Medial verstrahlt

Wer in einer Schule, einem Hort oder in einer Kindertages‐, Jugend‐ oder sozialen Einrichtung arbeitet, erlebt relativ schnell die Folgen der Digitalisierung. Immer mehr Kinder haben eine Aufmerksamkeitsspanne von 30 Sekunden bis maximal 5 Minuten. Sie können alle »Fortnite«-Tänze, bauen tolle »Minecraft«-Welten, wissen schon sehr früh wie man mit smartphones und Tablets umgeht, aber können sich mit 6 Jahren nicht mehr die Schuhe zu binden, geschweige denn eine analoge Uhr lesen. Es ist daher völlig unverständlich, dass es von wissenschaftlicher Seite immer wieder heißt, man habe dafür »noch keine Daten« oder man müsse das Phänomen »noch untersuchen«. Die digitale Versumpfung von Millionen von Smartphone‐Junkies ist jeden Tag überall zu beobachten.

Besonders bigott sind viele linksgrüne Bio‐Öko‐Alternativ‐Eltern, die alles Digitale für ihre Kinder verbieten, aber selbst den ganzen Tag an der WhatsApp‐ und Facebook‐Nuckelflasche hängen. An vielen Schulen und Kindertageseinrichtungen sind die Dummphones verboten. Es hängen Verbotsplakate. Es wird überall darüber informiert. Aber was interessiert das die Süchtigen. Bei Kita‐ und Schulveranstaltungen sitzen die Eltern nur noch mit erhobenen Händen da, um alles aufnehmen zu können. Wer Bus und Bahn fährt, glaubt in einem dystopischen Thriller zu sein. Übrigens: der Vergleich mit der Tageszeitung ist nur noch lächerlich. Offline ist das neue Bio!


»Automatisierung. Digitalisierung. Industrie 4.0.«
»Handystrahlung produziert Zombies«
»Digitale Dystopien«

Leistungsschutzrecht

Am Mittwoch den 12. September 2018 haben die Abgeordneten des EU‐Parlaments für die Reform des Urheberrechts gestimmt. 438 Abgeordneten befürworteten die Regelungen, 226 stimmten dagegen, 39 enthielten sich. Sobald das Gesetz endgültig in Kraft tritt, wäre jedes News‐Zitat gebühren‐ bzw. lizenzpflichtig.

Quelle: martinsonneborn.de

Was heute wichtig ist...

  1. ) »Die Zeitumstellung könnte bald abgeschafft werden.« (dw)
  2. ) »Abgeordnete mit Baby muss Sitzungssaal verlassen.« (FAZ)
  3. ) »Das Ende einer Ära: RTL‐II‐News nehmen Abschied.« (chip)
  4. ) »Tabaksteuer massiv erhöht: Australien ist des Rauchers Horrorland.« (n‐tv)
  5. ) »Trump googelt „Trump News“ – und ist gar nicht zufrieden.« (paz)

Heute ist Freitag, der 31. August 2018. Was außerdem wichtig ist:

  1. ) Wer was wann wo wie über wen gesagt oder nicht gesagt hat.
  2. ) Facebook. WhatsApp. Instagram. Youtube.
  3. ) Promi‐News.
  4. ) Star Wars.
  5. ) Sexismus.
  6. ) Fussball.

Presseblick (75)

In Frankreich sind sechs der zehn größten Vermögen in den Händen von Medienunternehmern.“
Serge Halimi. Gegen den Strom. Le Monde Diplomatique. Oktober 2015. S. 23

Massenarmut. Landraub. Verelendung. Kriege. Umweltzerstörungen. Abbau von Bürgerrechten. Wirtschaftskriminalität. Massenüberwachung. Das alles bekommt in unserer bürgerlichen Medienwelt nicht die Aufmerksamkeit, als wenn es um vermeintlichen Sexismus geht: »Transsexuelle Entwicklerin: Mob will sie feuern lassen, scheitert.« Oder: »Arte, der Männersender.« Fast täglich werden wir mit solchen und ähnlichen Meldungen, Artikeln und Beiträgen bombardiert. Ganz so, als würde der Kampf gegen das vermeintliche Patriarchat das einzig wichtige gesellschaftliche Problem unserer Zeit sein.

