Der pädagogische Happen (28)

Kind: »Nein, ich habe mich für den Ausflug gar nicht eingetragen!«

Pädagoge: »Selma, Du stehst aber hier in der Liste!«

Mutter: »Nein, das kann gar nicht sein. Sie hat von keinem Ausflug gesprochen!«

Pädagoge: »Selma, ist das hier Deine Schrift?«

Kind: »Nein, das hat jemand anderer geschrieben. Ich war das nicht!«

Mutter: (zum Pädagogen) »Ich verstehe nicht, was das jetzt soll?«

Pädagoge: »Selma, wenn Du Dich für etwas verbindlich einträgst, dann müssen wir uns auch darauf verlassen können! Wir berechnen unser Personal danach, müssen Lunchpakete bestellen, den Ausflug vorher organisieren und planen. Du kannst nicht einfach 15 Minuten vorher absagen, weil Du keine Lust mehr hast!«

Kind: »Ja okay, ich wars. Aber ich möchte heute lieber mit meiner Freundin spielen!«

Mutter: (zum Pädagogen) »Jetzt lassen Sie sie doch!«


Der pädagogische Happen (1−27)

»Kinder machen glücklich!«

Laut Statistischem Bundesamt lebten im Jahr 2017 in der Bundesrepublik Deutschland ungefähr 11 Millionen Kinder bis 14 Jahren. Nach einer Erhebung des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZZF) wohnen 34 Millionen Haustiere im Land. Und laut Kraftfahrt‐Bundesamt gibt es im Jahr 2019 rund 65 Millionen Kraftfahrzeuge in Deutschland. Diese Zahlen vermitteln einen kleinen Eindruck davon, was den meisten Deutschen wirklich wichtig ist: Autos und Haustiere. Erst lange danach kommen Kinder. Weiterlesen

Kinderlärm ist Terrorismus!

Deutschland ist ein kinderfreundliches Land! Ein paar Auszüge aus den Kommentaren im Juraforum zum Thema »Kinderlärm«:

»Ich wohne neben einer Grundschule [...] Nix mehr mit entspannt im Garten sitzen. Ruhezeiten gibt’s auch nicht. Rasenmähen von 13 bis 15 Uhr nicht erlaubt wegen Lärmbelästigung aber dieser Terror darf stattfinden.«

»Die Plagegeister rauben einem den letzten Nerv.«

»Dieser Junge schreit so laut, dass sogar ein Hubschrauber vom Geräusch her leiser wirkt.«

»Kinderlärm kann absolut krank machen. Kinder sollen dazu angehalten werden ruhig zu spielen! Es gibt eh viel zu viele Plagegeister!!!! Braucht niemand!«

Wir Deutschen lieben unseren Nachwuchs. Die Lebendigkeit. Die Authentizität. Das Explorieren. Die intrinsische Motivation. Die natürliche Neugier. Wir wollen am Liebsten allen Kindern die Kindheit verbieten, sie zum Schweigen bringen, per Ausschaltknopf oder Maulkorb zur Selbstentfremdnung und Unlebendigkeit verdonnern, die wir Erwachsenen so verinnerlicht haben. Warum eigentlich nicht gleich Erwachsene gebären? Wo ist nur unsere Forschung, wenn man sie mal braucht?


Der pädagogische Happen (1−27)

Kinder in Deutschland; Teil 46: Entwicklung

In der Pädagogik und der Psychologie gibt es bergeweise Studien, Untersuchungen und Bücher über die Entwicklung des Kindes. Dort wird festgehalten, was normal und was entwicklungsverzögert sei und somit gegebenenfalls einer Diagnose eines Facharztes bedarf. Ob pränatale Frühförderung, die Sprach‐Meilensteine oder die altersentsprechenden Kompetenzen und Entwicklungen im sozial‐emotionalen, kognitiven oder motorischen Bereich: darüber gibt es unzählige Veröffentlichungen. Häufig steht die Frage im Vordergrund: wie kann ich das Kind noch weiter unterstützen und/oder besser fördern? Dabei kann man auch eine ganz andere Geschichte erzählen. Mit weniger euphemistischen Blümchen und mit weniger neoliberaler Sozialromantik. Weiterlesen

»Krass, Alter!«

Im Social‐Media‐Zeitalter scheint man häufig auf der Jagd nach Entertainment zu sein. Große und auch kleine Geschichten wollen erzählt werden, die witzig, lustig, verrückt oder sonstwie unterhaltsam sind. Wie oft habe ich es erlebt, dass man in gemütlichen Gesprächsrunden mit Bekannten, Kollegen oder Fremden, etliche Coming‐of‐Age‐Stories erzählt bekommt. Die vermeintlich verrückten Geschichten der eigenen Pubertät, die häufig was mit Drogen, Gewalt oder anderen nicht immer ganz legalen Handlungen zu tun haben. Man habe sich ausprobiert, die Welt erkundet und sei verrückt gewesen, so der Tenor.

Wenn man dann erzählt, dass man schon als 14Jähriger Koma‐Saufen, kiffen, kleinere Diebstähle, Sachbeschädigungen, Vandalismus oder Schlägereien als wenig aufregend empfand und schon früh vieles hinterfragt hatte, wird man entweder zum Langweiler oder überheblichen Schnösel degradiert. Die Leute wollen Entwicklungsgeschichten hören. Menschen, die sich aus der Scheiße gezogen oder die irgendwie halbseidene Sachen gemacht haben. Das sei halt spannend und interessant. Mir scheint jedoch: Weisheit ist -wenn überhaupt in unserer digitalen Idiokratie‐ nur im Alter erwünscht, aber so gar nicht in jungen Jahren.


