Berliner Bildungsprogramm: eine Kritik

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Das Berliner Bildungsprogramm ist das pädagogische Leithandbuch für alle Berliner Kindertageseinrichtungen. Viele Bundesländer haben so eine Bibel für Kita-Pädagogen. Auch wenn dieses Handbuch viel dazu beigetragen hat, die Kindertageseinrichtungen als Bildungsinstitutionen und eben nicht nur als Aufbewahrungs- und Abschiebeanstalten für Kinder zu verstehen (damit die Eltern ordentlich lohnarbeiten können!), so ist leider auch dieses Werk durchsetzt von marktwirtschaftlicher Verwertungslogik. Schließlich sollen Kinder für uns weiterhin der Zukunfts-Rohstoff, anstatt unsere Gegenwart sein. Weiterlesen

Haben oder Sein

habensein_titelSeit einiger Zeit arbeite ich nun in einer Grundschule. Vormittags bin ich in einer Jül-Klasse und Nachmittags im Hortbereich. Es ist die schlechtbezahlteste Lohnarbeit, die ich bisher hatte und gleichzeitig die zufriedenstellendste Tätigkeit, die ich in meinen rund 40 Jahren ausgeübt habe. In aller Regel füllt man eine Funktion aus, die nicht erfüllt. Bei der man eine soziale Maske kultivieren und sich langfristig von sich selbst entfremden muss, damit man auf der Lohnarbeit ordentlich funktionieren kann. Aber, um mal ein Wort zu bemühen, dass leider längst von Marketing-Soldaten gekapert wurde: eine Arbeit, bei der man authentisch sein darf, ist häufig eine erfüllende und befriedigende Tätigkeit.
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Der pädagogische Happen (15)

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(Schulhort. Abmeldung. Das Telefon klingelt.)

Pädagoge: „Schulhort. Herr Lehmann am Apparat. Ich grüße Sie!“

Mutter: „Ja, Hallo! Hier ist die Mutter von Jan-Felix. Da es draußen in Strömen regnet, soll mein Sohn heute nicht alleine nachhause gehen. Er könnte ausrutschen oder ein Baum könnte ihn durch Wurzelaufweichung erschlagen. Ich hole ihn heute lieber selbst ab!“

Pädagoge: „Ok. Alles klar. Ich mache einen Vermerk und gebe es an die Kollegen weiter.“

Mutter: (kommt deutlich zu spät. Überzieht um mehr als 30 Minuten ihre vertraglich zugesicherte Hortzeit für ihren Sohn.) „Ah hey. Ich habe es leider nicht schneller geschafft.“

Pädagoge: „Hallo Frau Kaditz. Leider haben Sie diesen Monat bereits fünf mal die Zeit überzogen. Vielleicht sollten Sie ihr Hortmodul entsprechend anpassen?“

Mutter: (Wütend. Uneinsichtig.) „Kommt gar nicht in Frage! Es hat halt geregnet!“

(Bisherige Folgen)

Der pädagogische Happen (14)

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Mutter: „Du, unser Sohn ist gerade bei seinem Freund. Könntest Du bitte alle Spielzeug-, Holz- und die Legowaffen aus seinem Zimmer entfernen? Ich möchte keine Gewalt und keine Kriegsspiele mehr in unserer Wohnung!“

Vater: „Aber er spielt doch so viel damit! Und es ist ihm so wichtig!“

Mutter: „Ich will hier keine Aggressionen mehr haben! Wenn weniger Kinder mit Waffen spielen würden, dann hätten wir auch weniger Kriege auf der Welt!“

Vater: „Ich finde nicht, dass er aggressiv ist, wenn er sich spielerisch austobt. Besser so, als wenn er seine Körperlichkeit unterdrückt und es dann an anderer Stelle herausbricht, wo es womöglich nicht hingehört.“

Mutter: „Immer musst Du mir widersprechen und in meine Erziehung reinreden! Machst Du das jetzt bitte oder soll ich selbst die Spielzeugwaffen entfernen?“

(Bisherige Folgen)

Der pädagogische Happen (12)

_happen_Ein achtjähriger Junge spielt und tobt sehr laut in der Bahn. Dabei nimmt er keinerlei Rücksicht auf andere Fahrgäste, verteilt den Dreck unter den Straßenschuhen auf den Sitzen und rempelt andere Menschen an. Die Mutter tut zuerst so, als würde sie es nicht mitbekommen und hat dann sichtlich Mühe ihr Kind zur Rücksichtnahme zu bewegen. Als irgendwann ein junger Mann, Mitte Zwanzig, den Jungen direkt -aber freundlich-bestimmend- darauf anspricht, ist die Mutter auf einmal doch in der Lage, lauter zu werden:

Mutter: „So reden Sie nicht mit meinem Sohn! Was glauben Sie eigentlich wer Sie sind?“

Mann: „Ich bin nur ein unbedeutender, junger Mann, der nach einem harten Arbeitstag ein wenig Ruhe auf dem Heimweg haben möchte. Warum reden Sie eigentlich in diesem Ton nicht mit ihrem Sohn?“

Mutter: „Wie ich mit meinem Sohn rede und wie ich ihn erziehe, ist ganz allein meine Sache und geht Sie nicht das Geringste an! Was verstehen Sie schon davon? Sie sind ein Mann und hatten das Kind nicht in ihrem Bauch!“

