Der pädagogische Happen (53)

Beim Thema Bildung und Schule werden Lehrer mit Pädagogen immer wieder gleich gesetzt. Dabei sind die allermeisten Lehrer keine Pädagogen. Und das ist nicht abwertend gemeint. Es ist schlicht nicht ihre Aufgabe, denn sie hatten in ihrem Studium andere Schwerpunkte, als die kindliche Entwicklung. Auch wenn Staat, Gesellschaft und Eltern, immer mehr Verantwortung an Schule und Lehrer auslagern und deligieren: die primäre Aufgabe von Lehrern ist die Vermittlung von Bildung und Wissen. Nicht mehr! Weiterlesen

Der pädagogische Happen (52)

Ein Aspekt zum Thema »Lehrermangel«, der so gut wie gar nicht beleuchtet wird, ist die damit einhergehende Erpressbarkeit von Schulleitern. Die meisten verbeamteten oder auch angestellten Lehrer und Lehrerinnen, sind sich ihrer Machtposition durchaus bewusst. Sollten die entsprechenden Schul-Direktoren die Bedürfnisse und Interessen der entsprechenden Lehrkräfte allzu oft ignorieren, dann wird auch schon mal direkt oder subtil vermittelt, dass man ja auch überall woanders arbeiten könne. Diese zunehmende Machtverschiebung in Richtung Lehrkräfte hat allerlei Konsequenzen.

Da werden beispielsweise Absprachen und langwierig ausgearbeitete und zusammen beschlossene Konzepte und Regelungen, von so einigen Lehrern nur rudimentär eingehalten, subtil unterwandert oder auch offen ignoriert. Individuelle Befindlichkeiten von Lehrer und Lehrerinnen werden zunehmend als Handlungs- und Entscheidungsmaßstab genommen. In mehrstündigen Sitzungen und Konferenzen abgestimmte Entscheidungen, werden Tage später, wieder ‑still und leise- sukzessive rückgängig gemacht oder gezielt unterlaufen. Sobald der Schulleiter das mitbekommt, gibt es zwar eine (Alibi-)Ansage oder ein Gespräch — aber keinerlei Konsequenzen, so das die Lehrkräfte das kaum kümmert.

Würden Lehrer und Lehrerinnen wenigstens im Sinne des Kindeswohls handeln, so könnte man ‑zumindest pädagogisch betrachtet- dieses Vorgehen noch nachvollziehen. Stattdessen werden subjektive Neurosen als Handlungskriterium herangezogen. Natürlich kann man hier nicht verallgemeinern, aber ich kann an dieser Stelle von mindestens drei Schulen in Berlin berichten, wo das genau so läuft. Und ich bin mir ziemlich sicher: das sind garantiert nicht die einzigen Schulen in Deutschland, wo die Lehrer komplett ihr eigenes Süppchen kochen, weil sie es können und die Schulleiter auf ihr »Wohlwollen« angewiesen sind.


Kinder in Deutschland
Der pädagogische Happen

Der pädagogische Happen (49)

(Elternabend in der Grundschule.)

Mutter A: »Wäre eine andere Sitzordnung möglich?«

Mutter B: »Warum machen Sie eigentlich so wenig Ausflüge?«

Mutter C: »Was tun Sie, damit die Kinder ihre Sachen nicht verlieren?«

Vater A: »Was machen Sie bei Konflikten unter den Kindern?«

Vater B: »Mein Sohn sagt, die Musiklehrerin sei immer so streng zu ihm. Und nur zu ihm. Was sagen Sie dazu?«

Vater C: »Weshalb muss meine Tochter immer neben den temperamentvollen Jungen sitzen?«

Und so weiter und so fort.


Lehrerin: »Nun müssen wir leider noch Zwei Elternvertreter wählen.«

(Schweigen der Elternschaft)

Lehrerin: »Wir können das hier leider nicht beenden, bevor wir Zwei Elternvertreter gewählt haben!«

(Schweigen der Elternschaft)

Lehrerin: »Elternvertreter sind nicht nur Ansprechpartner für alle anderen Eltern, sie bekommen auch Einblick in die Schularbeit und dürfen an Schulgremien teilnehmen und partizipieren. Beispielsweise bei der Gesamtelternvertretung mit dem Schulleiter. Die findet auch nur Zwei mal im Jahr statt.«

(Exakt Zwei Eltern melden sich): »Na gut, wir würden das machen!«

Lehrerin: »Sind alle damit einverstanden?«

(Alle Hände gehen hoch)


Kinder in Deutschland
Der pädagogische Happen

Der pädagogische Happen (48)

(15:30 Uhr. Grundschule. Nachmittagsbetreuung. Über 400 Kinder im Hort. 20 Pädagogen und Pädagoginnen im Einsatz. Großes Gelände. Zahlreiche Angebote für Kinder laufen. Ein Pädagoge sitzt in einem Raum mit rund 20 Kindern und erklärt ihnen ein Brettspiel. Alle haben ihre Schuhe ausgezogen, damit der Teppich sauber bleibt.)

