»Wir müssen reden!« (2)

Labern. Sitzen. Labern. Saufen. Labern. Fressen. Labern. Rauchen. Labern. Schwafeln. Quatschen. Der Glaube an das Allheilmittel Kommunikation ist bei einigen Bevölkerungsschichten (Pädagogen, Psychologen und Frauen) sehr stark verankert. Auch das Quantität nicht gleichbedeutend mit Qualität ist, wollen die endlosen Quasselstrippen, nervigen Labertaschen und narzisstischen Ich‐Bin‐Wichtig‐Blubberinnen nicht verstehen. Ich vermute, es gab noch nie so viel Kommunikation wie heute (aka soziale Medien) und gleichzeitig wurde noch nie so wenig gesagt.

Stattdessen: Bullshit‐Bingo (PR, Werbung, Marketing), inszenierte Diskurse (Polit‐Talkshows), Clickbait‐SEO‐Nicht‐Nachrichten sowie unerträglich viel Hype‐Gewese um langweilige Nichtigkeiten, Familien‐Gedöns, lustig‐lustige YouTube‐Filmchen und profane Alltagsbanalitäten. Im Jahr 2019 wird nicht zu wenig miteinander geredet, sondern eher viel zu viel. Insofern: »Es gibt kaum etwas Besseres, als mit einem guten Freund über ein interessantes Thema zu schweigen.« (Alec Guinness)


»Wir müssen reden!«

Verseuchung

  1. ) Trinkwasser (Nitrate, Mikroplastik, Hormone, Schwermetalle etc.)
  2. ) Luft (Industrie‐Abgase, radioaktive Strahlung, Feinstaub, Stickoxide etc.)
  3. ) Lebensmittel (Raffinade Zucker, Konservierungsmittel, Lebensmittelzusätze, Aromen etc.)
  4. ) Boden (Glyphosat, Pestizide, Müllberge etc.)
  5. ) Meere und Ozeane (Plastik, Öl‐Katastrophen, Giftmüll etc.)
  6. ) Geist (BLÖD‐Zeitung, Boulevard‐Medien, NATO‐Propaganda, PR‐und‐Marketing‐Bullshit, Werbelügen, Trash‐TV etc.)
  7. ) ...

Wir werden täglich vergiftet und leben inmitten der globalen Industrie‐Verschmutzung‐und‐Verseuchung. Werden wir krank, heißt es jedoch zunächst immer: Rauchen Sie? Trinken Sie Alkohol? Leiden Sie unter Stress? Erbkrankheiten? Liegt es womöglich in Ihrer Familie? Kaum ein Arzt thematisiert Umweltgifte, Industrie‐Verseuchung oder Luftverpestung. »Eigenverantwortung! Einzelfall! Sie wissen schon! Außerdem: darüber gibt es keine belastbaren Studien!« Sagt mal, für wie dumm haltet Ihr uns eigentlich?

Populistische Wahrheiten

»Die da oben machen eh was sie wollen« oder »die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen« sind nur zwei von sehr vielen Stammtisch‐Parolen, die vermeintlich gebildete Wirtschaftsexperten, Journalisten, Wissenschaftler oder Politiker, als populistische Parolen oder Verschwörungstheorien brandmarken. Wir leben doch in einem Rechtsstaat und jeder habe die Möglichkeit sich juristisch zu wehren, so die gängige Antwort. Ansonsten seien es »Einzelfälle«, aber nie niemals will man Strukturen, Methoden oder gar eine Zwei‐Klassen‐Justiz erkennen! Dabei reichen allein zwei Beispiele aus, um diese bürgerliche, neofeudale Argumentation als absurden Bullshit zu entlarven:

  1. ) Der Cum‐Ex‐Skandal
  2. ) Der VW‐Abgasskandal (Dieselgate)

In beiden Fällen geht es um millionenfachen Betrug und insgesamt um Milliarden von Euro. Und welche juristischen Konsequenzen gibt es? Richtig! Keine. Null. Nada. Niente.


