Vorträge halten

Ob auf der Oberschule, in der Ausbildung, in der Universität oder auf einer Fortbildung: immer wenn es heißt, dass die Schüler in dem Fach ein Referat halten sollen, gibt es in der Regel genaue Vorgaben, in welcher Form das gemacht werden soll. Beispielsweise soll der Vortrag nicht länger als rund 20 Minuten sein. Wie oft mir in meinem bescheidenen Leben von Mitschülern und Mitstudenten stundenlang das Ohr abgekaut wurde, kann ich nicht mehr zählen. Wenn ich mir an einem Tag fünf Referate anhören muss und alle ihre Zeit gnadenlos überziehen, so eine Stunde und länger ihren Sermon vorne abliefern, dann bin ich fix und fertig. Nein, es hat absolut nichts mit Kompetenz oder Fachwissen zu tun, wenn man ganz besonders lange vorne herum schwätzt, nur um die meist anschließende Diskussion zu verkürzen.

Die Kunst besteht eben nicht darin, jedes Detail eines Textes wieder zu käuen (oder wikipedia durch‐zu‐zitieren), sondern das Wesentliche zu erkennen und auf den Punkt zu bringen. Fast überall im Berufsleben kommt es darauf an, den Kern in wenigen Worten zusammen zu fassen. Kaum ein Behördenmensch, Chef, Unternehmer, Kundenberater oder Geldgeber jedweder Form, möchte stundenlang zugetextet werden. Es ist eben kein Kavaliersdelikt, wenn man ganz besonders viel als Vortragender zu erzählen hat, sondern respektlos und egoistisch den Zuhörern gegenüber. Und sofern man als Zuhörer das Thema nicht absolut spannend findet, schaltet jeder nach 15 Minuten auf den Standby‐Modus. Inklusive des Dozenten.


»Aufmerksamkeit als Währung«

Medial verstrahlt

Wer in einer Schule, einem Hort oder in einer Kindertages‐, Jugend‐ oder sozialen Einrichtung arbeitet, erlebt relativ schnell die Folgen der Digitalisierung. Immer mehr Kinder haben eine Aufmerksamkeitsspanne von 30 Sekunden bis maximal 5 Minuten. Sie können alle »Fortnite«-Tänze, bauen tolle »Minecraft«-Welten, wissen schon sehr früh wie man mit smartphones und Tablets umgeht, aber können sich mit 6 Jahren nicht mehr die Schuhe zu binden, geschweige denn eine analoge Uhr lesen. Es ist daher völlig unverständlich, dass es von wissenschaftlicher Seite immer wieder heißt, man habe dafür »noch keine Daten« oder man müsse das Phänomen »noch untersuchen«. Die digitale Versumpfung von Millionen von Smartphone‐Junkies ist jeden Tag überall zu beobachten.

Besonders bigott sind viele linksgrüne Bio‐Öko‐Alternativ‐Eltern, die alles Digitale für ihre Kinder verbieten, aber selbst den ganzen Tag an der WhatsApp‐ und Facebook‐Nuckelflasche hängen. An vielen Schulen und Kindertageseinrichtungen sind die Dummphones verboten. Es hängen Verbotsplakate. Es wird überall darüber informiert. Aber was interessiert das die Süchtigen. Bei Kita‐ und Schulveranstaltungen sitzen die Eltern nur noch mit erhobenen Händen da, um alles aufnehmen zu können. Wer Bus und Bahn fährt, glaubt in einem dystopischen Thriller zu sein. Übrigens: der Vergleich mit der Tageszeitung ist nur noch lächerlich. Offline ist das neue Bio!


»Automatisierung. Digitalisierung. Industrie 4.0.«
»Handystrahlung produziert Zombies«
»Digitale Dystopien«

Presseblick (75)

In Frankreich sind sechs der zehn größten Vermögen in den Händen von Medienunternehmern.“
Serge Halimi. Gegen den Strom. Le Monde Diplomatique. Oktober 2015. S. 23

Massenarmut. Landraub. Verelendung. Kriege. Umweltzerstörungen. Abbau von Bürgerrechten. Wirtschaftskriminalität. Massenüberwachung. Das alles bekommt in unserer bürgerlichen Medienwelt nicht die Aufmerksamkeit, als wenn es um vermeintlichen Sexismus geht: »Transsexuelle Entwicklerin: Mob will sie feuern lassen, scheitert.« Oder: »Arte, der Männersender.« Fast täglich werden wir mit solchen und ähnlichen Meldungen, Artikeln und Beiträgen bombardiert. Ganz so, als würde der Kampf gegen das vermeintliche Patriarchat das einzig wichtige gesellschaftliche Problem unserer Zeit sein.

