»Civilization«: Eine Analyse

© Firaxis Games

Vor kurzem habe ich zum ersten Mal das Videospiel »Civilization 6« mit allen Erweiterungen gespielt. Die Rundenstrategie‐Serie von Sid Meier gibt es bereits seit 1991 und ich halte nach wie vor, den vierten Teil für den besten Teil der Serie, was Features, Tiefgang und Mods betrifft. Im Disclaimer des Ladebildschirms von Teil 6 weisen die Entwickler (Firaxis Games) zwar darauf hin, dass alle Figuren, Völker, Spielinhalte und historischen Narrative rein fiktiv seien und keinen Anspruch auf Authentizität erheben würden, dennoch ist es spannend zu sehen, was wann wie wo genau betont, verschwiegen, kleingehalten, beschönigt und/oder inszeniert wird. Eine inhaltliche Spielanalyse. Weiterlesen

The Outer Worlds

© Obsidian Entertainment

Das Action‐Rollenspiel »The Outer Worlds« ist am 25. Oktober 2019 für PC und Konsole erschienen. Entwickelt wurde es von Obsidian Entertainment, die vor allem für »Fallout: New Vegas«, »Star Wars Knights of the Old Republic II« und »Pillars of Eternity« bekannt geworden sind. Die Sci‐Fi‐Dystopie »The Outer Worlds« ist größtenteils solide, hat aber auch eklatante spielmechanische Schwächen. Das Spiel ist aber deswegen hervorzuheben, weil es erzählerisch, eine ätzende, zynische und bissige Kapitalismuskritik bietet, bei der sich der Kapitalismus zu Tode gesiegt hat. Weiterlesen

Sind Videospiele Kultur?

Alle Jahre wieder gibt es von (Spiele-)Journalisten einen Beitrag zu dieser Frage. Meist auch leider komplett folgenlos, da die Spieleindustrie die Spielemagazine komplett eingebettet hat, wie man an zahlreichen Advertorials, Sponsored‐Content‐Beiträgen, künstlichen Hypes, Anbiederung von Spiele‐Journalisten an die Spiele‐Industrie und vielen weiteren Phänomenen erkennen kann. Diesmal fragt sich Nicolas Freund von der Süddeutschen Zeitung:

»Es gibt nicht einmal ein Wort für den Chefentwickler eines Computerspiels. Und ohne einen solchen Autor oder Urheber gibt es auch keinen Platz im öffentlichen Diskurs. Denn im Kern jeder Betrachtung und schließlich Kanonisierung von Kultur stehen die Namen ihrer Schöpfer.«

Diese Behauptung untermauert die These, dass die bürgerlichen Massenmedien kaum noch in der Lage und/oder Willens sind, über Inhalte sprechen oder schreiben zu wollen. Zuerst soll und muss stets die Personalisierung kommen. Ein Name. Eine Person. Mit der man eine Geschichte erzählen kann. Weiter wird behauptet, dass dies mit der Hauptgrund dafür sei, warum Computerspiele nicht als Kulturgut ernst genommen werden würden. Nicolas Freund thematisiert leider überhaupt nicht den Fakt, dass Computerspiele in erster Linie ein kommerzielles Produkt sind, bei dem es um unglaubliche Profite geht. Allein im Jahr 2017 wurden in Deutschland mehr als 3 Milliarden Euro mit Computerspielen verdient. Eine interessantere Fragestellung wäre: Inwieweit ist und kann Kommerz überhaupt Kultur sein?


Kulturimperialismus
Die Welt der Videospiele

Die Fifa‐Jubelpresse

Jedes Jahr den selben Mist mit kleinen Verbesserungen und Anpassungen rausbringen, trotzdem jedesmal den Vollpreis verlangen und von der Spiele‐Fachpresse in den Himmel gelobt werden. Das schafft das Videospiel »Fifa«. Wer nun behauptet, das hat mit Anzeigengeldern, Abhängigkeit der Spieleredaktionen von großen Spieleherstellern (Electronic Arts) oder gar mit dem Fußball‐Wahnsinn in Deutschland zu tun, der ist ein Verschwörungstheoretiker und Kulturpessimist. :JAJA:

»FIFA 19 im Test — Ein Fußball‐Upgrade der Königsklasse«
»FIFA 18 im Test — Die heimliche Revolution«
»FIFA 17 im Test — Vorsprung durch Technik«
»FIFA 16 im Test — Spitzenfußball mit weiblicher Note«

Die Gamestar (350.000 FB‐Fans) gehört zu Deutschlands größten Spiele‐Magazinen. In den Mediadaten der webedia‐group (zu der die Gamestar gehört) ist unter der Rubrik »Wer uns vertraut« auch Electronic Arts (EA) zu finden. Vertrauen zahlt sich eben aus. :JAJA:

