Kulturimperialismus

Plakat des katholischen Hilfswerkes "Misereor". Marktwirtschaftliche Methoden als vermeintliche Lösungen, um den Welthunger zu bekämpfen. Auch eine Form von kulturimperialistischer Propaganda. Schließlich kann der Welthunger durch Reichtums-Umverteilung sehr viel effektiver verhindert werden.

Plakat des katholischen Hilfswerkes „Misereor“. Marktwirtschaftliche Methoden als vermeintliche Lösungen, um den Welthunger zu bekämpfen. Auch eine Form von kulturimperialistischer Propaganda. Schließlich kann der Welthunger durch Reichtums-Umverteilung sehr viel effektiver verhindert werden.

In linkspolitischen Kreisen werden häufig NATO-Angriffskriege, prekäre Beschäftigungsverhältnisse sowie die politischen Massenverarmungsprogramme kritisiert. Auch die entsprechenden Hintergründe und Zusammenhänge werden analysiert. Ein Aspekt kommt mir jedoch häufig zu kurz: die Macht und der Einfluss von Büchern, Filmen und der Unterhaltungsindustrie auf unser Denken, Fühlen und Beurteilen. Denn unsere Wertvorstellungen werden nicht nur von unserem Elternhaus und der Schule geprägt, sondern auch wesentlich davon, was wir medial im Laufe der Jahre konsumieren. Gleichzeitig sind viele Unterhaltungsprodukte ein Spiegel gesellschaftlich gelebter, aber nicht zwingend gesetzlich verankerter Konventionen. Weiterlesen

Der pädagogische Happen (9)

_happen_Viele Jungen lieben Fußball. Sie sind in Vereinen aktiv, ihre Eltern fiebern am Spielrand mit (sorgen für ordentlich Leistungsdruck) und am Wochenende gibt es regelmäßige Turnierspiele. Insgesamt wird diese Freizeitaktivität als sehr positiv bewertet. Insbesondere auch deshalb, weil sie bei vielen Vätern so beliebt ist. Dabei eignet sich gerade diese Sportart sehr gut, um schon die Kleinen frühzeitig mit neoliberalen (Un-)Werten zu indoktrinieren und zu infizieren.

Wie oft habe ich es persönlich schon erlebt, dass selbst bei den Kindern der Leistungsgedanke, der Erfolg, der Egoismus, der Wille zum Sieg, der Ehrgeiz, das Wettbewerbs- und Konkurrenzdenken sowie das rücksichtslose Vorgehen vor Spaß, Empathie (beispielsweise bei Verletzungen im Spiel) und Teamgeist stehen. Sicher, es mag diese Aspekte schon immer beim Fußball gegeben haben. Aber es gab auch mal Zeiten, bei denen man selbst bei einer Niederlage noch Spaß haben konnte. Oder wo man beim Fußball-Spielen noch gelacht hat. Oder wo Jungen, die kein Fussball mögen, nicht sofort ausgegrenzt wurden. Stattdessen gibt es heute vielfach den heiligen Leistungsernst.

Neoliberale Ethik

ethik_titelIn den ersten 10 Jahren des Lebens (und oft noch darüber hinaus) wird den Kindern beigebracht, ehrlich zu sein, nicht zu lügen, zu stehlen, zu betrügen und Konflikte ohne Gewalt zu lösen. Lehrer, Erzieher und Eltern arbeiten jahrelang, mit viel Ausdauer daran, dass den Kleinen -durch intensive Gespräche, Geschichten und Übungen- ein moralisch-gutes Gewissen sowie humanistische Werte und Normen mitgegeben werden. Auch die Vorstellung, man könne im Leben alles erreichen und schaffen, wenn man nur wolle und sich anstrenge, wird den Kindern eingeimpft. Häufig jedenfalls.

Dann, so ungefähr in der Pubertät, entdecken die Jugendlichen eine Welt voller (Sach-)Zwänge, Erpressungen und Geld-Fetisch. Denn auf einmal merken sie, dass in der Arbeitswelt, der Politik, in Unternehmen, in Geschäften, in der Behörde und in der Familie, der Ehrliche stets der Dumme ist. Dass die Wahrheit meist nur persönliche Nachteile bringt. Und die Lüge keine Notwehr mehr ist, sondern struktureller Alltag, um seine eigenen Interessen durch zu setzen. Sie lernen nun, dass wer bescheißt, betrügt, verarscht, stiehlt, lügt und betrügt – meist weiter im (Berufs-)Leben kommt. Immer vorausgesetzt, man lässt sich dabei nicht erwischen. Wer kann es den Jugendlichen da verübeln, wenn sie sich von den Erwachsenen betrogen fühlen?

Narrative Legenden

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BILD-Schlagzeile vom 2. August 2016

Nebelkerzen, Alibi-Diskussionen, Trash-TV, Symbol-Politik, Boulevard-Meldungen, Teile-und-Herrsche-Diskurse sowie Nebenkriegsschauplätze, sollen uns regelmäßig von dem ablenken, was wirklich wichtig ist. Also von den Interessen der Eliten, von Reichtums-Verteilungsfragen und den wahren Hintergründen von Kriegen. Zwar weiß eigentlich jeder (mindestens gefühlt), dass es immer und überall primär nur ums Geld geht, dennoch lässt man sich immer und immer wieder auf Halb-Wahrheiten, Legenden und Mythen ein, die unsere Hirne vernebeln und unseren Verstand ausschalten sollen. Weiterlesen

Der pädagogische Happen (2)

_happen_„Du Tante? Ich habe heute in der Schule gelernt, dass die Würde des Menschen in Deutschland unantastbar sei. Warum leben dann so viele Menschen auf der Straße und betteln?“

„Die sind alle selbst schuld. Sie trinken Alkohol oder nehmen andere Drogen. Viele tun auch nur so, weil sie Dein Geld wollen. Sie haben ihre Würde verspielt und sind selbst schuld.“

Der pädagogische Happen (1)

_happen_„Papa? Was muss ich können, um ein guter Journalist zu werden“

„Du Musst vor allem gut ab- und umschreiben können. Die Inhalte werden Dir schon geliefert und vorgegeben. Und denke immer daran, nur das zu schreiben, was Dein Chef Dir sagt und was ihn nicht verärgert! Dann wirst Du auch ein guter Reporter werden!“

Der Barbar in uns

„Damit dient der Barbaren-Topos seit der Antike dazu, Europas imperiale Außenbeziehungen zu strukturieren. […] Der erste und gewalttätigste rogue state ist derjenige, der das Völkerrecht, als dessen Vorkämpfer er sich ausgibt, missachtet und fortwährend verletzt. Nämlich die USA.“

– Oliver Eberl. „Die Barbaren sind immer die Anderen“. Blätter. Ausgabe Juli 2015. S. 65

Anmerkung: Westliche Werte. Kolonialismus und Imperialismus. Zwei Weltkriege mit Millionen Toten. Vietnam. Angriffskriege gegen Libyen, Afghanistan, Irak, Syrien und gegen das ehemalige Jugoslawien. Sweat Shops. Massenhafte Umweltverschmutzungen. Weltweite wirtschaftliche Ausbeutung. Geheimdienst-Attentate und Putsche. Und dennoch: wir sind die Guten. Die Bösen sind (unter anderem) Nordkorea, der nahe Osten und Russland.

Erziehung zur Menschenverachtung

elternbriefeVor einiger Zeit saß ich im Wartezimmer eines Kinderarztes und las die Elternbriefe. Eine Initiative der katholischen Kirche, die nach eigener Aussage: dazu beitragen (wollen), dass das Leben in Ehe und Familie gelingt. […] Erarbeitet werden die Briefe von einem Team von Fachleuten: Erziehungsberatern, Ärztinnen, Theologen, Journalisten.“ Klingt auf den ersten Blick unverfänglich und nobel. Als ich jedoch im Elternbrief Nr. 35 die Experten-Vorschläge gelesen habe, wie man als Eltern auf die Frage des Kindes „Warum sitzt der Mann auf dem Bürgersteig“ reagieren sollte, kam mir die Galle hoch. Weiterlesen

„Ich liebe mein Kind!“

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© epikur

Ich sage ja nicht, dass ich meinem Kind keine Grenzen setzen und ihm alles erlauben würde. Aber ich liebe mein Kind! Ich verstehe echt nicht, warum ich mich dafür ständig rechtfertigen muss? Besonders vor anderen Müttern, Erziehern und Lehrern. Alle wissen sie es besser. Dabei habe ich meinen Sohn im Bauch gehabt. Ich versorge ihn mit ausreichend Essen, Trinken und Liebe. Ich gebe einen Haufen Geld für meinen Nachwuchs aus. Ich kümmere mich um ihn, wenn er krank ist. Ich lasse mir da von Niemandem reinreden! Erst recht nicht von anderen Vätern oder kinderlosen Männern. Die haben sowieso keine Ahnung, wie man sich als Mutter so fühlt. Ich allein bestimme, wie ich mit meinem Zögling umgehe. Basta! Weiterlesen

Kinder in Deutschland; Teil 32: Die perfekten Eltern

perfeltern_titelViele Eltern in Deutschland setzen sich selbst, und besonders ihre Kinder, nicht nur wegen der beruflichen Zukunft unter Druck, sondern auch wegen ihrer eigenen Ängste und dem Anspruch, die perfekten Eltern sein zu wollen. Gierig saugen sie alle Erziehungsratgeber auf und beglücken ihre Umwelt ungefragt mit Ratschlägen, wie man mit Kindern umzugehen habe. Wann und in welcher Form man konsequent sein darf, welche Medien pädagogisch wertvoll seien und wie man sein Kind am besten ernähren solle. Doch je unreflektierter der eigene Perfektionismus hierbei ist, desto weiter entfernen sich die Eltern von der Ebene des Kindes. Einige Beispiele. Weiterlesen