Der pädagogische Happen (20)

_happen_Tochter: »Du Mama? Darf ich heute alleine vom Hort Nachhause gehen?«

Mutter: »Ich hole Dich doch um 16 Uhr heute ab!«

Tochter: »Ja, aber warum darf ich nicht einfach um vier Uhr vom Hort los gehen und wir treffen uns dann Zuhause?«

Mutter: »Nein, Claire. Ich möchte das noch nicht. Dafür bist Du noch zu jung! Vielleicht in Zwei Jahren oder so!«

Tochter: »Aber ich bin doch schon 10 Jahre alt!«


» »Der pädagogische Happen«
» »Elternängste«

Echte Lebensweisheiten

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Wie jeder weiß: mehr Videoüberwachung bringt mehr Sicherheit! Und verhindert Terroranschläge! Mit einem Schock-Gefrierstrahler. Jawohl!

Unsere Eltern wussten schon, was gut für uns ist. Sie wollen doch alle nur das Beste für uns! So wie wir nur das Beste für unsere Kinder wollen. Deshalb:

  • »Das Leben ist kein Ponyhof!«
  • »Lehrjahre sind keine Herrenjahre!«
  • »Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!«
  • »Ohne Fleiß keinen Preis!«
  • »Hier trennt sich die Spreu vom Weizen!«
  • »Was soll aus Dir denn mal werden?«
  • »Werd Du erstmal erwachsen!«
  • »Ab jetzt beginnt der Ernst des Lebens!«

Eltern können nicht lesen!

Was? Wie? Wo? Ich?

Was? Wie? Wo? Ich?

Tatort: Schule.

  • An jeder Tür steht in großen Lettern und in bunt: »Im Winter bitte die Türen geschlossen halten!« Die Eltern lassen die Türen offen.
  • Vor und in der Schulmensa gibt es viele Hinweise darauf, dass dieser Ort ausschließlich nur für Kinder und Schulpersonal da ist. Die Eltern mögen bitte im Foyer warten. Machen viele aber nicht.
  • Smartphones sind auf dem ganzen Schulgelände für alle verboten. Jeder weiß das. Viele Eltern setzen sich irgendwo hin, zocken oder chatten.
  • An der Tür der Schulbibliothek steht in großen Buchstaben mit Bild: »Schuhe bitte ausziehen!« und »Ausleihe nur Mittwochs und Freitags!« Eltern ignorieren das regelmäßig und/oder machen auf doof-vorwurfsvoll: »Wieso kann mein Sohn/meine Tochter heute nichts ausleihen?«
  • Bei jedem Elterngespräch, bei Infoabenden und Elternbriefen wird immer wieder darauf hingewiesen, dass alle Kleidungsstücke, Trinkflaschen und Schulsachen mit den Namen des Kindes versehen werden sollten. Wird leider nur selten gemacht. Dann aber Pädagogen dazu auffordern, Jacken und Trinkflaschen suchen zu gehen.

Der pädagogische Happen (18)

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Zwei Kinder im Alter von Zehn Jahren spielen und unterhalten sich auf einem Spielplatz.

Felix: »Was machst Du in den Herbstferien?«

Michel-Max: »Ich fliege mit meinen Eltern nach Ägypten.«

Felix: »Boah cool! Aber warst Du nicht gerade in den Sommerferien in Indien?«

Michel-Max: »Ja, und?

Felix: »Ich war noch nie außerhalb von Europa. Meine Eltern sagen, sie haben dafür kein Geld.«

Michel-Max: »Können wir jetzt Deinen Fussball zum Spielen nehmen?«

Felix: »Wieso das?«

Michel-Max: »Weil das ein richtiger Ball ist! Meine Eltern kaufen mir immer nur so Plastikbälle von Aldi. Obwohl ich mir schon lange einen richtig guten Fussball wünsche, bekomme ich ihn nicht!«


» »Der pädagogische Happen«

Neulich auf dem Schulhof

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Ein Vater spricht zwei Pädagogen in einem deutlich aggressiven Ton an: »Ich möchte Sie nur darauf aufmerksam machen, dass Sie gerade Ihre Aufsichtspflicht verletzen! Da hinten prügeln sich mehrere Jungs und einer wird mit einem Schlüsselbund gewürgt!« Die Pädagogen reagieren leicht überrascht und geschockt: »Okay, wir schauen uns das mal an!« Nachdem sich die zwei Erzieher ausgiebig mit den Kindern unterhalten haben, es keine Würgemale und/oder weinende Kinder zu finden gibt, stellt sich heraus, dass  die Jungs komplett im Einvernehmen miteinander gespielt haben. Der Vater, der in der Nähe geblieben und gelauscht hat, kommentiert süffisant -und ohne jede Einsicht- aus kurzer Entfernung: »Zumindest habe ich Sie darauf hingewiesen!«

Danke. Du mich auch.

Der pädagogische Happen (15)

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(Schulhort. Abmeldung. Das Telefon klingelt.)