Mann: „Ich habe auch einen Sohn. Und er ist in der Lage Rücksicht zu nehmen!“

Mutter: „Ist mir doch egal!“ (wendet sich ab und geht mit ihrem Sohn aus der Bahn)

(Bisherige Folgen)

Der pädagogische Happen (11)

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Mutter A: „Oh Man, Theodor hat heute schon wieder Hausaufgaben in Deutsch und Mathe auf. Die bekommt er fast jeden Tag! Wir sitzen dann immer über eine Stunde da dran.“

Mutter B: „Sei doch froh! Meine Elsa bekommt gar keine Hausaufgaben auf. Alternative Reformpädagogik oder so ähnlich nennen die das. Gefällt mir aber gar nicht! Wie soll sie denn ohne Hausaufgaben eigenständig werden und was lernen?“

Mutter A: „Sie geht doch täglich für den halben Tag in die Schule! Ich denke, da büffeln die Kinder schon genug. Hausaufgaben dienen doch primär dazu, die Kinder frühzeitig mit Sachzwängen vertraut zu machen und um sie zu disziplinieren. Ich übe und lerne spielerisch mit Theodor auch so zwischendurch. Ganz ohne Hausaufgaben. Das macht er dann aber gerne und ohne Zwang!“

Mutter B: „Ja, aber ich finde es eben wichtig, dass meine Elsa nachmittags nicht immer nur spielt, sondern eben auch begreift, dass das Leben kein Ponyhof ist!“

Mutter A: „Aber spielen ist doch Lernen!“

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Der pädagogische Happen (7)

_happen_-Gespräch zwischen zwei Vätern. Vater A (von Elias: 7 Jahre alt.) und Vater B (von Lionel: 6 Jahre alt)-

Vater A: „Du sag mal, spielt Dein Kind ein Instrument?“

Vater B: „Nein. Ich habe versucht es ihm schmackhaft zu machen, aber er hat dafür einfach kein Interesse. Also lasse ich es sein.“

Vater A: „Ach so. Also der Elias spielt Klavier. Ich bringe es ihm bei. Jeden Montag und Donnerstag jeweils eine Stunde.“

Vater B: „Und macht es ihm Spaß?“

Vater A: „Ich denke schon.“

(-10 Jahre später-)

Lionel: „Ey, schau mal da steht ein Klavier. Willste uns nichts vorspielen?“

Elias: „Boah ne, lass mal, Dicker! Ich hasse das Teil. Jahrelang hat mich mein Vater gezwungen, Klavier zu spielen. Bin froh, dass es vorbei ist!“

Lionel: „Wie jetzt? War nicht cool?“

Elias: „Ne. Überhaupt nicht.“

Der pädagogische Happen (6)

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Nach einem Elternabend. Eine Unterhaltung zwischen zwei Vätern.

Vater A: „Hey Michael, Du hast eben in der Vorstellungsrunde gesagt, Du bist gar nicht der leibliche Vater vom Lukas, sondern der „Bonuspapa“. Wo ist denn der echte Vater?“

Vater B: „Lukas ist alle zwei Wochen am Wochenende bei seinem leiblichen Vater. Ansonsten immer bei uns. Und das klappt ganz gut.“

Vater A: „Hast Du noch eigene Kinder?“

Vater B: „Ja, den Lukas.“

Vater A: „Ich meine, die von Dir sind. Sozusagen von Deinem Fleisch und Blut?“

Vater B: „Nein. Aber ich erziehe den Lukas seit über sechs Jahren und er ist die meiste Zeit über bei uns. Insofern betrachte ich ihn auch als meinen Sohn.“

Vater A: „Ja, aber er ist ja nicht wirklich von Dir!“

Vater B: „Relevant ist doch nicht, das genetische Besitz- und Habendenken, sondern die Zeit, die man aktiv mit dem Kind verbringt.“

Der pädagogische Happen (4)

_happen_„Du Papa?“

„Ja?“

„Was ist denn eine Payback-Karte?“

„Eine Payback-Karte ist eine Karte, die dazu dient Dein Einkaufsverhalten zu dokumentieren und an Deine persönlichen Daten zu kommen. Den Leuten wird aber erzählt, sie können damit Geld sparen. Das wirkliche Geld damit macht aber der Besitzer des Supermarktes.“

„Und warum fragen Dich die Verkäufer immer danach?“

„Ihr Chef hat ihnen gesagt, dass sie jeden Kunden danach fragen sollen. Und weil sie Geld für ihre Arbeit bekommen und ihr Tun nicht hinterfragen, machen sie das auch. Egal, ob das Sinn macht oder nicht.“

Der pädagogische Happen (3)

_happen_„Warum ist das Schwimmbad jetzt in diesem Jahr schon wieder teurer geworden? Briefe verschicken auch? Und Lebensmittel?“

„Weil wir in einer Welt leben, in der Geld mehr zählt, als Freude, Liebe und Menschen.“

„Und warum leben wir in so einer Welt?“

„Weil manche Menschen nie genug bekommen können und sie ihren großen Reichtum nicht teilen wollen.“

„Aber kann man das nicht ändern?“

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