Ich. Bin. Wichtig.
Echte Lebensweisheiten
»Erwachsene sind doof!«

Der pädagogische Happen (27)

Mutter A: »Mein Sohn spielt ja jetzt jeden Montag Klavier!«

Mutter B: »Okay.«

Mutter A: »Dienstags und Freitags spielt er ja eh schon Fussball im Verein. Manchmal gibts noch Turniere am Wochenende.«

Mutter B: »Interessant.«

Mutter A: »Und im Schulhort macht er seit drei Wochen bei der Spanisch‐AG mit.«

Mutter B: »Wirklich?«

Mutter A: »Na klar! Ich habe ihm gesagt, dass ich es mir wünschen und ich es ganz toll finden würde, wenn er das macht. Und jetzt macht er das.«


Der pädagogische Happen (1−26)

Der Pädagogische Happen (26)

(Auf dem Schulhof)

Kind: »Auf dem Mädchenklo soll ein fremder Mann in Frauenkleidern Mädchen entführen!«

Erzieher: »Hat ein Kind diesen fremden Mann schon mal gesehen?«

Kind: »Nein.«

Erzieher: »Hat ein Lehrer, Erzieher oder Elternteil diesen fremden Mann schon mal gesehen?«

Kind: »Nein.«

(Zwei Tage später auf der Teamsitzung)

Erzieher: »Haben wir hier auf der Schule wirklich ein Sicherheitsproblem? Mehrere Kinder und Eltern erzählen etwas von einem fremden Mann?«

Leitung: »Die Eltern haben via Whatsapp einen Artikel der BILD herumgeschickt. Dabei geht es um eine Schule, die 40 Kilometer von hier entfernt ist. Und wie viel selbst an dieser Geschichte stimmt, wissen wir nicht. Jedenfalls wollen viele Eltern ab sofort ihre Kinder aus den 3. und 4. Klassen wieder persönlich abholen.«


Der pädagogische Happen (1−25)
Elternängste

Wertlose Arbeit?

Die soziale Arbeit wird auch im Jahr 2019 weitestgehend in ökonomische Denkmuster gequetscht werden. Durch Sprache, gesetzliche Rahmenbedingungen, Sachzwänge und das neoliberale Narrativ in den Köpfen (Eigenverantwortung, Flexibilisierung, Liberalisierung etc.). Bildungspartner werden zu Kunden. Pädagogen zu Dienstleister. Hinzu kommen: Leistungsbewertung, Standardisierung, Wettbewerbs‐ und Konkurrenzdenken sowie damit automatisch verbunden: Ausgrenzung und Stigmatisierung. Betriebswirtschaftliches Verwertungsdenken sorgt indessen weiterhin dafür, dass die soziale Arbeit »wenig wert« ist. Sie generiert keine Güter und keinen Profit.

Die Interaktion zwischen Menschen werden betriebswirtschaftlich als Beziehung zwischen Mensch und Marke betrachtet, bei dem nicht nur verwertbare Zahlen generiert werden sollen, sondern bei dem auch angeblich jeder Akteur nur seinen egoistischen Vorteil und Eigennutz im Sinn habe. Wer dieses lebens‐ und menschenfeindliche Gesellschaftsmodell auf die soziale Arbeit übertragen will -bei der uneigennützige Empathie, Lebensfreude und Solidarität essentiell sind‐ gehört als Soziopath eingesperrt. Stattdessen werden sie in Talk‐Shows und Expertenrunden eingeladen.


Die Destruktivität des Leistungsgedanken
Der tägliche Lohnarbeitswahnsinn
Eigennützig Gemeinnützig

Aufbewahrungsanstalten

Im aktuellen Böckler Impuls (Ausgabe 18–2018) von der gewerkschaftsnahen Hans‐Böckler‐Stiftung (DGB), gibt es eine interessante Untersuchung zum Thema »Nachts in der Kita«. Kinderbetreuung, die 24 Stunden am Tag und auch an Wochenenden möglich ist. Deutschlandweit gebe es bereits zehn Einrichtungen die eine 24‐Stunden‐Betreuung anbieten. Die Nachfrage steigt. Zwar betonen die Forscher, dass sie »kein Ersatz für familienfreundliche Arbeitszeiten« seien, behaupten aber, dass sie grundsätzlich geeignet sind, um »Eltern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern, ohne dass die Kinder Schaden nehmen.« Sagen zumindest die Leiterinnen der besagten 24‐Stunden‐Kitas sowie die Forscher der Studie.

»Alles in allem gehen die Befragten davon aus, dass erweiterte Betreuungszeiten nicht schädlicher sind für das Kindeswohl als die regulären Zeiten.«

Interessant, dass hier kein Pädagoge oder Psychologe zu dem Thema befragt wurde. Statdessen erweisen die Forscher den Kindern hier einen Bärendienst. Gerade für Kleinkinder ist eine übermäßige Fremdbetreuung nicht immer ohne Folgen. Die zahlreichen Untersuchungen hierzu, erwähnt die Studie mit keiner Silbe. Unternehmen und Industrie wird es freuen. Schließlich sollen so gut wie alle Lohnarbeiter (und eben nicht nur Feuerwehr‐Leute, Polizisten, Altenpfleger etc.) am besten immer verfügbar sein. 24‐Stunden‐Kitas eignen sich hierfür bestens, um die Kinder jederzeit abschieben liebevoll betreuen zu können.


Kinder in Deutschland
Der pädagogische Happen