Der böse Iran

Im November 2019 stellte ich die These auf, dass man die vielbeschworene Unabhängigkeit, Sachlichkeit, Objektivität und Freiheit der Presse, vor allem bei der Kriegsberichterstattung (bzw. der Vorbereitung zu einem Krieg) gut beobachten kann: »Werden beide Seiten des Konflktes möglichst wertneutral beschrieben? Wird zur Diplomatie und zum Frieden aufgerufen oder für den Krieg getrommelt?« Was wir seit rund fünf Jahren erleben, ist eine weitverbreitete Russophobie, ein Putin‐Bashing, eine sehr einseitige Berichterstattung zu Syrien und der Ukraine, NATO‐Legenden sowie aktuell die Denunzierung des Iran zu einem Schurkenstaat. Der Kriegsexperte der ZEIT, Ulrich Ladurner, der so fabelhafte Schriften wie »Die große Freiheit: Mein Schrebergarten, die Nachbarn & ich« verfasst hat, trommelt und wirbelt nun in einem aktuellen Kommentar gegen den Iran. Weiterlesen

Verfassungsschmutz

(fotografiert im Dezember 2019 in einer Berliner U‐Bahn)

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) sucht wohl händeringend Leute. Die Marketing‐Reichweite‐Aufmerksamkeits‐Spirale sorgt regelmäßig für realsatirische, dystopische sowie absurd‐skurile Bullshit‐Werbekampagnen. Beispielsweise bei der Bundeswehr oder der BVG. Nun auch der Verfassungsschutz: »Im Verborgenen Gutes tun!« Ich weiß gar nicht, wo ich bei so viel Realitätsverdrehung und Schwachsinn anfangen soll. Es ist auch mühsam solcher Propaganda mit rationalen Argumenten zu begegnen, weil sie niemals die Aufmerksamkeit erhält, wie die Bullshit‐Kampagnen selbst. Nur so viel: die Rolle des Verfassungschutzes beim NSU‐Mordkomplex ist bis heute nicht aufgeklärt und wird wohl auch nie aufgeklärt werden.

Eine staatliche Behörde, die sich auf die Fahnen schreibt, die Demokratie und Verfassung schützen zu wollen, in dem sie Menschenrechte und das Grundgesetz regelmäßig selber bricht, mit der Todesschwadron des Kapitals (CIA) zusammenarbeitet und in ihrer Geschichte primär von und durch Alt‐Nazis geprägt wurde, soll »Gutes tun«? Wer denkt sich nur solchen ekelerregenden Bullshit aus?

Kriegsopfer

»die Chance auf ein gesundes Kind seit 15 Jahren keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Seit den verheerenden Angriffen auf die Stadt (Falludscha), bei denen die US‐Armee Phosphorbomben und mutmaßlich auch Urangeschosse einsetzte, ist die Zahl der Neugeborenen mit Fehlbildungen und anderen Erkrankungen massiv gestiegen. [...] Die Stadt ist durch den Krieg verstrahlt«.

- Le Monde Diplomatique, Ausgabe November 2019, S. 12

Anmerkung: Genau deshalb spreche ich von NATO‐Medien, weil wir solche Berichte in Spiegel, Welt, FAZ, SZ, BILD und ZEIT vergeblich suchen können. Stattdessen wird für Kriege getrommelt, gehetzt und Stimmung gemacht. Gegen China, Russland, Iran oder Nordkorea. Wer das thematisiert und/oder kritisiert, ist wahlweise ein Populist, Verschwörungstheoretiker, Antisemit, Spinner, Aluhut, Putinversteher, Esoteriker oder betreibe Hate Speech und Fake News.