Mutter: (kommt mit dreckigen Straßenschuhen rein und ruft laut): »Entschuldigen Sie, wissen Sie vielleicht wo mein Kind ist?«

Pädagoge: »Das kann ich Ihnen jetzt nicht sagen. Tut mir leid. Haben Sie schon auf der Magnettafel nachgeschaut, wo sich Ihr Kind gerade aufhält?«

Mutter: »Aber Sie arbeiten doch hier, dann müssen Sie doch wissen, wo MEIN KIND ist?«

Pädagoge: »Entschuldigen Sie, wir haben hier mehr als 400 Kinder, ich bin seit über einer Stunde hier, in diesem Raum. Ich habe also keine Ahnung, wo sich jetzt Ihr Kind, dessen Name Sie mir nicht gesagt haben, gerade aufhält. Das alles können Sie sehen, wenn Sie auf der Magnettafel nachgeschaut hätten! Ich bitte Sie also, schauen Sie jetzt auf der Magnettafel nach, wo Ihr Kind ist und lassen mich hier weiter den Kindern das Spiel erklären. Und das nächste mal ziehen Sie hier bitte Ihre Schuhe aus! Vielen Dank!«

Mutter: (zieht ein mieses Gesicht und stapft sauer von dannen)


Immer mehr Pädagogen, Lehrer und Therapeuten wundern sich über eine mangelnde Selbst- und Fremdwahrnehmung von Kindern und Jugendlichen. Sie sehen vor allem sich selbst, ihre Bedürfnisse und ihre Interessen. Die oft gescholtene narzisstische und egoistische Grundhaltung vieler Kinder, kommt nicht vom Himmel, sondern vom Verhalten ihrer Eltern.


Kinder in Deutschland
Der pädagogische Happen

Der pädagogische Happen (47)

»Berlin hat durch die Nichtverbeamtung seiner Lehrer viele Pädagogen an andere Bundesländer verloren. Die Regierende Bürgermeisterin wirbt für ihre Rückkehr.«

tagesspiegel.de vom 28.11.2022

Ich möchte an dieser Stelle nicht über die Verbeamtung reden, sondern darüber, wie in unseren Massenmedien Lehrer immer wieder mit Pädagogen gleichgesetzt werden. Lehrer sind in aller Regel keine Pädagogen! Konzepte wie Selbstreflexion, Partizipation, Ganzheitlichkeit, aktives Zuhören, Resilienz oder Selbstwirksamkeit, sind für viele Lehrer Fremdwörter. Sie müssen den föderal vorgegebenen Rahmenlehrplan in die Köpfe der Kinder stopfen, werden für diese absolut undankbare Arbeit überdurchschnittlich bezahlt und nutzen dafür allerlei didaktische Methoden, Belohnungs- und Bestrafungssysteme. Am Ende steht dann eine Note auf dem Zeugnis, die beweisen soll, wie gut oder wie schlecht das geklappt hat.

Pädagogen richten ihren Fokus vielmehr auf das ganzheitliche Kindeswohl und die Kindesentwicklung. Natürlich spielt die Schule bei dieser Betrachtung eine Rolle, aber sie steht eben nicht immer an erster Stelle. Und für viele Kinder schon gar nicht. Da spielen Freunde, die Familie, Hobbys, Leidenschaften, Haustiere, Medien und viele andere Interessen und Bedürfnisse weit höher im Kurs. Auch wenn das viele Erwachsene weder verstehen können, noch verstehen wollen. Aber genau darum geht es bei Pädagogen: die Kinder in ihrem So-Sein verstehen lernen und sie bestmöglich zu begleiten.

Lehrer können das schon deshalb nicht, weil ihre beruflichen Vorgaben das kaum zu lassen. Also bitte, liebe Journalisten: Lehrer sind keine Pädagogen!


