Der pädagogische Happen (30)

Erzieher und Pädagogen sollen...

    • ...die Resilienz der Kinder fördern.
    • ...die Kinder für Nachhaltigkeit, gesundes Essen und kulturelle Vielfalt begeistern.
    • ...die Kinder in allen Vorläuferkompetenzen (Mathe, Deutsch, Naturwissenschaften) stärken, fördern und bilden, damit sie gut auf die Schule vorbereitet werden.
    • ...ein Musikinstrument spielen, sich für Sport interessieren und eine klare deutliche Sprache haben.
    • ...die Kinder in ihren Ich‐, Sach‐ und Sozial‐Kompetenzen stärken.
    • ...perfekte Diplomaten sein, damit sie auch bei schwierigen Elterngesprächen absolute Ruhe bewahren können.
    • ...mit einem unendlichen Vorrat an Empathie, Einfühlungsvermögen und sozialem Bewußtsein ausgestattet sein.
    • ...sich ständig in Inklusion, Sprachförderung, Partizipation und Gender fortbilden.
    • ...sich sowie die eigenen Handlungen jeden Tag selbst reflektieren können.
    • ...mit jedem Kind sichere sozial‐emotionale Bindungen eingehen können.
    • ...perfekt basteln, malen und zeichnen können.
    • ...den Kindern Medien, Fremdsprachen und demokratische Werte näher bringen können.
    • ...Feste und Feiern organisieren sowie mit anderen Sozialpartnern kooperieren können.
    • ...
    • ...

...mit einer niedrigen Bezahlung und einer geringen Wertschätzung zufrieden sein! :JAJA:


Berliner Bildungsprogramm
Der pädagogische Happen (1−29)

Erwachsensein

Erwachsen‐Sein wird heute als das höchste Ziel der individuellen Entwicklung betrachtet. Wer Geld verdiene, besitze und/oder Rechnungen bezahle, der übernehme Verantwortung. Überhaupt wird Erwachsen‐Sein in erster Linie immer irgendwie mit Geld, Vermögen, Besitz, Konsum und/oder Lohnarbeit verbunden. Aus Kinderaugen wirkt das weder großartig erstrebenswert, noch attraktiv, auch wenn viele Erwachsene das gerne glauben wollen. Die sinnlose Monotonie des täglichen Lohnarbeits‐Hamsterrades ist keine erstrebenswerte Reife, sondern eine von Menschen gemachte Selbstentfremdung.

Wer sich als einen fertigen Menschen definiert, kein Interesse mehr an Dingen, außerhalb seines eigenen kleinen Mikrokosmos mehr entwickelt, wer sich stetig im Kreise und um sich selbst dreht, soll reif, verantwortlich und erwachsen sein? Wer keine Schönheit und Liebe in den kleinen uneigennützigen Dingen des Lebens sehen, wer keine schöpferische Kreativität mehr aufbringen und wer Konsum und Unterhaltung mit Freude und Glück gleichsetzen will, soll erwachsen sein? Wer resigniert, statt kritisiert, soll erwachsen sein?


»Liebe Erwachsenen...«
»Erwachsene sind doof!«
»Kinder in Deutschland; Teil 34: Erwachsen werden«

Die Jugend von heute

Aktuell sollen es »Ego‐Shooter« sein, die als »Killerspiele« diffamiert werden und aus Jugendlichen Amokläufer und sozial verwahrloste Menschen machen sollen. Früher waren es Comics, Rockmusik und Horrorfilme. Und in den 80er Jahren waren es Pen&Paper-Rollenspiele. »Dungeons and Dragons« von Gary Gygax und Dave Arneson galt als erstes seiner Art. In Deutschland wurde vor allem »das Schwarze Auge« von Ulrich Kiesow bekannt. Bis heute halten sich jedoch zahlreiche Mythen und Legenden, dass insbesondere auch analoge (!) Fantasy‐Spiele, bei denen es um Kämpfe, Monster und Magie geht, Gewalt verherrlichen, süchtig machen und zum Verlust der Realitätswahrnehmung führen sollen.

