Politisch engagiert

engagiert_titel

Sie: (interessiert) „Ah, Sie sind politisch engagiert?“

Er: „Ja!“

Sie: „Das ist ja echt selten heutzutage! Viele denken nur an sich und ihren Eigennutz!“

Er: „Viel zu oft, ja. Leider.“

Sie: „Was genau machen Sie denn? Sind Sie in einer Partei? Sie müssen mir auch nicht sagen, in welcher.“ (grinst)

Weiterlesen

Ich-Solidarität

soli_titel

  • Ich finde schon, dass Deutschland Flüchtlinge aufnehmen und ihnen Schutz und Obdach gewähren sollte. Nur soll das Flüchtlingsheim bitte nicht direkt neben meinem Zuhause sein.
  • Ich bin ja gegen die Todesstrafe, gegen Lynchjustiz und öffentliche Hinrichtungen. Wenn aber jemand meine Tochter anfässt, kann ich für nichts garantieren.
  • Ich begrüße es, wenn Erzieher, Lokführer und Krankenschwestern streiken und für mehr Lohngerechtigkeit kämpfen. Nur für mich persönlich sollen daraus bitte keine Nachteile entstehen.

Gemeinsinn als weltvergessene Wohlfühl-Ich-Erzählung.

Immer schön die Klappe halten!

klappe_titelNie die Wahrheit sagen oder das ausdrücken, was einen wirklich bewegt oder was man denkt! Es könnte Chefs, Familienmitglieder, Lehrer oder Menschen mit mehr Macht- und Einflussmöglichkeiten verärgern und so eigennützige Vorteile obsolet machen bzw. echte Nachteile mit sich bringen. Akzeptiere die vermeintliche Notlüge als strukturelle Alltags-Normalität. Authentizität, Aufrichtigkeit und Anstand bringen Dir selten eigennützige Vorteile. Mache stets eine gute Miene zum bösen Spiel. Sei falsch, berechnend und bigott. Stoße niemanden vor den Kopf!

Solltest Du eine grobe Ungerechtigkeit an Deinen Mitmenschen erleben, mische Dich nicht ein! Es geht Dich nichts an und bringt Dir nur Ärger ein. Denke nur an Dich und wie die Anderen Dich beurteilen. Bleibe stets zuversichtlich und glaube an „vom Tellerwäscher zum Millionär“! Selbst wenn Sie Dich mobben, verachten, schlecht bezahlen oder erniedrigen: Wehre Dich nicht! Mache Dir eine Sklavenmoral zu eigen! Sei vorauseilend gehorsam, halte den Mund, schau weg und mach stets nur das, was man Dir sagt!

Sie reden von Demokratie, aber leben den Feudalismus. Wir sind eine Nation von Schissern und Duckmäusern. Wo ist der Mut geblieben?

Ich

ich_titelIch bin der Mittelpunkt des Universums. Die Erde, der Mond und alle Planeten unseres Sonnensystems drehen sich um mich. Meine Bedürfnisse, Interessen und Ziele stehen stets an erster Stelle. Ein sozial-emotionales Filterblasengefängnis beschützt mich vor kreativ-schöpferischer Veränderung. Ich will mit Vollgas vorwärts schweigen und dabei stehenbleiben. Die Monotonie saufen. Den Stillstand fressen. Nicht Nachdenken. Aber verrenken. Mich optimieren. Inszenieren. Anpassen. Und verwerten lassen. Nach oben kriechen. Nach unten treten. Menscheln. Haben wollen. Ein Individualist sein.

Deutschlaaand!

deutsch_titelWie kann man sich eine Deutschland-Fahne an sein Auto hängen, während die Bundesregierung ALG2 verschärfen, die Video-Überwachung ausweiten, Bürgerrechte abbauen, Waffen in Diktaturen liefern, widerspruchslos US-imperialistische Befehle befolgen und weiterhin primär Politik für die Reichen und Vermögenden und gegen die Bevölkerung machen will? Wie kann man stolz auf ein Land sein, in dem man zufällig geboren wurde? Wie kann man sich eine deutsche Nationalflagge an seinen Balkon pinnen und an eine tief verbundene, zwischenmenschliche und vor allem deutsche Solidarität glauben, während der deutsche (Berufs-)Alltag von Egoismus, Rücksichts- und Empathielosigkeit geprägt ist? Ich verstehe das alles nicht. Kann mir das mal bitte jemand erklären und mich zum national-völkischen Vaterlands-Patrioten (um-)erziehen?

„Mir doch egal!“

egal_titel

© epikur

Ab sofort ist mir alles egal. Sollen die Finanzindustrie, global-agierende Konzerne und die korrupte Politik, die Welt ausbeuten und zerstören. Sollen doch Milliardäre, Bankster und kriminelle Institutionen ihren Reibach machen. Warum sollte ich mir auch Gedanken über etwas machen, was ich eh nicht ändern kann? Warum sollte ich überhaupt etwas ändern wollen? Mir geht es doch gut. Naja meistens. Manchmal überkommt mich so ein Gefühl der Einsamkeit, der inneren Leere oder Traurigkeit. Aber dann schalte ich den Fernseher an, höre ein wenig Musik, gucke in WhatsApp nach, wem ich jetzt so schreiben könnte (oder ob mir jemand geschrieben hat. Hihi.) und schaue mir auf Facebook ein paar lustige (Katzen-)Videos an – und schon geht es mir wieder besser. Weiterlesen

