aber ich weiß doch gar nicht, ob Du das alles kannst, was Du in Deinen Unterlagen so alles reingeschrieben hast?«

Bewerber: »Das sehen Sie doch dann am ersten Tag!«
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