Pädagoge: »Schulhort. Herr Lehmann am Apparat. Ich grüße Sie!«

Mutter: »Ja, Hallo! Hier ist die Mutter von Jan-Felix. Da es draußen in Strömen regnet, soll mein Sohn heute nicht alleine nachhause gehen. Er könnte ausrutschen oder ein Baum könnte ihn durch Wurzelaufweichung erschlagen. Ich hole ihn heute lieber selbst ab!«

Pädagoge: »Ok. Alles klar. Ich mache einen Vermerk und gebe es an die Kollegen weiter.«

Mutter: (kommt deutlich zu spät. Überzieht um mehr als 30 Minuten ihre vertraglich zugesicherte Hortzeit für ihren Sohn.) »Ah hey. Ich habe es leider nicht schneller geschafft.«

Pädagoge: »Hallo Frau Kaditz. Leider haben Sie diesen Monat bereits fünf mal die Zeit überzogen. Vielleicht sollten Sie ihr Hortmodul entsprechend anpassen?«

Mutter: (Wütend. Uneinsichtig.) »Kommt gar nicht in Frage! Es hat halt geregnet!«

(Bisherige Folgen)

Der pädagogische Happen (6)

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Nach einem Elternabend. Eine Unterhaltung zwischen zwei Vätern.

Vater A: »Hey Michael, Du hast eben in der Vorstellungsrunde gesagt, Du bist gar nicht der leibliche Vater vom Lukas, sondern der »Bonuspapa«. Wo ist denn der echte Vater?«

Vater B: »Lukas ist alle zwei Wochen am Wochenende bei seinem leiblichen Vater. Ansonsten immer bei uns. Und das klappt ganz gut.«

Vater A: »Hast Du noch eigene Kinder?«

Vater B: »Ja, den Lukas.«

Vater A: »Ich meine, die von Dir sind. Sozusagen von Deinem Fleisch und Blut?«

Vater B: »Nein. Aber ich erziehe den Lukas seit über sechs Jahren und er ist die meiste Zeit über bei uns. Insofern betrachte ich ihn auch als meinen Sohn

Vater A: »Ja, aber er ist ja nicht wirklich von Dir!«

Vater B: »Relevant ist doch nicht, das genetische Besitz- und Habendenken, sondern die Zeit, die man aktiv mit dem Kind verbringt.«

Der pädagogische Happen (5)

Eine typische Szene auf dem Spielplatz, die täglich überall in Deutschland passiert. Mit Mutter (M) und Kind (K).

_happen_K: »Du Mama, magst Du mit mir Fußball spielen?«
M:
»Jetzt nicht, vielleicht später, ja?« (widmet sich sofort dem smartphone.)
K: (10 Minuten später. Aufgeregt.) »Mama?«
M: (reagiert nicht. Im smartphone versunken.)
K: (wird lauter) »Maaamaa?«
M: (genervt) »Ja, was ist denn? Wieso schreist Du denn so?«
K: »Ich habe ein Tor geschossen!«
M: (Gekünstelt. Falsch. Desinteressiert. Geheuchelt.) »Ja super, toll gemacht!« (wischt wieder auf dem smartphone.)

Kinder in Deutschland; Teil 40: Erzieher. Lehrer. Eltern.

erz_titelDer Leistungs-, Selbstoptimierungs- und Wettbewerbswahnsinn hat in Deutschland viele soziale und empathische Errungenschaften zerstört. Kinder werden heute zunehmend als Investitionsobjekte, Ressourcen (»Kinder sind unsere Zukunft!«) und als Selbstverwirklichungs-Projekte wahrgenommen und definiert. Der freie Kinderwille ist fast gänzlich verschwunden. Stattdessen sind sie den Interessen von Eltern, Schule, Politik, Wirtschaft und Medien komplett ausgeliefert. Statt aber zu hinterfragen, warum die Kleinen heute so überfrachtet werden, warum es vor 30 Jahren noch keine Helikopter-Eltern gab und warum wir oft völlig übertriebene Erwartungen und Anforderungen an Kindergärten, Schulen und unseren Nachwuchs haben, wird die Verantwortung hierfür wie in einem Ping-Pong-Spiel zwischen Eltern, Erziehern und Lehrern ständig hin und her geschoben. Weiterlesen

Der rosarote Duckblick

rosa_titelVor einiger Zeit war ich auf einer Eltern-Kind-Reise im nahegelegenen brandenburgischen Wald bei Wandlitz mit vielen anderen Kindern und Eltern unterwegs. Alles in allem war das eine durchaus nette und klassische Angelegenheit mit Lagerfeuer und Stockbrot, im See schwimmen, einen Pferdehof besuchen und so weiter. Es gab weder große Probleme, noch Konflikte (außer einer Horde Mücken :SICK: ). Was mir allerdings extrem aufgefallen ist, war das oft völlig übertriebene Positiv-Gequatsche der Eltern. Offensichtliche Dinge, wie beispielsweise das wirklich schäbige Essen der Jugendherberge mit zerkochten Nudeln, Kartoffel-Püree-Pampe, halbgaren Fischstäbchen sowie einer Resteverwertung vom Vortag, wurden nicht kritisch erwähnt, sondern sogar gelobt: »Echt leckeres Essen hier, das muss man schon sagen!« Weiterlesen