Solidaritätsnachweis

(Ein Gastbeitrag von Thomas Eisinger)

Der Umgang mit den Pandemien in den vergangenen Jahren hat gezeigt, dass große Teile der Gesellschaft den Nutzen allgemein verbindlicher Regeln und Maßnahmen befürworten und begrüßen. Nach dem großen Erfolg der Impfkampagne blieb ein letzter wichtiger Bereich, den es zu optimieren galt: die vollständige Ausmerzung jeder Diskriminierung. Das Ministerium für Bürger:Innenrechte und Geimpft:Innenwürde hatte sich ehrgeizige Ziele gesetzt – heute sind sie erreicht! Weiterlesen

Tracking. Kontrolle. Überwachung.

»Vor jeder Fahrt checkt sich der Fahrgast ein, danach zeigt die App eine digitale Fahrtberechtigung an. Am Ziel checkt sich der Fahrgast wieder aus. Die Eezy-App berechnet den Fahrpreis, der dann vom Konto abgezogen wird.«

- BVG-Chefin Eva Kreienkamp über innovative neue Tarif-Modelle im Berliner ÖPNV

Anmerkung: Daten sind und bleiben das neue Öl. Alles und jeder will unsere Daten. Name. Adresse. Bankdaten. Telefonnummer. E‑Mail. Nutzerverhalten. Kauf- und Konsuminteressen. Für jeden Fliegenschiss soll man eine App installieren, wo im Hintergrund fleißig getrackt, Daten gesammelt und gesendet werden. Im zitierten Fall kann man wunderbar Millionen von täglichen Bewegungsprofilen erstellen und verwerten. Verkauft wird es dann ‑wie so oft- als Service für den Kunden. Es sei innovativ, flexibel und modern. Was jedoch mit den gesammelten Daten gemacht wird, weiß dann wieder keiner. Und die jungen hippen Leute verstehen nicht, welche digitale Kontroll- und Überwachungsgesellschaft hier weiter etabliert wird: »Ich habe doch nichts zu verbergen!«


Digitale Dystopien
Automatisierung. Digitalisierung. Industrie 4.0.

In naher Zukunft...

...wird der Selbstmord eines Konzernmitarbeiters als »mutwillige Beschädigung von Konzerneigentum« eingestuft. Deshalb werden bei dieser Form von Vandalismus die Angehörigen auf Schadensersatz verklagt werden.

...wird jeder, der kein smartphone, kein Facebook‑, Twitter‑, Instagram- oder whatsapp-Account vorweisen kann, präventiv für 30 Tage in die Sicherheitsverwahrung eingeknastet.

...wird es Therapiezentren für Menschen geben, die wieder lernen sollen, ohne smartphone und offline (über-)leben zu können.


Bankokratie 2500
Digitale Dystopien

Der Tod der Wahrnehmung

Das ist nicht »1984«, sondern »2019«.

Als Wahrnehmung bezeichnet man »jenen Aspekt des psychischen Geschehens und Erlebens, der sich auf die Kopplung des Organismus an funktional relevante Aspekte der physikalischen Umwelt bezieht. Hierzu gehören nicht nur die haptische, visuelle, auditive, olfaktorische und gustatorische Wahrnehmung, sondern auch die Wahrnehmung des Leibes und seiner Teile« (Rainer Mausfeld, spektrum.de). Zu Wahrnehmungsstörungen zählen nicht nur Illusionen und Halluzinationen, sondern auch der Verlust über die Kontrolle der eigenen Wahrnehmung sowie deren Ausrichtung. Gefühle, Bewegungen, Farben, Gesichter oder Geräusche können kaum oder nur noch teilweise erkannt und identifiziert werden.

Filterblasen. Echokammern. Tunnelblick. Betriebsblindheit. Ich-Bunker-Weltverleugnung. Scheinbar leidet heute jeder Zweite unter einer chronischen Wahrnehmungsstörung. Allerlei Verbotsschilder, Regeln des Zusammenlebens sowie soziale Konventionen werden komplett ignoriert, Meinungen, Analysen und Kommentare, die nicht in das eigene Weltbild passen, werden gezielt weggeschoben und überall Smombies, die von ihrer realen Umgebung nur noch das Hintergrundrauschen wahrnehmen. Es existiert eine große Unfähigkeit, Sachverhalte, Dinge und Menschen in ihrer Ganzheitlichkeit zu erfassen. Kontexte, Ursachen und Inhalte müssen in 200 Wörtern oder mit Bildern erklärt werden, weil sonst die Konzentration und Aufnahmefähigkeit rapide absinkt. Die Dystopie liegt nicht in der Zukunft, sondern in der Gegenwart.