Insbesondere der Hollywood‐Film „Labyrinth der Monster“ (Original: „Mazes and Monsters“) aus dem Jahr 1982 mit Tom Hanks in der Hauptrolle, hat viel zum negativen Image von P&P-Rollenspielen beigetragen. In dem Film geht es um Studenten, die regelmäßig ein P&P-RPG spielen. Der Spieler Robbie (Tom Hanks) verliert zusehends den Bezug zur Realität und kann am Ende Spiel und Fiktion nicht mehr voneinander unterscheiden.

Der Film nahm Bezug zu einer vermeintlich wahren Begebenheit, um James Dallas Egbert III, der Monster in Wartungstunneln bekämpft haben soll. Der Fall sorgte damals in den USA wochenlang für große Schlagzeilen, erwies sich aber als eine urbane Legende, da keinerlei Beweise gefunden und Egbert wenig später wohlbehalten wieder auftauchte. In Deutschland erschien der Film beispielsweise am Samstag, den 25. Juli 2015, nachts um 02.15 Uhr auf „ZDF‐Neo“ in der Rubrik: „Horrorfilm“. :KICHER:


»Killerspiele«
»Symptom einer kranken Gesellschaftsordnung«

Unter Muttis

Als Vater gibt es kaum etwas schlimmeres als allein unter einer Schar von Übermuttis zu sein. Sei es auf Elternabenden, Schul‐, Laternen‐ oder Sommerfesten. Denn für weibliche Elternteile gibt es meist nur ein Thema: das eigene Kind. Hier vermischen sich Wettbewerbs‐, Konkurrenz‐, Leistungs‐ und Anspruchs‐Denken mit einer (über-)fürsorglich-rührseligen Affektsoße. Gleichzeitig verwerten sie die eigenen Kinder zu Objekten ihrer ganz persönlichen Projektions‐ und Profilierungsfläche. Erfolge der Kinder sollen hier stets auf die elterliche Erziehungsfähigkeit beruhen und für die Niederlagen sind regelmäßig Andere schuld: Erzieher, Lehrer, Schule, Kita, falsche Freunde, YouTube und so weiter. Mit kindfremden Themen braucht man gar nicht erst anfangen.

In so einem Diskursrahmen, den es in Deutschland wohl millionenfach gibt, sind spannende Gespräche in aller Regel selten möglich. Viele moderne Muttis scheinen zudem deutlich spießiger, verbohrter und langweiliger zu sein, als es unsere eigenen Eltern jemals waren. Statt also den weltfremd‐ignoranten‐Biedermeier‐Weltverleugnungs‐Kreis zu durchbrechen, wird lieber Heile‐Welt gespielt und sich in den eigenen Komfortzonen‐Bunker verkrochen. Im digitalen Social‐Media‐Wahnsinn bekommt dieser Aspekt eine unverschämt aufdringliche Dimension: »Schaut her, wie toll unser Leben ist!« Kultivierte Selbstentfemdung als Selbstverwirklichung zu etikettieren, ist jedoch weder emanzipiert noch alternativ.


Selbstentfremdung
Selbstinszenierung
Selbstoptimierung

Jungen und Mädchen

»Sechs‐ bis zehnjährige Kinder zeigen geschlechtstypische Unterschiede in ihrem Sozialverhalten. [...] Jungen wetteifern miteinander, zeigen Dominanzstreben und Risikobereitschaft. Ihre Fantasien und Geschichten kreisen um Konflikte, Gefahren, Zerstörung, körperliche Stärke und heldenhafte Taten. Mädchen bevorzugen Zweierbeziehungen, reagieren eher auf Vorschläge anderer, machen mehr Vorschläge und geben weniger Befehle. Für sie steht Kooperation im Vordergrund.«

(Gabriele Haug‐Schnabel. Grundlagen der Entwicklungspsychologie. Breisgau 2005. S. 162)

Solche und ähnliche Aussagen findet man häufig in der pädagogischen und psychologischen Fachliteratur. Im Deckmantel der objektiven Forschung werden Verhaltensweisen von Jungen oft eher negativ und das Verhalten von Mädchen eher positiv bewertet. Ich kann so einer einseitigen, klischeebehafteten und häufig reproduzierten Beobachtung nicht zustimmen. Auch wenn ich nur drei Schulen sowie mein gesamtes privates Umfeld als Gegenthese heranziehen kann. Weiterlesen

Der pädagogische Happen (29)

Mutter: »Könnten Sie mir bitte helfen, meine Tochter zu finden?«

Pädagoge: »Ja, natürlich!«

(Mutter verschwindet unauffällig. Der Pädagoge sucht und findet das Kind auf dem Schulhof.)