Es ist nicht nur ein perfektes Ablenkungsthema, damit sich niemand mehr mit der Finanzindustrie sowie den Eigentums‐ und Vermögensverhältnissen, mit Kriegen sowie den täglichen kriminellen Schweinereien von Konzernen und Banken beschäftigt, es spaltet auch auf Mikroebene weiter die Gesellschaft. Divide et Impera, damit allein schon der Gedanke an Solidarität ausgelöscht wird. Die Solidarität der Armen, Entrechteten, Arbeitern und Hilflosen untereinander war und ist das Grundübel der kapitalistischen Ordnung. Denn wo Solidarität herrscht, gibt es Protest, Streik und Widerstand. Weiterlesen

Bildung nur für Reiche

»Laut einer aktuellen Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fehlen Eltern mit geringerem Einkommen die Ressourcen, um ihre Kinder bei der Bewältigung des größeren Lernpensums zu unterstützen.«

- Böckler Impuls Ausgabe 09/2018. »G8 verringert die Chancengleichheit«. (Hans‐Böckler‐Stiftung. Deutscher Gewerkschaftsbund. DGB)

Anmerkung: Das war und ist wohl das Ziel des Bologna‐Prozesses gewesen. Die finanziell Armen raus und unten halten. Mission erfolgreich!

Kinder in Deutschland; Teil 44: »Problemkinder«

Das Web ist voll mit Artikeln und (Blog-)Beiträgen von Lehrern, Eltern und Redakteuren, welche die Ursachen von Verhaltensauffälligkeiten von Kindern gerne verdrängen, verleugnen und verschweigen. Ganz im Zeitgeist der Eigenverantwortung, sollen schon 6 bis 18 Jährige vollkommen selbst dafür verantwortlich sein, wenn sie regelmäßig Grenzen überschreiten, keine Höflichkeit mehr kennen, respektlos und/oder komplett unselbstständig sind, Sprach‐Schwierigkeiten haben, sozial‐emotionale Defizite besitzen, ein gestörtes Nähe‐Distanz‐Verhalten aufweisen, Wahrnehmungsprobleme zeigen und so weiter. Der Grundtenor lautet meist: »Es sind nicht immer wir Eltern schuld!« »Doch«, sage ich! In 80 Prozent aller Problem‐Fälle wird nicht erzogen, sondern verzogen. :JAJA:   Weiterlesen

Presseblick (71)

Spiegel Online vom 15. Dezember 2017

Spiegel Online vom 15. Dezember 2017

Viele Schulen in Deutschland sind nicht nur unterfinanziert, auch die Verteilung der Kinder ist extrem ungerecht: »Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund bei etwa 86 Prozent.« Das verursacht Probleme. Auch ich kenne sehr viele Eltern, die nicht wollen, dass ihre Kinder auf eine Schule mit hohem Migrationsanteil kommen. Und das nicht, weil die Eltern alle AFD‐Wähler sind. Ein Thema das innerhalb der Linken schnell zu reflexhaften Reaktionen führen kann. Viele Kinder (besonders Jungen) aus Familien mit Migrationshintergrund werden Zuhause wie kleine Prinzen behandelt. Regeln, Grenzen, Sanktionen und Konsequenzen gibt es kaum für sie.

Lehrer, Sozialarbeiter und Pädagogen, die an Schulen mit hohem Migrationsanteil arbeiten, kennen diese Probleme ganz genau. Statt nun aber die Kinder an den Schulen besser zu verteilen, damit es nicht mehr zu solchen Ballungen kommt, scheint es politisch so gewollt. Damit die Kinder aus den gut‐ und bildungsbürgerlichen Familien fein unter sich bleiben können. :JAJA:   Weiterlesen

Der pädagogische Happen (20)

_happen_Tochter: »Du Mama? Darf ich heute alleine vom Hort Nachhause gehen?«

Mutter: »Ich hole Dich doch um 16 Uhr heute ab!«

Tochter: »Ja, aber warum darf ich nicht einfach um vier Uhr vom Hort los gehen und wir treffen uns dann Zuhause?«