Kinder in Deutschland
Der pädagogische Happen

Kinder in Deutschland; Teil 53: Lehrermangel

Seit Jahren und Jahrzehnten wird in Deutschland ein Lehrermangel beklagt. Viele Stunden fallen aus. Schwimm- und Sportunterricht kann nicht stattfinden. Die Städte und Kommunen sind gezwungen, immer mehr Quereinsteiger einzustellen. In Berlin liegt die Quereinstiegs-Quote bei rund 50 Prozent. Über die Ursachen wird regelmäßig öffentlichkeitswirksam diskutiert und gestritten. Echte Reformen oder Verbesserungen finden jedoch nicht statt. Eine Spurensuche. Weiterlesen

Der Club der toten Dichter

Ein Film, der mich in meiner Jugend nachhaltig geprägt hat ‑und der auch heute noch seine volle Wirkung bei mir entfaltet- ist »Der Club der toten Dichter« von Peter Weir. Robin Williams in der Rolle des Lehrers John Keating, möchte junge Männer an einer Elite-Schule zum selbstständigen, kritischen und offenen Denken anregen. Gerade in einem Umfeld, in der Fremdbestimmung (Eltern, Schule und Gesellschaft geben vor, was die Jugendlichen denken und tun sollen) schnöde Alltagsrealität ist, wird Keating’s Vorhaben als aggressiver Putschversuch gewertet. Nur »Leistung«, »Erfolg« und »Konformität« sind auch heute- jenseits von Elite-Einrichtungen- überall die tief verinnerlichten, neoliberalen Dogmen unserer alternativlosen, marktkonformen Demokratie. Weiterlesen

Lehrer-Bashing

Es ist mittlerweile zum Volkssport geworden und dauert keine 10 Minuten mehr, wenn über Schule geredet wird: Lehrer-Bashing. Es klammert (wie so oft) jedwede strukturelle Problematik komplett aus: »schuld sind die Lehrer!« Darin sind sich alle einig. Sie sind die Prügelknaben der Nation. Gleichzeitig wundern sich alle, warum es bundesweit so einen Lehrermangel gibt? Die Bezahlung ist doch vergleichsweise solide? Na gut, Kinder können ein wenig Kraft kosten, aber das bekommt man doch irgendwie hin, oder?

Das Problem sind jedoch nicht die Kinder, sondern die Eltern! Ich kenne und lebe ‑als Pädagoge der täglich in einer Grundschulklasse arbeitet und gleichzeitig als Vater auf Elternabenden auftritt- beide Perspektiven. Am Ende sind es für mich meist die Eltern, die mit Hysterie, Propellerkreisen, überzogener Anspruchshaltung, Gerüchten, Vorwurfssprache, Selbstoptimierungs‑, Wettbewerbs- und Konkurrenzdenken sowie mangelnder Kooperationsbereitschaft, das System Schule zu einer anstrengenden Veranstaltung machen. Waren früher die Kinder für ihre Leistungen selbst verantwortlich, stürmen heute die Eltern die Lehrerzimmer: »Warum hat mein Kind eine fünf bekommen?« Weiterlesen

Kinder in Deutschland; Teil 44: »Problemkinder«

Das Web ist voll mit Artikeln und (Blog-)Beiträgen von Lehrern, Eltern und Redakteuren, welche die Ursachen von Verhaltensauffälligkeiten von Kindern gerne verdrängen, verleugnen und verschweigen. Ganz im Zeitgeist der Eigenverantwortung, sollen schon 6 bis 18 Jährige vollkommen selbst dafür verantwortlich sein, wenn sie regelmäßig Grenzen überschreiten, keine Höflichkeit mehr kennen, respektlos und/oder komplett unselbstständig sind, Sprach-Schwierigkeiten haben, sozial-emotionale Defizite besitzen, ein gestörtes Nähe-Distanz-Verhalten aufweisen, Wahrnehmungsprobleme zeigen und so weiter. Der Grundtenor lautet meist: »Es sind nicht immer wir Eltern schuld!« »Doch«, sage ich! In 80 Prozent aller Problem-Fälle wird nicht erzogen, sondern verzogen. :jaja:  Weiterlesen

Kinder in Deutschland; Teil 40: Erzieher. Lehrer. Eltern.

erz_titelDer Leistungs‑, Selbstoptimierungs- und Wettbewerbswahnsinn hat in Deutschland viele soziale und empathische Errungenschaften zerstört. Kinder werden heute zunehmend als Investitionsobjekte, Ressourcen (»Kinder sind unsere Zukunft!«) und als Selbstverwirklichungs-Projekte wahrgenommen und definiert. Der freie Kinderwille ist fast gänzlich verschwunden. Stattdessen sind sie den Interessen von Eltern, Schule, Politik, Wirtschaft und Medien komplett ausgeliefert. Statt aber zu hinterfragen, warum die Kleinen heute so überfrachtet werden, warum es vor 30 Jahren noch keine Helikopter-Eltern gab und warum wir oft völlig übertriebene Erwartungen und Anforderungen an Kindergärten, Schulen und unseren Nachwuchs haben, wird die Verantwortung hierfür wie in einem Ping-Pong-Spiel zwischen Eltern, Erziehern und Lehrern ständig hin und her geschoben. Weiterlesen