Peter Grottian ist tot.

(Bild: Picture Alliance)

Professor Peter Grottian war nicht nur Politikwissenschaftler an der FU Berlin, am Otto-Suhr-Institut (OSI), sondern auch ein linkspolitischer Aktivist. Er wurde 78 Jahre alt. Bis zuletzt kämpfte er für eine bessere Welt, gegen neoliberalen Privatisierungswahn und dafür, dass sich Menschen analog miteinander vernetzen. Er war in vielen politischen Bewegungen aktiv. Unter anderem bei: »Initiative Berliner Bankenskandal«, »Komitee für Grundrechte und Demokratie« sowie bei »Freiheit statt Angst«. Seine Schwerpunkte an der FU Berlin waren vor allem soziale Themen, Kritik gegen den Neoliberalismus, Protestbewegungen sowie Grund- und Menschenrechte. Ihm war es immer wichtig, »seinen Arsch hochzubekommen«. Gegen »Agenda 2010«, gegen »Hartz 4« und für eine gerechtere Welt. Vor rund 15 Jahren hatte ich die Gelegenheit ihn persönlich kennenzulernen. Weiterlesen

Sommerurlaub

Ich ziehe mich nun für rund zwei Wochen zum Energie-Tanken zurück. Offline ist das neue Bio! Bisher hat jede Blogpause neue Inspirationen gebracht. Noch ein Wort zu dem ganzen Corona-Wahnsinn. Ja, es war nicht immer ganz leicht, gegen den Strom zu schwimmen. Es wurde viel getrollt und ich wurde mit viel Dreck beworfen (nicht nur im Blog). Bequemer ist es wohl, im allgemeinen Panik-und-Angst-Fahrwasser mitzuschwimmen oder zu schweigen. Leider blieb hier für mich die Glaubwürdigkeit und Integrität Einiger völlig auf der Strecke. Als wenn die »Tagesschau« oder die »Bundesregierung« überhaupt jemals ein Hort von Wahrhaftigkeit, Solidarität oder Fürsorglichkeit gewesen wären?

Als dann sogar Einige anfingen, den Diffamierungskurs der LeiDmedien (»epikur goes AfD«) mit zu fahren, wurde es richtig grotesk und albern. Ich schreibe schon seit über 10 Jahren ehrenamtlich in über 2.000 Beiträgen für Werte wie Empathie, Humanismus, Soziale Gerechtigkeit und Frieden. Mir so einen Bullshit an den Kopf zu knallen, nur weil ich es wage, eigene Gedanken zu formulieren, ist reichlich lächerlich, zeigte aber auch die argumentative Verzweiflung der Maßnahmen-Befürworter. Der öffentliche und sozial erwünschte Meinungskorridor ist indessen wieder enger geworden.

»Sapere Aude — Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!«

- Immanuel Kant im Jahr 1784

Ich weigere mich bis heute politisch instrumentalisiert und/oder vereinnahmt zu werden. Ich war, bin und werde niemals Mitglied in irgendeiner Partei oder Organisation sein! Denn überall ‑von links nach rechts- lauern Tabuzonen, Denkverbote und Gesinnungspolizisten. Ich lasse mir die Freiheit des (Selber-)Denkens ‑mit allen Konsequenzen- von Niemandem verbieten! Auf der anderen Seite zeigte diese Krise sehr schön auf, wer aus welchem Holz geschnitzt ist. In diesem Sinne danke ich allen treuen und auch kritischen Lesern! Ihr habt mir viel Kraft gegeben. Glück auf. Bis bald!


Herrschaftsprinzipien
Anerzogene Unmündigkeit
Meinungs- und Deutungshoheit

Der Club der toten Dichter

Ein Film, der mich in meiner Jugend nachhaltig geprägt hat ‑und der auch heute noch seine volle Wirkung bei mir entfaltet- ist »Der Club der toten Dichter« von Peter Weir. Robin Williams in der Rolle des Lehrers John Keating, möchte junge Männer an einer Elite-Schule zum selbstständigen, kritischen und offenen Denken anregen. Gerade in einem Umfeld, in der Fremdbestimmung (Eltern, Schule und Gesellschaft geben vor, was die Jugendlichen denken und tun sollen) schnöde Alltagsrealität ist, wird Keating’s Vorhaben als aggressiver Putschversuch gewertet. Nur »Leistung«, »Erfolg« und »Konformität« sind auch heute- jenseits von Elite-Einrichtungen- überall die tief verinnerlichten, neoliberalen Dogmen unserer alternativlosen, marktkonformen Demokratie. Weiterlesen

