Der pädagogische Happen (10)

_happen_Mutter: (gibt gerade ihre fünfjährige Tochter Dorothea in der Kita ab. Zur Erzieherin gewandt. Lächelt künstlich.) „Sie hustet ein bisschen, ist aber ansonsten ganz fit!“

Erzieherin: (begrüßt Mutter und Tochter) „Sie sieht aber schon ein wenig blass aus. Habt Ihr Fieber gemessen?“

Mutter: „Ja. Alles in Ordnung! Entschuldigt, ich muss dringend los. Zur Arbeit.“ (Verabschiedet sich schnell von Ihrer Tochter und geht dann los. Beim Mittagessen übergibt sich Dorothea. Die Erzieher dürfen zwar kein Fieber messen, bemerken aber, dass sie ganz warm und lustlos ist.)

Erzieherin: (zu Dorothea gewandt) „Du sag mal, wie ging es Dir denn gestern so?“

Dorothea: (schaut verlegen weg und sagt dann leise) „Mir war schlecht, aber ich musste versprechen, nichts zu sagen!“

Erzieherin: (ruft die Mutter an) „Sie müssen Ihre Tochter sofort abholen und zum Arzt bringen. Sie hat sich beim Mittagessen übergeben und hat höchstwahrscheinlich Fieber!“

Mutter: „Ich kann hier leider nicht weg. Ich muss arbeiten!“

Erzieherin: „Sie holen Ihr Kind bitte sofort ab! Wir sind eine Bildungseinrichtung und keine Krankenstation! Darüber hinaus können sich andere Kinder, Erzieher und Eltern anstecken!“

Der pädagogische Happen (9)

_happen_Viele Jungen lieben Fußball. Sie sind in Vereinen aktiv, ihre Eltern fiebern am Spielrand mit (sorgen für ordentlich Leistungsdruck) und am Wochenende gibt es regelmäßige Turnierspiele. Insgesamt wird diese Freizeitaktivität als sehr positiv bewertet. Insbesondere auch deshalb, weil sie bei vielen Vätern so beliebt ist. Dabei eignet sich gerade diese Sportart sehr gut, um schon die Kleinen frühzeitig mit neoliberalen (Un-)Werten zu indoktrinieren und zu infizieren.

Wie oft habe ich es persönlich schon erlebt, dass selbst bei den Kindern der Leistungsgedanke, der Erfolg, der Egoismus, der Wille zum Sieg, der Ehrgeiz, das Wettbewerbs- und Konkurrenzdenken sowie das rücksichtslose Vorgehen vor Spaß, Empathie (beispielsweise bei Verletzungen im Spiel) und Teamgeist stehen. Sicher, es mag diese Aspekte schon immer beim Fußball gegeben haben. Aber es gab auch mal Zeiten, bei denen man selbst bei einer Niederlage noch Spaß haben konnte. Oder wo man beim Fußball-Spielen noch gelacht hat. Oder wo Jungen, die kein Fussball mögen, nicht sofort ausgegrenzt wurden. Stattdessen gibt es heute vielfach den heiligen Leistungsernst.

Neoliberale Ethik

ethik_titelIn den ersten 10 Jahren des Lebens (und oft noch darüber hinaus) wird den Kindern beigebracht, ehrlich zu sein, nicht zu lügen, zu stehlen, zu betrügen und Konflikte ohne Gewalt zu lösen. Lehrer, Erzieher und Eltern arbeiten jahrelang, mit viel Ausdauer daran, dass den Kleinen -durch intensive Gespräche, Geschichten und Übungen- ein moralisch-gutes Gewissen sowie humanistische Werte und Normen mitgegeben werden. Auch die Vorstellung, man könne im Leben alles erreichen und schaffen, wenn man nur wolle und sich anstrenge, wird den Kindern eingeimpft. Häufig jedenfalls.

Dann, so ungefähr in der Pubertät, entdecken die Jugendlichen eine Welt voller (Sach-)Zwänge, Erpressungen und Geld-Fetisch. Denn auf einmal merken sie, dass in der Arbeitswelt, der Politik, in Unternehmen, in Geschäften, in der Behörde und in der Familie, der Ehrliche stets der Dumme ist. Dass die Wahrheit meist nur persönliche Nachteile bringt. Und die Lüge keine Notwehr mehr ist, sondern struktureller Alltag, um seine eigenen Interessen durch zu setzen. Sie lernen nun, dass wer bescheißt, betrügt, verarscht, stiehlt, lügt und betrügt – meist weiter im (Berufs-)Leben kommt. Immer vorausgesetzt, man lässt sich dabei nicht erwischen. Wer kann es den Jugendlichen da verübeln, wenn sie sich von den Erwachsenen betrogen fühlen?

Der pädagogische Happen (8)

_happen_Die häufigsten Fragen von Eltern an Erzieher und Kinder, wenn sie die Kleinen entweder vom Kindergarten, der Schule oder der Nachmittags-Betreuung abholen, sind:

  1. (an das Kind) „Was hast Du heute gegessen? Wann? Wie viel? Hat es Dir geschmeckt?“
  2. (an die Erzieher) „Hat das Kind heute einen Mittagsschlaf gemacht?“
  3. (an das Kind) „Hast Du Hausaufgaben auf?“

Fragen nach Spiel-Aktivitäten, Freunden/Freundinnen sowie danach, wie sich das Kind tagsüber gefühlt hat, welche Gedanken, Träume oder Interessen es hatte, werden in der Regel von Erwachsenen eher selten gestellt. Besitz-, Versorgungs- und Leistungsdenken dominieren das Eltern-Kind-Verhältnis. Sie nennen es „Liebe“.