Neulich im Schwimmbad: Teil 2

Manchmal besitzen banale Alltagserlebnisse so ihre ganz eigene Moralerfahrung. So ergeht es mir beispielsweise beim Bahnen ziehen im Schwimmbad. Während ich noch vor einiger Zeit ständig Rücksicht genommen habe und ausgewichen bin, so musste ich leider die Erfahrung machen, dass sich genau darauf besonders die Senioren verlassen (Jüngere weichen auch mal aus). Sie sehen mich quasi schon meilenweit kraulen kommen, rühren sich aber nicht einen Zentimeter vom Fleck, sondern erwarten, dass ich im Zickzack-Kurs durchs Becken kreise, wie ein Aal unter Speed. Diese einseitige Rücksichtnahme meinerseits, ging mir irgendwann tierisch auf den Sack, so dass ich nun streng meine Bahnen ziehe. Schwimmbojen, die mir in den Weg kommen, werden ab sofort gnadenlos abgedrängt.

Natürlich dauerte es nicht lange, bis ich die ersten Diskussionen im Wasser mit älteren Damen über 60 hatte. Ob ich denn denke, alleine hier zu sein oder ob ich nicht so schwimmen könne, dass kein anderer davon nass werde und so weiter. Hochbetagte Vollblut-Omas, die im Duett nebeneinander in Standgeschwindigkeit dahintreiben, das halbe Bad mit ihren Gesprächen über Küche, Kinder und Krankheiten unterhalten, sowie sämtliche Bahnen mit Schneckengeschwindigkeit blockieren, wollen mir etwas über egoistisches Verhalten erzählen? Die traurige Moral: wenn der Klügere immer nachgibt, gewinnt am Ende immer der Dumme.

Und dann die Oppas, die auf der Herren-Toilette nie die Spülung betätigen… :SICK: Ob die das Zuhause auch so machen?

Neulich Zuhause

Nachbarn

© epikur

epikur: Hallo Herr XY, es ist 2:00 Uhr in der Nacht und ich kann wegen ihrer lauten Musik nicht schlafen! Könnten Sie sie bitte ausmachen oder zumindest leiser stellen?

Nachbar:
(gereizt) Die ist doch schon total leise! Außerdem ist Wochenende! Und wenn Sie sich unbedingt beschweren wollen, dann sagen Sie mal was zu den Leuten, die nachts ihren Müll so laut wegwerfen. Das hört man im ganzen Haus!

epikur: Ich muss morgen früh um 5:00 Uhr aufstehen und arbeiten gehen, also in drei Stunden. Davon abgesehen gibt es eine gesetzliche Nachtruhe von 22:00 bis 7:00 Uhr. Auch am Wochenende. Sie können gerne tagsüber ihre Musik aufdrehen, aber bitte nicht in der Nacht. Ich höre Ihre Musik in meiner Wohnung laut und deutlich. Könnten Sie sie jetzt bitte leiser stellen oder ausmachen, damit ich schlafen kann? Weiterlesen

Neulich im Schwimmbad

In Ruhe seine Bahnen ziehen, ist schon lange kein Vergnügen mehr, sondern eher eine Herausforderung geworden. Das Schwimmbad in meiner Nähe, welches ich in 15 Minuten per Fußweg erreiche, ist voller Treibholz und Schwimmbojen. Ältere Damen jenseits der 60 segeln fröhlich mit Stehgeschwindigkeit im Duett oder im Trio nebeneinander (!!) her, schwatzen entspannt über das Wetter, Krankheiten und vermeintliche Familienprobleme. Schimpfen jedoch sofort los, wenn man es wagen sollte, sie zu überholen oder wenn sie einen Tropfen Wasser, beispielsweise durchs Kraulschwimmen, abbekommen. Senioren üben sich im Rückenschwimmen und drängen alle Hindernisse, also andere Menschen, rücksichtslos ab: „Oh, Entschuldigung!“ Na klar. Dabei bin ich derjenige, der ständig am ausweichen ist und Rücksicht nimmt. Sie alle haben aber schließlich Eintritt bezahlt und nun das Recht erworben, sämtliche Bahnen mit ihrem Egoismus zu blockieren.

Bis 15 Uhr kostet der Eintritt 3,50 Euro, danach 5,50 Euro. Das tolle: ab 15 Uhr fängt auch der Parallelbetrieb an. Schwimmkurse für Kinder und Erwachsene, Aqua-Fitness und so weiter. Man darf also ab 15 Uhr mehr als 50 Prozent des Grund-Eintrittspreises draufzahlen und bekommt dafür dann weniger Schwimmfläche zur Verfügung als vor 15 Uhr. Als ich die Badeaufsicht auf diese absurde Logik hinweise, macht sie auf unschuldig: „Ich bin dafür nicht verantwortlich.“ Das stimmt sogar. Verantwortlich sind die politischen Budget-Kürzungen für Bildung, Kultur und Soziales. Irgendwie müssen die Milliarden, die man den Banken geschenkt hat, ja wieder eingetrieben werden. Schwimmen wird zunehmend zu einer privilegierten Freizeitbeschäftigung.