Reale Welten vs. Fiktive Welten

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Immer wieder lese ich die akademische Grundannahme, es gebe hier die positiven, selbsterfahrenden, mit Sinneswahrnehmung ausgestalteten, realen Alltagswelten und dort die negativen, zerstörerischen und suchterzeugenden, fiktiven Medienwelten. Diese binär-dual-polarisierende Wahrnehmung empfinde ich als unwissenschaftlich, weil sie wenig Differenzierung, also Grautöne erlaubt. Ich würde sogar behaupten, dass es heute überhaupt keine trennscharfe Linie -zwischen vermeintlich realen und vermeintlich fiktiven Welten- mehr gibt. Es existiert hier längst kein entweder oder mehr, sondern nur ein sowohl als auch. Weiterlesen

Automatisierung. Digitalisierung. Industrie 4.0

technik_titelDer feuchte Traum vieler Unternehmen in der Software- und Internetwirtschaft, sind völlig autarke, selbständige sowie unabhängige Produktions- und Vertriebsketten. Personal-, Zeit- und Ressourcen-Kosten sollen gespart sowie mehr Effektivität und Effizienz erreicht werden. Es gibt regelmäßig selbstreferentielle Ejakulate von Silicon-Valley-Akteuren und/oder von Möchtegern-Start-Up´s, die neue utopisch-dystopische Zukunftstechnologien, bahnbrechende Visionen und digitale Revolutionen beschwören („Internet der Dinge“). Abgesehen von Aspekten, die häufig ignoriert werden (Überwachung, Datenschutz, Verlust von menschlichen Fähigkeiten, fehlende Kontrolle etc.), sind viele Technologien beileibe nicht perfekt oder funktionieren so, wie sie uns ständig in der Öffentlichkeit verkauft werden. Drei Beispiele aus dem Alltag. Weiterlesen

Digitale Dystopien

Das erledigen heute smartphones:

Die Omnipräsenz des Smartphones scheint niemanden (mehr) zu kümmern oder zu stören. Man kann kaum noch im Augenblick leben, ihn genießen und auf sich wirken lassen. Alles wird mit dem smartphone via Foto und Video konserviert, sich in den Chats und sozialen Netzwerken inszeniert („Seht her! Mein tolles Leben! Mein süßes Kind! Mein gutes Aussehen! Meine niedliche Katze!“). Als ich letztens bei einer Tanz-Aufführung in einer großen Sporthalle von mehreren Schulen mit vielen Kindern war, saßen hunderte Eltern auf den Plätzen und hielten die ganze Zeit ihre smartphones hoch. Sie machten Fotos und/oder Videos. Es war eine Groteske. Wie in einem dystopischen Science-Fiction-Film.

Als ich mal an einem See war, haben sich zwei junge Mädchen vor ihren mobilen Endgeräten inszeniert, ohne auch nur einen Fuß in das Wasser zu setzen. Dann sind sie gegangen. Auf Facebook/WhatsApp stand dann bestimmt: „Coole Party am See gemacht“ oder so ähnlich. In Bus und Bahn hängt mittlerweile fast jeder vor diesen Geräten. Mit Stöpsel in den Ohren. Abgeschirmt. Isoliert. In einer Bespaßungs-Glocke. Im Museum, im Schwimmbad, im Kino, auf Wald-Spaziergängen, in Restaurants, auf Konzerten, auf Kinderspielplätzen, in den Schulen und auf den Arbeitsplätzen – es gibt keinen sozialen Raum mehr, der frei ist von Digitalisierung, Konservierung und (Selbst-)Inszenierung. Und dann wollen mir diese Junkies weismachen, das alles hätte keine langfristigen Folgen? :WTF:

Eines Tages…

final…werden alle Menschen an einem kleinen elektronischen Gerät kleben. Sie werden es überall dabei haben und es mehrmals in der Stunde sanft streicheln, um Aufmerksamkeit und Bestätigung zu bekommen. Es wird alle sozialen Interaktionen nachhaltig prägen und verändern. Jeder wird, vollkommen freiwillig, seine intimsten Daten, Interessen und Geheimnisse in die Maschine eingeben. Unternehmen werden durch den Verkauf der Geräte und der Daten unbeschreiblich reich werden. Für Geheimdienste wird es ein Kinderspiel sein, jeden einzelnen Bürger zu überwachen und gegebenenfalls jeden Widerstand im Keim ersticken zu können.

