»Du hast das Falsche studiert!«

studi_titelDiesen Satz bekommen Geisteswissenschaftler, aber auch alle Anderen, die erfolgreich ihr Studium abgeschlossen, aber noch keine Erwerbsarbeit gefunden haben, immer wieder zu hören. Nur wer entscheidet eigentlich, was das »richtige Fach« ist (MINT!?), was man angeblich hätte studieren müssen, um schneller oder eine bessere Lohnarbeit zu finden? Unternehmen, der ominöse Markt, die Politik, die Medien oder die Familie? Alle Anderen wissen es scheinbar regelmäßig nicht nur besser, sondern wollen auch festlegen, was einen zu interessieren hat, ja was man beruflich hätte machen müssen.

»Doch genau das ist das Problem vieler Geisteswissenschaftler. Sie haben für alles studiert, nur nicht für den Markt.«

welt.de vom 15. Mai 2015

Nur wie kann es eine »falsche Wahl« gewesen sein, wenn man es gerne gemacht hat? Wenn man mit Leidenschaft, Interesse und Neugier dabei war? Wie können Tätigkeiten, die einen erfüllen und gleichzeitig niemanden verletzen, falsch sein? Soll etwa der ökonomische (Selbst-)Verwertungszwang  immer und überall das oberste Kriterium sein? Sollen etwa alle Werte -bis auf den Tauschwert‐ wertlos seien? Spätestens beim Titelzitat entblößen sich die Phrasen von der »Selbstbestimmung«, der »Eigenverantwortung« und des »Sei Deines Glückes Schmied« — als pure Unterwerfungsdogmen an die herrschenden Gegebenheiten. Wie soll man bitte glücklich werden, wenn man stets nur das sagt und macht, was andere  von einen erwarten? :WTF:

Business Intelligence

Die gewerkschaftsnahe Hans‐Boeckler‐Stiftung behauptet im Böckler Impuls 03/2016: »BWL‐Studium: Betriebsräte sind kein Thema.« Die Ausbildungsinhalte von mehr als 50 Studiengängen an 25 Hochschulen wurden hierzu untersucht. Das Ergebnis: Mitbestimmung, Betriebsräte und Gewerkschaften kommen zwar am Rande vor, sind aber kein integraler Bestandteil des BWL‐Studiums. Denn:

»Statt kollektiver Verhandlungen sind marktförmige Beziehungen zwischen Individuen vorgesehen.«

Ich kann das nur bestätigen. Während meines Studiums hatten wir öfter mal lebhafte Diskussionen mit BWL‐Studenten. Für die meisten sind Humanismus, Menschenrechte und ethische Standards nicht nur Fremdworte, sondern auch moralische Handelshemnisse gewesen. Für so einige BWL‐Schnösel ist die Welt ein großer Apfelbaum, bei dem jeder so viele Äpfel wie möglich pflücken will. Nur für sich, versteht sich. Soziale Interaktionen werden als Kosten‐Nutzen‐Matrix, Menschen als Humankapital und Verbraucher‐ sowie Arbeitsrechte als profitstörende Faktoren betrachtet. Für sie besteht die bessere Welt darin, dass der eigene Geldbeutel prall gefüllt wird.

Der Anschlag (9)

anschlagIn Deutschland mehren sich die Fälle von missgebildeten Geburten. Alle betroffenen Mütter hätten während ihrer Schwangerschaft Fisch verzehrt, der aus Fukushima stammte. Das Energieversorgungsunternehmen Tepco, schloss jedoch einen Zusammenhang zwischen dem nuklearen Fukushima‐Unfall vom März 2011 und den Missbildungen aus. Der Kernkraftbetreiber hält die Einrichtung einer unabhängigen Untersuchungskommission für überflüssig.

Die 100 reichsten Menschen der Welt haben gemeinsam eine Stiftung gegründet, um die weltweite Armut, den Hunger und die Habgier zu bekämpfen. Jeder habe über 50 Prozent seines gesamten Vermögens auf einem Konto eingezahlt, der den ärmsten Menschen der Welt zugute kommen soll.

Bildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka (CDU) will bundesweit Schulen, Universitäten und Lehrkräfte auf ihre prowestliche Gesinnung überprüfen lassen. Man wolle im demokratischen Deutschland keine Putinversteher in Bildungseinrichtungen, so die Politikerin.

Der Anschlag (8)

anschlagDer Top‐Ökonom Hans‐Werner Sinn sei stolz auf den demokratischen, rücksichtsvollen und solidarischen Geist, welche die neoliberale Wirtschaftsordnung hervorgebracht habe. Dies zeige sich vor allem in den Städten, wo Tausende Menschen, bei Großveranstaltungen, Grillfesten, Konzerten und an Silvester, ihren Müll auf die Straße werfen würden. Schließlich würden die Menschen dabei hauptsächlich an die so geschaffenen Arbeitsplätze in den örtlichen Straßenreinigungsbetrieben denken, so der Experte.

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hält Süchte und Abhängigkeiten für einen starken Wirtschaftsfaktor und plädiert für einen weniger gesellschaftlich abwertenden Umgang mit Ihnen. Schließlich würden Alkohol‐, Tabletten‐, Zigaretten‐ und Spielsüchtige als Dauerkonsumenten dem Wirtschaftsstandort Deutschland einen großen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Ganz im Gegenteil müsse die Bundesregierung dafür Sorge tragen, mehr Kunden zu Süchtigen zu machen, so das Institut in einer internen Mitteilung.

Die Bundesregierung und das Bildungsministerium wollen im nächsten Jahr das »marktkonforme Studium« einführen. Im Rahmen des neuen Gesetzes werden alle geisteswissenschaftliche Fächer, wie beispielsweise Afrikanistik, Philosophie oder Kunstgeschichte bundesweit komplett abgeschafft. Zukünftig dürfen sich Studierende dann von maximal drei Fächern, die vom Arbeitgeberverband vorgegeben werden, eines für ihren Studiengang aussuchen.

Presseblick (14)

Während in Deutschland der Atomstrom zurecht stark umstritten ist, werden in Osteuropa neue Kernkraftwerke gebaut. In Polen soll laut nuklearforum.ch im Jahr 2024 der erste Atommeiler in Betrieb gehen. Russland will bis 2030 insgesamt 26 neue Atomkraftwerke bauen, auch in der Ukraine, Bulgarien und der Slowakei sollen neue Meiler gebaut werden. Osteuropa ist das neue Paradies der Atomkonzerne. Weiterlesen