Die Einzelfalltheorie
Die Populismustheorie

Die Banalisierung von Adorno

(©Jeremy J. Shapiro. wikipedia.org. 1964)

Wie macht man einen Beitrag über den 50. Todestag eines beißenden Gesellschaftskritikers, der die Mechanismen, Methoden und Herrschaftsprinzipien vom Faschismus und Marktradikalismus in zahlreichen Büchern, Schriften und Aufsätzen präzise aufgezeigt hat, ohne groß über seine Erkenntnisse zu schreiben? Man macht einen Podcast über seine Heimat: »Theodor W. Adorno kritisierte seine Umwelt als eine von Riesenkonzernen gesteuerte Massenkultur. Ein richtiges Leben im falschen sei unter diesen Bedingungen unmöglich. Im bayerischen Amorbach fand der Philosoph trotzdem so etwas wie Heimat.«

Man schwadroniert über sein Haus, sein Lieblingsrestaurant, seine Familie, seine Stammkneipe und -Apotheke und über seine Nachbarn. Man erzählt wie er einmal einen Beschwerdebrief wegen einer Umgehungsstraße an die Stadtverwaltung verfasst hatte und über Wildschweinfütterung. Es menschelt. Bürgerlich. Bieder. Spießig. Der Deutschlandfunk schafft es auf diese Art, die kritischen Gedanken des Theodor W. Adorno über die Themen Macht, Herrschaft und Ideologie dem (vielleicht uninformierten) Leser komplett vorzuenthalten. Diese extrem oberflächliche und unpolitische Aufarbeitung des großen Denkers Adorno ist nicht nur eine intellektuelle Beleidigung, sondern auch eine schamlose Entstellung gegenüber seinem Lebenswerk: »Was einmal Geist hieß, wird von Illustration abgelöst.« (Theodor W. Adorno. »Minima Moralia«. Suhrkamp Verlag. 8. Auflage 2012. S.160)


»Gerechtigkeit ist subjektiv!«
Kritik ist positives Denken

Sommerpause

Verehrte Leserinnen und Leser, der Blog‐Opa epikur (mehr als 2.000 Beiträge in 10 Jahren) geht in die Sommerpause. Bloggen ist ja sowieso total out, embedded von Industrie und Kommerz sowie einfach nur belanglose, selbstreferentielle Laber‐Sülz‐Scheiße. WhatsCrap, Fickbook, Finstergramm, Schinder, Zwitter, youfuube und wie sich der ganze andere »Bla‐Bla‐Blubber‐Ich‐bin‐so‐wichtig‐und‐hab‐ein‐soooo‐tolles‐Leben‐Rotz« (aka s‐oz‐i‐a‐l‐e Medien) noch so nennt, sind angesagt! Ich bin da sowas von vorgestern! :JAJA:   Weiterlesen

Methodengläubigkeit

Im Zeitalter des neoliberalen Leitmotivs der »Eigenverantwortung« gibt es einen Aspekt, der eher selten thematisiert wird: die Methodengläubigkeit. Wann immer (Arbeits-)Prozesse, Handlungen oder Verhaltensweisen nicht das gewünschte Ergebnis liefern, wird die Frage aufgeworfen, ob eine andere Technik nicht besser geeignet gewesen wäre. Die marktradikale »Eigenverantwortung« für die Bevölkerung (bei gleichzeitigem Banken‐Sozialismus für den Geldadel!) rückt die Fragestellungen nach Rahmenbedingungen, Strukturen und Dynamiken häufig gezielt in den Hintergrund.

Stattdessen wird eine Methodengläubigkeit zelebriert, die davon ausgeht, dass eine vermeintlich effektivere Herangehensweise bessere Ergebnisse produzieren würde. Besonders bei einmaligen und schwer wiederholbaren Vorgängen lässt sich das kaum aussagekräftig beweisen. Der Tenor lautet aber auch hier (wie fast überall): »Du bist schuld! Hättest Du mal anders gehandelt und Dich anders entschieden!« Eigenverantwortung statt Systemkritik.


Herrschaftsprinzipien

Wiederholungen

Urlaub: Alles bleibt anders?

Letztens wurde mir in einem Gespräch vorgeworfen, meine Kritik würde sich zu oft wiederholen und das schwäche meine Argumentation. Ich entgegnete, wenn sich der Irrsinn um mich herum immer wiederholt (Orwell lässt grüßen!), dann kann sich meine Kritik daran auch nicht großartig verändern. Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb man einerseits die ständigen Medien‐Propaganda‐Wiederholungen und -Narrative locker ertragen kann (der böse Russe, gefakte Arbeitslosenzahlen, »Wir sind die Guten« etc.), aber andererseits jedwede wiederholte Kritik daran, als unbequem und anstrengend empfindet?

