Alibipolitik

Für die Krise des Marktes gibt es die Heilung des Marktes.“
(Serge Halimi. »Hollande auf dem falschen Pferd«. Le Monde Diplomatique. Ausgabe März 2016. S. 4)

Statt die sozioökonomischen Rahmenbedingungen positiver zu gestalten, verfrachten wir die Leute in die Psychotherapie, damit sie sich besser selbst optimieren können.

Statt die Arbeitsbedingungen von Lohnarbeitern dauerhaft zu verbessern, schicken wir einen Coacher oder Supervisor, damit die Kollegen sich mal auskotzen können.

Statt effektiven Klima‐ und Umweltschutz zu betreiben, führt man einen marktkonformen Emmissionshandel ein.

Statt in Schulen und Kindergärten zu investieren und soziale Berufe attraktiver zu machen, werden die Anforderungen an das Fachpersonal und die Qualität herunter geschraubt, um Geld zu sparen.

Statt.....

Neusprech: »Freiwillige Selbstverpflichtung«

Das Schlagwort »freiwillige Selbstverpflichtung« ist in Politik und Wirtschaft ein beliebtes Argument, um verbindliche Regelungen zu vermeiden. Es wird suggeriert, dass eine gesetzliche Regulierung nicht nötig sei, da Konzerne, Banken und Unternehmen freiwillig ihrer sozialen und ökologischen Verantwortung nachkommen würden. Warum sie -ohne effektive Sanktionsmöglichkeiten‐ überhaupt etwas anderes machen sollten, was nicht in ihrem ureigenen (Profit-)Interesse liegt, verraten uns weder das Schlagwort, noch Politiker, die diese Phrase verwenden. Weiterlesen

Presseblick (76)

»Es gibt nur einen Ausdruck für die Wahrheit: den Gedanken, der das Unrecht verneint.“
(Theodor W. Adorno. Minima Moralia. Suhrkamp Verlag. 8. Auflage 2012.)

Außenminister Heiko Maas rät uns: »Mal vom Sofa hochkommen, um den Rassismus zu bekämpfen!« Gilt das auch, wenn ich gegen NATO‐Angriffskriege, Massenarmut per Gesetz, verfassungswidrige Gesetze, den Tiefen Staat, Landraub, Polizeigewalt, Politiker‐Lügen, Neo‐Kolonialismus, Waffenexporte, Immobilien‐Heuschrecken und gegen das Finanzcasino demonstriere? Oder bin ich dann ein linksextremer Chaot, der zum schwarzen Block gehört? :PFEIF: Weiterlesen

Presseblick (75)

In Frankreich sind sechs der zehn größten Vermögen in den Händen von Medienunternehmern.“
Serge Halimi. Gegen den Strom. Le Monde Diplomatique. Oktober 2015. S. 23

Massenarmut. Landraub. Verelendung. Kriege. Umweltzerstörungen. Abbau von Bürgerrechten. Wirtschaftskriminalität. Massenüberwachung. Das alles bekommt in unserer bürgerlichen Medienwelt nicht die Aufmerksamkeit, als wenn es um vermeintlichen Sexismus geht: »Transsexuelle Entwicklerin: Mob will sie feuern lassen, scheitert.« Oder: »Arte, der Männersender.« Fast täglich werden wir mit solchen und ähnlichen Meldungen, Artikeln und Beiträgen bombardiert. Ganz so, als würde der Kampf gegen das vermeintliche Patriarchat das einzig wichtige gesellschaftliche Problem unserer Zeit sein.

Es ist nicht nur ein perfektes Ablenkungsthema, damit sich niemand mehr mit der Finanzindustrie sowie den Eigentums‐ und Vermögensverhältnissen, mit Kriegen sowie den täglichen kriminellen Schweinereien von Konzernen und Banken beschäftigt, es spaltet auch auf Mikroebene weiter die Gesellschaft. Divide et Impera, damit allein schon der Gedanke an Solidarität ausgelöscht wird. Die Solidarität der Armen, Entrechteten, Arbeitern und Hilflosen untereinander war und ist das Grundübel der kapitalistischen Ordnung. Denn wo Solidarität herrscht, gibt es Protest, Streik und Widerstand. Weiterlesen

Unser täglich Brot!

brot_titel

  1. ) Den Reichen helfen, noch reicher zu werden.
  2. ) Von Demokratie reden. Den Feudalismus leben.
  3. ) Neoliberale Herrschaftssprache verinnerlichen.
  4. ) Nach Bauchgefühl, Sympathie und Emotionen entscheiden und werten. Argumente und Analysen eher ablehnen.
  5. ) Rahmenbedingungen sowie strukturelle Gewalten negieren und nur den Einzelfall sehen wollen.
  6. ) Kritik als Pessimismus und Schwarzmalerei abwerten. Zwangsoptimismus leben.
  7. ) Den digitalen Göttern dienen.
  8. ) ...

» »Der rosarote Duckblick«
» »Das musst Du positiv sehen!«
» »Kritik ist positives Denken«

Presseblick (70)

meedia.de vom 22.02.2018

meedia.de vom 22.02.2018

Wenn es gegen Putin und/oder Russland geht, wird alles genommen. Das Satire‐Magazin »Titanic« hatte die BILD‐Zeitung mit gefälschten Informationen hereingelegt und behauptet, dass der Juso‐Vorsitzende Kevin Kühnert mit russischen Internettrollen Kontakt hätte. Die BILD hielt das natürlich für echt und machte eine große Schlagzeile: »Schmutzkampagne bei der SPD.« Als das ganze aufflog, schrieb BILD‐Chefredakteur Julian Reichelt eine E‐Mail an sein Team. Jakob Augstein wird peinlich: »Ich erkenne das aufklärerische Interesse nicht. Das ist reine Destruktion.« Richtig, wenn es gegen Putin und Russland geht, gibt und darf es niemals Aufklärung geben. :JAJA: Weiterlesen

Plutokratie. Neofeudalismus. Oligarchie.