Die Dystopie der Vergangenheit ist die Beschreibung der Gegenwart. Die Bankokratie von morgen ist der Zustand von heute.

Faschismus ist Demokratie

faschismus_titelNach der Silvesternacht in Köln 2015/16 war nichts mehr, wie es vorher war. Pünktlich zum Start des neuen Jahres wurde der rechte, völkische und rassistische Korpsgeist der deutschen Bevölkerung wiedererweckt. Nachdem er sich jahrzehntelang nur selten, vor allem im Stammtisch- und Schrebergarten-Kreis zeigte, erfreute er sich von nun an wieder großer gesellschaftlicher und medialer Beliebtheit. Es durfte endlich wieder laut gehetzt und gezündelt werden. Flüchtlinge galten von nun alle als Sexmonster, die es auf deutsche Frauen abgesehen hätten. Linke, als naive Weltverbesserer, die nichts gegen die kriminellen Ausländerhorden unternehmen wollten. Und Gegner der Todesstrafe waren Unterstützer von Kinderschändern und galten als getarnte Pädophile. Was jetzt nur noch fehlte, war ein neuer, ein moderner Führer. Weiterlesen

Bloggende Bücherwürmer

Wuff. Wuff. Stöckchen von Stefan Rose gefangen. Machen wir das mal mit. So aus Spaß und so. Ich verbuche es zu dem unter besseres Kennenlernen des losen Blogger-Netzwerkes. Wir machen vermutlich sowieso viel zu wenig gemeinsam, außer uns alle gegenseitig lesen und gelegentlich kräftig auf die Schulter klopfen. :BLING: Ich soll also fünf Bücher benennen, die ich mir 2015 zu Gemüte führen werde und danach fünf benennen, die auch so verfahren sollen. Da ich mir jedoch mein Querulanten-Image bewahren muss, habe ich aus beiden mal drei gemacht. ;) Weiterlesen

Filmzitate raten VI

Aus welchem dystopischen Film aus dem Jahr 1976 stammt dieser Dialog? Tipp: jeder wird ab 30 mit einem sozialverträglichen Ableben, der sog. „Erneuerung“, belohnt. Tolle Idee, um unsere Wohlstandsgesellschaft vor Pflegekosten zu schützen und um den Jugendfetischismus aufrecht zu erhalten, oder? ;)

Er: „Traurig? Was ist denn so deprimierend?“
Sie: „Mein Freund musste zur Erneuerung. Ist das kein Grund?“
Er: „Er wird bestimmt erneuert!“
Sie: „Er wurde getötet! So wie die Anderen auch.“
Er: „Getötet? Wieso benutzt Du dieses Wort?“

Filmzitate raten V

Aus welchem dystopischen Film-Klassiker aus dem Jahre 1987 stammt dieses Zitat?

„Krankenhäuser, Gefängnisse, Weltraumforschung. Ich sage, ein gutes Geschäft kann man aus allem machen. Wie Sie wissen, haben wir durch einen Vertrag mit der Stadt die Verwaltung der örtlichen Polizei übernommen.“

Bankokratie 2500

Tim Gage (wikimedia)

In der fernen Zukunft herrscht der Geldadel auf der Welt. Ganz offen und direkt. Ackermann Nr. XV, Vorsitzender der „internationalen Bankenvereinigung“ (IBV), herrscht mit eisiger Hand über die Welt. Wahlen finden nicht statt. Oppositionelle Bewegungen, alternative Meinungen und Gesellschaftsentwürfe werden mit dem privaten Sicherheitsdienst der IBV, der sog. „Peace Security Force“ (PSF), gnadenlos unterdrückt und niedergeschlagen. Die PSF stellt über 500 Millionen Soldaten weltweit. Die IBV besitzt in jedem Land eine Wolkenkratzer-Zentrale und in jeder Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern einen Außenposten. Fast täglich wird die Todesstrafe durch die PSF vollstreckt. Weiterlesen