Es ist nicht nur ein perfektes Ablenkungsthema, damit sich niemand mehr mit der Finanzindustrie sowie den Eigentums‐ und Vermögensverhältnissen, mit Kriegen sowie den täglichen kriminellen Schweinereien von Konzernen und Banken beschäftigt, es spaltet auch auf Mikroebene weiter die Gesellschaft. Divide et Impera, damit allein schon der Gedanke an Solidarität ausgelöscht wird. Die Solidarität der Armen, Entrechteten, Arbeitern und Hilflosen untereinander war und ist das Grundübel der kapitalistischen Ordnung. Denn wo Solidarität herrscht, gibt es Protest, Streik und Widerstand. Weiterlesen

Presseblick (74)

»Nähme man den Zeitungen den Fettdruck weg, um wie viel stiller wäre es auf der Welt.« (Kurt Tucholsky)

SEO und Clickbait wohin man nur schaut. Kaum ein Online‐Medien‐Erzeugnis redet gern darüber, aber die Google‐Algorithmen bestimmen längst, was, wann, wo und in welcher Form geschrieben und veröffentlicht wird. Vorbei sind die Zeiten, wo ein Redakteur für die Leser geschrieben hat, weil er das Thema für relevant hielt. Nun richten sich ganze Online‐Redaktionen nach Google‐Richtlinien und SEO‐Begriffen. Foto‐Klickstrecken mit 30 Seiten, kaum externe Links (oder Quellenangaben) sowie künstlich aufgeblähte Texte. Und das sieht man immer wieder an den Nicht‐Artikeln. Beiträge, die keinerlei Informationswert haben, aber in denen wichtige Google‐SEO‐Keywords platziert werden, damit man bei der großen Suchmaschine schneller gefunden wird: »ist das aber leider alles nur heiße Luft.« Egal, Hauptsache wir haben den Klick kassiert. :EUPHORIE:   Weiterlesen

Presseblick (72)

»USA beenden Angriffe auf Chemiewaffenziele
Die USA, Großbritannien und Frankreich haben drei Ziele in Syrien angegriffen. Nach dem gezielten Militäreinsatz in der Nacht kündigte Russland Konsequenzen an.«

- zeit.de vom 14. April 2018

Allein an dieser Headline erkennt man, dass wir eine NATO‐Presse haben. Es sind keine »Angriffe«, sondern es sind völkerrechtswidrige Angriffe. Ob es Chemiewaffen bzw. einen Chemiewaffenangriff von Syrien überhaupt gegeben hat, ist bis heute nicht bewiesen. Von Zerstörungen, Toten oder Verletzten ist auch keine Rede, nur von »Zielen«. Und der einzige Akteur, der in diesem Dreizeiler droht, ist natürlich Russland: »Konsequenzen«.

Der copy/paste‐Artikel von AFP, dpa, rtr und spo generiert dann auch gleich mehr als 1.000 Kommentare. Jeder kritische wird zensiert. Es seien ja eh alles nur Putintrolle und Putinversteher. Das bei der ZEIT viele Transatlantiker und NATO‐Journalisten arbeiten, spielt indessen keine Rolle. :NENE:   Weiterlesen

Presseblick (71)

Spiegel Online vom 15. Dezember 2017

Spiegel Online vom 15. Dezember 2017

Viele Schulen in Deutschland sind nicht nur unterfinanziert, auch die Verteilung der Kinder ist extrem ungerecht: »Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund bei etwa 86 Prozent.« Das verursacht Probleme. Auch ich kenne sehr viele Eltern, die nicht wollen, dass ihre Kinder auf eine Schule mit hohem Migrationsanteil kommen. Und das nicht, weil die Eltern alle AFD‐Wähler sind. Ein Thema das innerhalb der Linken schnell zu reflexhaften Reaktionen führen kann. Viele Kinder (besonders Jungen) aus Familien mit Migrationshintergrund werden Zuhause wie kleine Prinzen behandelt. Regeln, Grenzen, Sanktionen und Konsequenzen gibt es kaum für sie.

