Neulich beim Friseur

Mehr als 1,5 Stunden hat man mich schmoren lassen. Ich hatte keinen Termin. Die Damen kamen auch nicht mal zwischendurch zu mir oder versuchten mich irgendwie zu beschwichtigen (»Ein Glas Wasser?« Oder: Es ist gleich soweit!«), nein, sie redeten überhaupt nicht mit mir. Nach über 90 Minuten habe ich den Laden wütend verlassen. Ein Kunde weniger. Ich gehe vielleicht 3–4 mal im Jahr zum Friseur. Und das sehen die Angestellten auch. Ich bin weder ein eitler Herr, der sich alle zwei Wochen seine Zwei Millimeter schneiden lässt, noch ein Vereinsamter, der ein nettes Schwätzchen mit jungen Damen halten will. Ich bin auch kein weibliches holdes Wesen, das sich für viel Geld die Haare machen lässt, weil das ja irgendwie wichtig sei.

Beim nächsten Laden musste ich zwar nur 30 Minuten warten, aber auch da sprach man mich gleich an: »Lange nicht mehr beim Frisör gewesen, he? (Hoa, Hoa)« — »Ja, ich bin Pragmatiker!« Das Gesicht hättet Ihr sehen sollen. Kein Selbstoptimierer und Selbstinszenierer, dem wir teuer Haarwachs, -Gel, -Shampoo, -Pflegespülung, Haarfarbe gegen die ersten grauen Haare oder sonstigen Mist andrehen können (alles schon erlebt!) und der dazu nur alle paar Monate vorbei kommen will? Was soll denn das? Da braucht man nicht übermäßig zuvorkommend sein. Selbst mit der bekloppten Bonuskarte verdienen wir nicht viel an dem. Warum dann noch freundlich sein?

First‐World‐Problem. Ich weiß.


»Neulich...«

Fördern und Fordern

Mit der "Eigenverantwortung" wurde der Sozialstaat sturmreif geschossen

Mit der »Eigenverantwortung« wurde der Sozialstaat sturmreif geschossen

Mehr ökonomische Verwertbarkeit fordern und damit mehr Menschenverachtung fördern.
Mehr Eigenverantwortung fordern und damit mehr Egoismus fördern.
Mehr Flexibilität fordern und damit mehr Existenzängste fördern.
Mehr Anpassung fordern und damit weniger individuelle Kreativität fördern.
Mehr Bürokratieabbau fordern und damit mehr Massenentlassungen fördern.

»Zuversicht und Realismus, Fördern und Fordern gehören für die SPD immer zusammen.“

Sigmar Gabriel (SPD) am 9. Februar 2016 auf spd.de

Ich

ich_titelIch bin der Mittelpunkt des Universums. Die Erde, der Mond und alle Planeten unseres Sonnensystems drehen sich um mich. Meine Bedürfnisse, Interessen und Ziele stehen stets an erster Stelle. Ein sozial‐emotionales Filterblasengefängnis beschützt mich vor kreativ‐schöpferischer Veränderung. Ich will mit Vollgas vorwärts schweigen und dabei stehenbleiben. Die Monotonie saufen. Den Stillstand fressen. Nicht Nachdenken. Aber verrenken. Mich optimieren. Inszenieren. Anpassen. Und verwerten lassen. Nach oben kriechen. Nach unten treten. Menscheln. Haben wollen. Ein Individualist sein.

Kognitive Dissonanzen

kogni_titelWarum nennt man einen Flüchtling, der in Deutschland angekommen ist, eigentlich weiterhin einen Flüchtling? Ist er jetzt nicht ein Angekommener?

Weshalb sollte ein Problem oder ein Missstand, mit dem sich Geld verdienen lässt, überhaupt endgültig gelöst werden? Wäre das -marktwirtschaftlich betrachtet‐ nicht kontraproduktiv? Sind Süchtige nicht die besten Kunden, die es gibt?

Warum reden wir über ein Mindesteinkommen/einen Mindestlohn, aber niemals über ein Maximaleinkommen? Warum gibt es eine Lohnzurückhaltung, aber keine Gewinnzurückhaltung?

Verlachte Positionen

  1. position_titelIch habe in erster Linie studiert, um meinen Horizont zu vergrößern, um geistig zu reifen und weil mich das Studienfach sehr interessiert hat. Die berufliche Perspektive war dabei eher zweitrangig.
  2. Innere Ruhe, Ausgeglichenheit und schöpferische Aktivitäten sind mir wichtiger, als Besitz, Konsum und Haben‐Denken.
  3. Ich bin auch ohne Lohnarbeit glücklich.
  4. Für mich kommt weder Millionär werden, noch Karriere machen in Frage. Dafür ist mir meine Lebenszeit zu wichtig.
  5. Selbstreflexion, Empathie und kritisches Denken machen mich glücklich.
  6. Ich glaube an das Gute im Menschen und dass es eine Welt ohne Armut, Krieg und Elend geben kann.

Zehn wichtige Fragen

  1. Wie viel kostet es? Bekomme ich das irgendwo auch günstiger?
  2. Welches smartphone ist das Coolste? Welche App´s hast Du drauf?
  3. Was werden wohl meine Freunde und meine Familie zu meinem neuen Auto, meiner neuen Wohnung, meiner neuen Kleidung und zu meinem neuen Lebenspartner sagen?
  4. Bekommen wir ein hübsches Baby?
  5. Was läuft heute im Fernsehen?
  6. Bei welchem Job verdiene ich am meisten?
  7. Warum bekomme ich für mein Profilbild in Facebook nur so wenig Likes?
  8. Wohin fahren wir dieses Jahr in den Urlaub?
  9. Bin ich zu dick?
  10. Wann wird Deutschland endlich wieder Fußball‐Weltmeister? Und wie hat Bayern München gestern gespielt?

Wieso. Weshalb. Warum.

  1. Wieso darf ich für ein halbes Schwimmbad (ständige Becken‐Belegung durch alle möglichen Kurse, Vereine, Wartungsarbeiten, Schwimm‐Bojen) dennoch den vollen Preis bezahlen? Und das obwohl die Schwimmbad‐Preise auch noch im vergangenen Jahr gleich zweimal erhöht wurden?
  2. Weshalb bekomme ich bei jedweder Kritik bei Behörden, Institutionen, Unternehmen oder staatlichen Einrichtungen von den Angestellten immer als Antwort »Ich bin dafür nicht zuständig, Das liegt nicht in meiner Verantwortung, Ich kann auch nichts dafür, Ich befolge nur die Gesetze/Regeln/Befehle/Anordnungen« zu hören?
  3. Warum legt man sich Kinder und/oder Hunde zu, wenn man sie, zum größten Teil, nur alleine lässt, abschiebt oder wegorganisiert?

Herzlose Anpassung

Früher habe ich mit den Armen gefühlt.
Früher habe ich alternative Medien gelesen.
Früher habe ich mich über politische Lügen geärgert.
Früher habe ich meinem Chef widersprochen und ihn kritisiert.
Früher habe ich demonstriert und mich ehrenamtlich engagiert.
Früher habe ich mich über die Ungerechtigkeit der Welt aufgeregt.
Früher habe ich mir Gedanken über eine menschliche Gesellschaft gemacht.

Heute bin ich erwachsen und denke an mich.