Mutter: »Nein, Claire. Ich möchte das noch nicht. Dafür bist Du noch zu jung! Vielleicht in Zwei Jahren oder so!«

Tochter: »Aber ich bin doch schon 10 Jahre alt!«


» »Der pädagogische Happen«
» »Elternängste«

Blogmüdigkeit

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Seit einigen Wochen hat sich bei mir tatsächlich eine Art Blogmüdigkeit eingestellt. Das liegt weniger an mangelnden Ideen, als vielmehr an der kafkaesken Realsatire genannt Medienwirklichkeit, die jegliche ernsthafte Analyse konterkariert. Ich komme nicht nur nicht mehr hinterher, den täglichen Irrsinn zu protokollieren und zu bewerten, es ist auch ein Kampf gegen durchgeknallte Windmühlen. Es wird sich stets im Kreis bewegt und das auch noch als Fortschritt verkauft. Vielleicht sollte ich mal 14 Stunden am Stück schlafen?

Aktuell: Schul‐Amoklauf in den USA. Ich habe bereits in der Vergangenheit einiges dazu geschrieben (hier und hier). Heute konzentriert sich die Presse auf die Waffengesetze in den USA (damals: »Killerspiele«). Und was ist mit dem gesellschaftlichen Leistungsdruck, mit Mobbing und den psychischen Problemen, denen Jugendliche heute ausgesetzt sind? Das gesamte neoliberale Schulsystem, ja der krankmachende Kapitalismus mit seinen weltweiten Kriegen gehört auf den Prüfstand. Aber soweit will -mal wieder‐ niemand gehen. Gesellschaftliche Kontexte werden regelmäßig ignoriert. Stattdessen greift man immer wieder zur Einzelfall‐Theorie. Und natürlich nutzt die Journaille den Amoklauf, um weiter Trump‐Bashing betreiben zu können. Ein Trauerspiel.

Der pädagogische Happen (19)

_happen_

Mutter: »Hast Du heute Deine Mathearbeit wieder zurück bekommen? Und welche Note hast Du?«

Sohn: »Es lief ganz okay! Ich hab nur zwei oder drei Sachen nicht gewusst. Aber ich bin ganz zufrieden.«

Mutter: »Ja, welche Note hast Du denn jetzt bekommen? Gib mal her!«

Sohn: »Reicht es nicht, wenn ich Dir sage, dass ich damit zufrieden bin?«

Mutter: (leicht gereizt) »Ich will jetzt sofort Deine Arbeit sehen!« [...] »Waaas? Eine Drei? Ne, oder?«

Sohn: (schweigt)

Mutter: (wütend) »Jetzt weiß ich warum Du mir die Arbeit nicht zeigen wolltest! Mit einer Drei kann man doch nicht zufrieden sein!« Das geht gar nicht! Ab morgen werden wir jeden Abend Zwei Stunden Mathe üben!«


» »Der pädagogische Happen«

Eltern können nicht lesen!

Was? Wie? Wo? Ich?

Was? Wie? Wo? Ich?

Tatort: Schule.

  • An jeder Tür steht in großen Lettern und in bunt: »Im Winter bitte die Türen geschlossen halten!« Die Eltern lassen die Türen offen.
  • Vor und in der Schulmensa gibt es viele Hinweise darauf, dass dieser Ort ausschließlich nur für Kinder und Schulpersonal da ist. Die Eltern mögen bitte im Foyer warten. Machen viele aber nicht.
  • Smartphones sind auf dem ganzen Schulgelände für alle verboten. Jeder weiß das. Viele Eltern setzen sich irgendwo hin, zocken oder chatten.
  • An der Tür der Schulbibliothek steht in großen Buchstaben mit Bild: »Schuhe bitte ausziehen!« und »Ausleihe nur Mittwochs und Freitags!« Eltern ignorieren das regelmäßig und/oder machen auf doof‐vorwurfsvoll: »Wieso kann mein Sohn/meine Tochter heute nichts ausleihen?«
  • Bei jedem Elterngespräch, bei Infoabenden und Elternbriefen wird immer wieder darauf hingewiesen, dass alle Kleidungsstücke, Trinkflaschen und Schulsachen mit den Namen des Kindes versehen werden sollten. Wird leider nur selten gemacht. Dann aber Pädagogen dazu auffordern, Jacken und Trinkflaschen suchen zu gehen.