Anti‐Fake‐News
Populismustheorie

BVG: »Weil wir Dich lieben«

Im Marketing‐PR‐Werbe‐und‐Medien‐Zeitalter dreht sich alles nur um Aufmerksamkeit, Reichweite, Quote, Marktanteil, Aufrufe und Klickzahlen. Die erreicht man mit Provokation, Polarisation, Populismus und popkulturellen Referenzen. Wie man Emotionen ausbeutet und die Sprache vergewaltigt, zeigt seit einigen Jahren die Werbekampagne der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mit ihrem absurden Slogan »Weil wir Dich lieben«. Mit vermeintlich witzigen, sexistischen und diskriminierenden Werbemotiven (das ist also »Liebe«?), soll das Image der BVG (jung, frech, satirisch) aufpoliert werden. Nicht nur das hat viele verärgert, sondern auch, dass einigie Ideen und Bildmotive von Bloggern geklaut wurden. Aber egal, alles wurscht! Hauptsache wir reden drüber! :JAJA:

Es geht eben nicht um Inhalte, also um mehr Busse, Züge und Personal, reparierte Gleise und Bahnstrecken, eine bessere Bezahlung der BVG‐Arbeitskräfte, pünktliche Züge und Busse, günstigere Ticket‐Preise, saubere Bahnhöfe, funktionierende Fahrkartenautomaten oder freundlicheres Personal — Haha! Wir sollen via Markenbildung ein positives Bild von der BVG bekommen, auch wenn die tägliche Nutzung der öffentlichen Verkehrsbetriebe in Berlin uns häufig das exakte Gegenteil beweist. Böse Zungen würden so etwas Gehirnwäsche oder kommerzielle Propaganda nennen. Dabei ist das doch alles nur Spaß! Oink, oink! Hihi, Haha! Lach doch mal mit! Du Blindfisch! :)   :)   :SICK:


Ziegenjournalismus (1): Advertorials
Werbung — die Geißel der Menschheit

NATO‐Medien

Zwei Meldungen vom gleichen Tag (16.11.2019) aus der gleichen Zeitung. Beide Male geht es um Demonstrationen und Protestbewegungen. Während dort die Polizei auf Demonstranten losgehen würde, ist sie hier stets das Opfer von gewaltbereiten Chaoten. Zumindest sagt uns das unsere Wahrheitspresse. Und nein, das ist kein Einzelfall, sondern kann systematisch immer und immer wieder genau so beobachtet werden:

»Gelbwesten‐Proteste in Paris — Krawalle zum Jahrestag«

»Gewalt und Krawalle wieder aufgeflammt [...] massiven Ausschreitungen [...] Die Polizei wollte Krawalle wie in der Vergangenheit unbedingt verhindern [...] Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein«

Proteste in Hongkong: »Ich bin bereit, heute Nacht zu sterben«

»Die Polizei wurde schon gewalttätig, als wir noch friedlich auf die Straße gegangen sind und nichts als unsere Stimme erhoben haben. Das waren Demonstrationen, kein Krawall [...] eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt und freie Wahlen.«

Merke: Protestbewegungen in China, Russland, Iran oder Nordkorea kämpfen immer für mehr Demokratie und Freiheit. Demonstranten in Deutschland, Frankreich oder Spanien hingegen, sind stets gewaltbereite Chaoten, die den Verkehr blockieren und Vandalismus betreiben würden. :JAJA:


whataboutism
Kultivierte Doppelmoral

Ziegenjournalismus (3): Kriegspropaganda

Haben Journalisten den Mut, die Hand zu kritisieren, die sie füttert?

Inwiefern die bürgerlichen Massen‐ und Leitmedien überhaupt ein intrinsisches Interesse an Objektivität, Sachlichkeit, Menschenrechte und der Suche nach der Wahrheit haben, erkennt man spätestens bei der Kriegsberichterstattung. Werden hier beide Seiten des Konflkts möglichst wertneutral beschrieben? Wird zur Diplomatie und zum Frieden aufgerufen oder für den Krieg getrommelt? Werden Meldungen und Informationen doppelt und dreifach geprüft oder einfach übernommen, weil sie in das eigene ideologische Narrativ passen? Wie viele Quellen, Kriegsreporter und Informanten gibt es? Werden diese dem Leser transparent gemacht, sind sie womöglich selbst in den Konflikt involviert oder eher ideologisch voreingenommen? Weiterlesen

whataboutism

In der Politikwissenschaft gibt es eine wissenschaftlich anerkannte und weitverbreitete Methode: die Komparatistik oder vergleichende Politikfeldanalyse. In allen Bereichen von der politischen Theorie, der Wahlforschung, der politischen Systeme, der Medien‐, Bildungs‐ oder Umweltpolitik bis zur internationalen Politik, spielt der analytische Vergleich eine immanent wichtige Rolle. Wer aber nun Strukturen, Berichterstattungen, Wertungen, Präsidenten, Regierungsformen oder politische Fakten miteinander vergleicht, die nicht in das eigene ideologische Narrativ und/oder Wertesystem passen bzw. über die man einfach nicht sprechen will, dem wird als Totschlagargument »whataboutism« vorgeworfen. Weiterlesen

Ziegenjournalismus (2): SEO

Haben Journalisten den Mut, die Hand zu kritisieren, die sie füttert?

