Neusprech: »Solidarität«

Vor nicht allzu langer Zeit war »Solidarität« noch kommunistisches Teufelszeug. Lohnarbeiter, die sich miteinander solidarisieren wollen? Prekär Beschäftigte, die sich via Streik, Protest, Widerstand und Demonstration gegen menschenverachtende, neoliberale Ausbeutung wehren wollen? Bildungsproteste von Lehrern, Schülern und Eltern gegen das Spardiktat? Aufmärsche gegen Kriege und für den Frieden? Bitte nicht! Alles Chaoten, Verschwörungstheoretiker, Neu-Rechte, Radikale, Sozialromantiker oder Kommunisten.

Nein, »Solidarität« war und ist im marktkonformen Deutschland das exakte Gegenteil all dessen wofür unsere neoliberale Regierung steht! Wenn Konkurrenz, Wettbewerb und Eigennutz die dominanten Werte sind, ist für »Solidarität« keinen Platz mehr. Daran hat sich auch in Corona-Zeiten absolut nichts geändert. Oder hat sich unser Wirtschaftssystem gewandelt und ich habe davon nichts mitbekommen? Es wird zwar überall »Solidarität« gepredigt, aber im Kern weiterhin nur »Neoliberalismus« gesoffen.

Phrasenmasken
Konkurrenz, Wettbewerb und Eigennutz haben sich tief in unser kollektives Bewusstsein gegraben. Es gilt und galt stets der Grundsatz: Teile und Herrsche. Gesellschaftliche Spaltungen sind und waren unser täglich Brot. Und wer noch vor einem Jahr von »Solidarität« gesprochen hat, war entweder Querfront oder Steinzeit-Stalinist. Aber nun geht es um eine gemeinsame Sache, den »gesunden Volkskörper«! Es sollen, nein, es müssen nun alle zusammenstehen, um den gemeinsamen Feind zu besiegen. Kommt euch diese Rhetorik nicht irgendwie bekannt vor? Und wer ausschert, gilt wahlweise als Wehrkraftzersetzer, Volksschädling, Altenmörder oder als die Fünfte Kolonne von Putin und wird gnadenlos niedergebrüllt.

  • Wo ist die Solidarität mit den Alten, wenn es um Altersdiskriminierung auf dem Arbeitsplatz geht?
  • Wo ist die Solidarität mit den Alten, wenn es um Drückerkolonnen geht?
  • Wo ist die Solidarität mit den Alten, wenn es um das Thema Altersarmut geht?
  • Wo ist die Solidarität mit den Alten, wenn es um die Qualität von Pflegeheimen geht?
  • Wo ist die Solidarität mit den Alten, wenn es um Entschleunigung geht?
  • Wo ist die Solidarität mit den Alten, wenn es um barrierefreie Zugänge geht?
  • Wo ist die Solidarität mit den Alten, wenn es um Schönheitsfaschismus in den Massenmedien geht?

Das hat auch nichts mit whataboutism zu tun, sondern ist medial-politische Alltagsrealität. Vor, während und nach der Corona-Krise. Die da lautet:

»Es gibt keine faktische Solidarität mit den Alten!«

Mit Griechenland, Julian Assange, den Arbeitslosen, den Armen, Hungernden oder weltweit mit Menschen, die unter Sanktionen leiden oder von deutschen Waffen getötet werden, sowieso nicht. Es wird Wasser gepredigt und Wein gesoffen. Alte Menschen gelten als verbraucht, nutzlos, ja als Belastung der Sozialsysteme. Nachweise hierfür gibt es tausendfach. Beispielsweise hat der Bundesvorsitzende der Jungen Union (JU), Philipp Mißfelder, im Jahr 2003 vorgeschlagen, künstliche Hüftgelenke für die Alten sollten nicht mehr auf Kosten der Solidargemeinschaft bezahlt werden. Aber heute, im Jahr 2020, ist natürlich alles ganz doll anders. Gerade die CDU (!!) soll nun ihre christliche Nächstenliebe wieder entdeckt haben? Glaubt Ihr diesen Bullshit wirklich?