Die Welt der Videospiele (3)

pixabay.com

pixabay.com

Heute wird es etwas nerdiger, denn ich möchte mich mit der Gamer‐Sprache und mit einigen ausgewählten Spielejournalismus‐Narrativen beschäftigen. Viele Begriffe und Schlagwörter machen es nicht nur Nicht‐Spielern schwer, entsprechenden Diskursen zu folgen, sondern sie fungieren auch als Totschlagargumente und Killerphrasen. Damit stelle ich gleich die provokante These auf, dass viele Zocker und Games‐Magazine sehr viel dogmatischer und verbohrter sind, als es oft den Anschein hat. Weiterlesen

Die Welt der Videospiele (2)

pixabay.com

pixabay.com

In Teil 1 der Videospielreihe ging es mir primär um die ökonomischen Rahmenbedingungen des Spielejournalismus und welche Blüten die Spieleindustrie mittlerweile treibt. Heute möchte ich etwas mehr auf die Medienberichterstattung über Videospiele eingehen. Weiterlesen

Die Welt der Videospiele (1)

game.de, Verband der deutschen Games-Branche e.V.

game.de, Verband der deutschen Games‐Branche e.V.

Videospiele auf PC, Konsole und Mobiltelefon sind mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Zwar gibt es noch das Klischee vom pickeligen, dicken Online‐Süchtigen, aber es ist nicht mehr so wirkungsmächtig wie früher. Das hat vor allem mit dem Boom von Mobile Games (Pokemon Go, Candy Crush Saga etc.) sowie damit zu tun, dass der Games‐Umsatz im Jahr 2015 in Deutschland insgesamt rund 2,8 Milliarden Euro betrug. Im folgenden möchte ich gerne einige ausgewählte Aspekte und Perspektiven aus der Welt der Videospiele näher beleuchten. Weiterlesen

Brot und Spiele

brot_spiele_titelMeiner Einer denkt nicht den ganzen Tag ausschließlich nur über die katastrophalen Zustände in Politik, Medien und Wirtschaft nach. Da würde ich ja verrückt werden (wenn ich das nicht sowieso schon bin). Auch wenn solche ZG‐Blog‐Themen hier sehr dominant sind, so habe ich auch andere Dinge im Kopf. Zudem benötige auch ich -ganz im Sinne von Brot und Spiele- manchmal Unterhaltung. Anregungen. Inspirationen. Ablenkung. Deshalb gibt es heute zur Abwechslung ein paar ganz persönliche Medien‐Empfehlungen. Weiterlesen

Die letzte Bastion: Geld für Spiele‐Mods

Total Conversion für Elder Scrolls Oblivion: "Nehrim"

Total Conversion für Elder Scrolls Oblivion: »Nehrim«

Auch wenn womöglich einige mit PC‐Spielen nicht so viel anfangen können, so kann man in der Branche derzeit gut beobachten, wie der neoliberale Kapitalismus wuchert und wildert, um aus allem noch den letzten Tropfen Profit heraus zu quetschen. Schließlich geht es nur: höher, schneller, weiter. Wachstum um jeden Preis. Die Aktie muss steigen und die Dividenden immer höher ausfallen. Die großen Drei der Spieleindustrie -Electronic Arts (EA), Ubisoft und Blizzard‐ haben im Jahr 2014 zusammen mehr als 6 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Computerspiele sind insofern schon lange kein Nischenprodukt mehr, sondern ein riesiger Markt, der seine Krallen überall hin ausstreckt. Nun können sich User via Steam ihre selbstgebauten Mods finanziell vergüten lassen. Der Clou: 75 Prozent des Erlöses behalten die Vertriebsplattform Steam und der entsprechende Entwickler/Publisher ein und der Modder erhält lediglich 25 Prozent des Verkaufspreises. Weiterlesen

ZG‐Rückblick: Hass nun endlich auch in digitaler Form käuflich?

ZG-RückblickWährend mein digitaler Unterhaltungskonsum zuletzt eher stagnativ verlief habe ich jüngst sogar spielerisch eine Reise in die Vergangenheit angetreten. Mit dem neuesten Civilizationableger und Legends of Grimrock 2 sind die Spiele die mich seit langem mal wieder ansprechen einerseits die neueste Auflage eines Spiels das uns seit über 20 Jahren mehr oder minder ähnlich immer wieder verkauft wird, andererseits ein Remake eines Rollenspielklassikers der rund ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel hat.

Mein werter Kollege Epikur stößt meine Nase derweil darauf, dass am anderen Ende des Spektrums auch noch Dinge passieren. So wird allen die bisher der Meinung waren Computerspiele züchten Amokläufer, nun eine passende Argumentationsgrundlage geliefert. Mit »Hatred« soll ein kommerzielles Spiel erscheinen was allem Anschein nach, einen Amokläufer als Protagonisten aufbietet und das Amoklaufen als einzigen Spielinhalt.

Erzeugen nun Spiele Amokläufer? Und Amokläufe »Killerspiele«? Haben wir dann einen Teufelskreislauf? Ist »Hatred« damit das erste Spiel was tatsächlich die Bezeichnung »Killerspiel« verdient? Haben wir es womöglich mit einer Avantgarde zu tun? Oder einfach mit einer sadistischen Perversion als kommerzielles Großprojekt? Weiterlesen