Die täglich monotone Wiederholung der eigenen Lohnarbeits‐Aktivitäten wird kaum thematisiert. Selbstentfremdung ist außerhalb akademischer Diskurse kaum eine Frage. Mir drängt sich der Verdacht auf, dass jegliche Art von Störung der eigenen Biedermeier‐Komfortzone und Mikro‐Bequemlichkeitswelt (und sei es nur ein Hintergrundrauschen), als ganz persönliche Belästigung betrachtet und empfunden wird. Das eigene Denk‐ und Wertesystem (und sei es noch so schief, kaputt oder pathologisch), dürfe nicht angerührt werden. Wer auf den Schmutz aufmerksam macht, ist somit nicht nur schmutzig, er verursacht auch den Schmutz. :JAJA:

Selektive Menschenrechte

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“
(– Art. 1: Allgemeine Erklärung der Menschenrechte)

Wenn es gegen Sexismus geht, ist die Einschränkung der Meinungsfreiheit erwünscht.
Wenn es gegen Sexualverbrecher geht, wird Lynchjustiz geduldet.
Wenn es gegen Linksextreme geht, wird Polizeigewalt toleriert
Wenn es gegen Putin und Russland geht, ist NATO‐und‐Kriegs‐Propaganda ein probates Mittel.
Wenn es gegen, in der Öffentlichkeit stehende, Banken‐, Konzern‐ oder Regierungskritiker geht, ist Rufmord ein übliches Herrschaftsinstrument.

Qualitätsjournalisten und Social‐Media‐Wutbürger scheinen die Universalität der Menschenrechte immer weniger anzuerkennen. Der Zweite Weltkrieg, und damit verbunden die totale Zerstörung jedweder Menschlichkeit, scheint für Einige zu weit weg und zu abstrakt zu sein. Über beispielsweise die Hintertür einer vermeintlich authentisch‐emotionalen Öffentlichkeit (»Todesstrafe für Kinderschänder«) werden argumentativ‐sachliche Diskussionen, über den grundsätzlichen Wert und die Bedeutung von universellen Menschenrechten für alle, blockiert, verhindert und/oder mundtot gemacht. Wer zur Mäßigung aufruft, wird zum Schluffi oder gar zum (Mit-)Täter gemacht. Ich halte das für eine bedenkliche, wenn nicht gar gefährlichen Entwicklung.

»Krass, Alter!«

Im Social‐Media‐Zeitalter scheint man häufig auf der Jagd nach Entertainment zu sein. Große und auch kleine Geschichten wollen erzählt werden, die witzig, lustig, verrückt oder sonstwie unterhaltsam sind. Wie oft habe ich es erlebt, dass man in gemütlichen Gesprächsrunden mit Bekannten, Kollegen oder Fremden, etliche Coming‐of‐Age‐Stories erzählt bekommt. Die vermeintlich verrückten Geschichten der eigenen Pubertät, die häufig was mit Drogen, Gewalt oder anderen nicht immer ganz legalen Handlungen zu tun haben. Man habe sich ausprobiert, die Welt erkundet und sei verrückt gewesen, so der Tenor.

Wenn man dann erzählt, dass man schon als 14Jähriger Koma‐Saufen, kiffen, kleinere Diebstähle, Sachbeschädigungen, Vandalismus oder Schlägereien als wenig aufregend empfand und schon früh vieles hinterfragt hatte, wird man entweder zum Langweiler oder überheblichen Schnösel degradiert. Die Leute wollen Entwicklungsgeschichten hören. Menschen, die sich aus der Scheiße gezogen oder die irgendwie halbseidene Sachen gemacht haben. Das sei halt spannend und interessant. Mir scheint jedoch: Weisheit ist -wenn überhaupt in unserer digitalen Idiokratie‐ nur im Alter erwünscht, aber so gar nicht in jungen Jahren.


Ich. Bin. Wichtig.
Echte Lebensweisheiten
»Erwachsene sind doof!«