Der pädagogische Happen (7)

_happen_-Gespräch zwischen zwei Vätern. Vater A (von Elias: 7 Jahre alt.) und Vater B (von Lionel: 6 Jahre alt)-

Vater A: „Du sag mal, spielt Dein Kind ein Instrument?“

Vater B: „Nein. Ich habe versucht es ihm schmackhaft zu machen, aber er hat dafür einfach kein Interesse. Also lasse ich es sein.“

Vater A: „Ach so. Also der Elias spielt Klavier. Ich bringe es ihm bei. Jeden Montag und Donnerstag jeweils eine Stunde.“

Vater B: „Und macht es ihm Spaß?“

Vater A: „Ich denke schon.“

(-10 Jahre später-)

Lionel: „Ey, schau mal da steht ein Klavier. Willste uns nichts vorspielen?“

Elias: „Boah ne, lass mal, Dicker! Ich hasse das Teil. Jahrelang hat mich mein Vater gezwungen, Klavier zu spielen. Bin froh, dass es vorbei ist!“

Lionel: „Wie jetzt? War nicht cool?“

Elias: „Ne. Überhaupt nicht.“

Der pädagogische Happen (6)

_happen_

Nach einem Elternabend. Eine Unterhaltung zwischen zwei Vätern.

Vater A: „Hey Michael, Du hast eben in der Vorstellungsrunde gesagt, Du bist gar nicht der leibliche Vater vom Lukas, sondern der „Bonuspapa“. Wo ist denn der echte Vater?“

Vater B: „Lukas ist alle zwei Wochen am Wochenende bei seinem leiblichen Vater. Ansonsten immer bei uns. Und das klappt ganz gut.“

Vater A: „Hast Du noch eigene Kinder?“

Vater B: „Ja, den Lukas.“

Vater A: „Ich meine, die von Dir sind. Sozusagen von Deinem Fleisch und Blut?“

Vater B: „Nein. Aber ich erziehe den Lukas seit über sechs Jahren und er ist die meiste Zeit über bei uns. Insofern betrachte ich ihn auch als meinen Sohn.“

Vater A: „Ja, aber er ist ja nicht wirklich von Dir!“

Vater B: „Relevant ist doch nicht, das genetische Besitz- und Habendenken, sondern die Zeit, die man aktiv mit dem Kind verbringt.“

Kinder in Deutschland; Teil 41: Kinderwunsch

kinderwunsch_titelNoch lange bevor das Thema Erziehung eine Rolle spielt, gibt es den Wunsch nach eigenen Kindern. Nach einer eigenen Familie. Bei Frauen ist dieser in der Regel deutlich ausgeprägter als bei Männern. Viele Liebesbeziehungen werden hierbei auf eine harte Probe gestellt. Nicht nur beim ersten, sondern auch beim Wunsch nach einem zweiten oder sogar dritten Kind. Eltern-, Mutti- und Frauen-Internetseiten sowie Foren sind voll mit Beiträgen von vermeintlich verzweifelten Frauen, die ihre Männer nicht dazu bringen können, so viele Kinder in die Welt zu setzen, wie sie gerne haben wollen. Und anstatt nach den Ursachen und Gründen zu fragen, warum sich so viele Männer im sogenannten Zeugungsstreik befinden, werden primär Taktiken und Strategien besprochen, um die eigenen Interessen durch zu setzen. Gleichzeitig wird den Männern pauschal eine Schuld zugesprochen, indem behauptet wird, sie seien für ein Kind nicht reif genug, sie wären egoistisch oder sie wollten einfach keine Verantwortung übernehmen. Weiterlesen

Der pädagogische Happen (5)

Eine typische Szene auf dem Spielplatz, die täglich überall in Deutschland passiert. Mit Mutter (M) und Kind (K).

_happen_K: „Du Mama, magst Du mit mir Fußball spielen?“
M:
„Jetzt nicht, vielleicht später, ja?“ (widmet sich sofort dem smartphone.)
K: (10 Minuten später. Aufgeregt.) „Mama?“
M: (reagiert nicht. Im smartphone versunken.)
K: (wird lauter) „Maaamaa?“
M: (genervt) „Ja, was ist denn? Wieso schreist Du denn so?“
K: „Ich habe ein Tor geschossen!“
M: (Gekünstelt. Falsch. Desinteressiert. Geheuchelt.) „Ja super, toll gemacht!“ (wischt wieder auf dem smartphone.)

Der pädagogische Happen (4)

_happen_„Du Papa?“

„Ja?“

„Was ist denn eine Payback-Karte?“

„Eine Payback-Karte ist eine Karte, die dazu dient Dein Einkaufsverhalten zu dokumentieren und an Deine persönlichen Daten zu kommen. Den Leuten wird aber erzählt, sie können damit Geld sparen. Das wirkliche Geld damit macht aber der Besitzer des Supermarktes.“

„Und warum fragen Dich die Verkäufer immer danach?“

„Ihr Chef hat ihnen gesagt, dass sie jeden Kunden danach fragen sollen. Und weil sie Geld für ihre Arbeit bekommen und ihr Tun nicht hinterfragen, machen sie das auch. Egal, ob das Sinn macht oder nicht.“