Selbstverwirklichung durch Fremdbestimmung

Wer einer Lohnarbeit nachgehe, verdiene sein eigenes Geld, sei nicht mehr vom Staat abhängig, sorge für sich selbst und seine Familie, verwirkliche sich selbst und nehme aktiv an der Gesellschaft teil. So lautet eine der üblichen, allgemein gültigen und selten in Frage gestellten Dogmen der westlichen Industriegesellschaften. Manche Menschen sind gar »selbstständig« oder gründen eine »Existenz«. Wer als ein vollwertiges Mitglied in der Gesellschaft anerkannt, ja als Mensch respektiert und nicht zu den Überflüssigen zählen will – der muss einer Lohnarbeit nachgehen. Unabhängig davon, welche Vorstellungen er oder sie vom Leben hat. Individualismus bedeutet, die eigene Lebensgestaltung, Selbstfindung und Sinnerfüllung der vorhandenen sozioökonomischen Struktur zu unterwerfen. Weiterlesen

Tod durch Profitgier

Als am 11. September 2001 knapp 3.000 Menschen durch einen Terror-Anschlag auf das World Trade Center ihr Leben verloren haben, gab es eine große internationale Solidarität mit den USA, einen Krieg mit Afghanistan sowie eine weltweite Mobilisierung gegen die terroristische Vereinigung Al Kaida. TV-Sender, Printmedien sowie die Wissenschaft beschäftigen sich bis heute ausführlich mit diesem Thema.

Am 24. April 2013 sind über 1.000 Menschen bei einem vermeidbaren Fabrikeinsturz (unzureichende Sicherheitsbedingungen) in Bangladesch ums Leben gekommen. Die Textilfabrik hat, mit Billig-Lohnarbeitern, die unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten, Mode für internationale Konzerne hergestellt. Nun »versprechen« die Mode-Konzerne (in bester Krisen-PR-Manier) bessere Arbeitsbedingungen und neue Brandschutz-Regeln. Keine internationale Solidarität, keine Eingreiftruppe und keine Mobilisierung gegen die Modeketten. Und in zwei Wochen ist das Thema wieder von der medialen Agenda verschwunden.

Merke: Tod durch Profitgier ist kein Terror, sondern unvermeidbarer Kollateralschaden.

Smalltalk

Das kleine Sprechen, so sagt man mir oft, erleichtert den Zugang zu anderen Menschen. Ich solle mich auf der Oberfläche bewegen, keine tiefgründigen oder ernsten Themen ansprechen. Humorvoll sein, über Lohnarbeit und über mein unmittelbares Umfeld reden. Alles darüber hinaus werde als anstrengend empfunden. Diskurse aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Medien, Philosophie und Kunst würden die meisten Menschen eher abschrecken, ich solle sie daher meiden. Auch Kritik werde ungern gesehen.

Doch smalltalk wird schnell zum normaltalk. Ob bei Facebook, auf Partys, mit den Arbeitskollegen, selbst mit Freunden oder der Familie: die alltägliche Kommunikation bleibt nicht selten auf dem Niveau der Einstiegskommunikation. Wenn ich mich jedoch ständig mit meinen Mitmenschen über Dinge unterhalte, die mich nicht in die Welt werfen und in sie eintauchen, mich nicht berühren und empathisch aktiv werden lassen — so bleibt nicht nur die Beziehung zu meinen Mitmenschen oberflächlich, unverbindlich und belanglos, sondern auch das Verhältnis zu mir selbst.

Menschwerdung

Wir brauchen nicht mehr, sondern weniger technologischen Fortschritt. Wir brauchen nicht mehr, sondern weniger kommerzielle Propaganda. Wir brauchen nicht mehr, sondern weniger Wirtschaftswachstum. Wir brauchen nicht mehr, sondern weniger Ersatzbefriedigungen. Wir brauchen nicht mehr, sondern weniger Medienkonsum. Wir brauchen nicht mehr, sondern weniger Lohnarbeit. Wir brauchen nicht mehr, sondern weniger Produkte.

Frauenrollen

Clarice van Houten spielt Melisandre in »Game of Thrones« (Bild: Thom Hoffman/wikimedia)

Seit längerem nervt mich eine Rolle bei vielen TV-Serien ganz besonders: die der Haus– und Ehefrau bzw. der Mutter. Ob bei »Homeland«, »24«, »Heroes«, »V – die Außerirdischen«, »Breaking Bad«, »the shield«, »the wire« oder vielen anderen Serien: die Ehefrau und Mutter hält stets moralische Predigten, macht Vorwürfe, jammert, heult und nörgelt was das Zeug hält. Weiterlesen

Fragen

  1. Warum sind Selbstmordattentäter feige und hinterhältig, während ein Soldat, der mit einer Drohne Menschen (auch Zivilisten) aus sicherer Distanz ermordet, ein mutiger Kämpfer gegen den Terrorismus ist?
  2. Weshalb werden Demonstrationen im Iran, China oder Saudi-Arabien in den Massenmedien stets als Bürgerbewegungen bezeichnet, die mehr Demokratie fordern, während Demonstrationen, Streiks und Bürgerinitiativen in Deutschland stets als Störungen wahrgenommen werden?
  3. Wie kann man von Pressefreiheit, Meinungsvielfalt und Medienpluralismus sprechen, wenn tagtäglich alle Medien von den Nachrichtenagenturen (vor allem von dpa) abschreiben?
  4. Warum dürfen die USA, Israel, Indien, China, Großbritannien, Russland und Frankreich Atombomben besitzen, Iran und Nordkorea aber nicht?

Fragen an Gott

Seid wann wird ein Papst gewählt? Wird er nicht von Gott selbst ernannt? Wollen Sie uns im Ernst weiß machen, es fand eine Wahl statt? Seit wann ist die katholische Kirche für seine demokratischen Praktiken bekannt? Weshalb ist Papst Benedikt eigentlich zurückgetreten? Wegen seiner Gesundheit, wie es offiziell hieß? Und das sollen wir glauben?