»Generell wissen wir wenig über den Zusammenhang zwischen der Verteilung von Vermögen und der Frage, wie gut demokratische Institutionen in einem Land funktionieren. [...] Ökonomisch gesehen ist außerdem eine bessere Wettbewerbspolitik notwendig. [...] Die Politik muss sich darauf vorbereiten, dass die Vermögenskonzentration auch in Deutschland irgendwann korrosiv auf unser politisches System wirken könnte.«

- Rüdiger Bachmann. »Feudale USA«. Auf: zeit.de vom 27. Januar 2018

Anmerkung: Einfach behaupten, man kenne keinen Zusammenhang zwischen Vermögen, Macht und politischen Einfluss und schon kann man von Demokratie reden, aber in Unternehmen, Banken und Konzernen den Neofeudalismus leben. Dann macht auch das neoliberale Wundermittel »mehr Wettbewerb« wieder Sinn. »Irgendwann korrosiv« klingt wie »die Schere zwischen arm und reich wird immer größer« — Nein, verdammt noch mal! Es ist jetzt so! Im Hier und Jetzt. Heute! Das die Politik sich »darauf vorbereiten« müsse, klingt wie eine Drohung: den Unmut im Keim ersticken! Militär im Innern einsetzen. Überwachung ausbauen. Strafgesetze verschärfen. Meinungsdiktatur durchsetzen.


» »Narrative Legenden«
» »Anleitung zur Ausbeutung«
» »Zehn Punkte‐Plan«

Die Definition von Irrsinn

irre_titelSeit bald zehn Jahren schreibe ich gegen den ständigen Wahnsinn an. Gegen die installierten Narrative, gegen den massenmedialen Konsum‐Zeitgeist, gegen Sprachpropaganda, gegen Kulturimperialismus, gegen pseudo‐pädagogische Dogmen, gegen Medienverblödung und Lohnarbeitsfetischismus. Aber wofür schreibe ich eigentlich? Für Empathie, Nächstenliebe und Solidarität. Solche Werte sind heute völlig wertlos geworden. Schlimmer noch, sie werden im sozialen und pflegerischen Bereich für Profite instrumentalisiert: »ein Lächeln als Bezahlung ist doch mehr wert als eine anständige Entlohnung, nicht wahr?« Nichts und Niemand entkommt heute der marktradikalen Verwertungs‐ und Funktionslogik. Eine Weihnachtsrede, die keine sein kann. Weiterlesen

Bullshit‐Bingo‐Gelaber

Bei all der berechtigten Medienkritik die von allen Seiten kommt, vergisst man häufig einen Aspekt: den zunehmenden Mangel von präziser und interessanter Sprache bei Journalisten. Aktuell gibt es politische Sondierungsgespräche zwischen den Parteien über die zukünftige Regierungskoalition. Unsere bürgerlichen Massenmedien entblöden sich dabei nicht, über Nicht‐Nachrichten zu schwadronieren. Alles Spekulationen, Vermutungen und Thesen. Aber Hautpsache irgendwie, irgendwas rumlabern:

  • »Union, FDP und Grüne müssen zeigen, dass sie die Königsdisziplin der Demokratie beherrschen: den Ausgleich von Interessen.« (sueddeutsche.de vom 23.10.)
  • »Wenn eine schwarz‐gelb‐grüne Koalition zustande kommt, hat sie das Potenzial, für frischen Wind zu sorgen.« (fr.de vom 23.10.)
  • »Die Atmosphäre passt — doch ab jetzt geht es zwischen Union, FDP und Grünen um die Details.« (spiegel.de vom 23.10.)
  • »Es bekommt einfach jeder seine Ausgabenwünsche erfüllt, solange Geld da ist oder noch etwas länger« (faz.net vom 23.10.)

Was für ein »frischer Wind«? Welche »Demokratie«? Welche »Atmosphäre«? Was labern die alle für einen Bockmist? Gibt es noch so etwas wie Vernunft, authentische Sprache oder selbstdenkende Journalisten abseits von Plastikbegriffen, Gummiwörtern und hohlen Bullshit‐Bingo‐Phrasen? Sind denn alle verrückt geworden? :WTF:

Demokratie ist...

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  • ...wenn man alle vier Jahre ein Kreuz macht.
  • ...wenn oberste Gerichte Lobbyisten‐Transparenz verhindern.
  • ...wenn Geld, Vermögen und Besitz den Wert der Menschenwürde bestimmen.
  • ...wenn fast alle Massenmedien und Parteien neoliberal konditioniert sind.
  • ...wenn Geheimdienste auf die Gesetze scheißen und dafür niemals zur Rechenschaft gezogen werden.
  • ...wenn alle Alternativen Verschwörungstheorie, Populismus, Antisemitismus, Hate Speech und Fake News sind.
  • ...wenn 60 Superreiche soviel besitzen, wie die ärmste Hälfte der Menschheit.

Und nebenbei: wie in Gottes Namen kommt die FDP von Null auf 10 Prozent? Neoliberaler Voodoo‐Zauber? :WTF: