Linke Überheblichkeit

Ein typisch linkes Phänomen, wenn man es denn so bezeichnen will, ist die Klugscheißerei und die Arroganz. Ich nehme mich selbst davon nicht aus, wenn ich ehrlich bin. Es wird über Andersdenkende, die da oben oder über die da unten fast gleichermaßen gespottet, gelacht und gefeixt. Man selbst muss sich stets in einer moralisch erhabenen Situation und Denkhaltung wähnen. Ja, auch mir passiert das zuweilen. Nur manche treiben es auf die Spitze. Für sie scheint es ein regelrechter Freizeitsport zu sein, andere abzuwerten und niederzumachen. Oft sogar nur wegen kleineren Abweichungen von der eigenen Meinung, Lebenseinstellung oder Perspektive. Mit geiferndem Spott und tiefer Menschenverachtung wird beispielsweise auf die vermeintlich weniger Intelligenten, Frei‑, Alternativ- oder Anders-Denker sowie auf das Proletariat herumgehackt. Man selbst fühlt sich stets im Recht der einzig wahren und reinen Lehre.

»Die pauschale Diffamierung ersetzt ihnen die sachliche Auseinandersetzung.«

Es wird stets das Element gesucht, was trennt und niemals das, was verbinden könnte. Gleichzeitig fordern sie von Anderen Empathie, Solidarität und einen herrschaftsfreien Diskurs. Damit verlangen sie häufig von Anderen genau das, was sie selbst nicht bereit sind, zu geben und zu leben. Nein, man sollte hier nicht verallgemeinern. Das ist richtig. Ich kenne durchaus sehr liebevolle, mitfühlende Menschen, die aktiv zuhören und gewaltfrei kommunizieren können. Auch kann ich durchaus nachvollziehen, dass man als kritischer Mensch, in einer immer verrückter werdenden Welt, schnell sarkastisch und zynisch werden kann. Auch mir passiert das. Nur sollten wir uns vergegenwärtigen, dass man mit Verachtung, Hohn und Gehässigkeit, keine Menschen erreichen kann, sondern vielmehr das divide et impera der Herrschenden unfreiwillig mitspielt.


Aus allen Rohren!

Selektive Menschenrechte

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“
(– Art. 1: Allgemeine Erklärung der Menschenrechte)

Wenn es gegen Sexismus geht, ist die Einschränkung der Meinungsfreiheit erwünscht.
Wenn es gegen Sexualverbrecher geht, wird Lynchjustiz geduldet.
Wenn es gegen Linksextreme geht, wird Polizeigewalt toleriert
Wenn es gegen Putin und Russland geht, ist NATO-und-Kriegs-Propaganda ein probates Mittel.
Wenn es gegen, in der Öffentlichkeit stehende, Banken‑, Konzern- oder Regierungskritiker geht, ist Rufmord ein übliches Herrschaftsinstrument.

Qualitätsjournalisten und Social-Media-Wutbürger scheinen die Universalität der Menschenrechte immer weniger anzuerkennen. Der Zweite Weltkrieg, und damit verbunden die totale Zerstörung jedweder Menschlichkeit, scheint für Einige zu weit weg und zu abstrakt zu sein. Über beispielsweise die Hintertür einer vermeintlich authentisch-emotionalen Öffentlichkeit (»Todesstrafe für Kinderschänder«) werden argumentativ-sachliche Diskussionen, über den grundsätzlichen Wert und die Bedeutung von universellen Menschenrechten für alle, blockiert, verhindert und/oder mundtot gemacht. Wer zur Mäßigung aufruft, wird zum Schluffi oder gar zum (Mit-)Täter gemacht. Ich halte das für eine bedenkliche, wenn nicht gar gefährlichen Entwicklung.

Klassenkampf in Frankreich

»Sollen sie doch ordentlich von ihren Waffen Gebrauch machen gegen diese elenden Schergen, diese elenden Schweine von der extremen Rechten und der extremen Linken.«

- Luc Ferry, von 2002 bis 2004 Bildungsminister in Frankreich. Am 7. Januar 2019 bei »Radio Classique«. Zitiert aus der Le Monde Diplomatique.

Anmerkung: Hier zeigt sich der menschenverachtende, neoliberale Habitus, für den Reichenförderung, die radikale Mitte, Status-Quo erhaltende Machtprinzipien, Armenverachtung sowie Besitzstandswahrung, alternativlose Politik sei. Es verdeutlicht, dass letztlich alle politischen Strömungen als extrem eingestuft werden, sobald sie die Einkommens‑, Besitz‑, Eigentums- und Vermögensverteilung thematisieren und/oder verändern wollen.

Echte Menschenfreunde

»Waschen und rasieren, dann finden Sie auch einen Job!«
— Kurt Beck (SPD) im Dezember 2006

»Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!«
— Franz Müntefering (SPD) im Mai 2006

»Es gibt kein Recht auf Faulheit!«
— Gerhard Schröder (SPD) im Frühling 2001

»Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.«
— Guido Westerwelle (FDP) im Februar 2010

»Es geht um einen niederschwelligen Einstieg in die Altersvorsorge.“
— Brigitte Zypries (SPD) im Oktober 2010 zu ihrer Idee Pfandbons via App auf ein Renten-Fonds einzuzahlen

»Eine große Anzahl der Türken und Araber hat keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel, und es wird sich vermutlich auch keine Perspektive entwickeln.“
— Thilo Sarrazin (SPD) im Oktober 2009

»Vor allem Leute, die sonst auch Flaschen sammeln, könnten dann für jede tote Ratte einen Euro bekommen.«
— Henner Schmid (FDP) im Dezember 2008

»Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen.«
- Philipp Mißfelder (CDU) im Jahr 2003


»10 Aussagen von Menschenfreunden«

Das Sozialticket

sozialticket_titelDie schwarz-gelbe Landesregierung in NRW wollte Ende November das Sozialticket schrittweise abschaffen. Dagegen gab es große Proteste. Nun rudert sie zurück. Vorerst. Interessant ist, wie und was in der Öffentlichkeit ‑abseits von dpa copy and paste- zu diesem Testballon geschrieben wurde. Eine kleine Meinungsblase. Weiterlesen

Fördern und Fordern

Mit der "Eigenverantwortung" wurde der Sozialstaat sturmreif geschossen

Mit der »Eigenverantwortung« wurde der Sozialstaat sturmreif geschossen

Mehr ökonomische Verwertbarkeit fordern und damit mehr Menschenverachtung fördern.
Mehr Eigenverantwortung fordern und damit mehr Egoismus fördern.
Mehr Flexibilität fordern und damit mehr Existenzängste fördern.
Mehr Anpassung fordern und damit weniger individuelle Kreativität fördern.
Mehr Bürokratieabbau fordern und damit mehr Massenentlassungen fördern.

»Zuversicht und Realismus, Fördern und Fordern gehören für die SPD immer zusammen.“

Sigmar Gabriel (SPD) am 9. Februar 2016 auf spd.de

Inhalte interessieren nicht

Nun habe ich es mir doch angetan und den vermeintlichen »Ausraster« von Herrn Bosbach (CDU) zum Thema G20-Protest bei Maischberger vom 12. Juli 2017 angesehen. Ja, Jutta Ditfurth ist auch innerhalb der Linken umstritten. Sie ist beispielsweise Anhängerin der Querfront-Theorie und gilt als Antideutsche. Dennoch argumentiert, differenziert und analysiert sie in der Sendung. Das Diskussionsniveau ist aber mittlerweile derart unterirdisch, es werden nur noch Phrasen, Klischees und Plattitüden rausgehauen. Am schlimmsten sind jedoch die Kommentare unter dem Youtube-Video, die allesamt aufzeigen, dass niemand mehr an einer ernsthaften Diskussion, am Austausch von Argumenten, an Ursachen oder an Sinn-Zusammenhängen interessiert ist. Es geht nur noch um Diffamierung, Stigmatisierung, Hass und Denunziation. Weiterlesen

Vergrabene Fragmente

Seit mehr als 8 Jahren schreibe ich mir hier nun die Finger wund. Mehr als 1.500 Artikel wurden bisher veröffentlicht. In den ersten Jahren waren meine Kollegen jtheripper und todesglupsch noch recht fleißig. Bis sie die Sinnlosigkeit des ganzes Projektes erkannt und sich zurückgezogen haben. Soweit bin ich noch nicht. Die schnelllebige Medien- und auch Bloglandschaft lässt Artikel und Beiträge schnell im Orkus verschwinden, was sehr schade ist. Um dem einmal entgegen zu wirken, und weil ich glaube das viele Texte noch immer aktuell sind, gibt es hier und heute ein paar Lesetipps aus dem Archiv. Wenn euch schon immer Fragen bezüglich dem ZG Blog auf der Seele gebrannt haben, ist das hier und jetzt auch ein guter Ort, um sie los zu werden. ;)

» »Ein ganz normaler Amtsalltag«
» »Die Destruktivität des Leistungsgedanken«
» »Endlich! Todesstrafe für Kinderschänder!«
» »Was halten Sie von Ausländern?«
» »Die wichtigsten Fragen unserer Zeit«

Der Anschlag (39)

anschlag_teaserEine Sozialversicherungspflichtige Arbeit zu finden, die der eigenen Qualifikation entspricht und auch dementsprechend vergütet wird, hat absolut nichts mit »Vitamin‑B«, Seilschaften, Netzwerken, Glück, Kontakten, Stallgeruch, dem richtigen Parteibuch oder mit einem entsprechenden Eltern- und Verwandtenhaus zu tun. Das halten Job-Coacher für eine Verschwörungstheorie von leistungslosen Sozialschmarotzern.

Wegen dem Krieg im Jemen hat die deutsche Bundesregierung ein Flüchtlingsabkommen mit Saudi-Arabien abgeschlossen. Während das arabische Militär dafür sorgen will, dass keine Flüchtlinge aus dem Jemen nach Europa kommen, liefert die deutsche Kriegsindustrie Rüstungsindustrie Leopard 2 – Panzer nach Saudi-Arabien zu günstigen Konditionen.

Eine Experten-Kommission der Bundesregierung überlegt, wie viel man zukünftig für das Recht bezahlen soll, um menschenwürdig behandelt zu werden. Der DGB schlägt 100 Euro im Monat für jeden vor. Der BDI will das über eine zusätzliche Arbeitnehmer-Steuer regeln. Experten gehen von einem Kompromiss beider Vorschläge aus.

(Bisherige Folgen)