Fratzenmasken
»Solidarität« ist in Corona-Zeiten ein perfides Machtinstrument, um den Pöbel auf Linie zu halten. Man könne sich mit der Maske zwar nicht selbst, aber dafür andere schützen, heißt es allerorten. Oder anders: »Sei solidarisch!« So kann man jeden, der keine Maske trägt, unterstellen, ein egoistisches Corona-Party-Arschloch zu sein, der keine Rücksicht auf seine Mitmenschen nehmen würde. Jede Form von inhaltlicher (Anti-Masken-)Kritik wird so emotional zerbombt, denn mit potentiellen Altenmördern verbittet es sich, überhaupt ein Gespräch zu führen!

    • Wo ist die Solidarität mit den jetzt insolventen Selbstständigen?
    • Wo ist die Solidarität mit den Lohnarbeitern, die jetzt massenweise entlassen werden?
    • Wo ist die Solidarität mit den finanziell Armen und Obdachlosen, die besonders unter den »Maßnahmen« leiden?

Wer die Bigotterie in den USA ‑Titten verboten, Massenmorde erlaubt- schon immer reichlich grotesk fand, darf diese nun endlich selbst und in Farbe erleben: Kurzfristige Solidarität mit den Alten? Ja! Eine Abschaffung von menschenverachtender, neoliberaler Politik, die täglich Tausende (junge und alte) Menschen in Not, Elend und in den Suizid treibt? Nein!

Im Grunde ist und bleibt »Solidarität« für die politisch Verantwortlichen, wie für die Reichen und Mächtigen, kommunistisches Teufelszeug, das ihre Herrschaft untergräbt. Sobald das Corona-Gespenst vorüber gezogen ist, wird es garantiert auch wieder als Solches bezeichnet werden! Nur die staatlich verordnete Solidarität (aka »Patriotismus«) ist auch weiterhin erwünscht.

Maskenlos
Wie wäre es, wenn im Namen der »Solidarität«, alle Vermögenden eine monatliche Abgabe von 3 Prozent ihres Nettogehaltes in einen Fond einzahlen, aus dem dann alle Menschen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, einen besseren Lohn erhalten? Und zwar dauerhaft? Oder ist dann schon wieder Ende Gelände mit der »Solidarität«? Dann doch lieber fleißig »kostenneutral« auf dem Balkon klatschen?

Oder wie wäre es, wenn wir jetzt dann doch mal endlich endlich endlich großflächig in die »Hygiene-Standards« deutscher Schulen, in die Attraktivität von Pflege- und Erzieher-Berufen sowie in den gesamten Gesundheitsbereich ordentlich, dauerhaft und nachhaltig investieren (oder sie sogar teilweise verstaatlichen) würden? Oder hört da auch schon wieder die »Solidarität« auf?

Übrigens: Haben nun eigentlich radikale Feministinnen jetzt auch »Solidarität« mit alten, weißen Hetero-Männern? Schließlich gehören sie nun auch zur »Risikogruppe«? Oder sind sie auch hier (-wie immer-) natürlich komplett selbst schuld, dass sie öfter an Corona sterben als Frauen?


Neusprech

25 Gedanken zu “Neusprech: »Solidarität«

  1. Gestern hat unsere Bundeskanzlerin verkündet, dass es keine Steuererhöhung geben wird. Auch keine Vermögensabgaben. Damit ist klar was die Regierung unter Solidarität versteht: Die Bereitschaft der unteren Klassen auch diese Krise zu finanzieren, durch Kürzung der Staatsausgaben, durch Lohnverzicht, durch Wegfall der Arbeitszeitbeschränkung (Home-Office sei Dank), durch Kürzung des Urlaubsanspruchs (kann eh nirgendwo hinfahren), Konsumverzicht (man kann sich auch über kleine Dinge freuen: Toll ich darf auf einer Parkbank sitzen, Hurra einmal im Monat darf man ins Restaurant, das Familienleben ist viel intensiver, wenn die Familie mehr Zeit gemeinsam in der eigenen Wohnung verbringt, Action kann im Internet gestreamt werden).
    So kann gewährleistet werden, dass die Lebensumstände der oberen Klassen nicht nur nicht eingeschränkt werden, sondern die Schere zwischen arm und reich weiter aufgehen kann.
    Wenn die Herrschenden von Solidarität sprechen, weiß das Volk, es wird teuer.

  2. @Kakapo3

    »Wenn die Herrschenden von Solidarität sprechen, weiß das Volk, es wird teuer.«

    Spätestens seit der 500 Milliarden schweren Bankenrettung (die viele schon wieder vergessen zu haben scheinen) wissen wir: »Solidarität« für die Reichen und »Eigenverantwortung« für die Armen.