Medial verstrahlt
Die Ablehnung der Wirklichkeit

Für die nationale Sicherheit!

»Wer für die Einreise in die USA ein Visum benötigt, für den sind Angaben zu seinen Social-Media-Konten, E‑Mail-Adressen und Telefonnummern ab sofort verpflichtend. Das betrifft etwa 15 Millionen Menschen pro Jahr.«

winfuture.de vom 3. Juni 2019

Anmerkung: Wer in Zukunft nur noch mit Bargeld bezahlen will, keine Social-Media-Konten (wie Facebook, Twitter und/oder whatsapp) vorweisen kann sowie kein smartphone (inklusive Google-Konto) besitzt oder besitzen will, macht sich strafbar! Wer außerdem seine IP via Proxy oder Tor-Browser verschleiert, seine Cookies und seine Chronik regelmäßig löscht, Amazon, Payback und alle anderen »Kundenkarten« ablehnt, keine Versicherungen abschließt, sich dem Lohnarbeitsmarkt verweigert, ständig offline ist und wenn online, dann nur mit Adblocker und NoScript — der gehört in die Präventivhaft! Alles im Namen der nationalen Sicherheit! :jaja:

Presseblick (81)

Jörg Heynkes bejubelt auf t3n.de die Digitalisierung, Automatisierung sowie den Silicon-Valley-Wahnsinn von der neuen Gesellschaft. Ich halte solche Positive-Thinking-Reden mittlerweile nicht mehr nur für grenzenlos naiv, sondern auch für komplett geschichtsvergessen. Wann und wo haben sich Konzerne oder das (Groß-)Kapital jemals für die Belange der Mehrheit der Bevölkerung interessiert oder eingesetzt? Es ging und geht ihnen immer nur um ihre eigenen Interessen, um Macht und Profit. Stop! Das zu behaupten ist Populismus! :jaja: Weiterlesen

Smombie Nation

Fragmentierte Wahrnehmung. Marktplatz der Aufmerksamkeiten. Narzisstisches Nicht-Streicheln. Gebeugtes Versinken. Vernetzung ohne Auffangnetz. Schein als Sein verkaufen. Gestreute Zerstreuung. Elektronische Emotionen. Sozial-fiktive Identitätsproduktion als Erweiterung des verstümmelten Selbst. Mensch-Sein als endgelagertes Endgerät.

»Das ist heute halt so! Man muss eben mit der Zeit gehen!« Echt jetzt? Ich muss jeden Bullshit mitmachen, weil es eben alle so machen? Hatten wir das nicht schon mal?


Handystrahlung produziert Zombies
Die Ablehnung der Wirklichkeit

Smombie City

Ich könnte dieses Bild hier jeden Tag veröffentlichen. Ob es einen Unterschied machen würde? Vermutlich nicht. Ist doch eh alles halb so wild, nicht wahr? Immer diese Kulturpessimisten! Das ist eben modern so! :jaja: Dennoch: wenn ich das täglich in Bus und Bahn sehe, muss ich an viele dystopische Romane und Filme denken...aber auch das: wen interessierts? :)

Kultfilm: »Robocop«

Copyright Metro Goldwyn Mayer (MGM)

Zu meinen absoluten Lieblingsfilmen gehört »Robocop« aus dem Jahr 1987 von Paul Verhoeven. Der Film funktioniert auf vielen Ebenen ganz hervorragend. Er beinhaltet zynische Gesellschaftskritik, beißende Medienschelte sowie dystopische Realsatire. Viele subtile Warnungen an die naive Fortschrittsgläubigkeit sind heute komplett unaufgeregter Alltag geworden: Söldner-Firmen, chronische Unterfinanzierung der Polizei, Privatisierungen öffentlicher Daseinsfürsorge, Massen-Überwachung, Kommerzialisierung sämtlicher Lebensbereiche, Drohnenmorde oder die massenmediale Verblödung durch Trash-TV-Sendungen. Spoiler-Warnung!

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