Lehrer, Sozialarbeiter und Pädagogen, die an Schulen mit hohem Migrationsanteil arbeiten, kennen diese Probleme ganz genau. Statt nun aber die Kinder an den Schulen besser zu verteilen, damit es nicht mehr zu solchen Ballungen kommt, scheint es politisch so gewollt. Damit die Kinder aus den gut‐ und bildungsbürgerlichen Familien fein unter sich bleiben können. :JAJA:   Weiterlesen

Presseblick (70)

meedia.de vom 22.02.2018

meedia.de vom 22.02.2018

Wenn es gegen Putin und/oder Russland geht, wird alles genommen. Das Satire‐Magazin »Titanic« hatte die BILD‐Zeitung mit gefälschten Informationen hereingelegt und behauptet, dass der Juso‐Vorsitzende Kevin Kühnert mit russischen Internettrollen Kontakt hätte. Die BILD hielt das natürlich für echt und machte eine große Schlagzeile: »Schmutzkampagne bei der SPD.« Als das ganze aufflog, schrieb BILD‐Chefredakteur Julian Reichelt eine E‐Mail an sein Team. Jakob Augstein wird peinlich: »Ich erkenne das aufklärerische Interesse nicht. Das ist reine Destruktion.« Richtig, wenn es gegen Putin und Russland geht, gibt und darf es niemals Aufklärung geben. :JAJA: Weiterlesen

Blogmüdigkeit

müde_titel

Seit einigen Wochen hat sich bei mir tatsächlich eine Art Blogmüdigkeit eingestellt. Das liegt weniger an mangelnden Ideen, als vielmehr an der kafkaesken Realsatire genannt Medienwirklichkeit, die jegliche ernsthafte Analyse konterkariert. Ich komme nicht nur nicht mehr hinterher, den täglichen Irrsinn zu protokollieren und zu bewerten, es ist auch ein Kampf gegen durchgeknallte Windmühlen. Es wird sich stets im Kreis bewegt und das auch noch als Fortschritt verkauft. Vielleicht sollte ich mal 14 Stunden am Stück schlafen?

Aktuell: Schul‐Amoklauf in den USA. Ich habe bereits in der Vergangenheit einiges dazu geschrieben (hier und hier). Heute konzentriert sich die Presse auf die Waffengesetze in den USA (damals: »Killerspiele«). Und was ist mit dem gesellschaftlichen Leistungsdruck, mit Mobbing und den psychischen Problemen, denen Jugendliche heute ausgesetzt sind? Das gesamte neoliberale Schulsystem, ja der krankmachende Kapitalismus mit seinen weltweiten Kriegen gehört auf den Prüfstand. Aber soweit will -mal wieder‐ niemand gehen. Gesellschaftliche Kontexte werden regelmäßig ignoriert. Stattdessen greift man immer wieder zur Einzelfall‐Theorie. Und natürlich nutzt die Journaille den Amoklauf, um weiter Trump‐Bashing betreiben zu können. Ein Trauerspiel.

Putin, das Monster

putin_hit

Die NATO‐Presse will uns mit aller Macht einimpfen, dass Putin unser Feind ist und Russland wirtschaftlich sowie geheimdienstlich bekämpft werden muss. Belege hierfür gibt es täglich in sämtlichen bürgerlichen Massenmedien zu finden (oder auch hier und hier). Die massenmediale Säbelrassel‐Propaganda wird mit allen Methoden und auf allen Ebenen und Feldern geführt. Beispielsweise auch auf dem Buchmarkt. Stichwort: Kulturimperialismus. Hier mal eine kleine Übersicht an komplett wertfreien, neutralen und sachlich‐objektiven Büchern:

  • »Putin — der neue Zar: Seine Politik — Sein Russland« (Steven Lee Myers)
  • »Putins verdeckter Krieg: Wie Moskau den Westen destabilisiert« (Boris Reitschuster)
  • »Putins Kalter Krieg: Wie Russland den Westen vor sich hertreibt« (Markus Wehner)
  • »Die neuen Paten: Trump, Putin, Erdogan, Orbán & Co.« (Jürgen Roth)
  • »Warum wir Putin stoppen müssen: Die Zerstörung der Demokratie in Russland und die Folgen für den Westen« (Garri Kasparow und Stephan Gebauer‐Lippert)
  • »Putins rechte Freunde: Wie Europas Populisten ihre Nationen verkaufen« (Michel Reimon und Eva Zelechowski)
  • »Das Putin‐Syndikat: Russland im Griff der Geheimdienstler« (Margareta Mommsen)
  • »Mafiastaat: Ein Reporter in Putins Russland« (Luke Harding und Luisa Seeling)
  • und viele viele viele mehr.