Pädagoge (zur Kollegin): »Sag mal, hast Du die Mutter von Lena gesehen?«

Kollegin: »Sie meinte, sie wartet in ihrem Auto vor der Schule und Du möchtest ihre Tochter doch bitte zu ihr bringen.« (Der Pädagoge bringt das Kind zum Auto.)

Mutter: »Danke, dass Sie mir geholfen haben!«

Pädagoge: »Frau Kolaczyk, es ist eigentlich nicht unsere Aufgabe die Kinder zu suchen und zum Auto der Eltern zu bringen. Bitte holen Sie Ihr Kind das nächste mal bitte selbst ab.«

Mutter: »Aber ich kann meine Tochter immer so schwer finden!«


Der pädagogische Happen (1−28)

Der pädagogische Happen (28)

Kind: »Nein, ich habe mich für den Ausflug gar nicht eingetragen!«

Pädagoge: »Selma, Du stehst aber hier in der Liste!«

Mutter: »Nein, das kann gar nicht sein. Sie hat von keinem Ausflug gesprochen!«

Pädagoge: »Selma, ist das hier Deine Schrift?«

Kind: »Nein, das hat jemand anderer geschrieben. Ich war das nicht!«

Mutter: (zum Pädagogen) »Ich verstehe nicht, was das jetzt soll?«

Pädagoge: »Selma, wenn Du Dich für etwas verbindlich einträgst, dann müssen wir uns auch darauf verlassen können! Wir berechnen unser Personal danach, müssen Lunchpakete bestellen, den Ausflug vorher organisieren und planen. Du kannst nicht einfach 15 Minuten vorher absagen, weil Du keine Lust mehr hast!«

Kind: »Ja okay, ich wars. Aber ich möchte heute lieber mit meiner Freundin spielen!«

Mutter: (zum Pädagogen) »Jetzt lassen Sie sie doch!«


Der pädagogische Happen (1−27)

»Kinder machen glücklich!«

Laut Statistischem Bundesamt lebten im Jahr 2017 in der Bundesrepublik Deutschland ungefähr 11 Millionen Kinder bis 14 Jahren. Nach einer Erhebung des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZZF) wohnen 34 Millionen Haustiere im Land. Und laut Kraftfahrt‐Bundesamt gibt es im Jahr 2019 rund 65 Millionen Kraftfahrzeuge in Deutschland. Diese Zahlen vermitteln einen kleinen Eindruck davon, was den meisten Deutschen wirklich wichtig ist: Autos und Haustiere. Erst lange danach kommen Kinder. Weiterlesen

Kinderlärm ist Terrorismus!

Deutschland ist ein kinderfreundliches Land! Ein paar Auszüge aus den Kommentaren im Juraforum zum Thema »Kinderlärm«:

»Ich wohne neben einer Grundschule [...] Nix mehr mit entspannt im Garten sitzen. Ruhezeiten gibt’s auch nicht. Rasenmähen von 13 bis 15 Uhr nicht erlaubt wegen Lärmbelästigung aber dieser Terror darf stattfinden.«

»Die Plagegeister rauben einem den letzten Nerv.«

»Dieser Junge schreit so laut, dass sogar ein Hubschrauber vom Geräusch her leiser wirkt.«

»Kinderlärm kann absolut krank machen. Kinder sollen dazu angehalten werden ruhig zu spielen! Es gibt eh viel zu viele Plagegeister!!!! Braucht niemand!«

Wir Deutschen lieben unseren Nachwuchs. Die Lebendigkeit. Die Authentizität. Das Explorieren. Die intrinsische Motivation. Die natürliche Neugier. Wir wollen am Liebsten allen Kindern die Kindheit verbieten, sie zum Schweigen bringen, per Ausschaltknopf oder Maulkorb zur Selbstentfremdnung und Unlebendigkeit verdonnern, die wir Erwachsenen so verinnerlicht haben. Warum eigentlich nicht gleich Erwachsene gebären? Wo ist nur unsere Forschung, wenn man sie mal braucht?


Der pädagogische Happen (1−27)