  3. Sehr guter Artikel.
    « jeden, der keine Maske trägt, unterstellen, ein egoistisches Corona?Party?Arschloch zu sein«
    So mehrfach geschehen in den Medien, im Einzelfall wurde regelrecht gehetzt, obwohl die M‑Pflicht auch kontraproduktiv sein könnte und die Verweigerer womöglich mehr beitragen zur Volksgesundheit als die Gegenseite.
    Letzter Absatz: Was ist die Behauptung, Bill Gates habe das Virus in die Welt gesetzt, gegen die Behauptung einer »Krise der Frauen«?
    Da wird Solidarität gepredigt- und auch Seriosität- und was macht das System selber?
    Nein, ihr Asozialen, es ist keine Benachteiligung, wenn ich einen Job habe, in dem home-office möglich ist und ich nebenher meine Wunschkinder betreuen darf.
    Pfleger sind zu erheblichen Teilen Männer und es gibt viele Jobs, in denen Männer regelrecht verheizt werden, vor, während und nach der Krise.
    Und es gibt Millionen von Männern, die jetzt nicht mehr vor ihren Frauen in die Kneipe oder in den Job fliehen können, wenn das kein hartes Schicksal ist....

  4. Ich liebe und verehre Ihren Verstand. Bei vielen Bloggs die ich vorher für kritisch gehalten habe, ist mir ein ganzer Kronenleuchter aufgegangen.

  5. Die Übernahme der Propaganda der ö.-r. Finanzkapitalmedien von einst kritischen Blogs ist doch nur ein Zeichen dafür wie die Propaganda immer noch wirkt! Zusätzlich zeigt das die Individualisierung und den Egoismus auf. Da haben die Marionetten ganze Arbeit geleistet, dass das nach den Erfahrungen des vorigen Jahrhunderts mit Ausnahmezuständen noch so funktioniert! Es ist unfassbar. Noch beeindruckender ist für mich, dass Menschen mit der größten gesellschaftlichen Verantwortung — die Eltern — das nicht hinterfragen bzw. sich wehren.
    Ich bin fassungslos...
    Da wird das ganze Jahr »Todesstrafe f. Kindersch...« gebrüllt und dann lassen die Maskierte auf Schulen und KiTa’s los. Wie wäre es die blieben alle mit Ihren Kindern einfach noch einen Monat zu Haus, versorgen sich solidarisch in der Elternkommune und wie lange funktioniert das dann noch? Einfach den Spieß umdrehen, soll doch der Staatssekretär im Pflegeheim arbeiten...

  6. Wie »solidarisch« auch unsere Bundesregierung ist, sieht man heute wieder:

    »Lohnfortzahlung auf der Kippe [..] Für viele Eltern, die wegen der Betreuung ihrer Kinder in der Corona-Krise nicht arbeiten gehen können, läuft die Lohnfortzahlung in diesen Tagen aus. Sie könnte nicht verlängert werden.«

    Nicht alle Eltern können eben »Home Office« machen. Die können dann sehen wo sie bleiben und ALG2 beantragen. Dann kommt die Zwangsenteignung via Jobcenter. Schöne-Neue-Covid1984-Welt.

  7. Ich sehe eher, das gerade –Eltern– sich verantwortungslos verhalten da sie ja »Kinder« in diese Welt setzen.

  8. @ Publicviewer,
    ich vermute mal, dass Du selbst eines dieser ungeliebten Kinder von unglücklichen Eltern gewesen bist;

  9. Nein nein, das ist eine rein rationale Entscheidung von mir gewesen als ich 1974 den Bericht vom »Club of Rome« gelesen habe. ;-)

  10. epicur was würde das „ Narrenschiff« dazu schreiben. Er hätte seine wahre Freude! im Gedenken an Ihn.

  11. @Schröder

    Ja, er fehlt mir auch! Aber ehrlich gesagt, kann ich leider gar nicht einschätzen, wie und was er zu dem Wahnsinn geschrieben hätte. Er war ja zuweilen auch schwer krank. Vielleicht hätte auch ihn die pure Todesangst ergriffen. Ich weiß es nicht.