Komplexität als Machtinstrument

Die Welt ist kompliziert geworden‹ heißt es oft, und meist werden Globalisierung, Digitalisierung oder Individualisierung als Ursachen dafür gesehen.«

deutschlandfunk.de vom 12. Oktober 2018

»Es ist kompliziert. Trotzdem werden die Antworten immer simpler. Das ist fatal.«

zeit.de vom 20. Juni 2018

Anmerkung: Als Jugendlicher dachte ich irgendwann »Alles dreht sich nur ums Geld — kann das wirlich alles sein?« Dieser Gedanke ‑der heute überall als Populismus und Vereinfachung diffamiert wird- sollte mir dann schrittweise via Schule, Ausbildung, Studium und Arbeitsleben ausgetrieben werden. Nun, mit rund 40 Jahren, viel Wissen, Erfahrung und auswendig gelerntem Bullshit im Kopf, muss ich leider feststellen: »Alles dreht sich nur ums Geld!« :jaja:

Wer heute jedoch die realpolitische Praxis »Profite vor Menschen« öffentlich ausspricht, gilt wahlweise als Antisemit, Steinzeit-Kommunist oder simplifizierender Populist. Genau deshalb muss alles immer irgendwie komplizierter werden, damit die offensichtlichen Tatsachen von Niemanden mehr gesehen und analysiert werden. Außerdem spricht man so der normalen Bevölkerung das (Nach-)Denken ab. Schließlich braucht es in einer vermeintlich immer komplizierter werdenden Welt unbedingt für alles einen Experten. Der sagt uns dann, was wir denken sollen.


Herrschaftsprinzipien

Wiederholungen

Urlaub: Alles bleibt anders?

Letztens wurde mir in einem Gespräch vorgeworfen, meine Kritik würde sich zu oft wiederholen und das schwäche meine Argumentation. Ich entgegnete, wenn sich der Irrsinn um mich herum immer wiederholt (Orwell lässt grüßen!), dann kann sich meine Kritik daran auch nicht großartig verändern. Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb man einerseits die ständigen Medien-Propaganda-Wiederholungen und ‑Narrative locker ertragen kann (der böse Russe, gefakte Arbeitslosenzahlen, »Wir sind die Guten« etc.), aber andererseits jedwede wiederholte Kritik daran, als unbequem und anstrengend empfindet?

Die täglich monotone Wiederholung der eigenen Lohnarbeits-Aktivitäten wird kaum thematisiert. Selbstentfremdung ist außerhalb akademischer Diskurse kaum eine Frage. Mir drängt sich der Verdacht auf, dass jegliche Art von Störung der eigenen Biedermeier-Komfortzone und Mikro-Bequemlichkeitswelt (und sei es nur ein Hintergrundrauschen), als ganz persönliche Belästigung betrachtet und empfunden wird. Das eigene Denk- und Wertesystem (und sei es noch so schief, kaputt oder pathologisch), dürfe nicht angerührt werden. Wer auf den Schmutz aufmerksam macht, ist somit nicht nur schmutzig, er verursacht auch den Schmutz. :jaja:

Geld stinkt!

Wenn alles Denken und Handeln am Geld gemessen wird...

  • Kreativität jeglicher Art ist nur dann interessant, wenn man sie zu Geld macht.
  • Geschriebene Texte sind nur dann lesenswert, wenn man Bücher verkauft.
  • Videospiele sind nur dann keine Zeitverschwendung, wenn man via E‑Sports mit ihnen Kohle verdienen kann.
  • Musik ist nur dann mitreißend, wenn man sie irgendwie kommerziell vermarkten kann.
  • Dummheit ist erstrebenswert, wenn man sie verkaufen kann.
  • Und so weiter.

...dann könnte man doch auch bei der Mafia arbeiten? »Aber die töten doch Menschen!«, lautet dann der moralische Einwurf. Seit wann interessieren uns Ethik und Menschenechte? Glaubt Ihr etwa Banken, die Pharma- und Rüstungsindustrie oder die Jobcenter töten keine Menschen?

»Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Suizid treiben, einen in den Krieg führen usw. Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten.«
(Bertolt Brecht. Aus: »Me-Ti. Buch der Wendungen«.)

P:S: Ich muss was gegen meinen Zynismus tun. Ob Sport hilft?