Eine weitere mittlerweile sehr große Plage, ist die SEO‐Gleichschaltung, die effektiv Filterblasen und Echokammern erzeugt. Ganze Heerscharen von vermeintlichen Online‐Marketing‐Experten geben Journalisten und Redakteuren explizite Anweisungen, wie ein google‐konformer Text auszusehen hat. Die Anzahl der Wörter, Keywords, Verlinkungen, Clickbait‐Überschriften und so weiter. Besonders anstrengend und nutzerfeindlich sind die No‐News‐Beiträge, die Nicht‐Nachrichten und das Gerüchte‐Geblubber, die nur als Platzhalter für Keywords und das Google‐Ranking dienen. Ein typisches Beispiel. Weiterlesen

Ziegenjournalismus (1): Advertorials

Haben Journalisten den Mut, die Hand zu kritisieren, die sie füttert?

Die großen bürgerlichen Massenmedien bezeichnen sich gerne als »Leitmedien« (Spiegel, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Zeit, BILD). Sie seien für die Demokratie konstituierend und für den Einfluss auf die öffentliche Meinung von entscheidender Bedeutung. Seit einigen Jahren schiessen sie aus allen Rohren gegen alternative Medien. Dort sollen primär Verschwörungstheorien, Populismus und Fake News verbreitet werden. Gleichzeitig feuern diese mit pauschalen (Wert-)Urteilen zurück: »Lügenpresse«.

Was mir bei der ganzen Debatte zu kurz kommt, sind die alltäglichen Fehler, Ungereimtheiten, Verzerrungen, Halbwahrheiten, Übertreibungen, Falschzitate, Skandalisierungen sowie die gezielten Methoden von Print‐ und Online‐Medien, die schon als völlig »normal« gelten, es aber eigentlich nicht sein sollten und nicht sein dürften. Denn genau diese Methoden haben primär mit zum Vertrauensverlust der Bevölkerung in die vermeintlich etablierten Massenmedien beigetragen. Um die soll es zukünftig in der neuen Rubrik »Ziegenjournalismus« gehen. Heute starten wir mit »Advertorials«. Weiterlesen

Antikriegsfilme

Es gibt für mich nur wenige Filme, denen ich das Attribut »gegen den Krieg zu sein« verleihen würde (»Apocalypse Now«, »Der schmale Grat«, »Full Metal Jacket«). »Der Soldat James Ryan« gehört beispielsweise nicht dazu. Ein Antikriegsfilm (oder besser: Friedensfilm) muss nicht nur schockieren, nachdenklich stimmen sowie die Grausamkeit und Brutalität des Krieges zeigen, sondern darf auch keinen heuchlerischen Pathos oder verlogenen Nationalismus beinhalten. Wenn er Kriegslügen aufdeckt (oder zumindest thematisiert) und die Dämonisierung des Feindes als Propagandainstrument entlarvt, umso besser.

Vor kurzem habe ich zum ersten mal »Johnny zieht in den Krieg« aus dem Jahre 1971 von Dalton Trumbo, der zu den berüchtigten »Hollywood Ten« gehörte, gesehen. Der Film ist auch 50 Jahre später immer noch düster, depressiv, ein lebendiger Alptraum. Wenn ein Antikriegsfilm unterhält, hat er etwas falsch gemacht. Denn Krieg ist kein »Spaß«. Die NATO‐Massen‐und‐Unterhaltungs‐Medien schweigen ihn tot, was vermutlich auch an solchen Aussagen liegt: »Demokratie ist wie andere Regierungsformen, wo sich junge Leute gegenseitig umbringen.«


Kriegssprache
Die Inszenierung des Krieges
»Und plötzlich war er da: der Krieg«