Game of Thrones

Alle Welt redet, spricht und empört sich -völlig zurecht‐ über die 8. Staffel von »Game of Thrones« (GoT). Ich möchte an dieser Stelle gar nicht groß in die Diskussion über mieses Writing, schlechte Drehbücher, Kitsch und unglaubwürdige Charaktere einsteigen, das haben andere schon sehr gut und ausführlich beispielsweise hier (serienjunkies.de, mehr als 150 Kommentare) und hier (gamestar.de, mehr als 400 Kommentare) getan. Für mich bringt allein ein kurzer Satz im Serienfinale von Tyrion Lannister das ganze Dilemma hervorragend auf den Punkt (ca. 23. Minute):

»Mein Vater war ein böser Mann. Meine Schwester war eine böse Frau.«

Das ist Marvel‐, Disney‐ und Kinderbuch‐Niveau. Sechs Jahre lang wurden in GoT Geschichten, Handlungen und Charaktere aufgebaut, die nie nur böse oder nur gut waren. Jeder Charakter hat gute und auch böse Taten vollbracht. Handlungen und Entscheidungen hatten vielmehr (auch und vor allem komplett überraschende) Konsequenzen, die sich schwer in moralisch totalitäre Kategorien wie gut und böse einordnen ließen. Genau diese Betrachtung unterscheidet eine infantil‐banale Weltsicht, von einer reifen und erwachsenen Analyse.

Die intelligente Perspektive, dass die Welt mit all ihren Ereignissen und Charakteren grau und differenziert betrachtet werden sollte (Oder besser gesagt: »Jeder hat eine Leiche im Keller!«), haben Serien wie »Breaking Bad«, »die Sopranos« und auch »Game of Thrones« so erfolgreich gemacht. Es gibt eben Interessen, Bedürfnisse und Ziele, die entsprechende Handlungen und Entscheidungen erfordern und damit Konsequenzen hervorrufen. Allein der Begriff »böse« tauchte niemals in GoT in irgendeinem Dialog auf. Und das aus gutem Grund.