  12. Die Panik- und Angstmache, dieser sinnlos-schädliche Masken-Bullshit, das Herunterfahren der Wirtschaft sowie die Kita- und Schul-Experimente sollen jetzt bis 2021 so weitergehen? Bis wir einen erlösenden Impfstoff haben, der gerade im Schnellverfahren entwickelt wird? Und nein, natürlich gibt es »keine Impfpflicht«, dafür wird es »Nudging« geben. Für wie blöde halten die uns eigentlich?

  13. Die halten uns nicht für blöd, denn wir sind es schon lange!
    In den nächsten Jahren werden die Herrschaften und ihre Funktionselite uns nach allen Regeln der Kunst fertigmachen.

  14. Publicviewer
    »...uns nach allen Regeln der Kunst fertigmachen.«
    Ja, so sieht es aus. Aktuell gibt es ja nicht nur Ermächtigungsgesetze in Doofland, sondern es passieren auch andernorts seltsame Dinge.
    In Amerika wurde die Fed anscheinend von Blackrock übernommen. Natürlich ist das alles nur Zufall.

  15. Wir sollten uns endlich vergegenwertigen, dass wir von ausgemachten Verbrechern regiert werden, die nichts anderes im Sinn haben, als Kapitalakkumulation und Macht der Reichen und Superreichen zu verfestigen.
    Was man mit all diesen Leuten machen sollte lässt mich immer an »Ceaucescu« erinnern.
    Wenn wir es nicht schaffen diese Leute ein für allemal kalt zustellen um diese Strukturen zu zerschlagen wird ein Großteil der Menschheit ein Schicksal erleiden das mindestens genau so groß ist wie es in den schlimmsten apokalyptischen Filmen je beschrieben wurde.

  16. Troptard ich gebe Ihnen ihren Spruch sehr gerne zurück!!!! Sie haben ja nun schon öfters bewiesen wessen Geistes Kind Sie sind.

  17. Ich verlink das mal hier, weil in diesem Blog mal jemand meinte, es sei erforderlich was gegen sog »Überbevölkerung« zu ›unternehmen‹ o.s.ä.

    Gemäß Info der Website Ärzte für Aufklärung hat es diesbezügliche »Maßnahmen« vor paar Jahren in Kenia bereits gegeben, und zwar »finanziert u.a. von der WHO, der Rockefeller-Stiftung und Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung«

  18. @Samson

    Danke für den Link! Das würde auch erklären, warum sich manche aus der katholischen Kirche gemeldet haben. Sie wissen davon.

    »Dem Tetanus-Impfstoff war das Schwangerschaftshormon Beta-HCG beigemischt. Dies impft die Frauen und Mädchen gegen Schwangerschaft; sie werden unfruchtbar. [...] Doch außerhalb Kenias schweigen nicht nur die Leitmedien, sondern auch die Katholische Kirche dazu.«

    Der Kreis der vermeintlich »kruden Verschwörungstheoretiker« wird täglich größer. Wie lange noch bis man diese Diffamierungsmethode endlich als Herrschaftstechnik anerkennt?

  19. @Samson
    So, und wo ist jetzt der Zusammenhang?
    Der Fakt »Überbevölkerung« bleibt doch bestehen.

  20. @epikur
    Ich würde angesichts von bspw Das globale, anlässlich des Covid-19 erlassene politische Projekt gar nicht mal so sehr von »Theorie« reden, Mayssan sieht die Angelegenheit vielleicht aus einer anderen Perspektive als du oder ich, dafür weiß er offenbar von Zusammenhängen, die den meisten ›anderen‹ ewig verschlossen blieben, gäbs nicht zuweilen sog »Whistleblower«. Anders gesagt, ich bin ziemlich überzeugt, dass es Verschwörungen immer gab und solange geben wird, wie’s halt um Macht geht.

    So geht bspw. jedem Militärputsch eine Verschwörung voraus, nämlich von Militärs, die der Regierung, auf welche sie vereidigt wurden, die Loyalität »aufkündigen«. Um derlei zu wissen, braucht man überhaupt keine Theorie.

    @Publicviewer
    Jeder bastelt sich halt seine »Fakten« nach seiner Fason :mrgreen:

  21. @ Samson
    Ich bilde mir so was ja auch nur ein....
    Wenn wir alle nur noch Grünzeug fressen und auf engstem Raum Leben haben wie mir schon häufig versichert wurde auch 20 Milliarden Menschen platz.
    Fragt sich nur wie lange........

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