»Du bist viel zu negativ!«

»Das, das gibt erst dem Menschen seine ganze Jugend, dass er Fesseln zerreißt.»
Friedrich Hölderlin

Wie oft habe ich mir schon anhören müssen, ich sei zu kritisch, zu negativ und zu pessimistisch. Ich kann es nicht mehr zählen. Oder hören. Und wie oft habe ich den Leuten dann erklärt, dass wer nicht mehr analysiert, kritisiert und hinterfragt, eigentlich derjenige ist, der sich selbst, seine Mitmenschen und seine Lebensumwelt komplett aufgegeben hat! Wer sich fügt, zu allem Ja und Amen sagt und nicht mehr selbstständig denken will, sei optimistisch und glücklich? Wer die real gegebenen Ungerechtigkeiten verleugnet, hat eine »positive Lebenseinstellung«?

Die Haltung, wer kritisch ist, muss auch irgendwie unzufrieden, gefrustet oder gar depressiv sein, entspricht einem typisch deutschen Untertanengeist. Dieser glaubt tatsächlich daran, dass sich alles irgendwie zum Guten, ja, dass man glücklich werden wird, wenn man nur mit aller Kraft wegschaut, sich devot jeder Form von neofeudaler, struktureller und staatlicher Herrschaft unterwirft sowie sich in seinen Biedermeier-Weltverleugnungs-Bunker verkriecht. Zwangsoptimismus als Herrschaftsinstrument.

Dabei macht doch erst der schöpferische Prozess, dazu gehört ‑neben Kunst und Musik- eben auch die Entwicklung von eigenständigen Gedanken, frei, zufrieden und glücklich. Das erklären uns schon seit Jahrhunderten überall auf der Welt Philosophen, Dichter, Denker und Psychologen. Aber die kann man natürlich alle ignorieren und lieber das denken und glauben, was uns BILD, RTL und Hollywood ständig einimpfen.


»Warum kritisches Denken glücklich macht!«
»Das musst Du positiv sehen!«
»Kritik ist positives Denken«

Unerwünschte Fragen

In einem vergessenen Lager im Oktober 2016 entdeckt

Brettspiel: In einem vergessenen Lager im Oktober 2016 entdeckt.

  1. Wer hat Macht und weshalb?
  2. Warum ist Eigentum, Vermögen und Besitz weltweit so extrem ungleich verteilt? Und ist das ein Naturzustand oder gibt es Möglichkeiten, diesen Zustand zu verändern?
  3. Wer hat welches Interesse? Welche geopolitischen Ziele verfolgen Israel und die USA? Was wollen Banken und Konzerne? Warum wird das in den Leitmedien nicht thematisiert?
  4. Wenn Lohnarbeit in der Regel Selbstentfremdung und eben nicht Selbstverwirklichung bedeutet, warum gibt es dann noch immer einen so weit verbreiteten Lohnarbeits-Fetisch?
  5. Warum sind Kapitalismus und Krieg so untrennbar miteinander verbunden?

Wer sich allein nur diesen Fragen stellt, wird schnell zu einem Populisten, Verschwörungstheoretiker, Antisemiten, Spinner, Aluhut oder Antiamerikaner erklärt.

Das Warum abtrainieren

warum_titelGehe ich in die örtliche Bibliothek zu den Bereichen Soziologie, Psychologie, Philosophie und/oder Politikwissenschaft, so gibt es dort heute primär Lebensratgeber-Bücher, Biografien, Pop-Kultur, emotionale Stellungnahmen, polemische Streitschriften und Trend-Literatur. Schriftliche Werke, die dabei helfen könnten, das große Ganze zu verstehen, Sachverhalte präzise, wissenschaftlich und analytisch zu hinterfragen sowie Strukturen, Verstrickungen und Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, sind in öffentlichen Bibliotheken immer seltener, werden in der Schule erst gar nicht und in der Universität ‑wenn überhaupt- nur als »Bulimie-Wissen« gelehrt.

»Bislang hat es noch keine Bevölkerung gegeben, die für ihre Reise in die eigene Unfreiheit auch noch bezahlt hat.«

Harald Welzer. »Die höchste Stufe der Zensur: Das Leben in der Ich-Blase«. Blätter. Ausgabe Juli 2016. S. 62

Die innere Selbstzensur und das absolute Desinteresse an allem, was größer und komplexer ist, als das eigene Lebensumfeld, benötigt keinen Fürsten oder Diktator. Wenn die Massen ihre Lohnknechtschaft für Freiheit halten, den Kapitalismus als Naturzustand deklarieren und Datenschutz als belanglose Kleingeisterei zur Seite wischen, hat das Warum auch keinerlei Bedeutung mehr. Dann sind universelle, moralische Prinzipien, wie Menschenrechte und Nächstenliebe, nur noch subjektive, und damit unrelevante Einzelmeinungen.