Denkdemenz und Bildverödung

Was unsere Zivilisation so besonders gern glaubt: dass alles, was wir nicht sehen können, uns nicht wehtun kann, ja dass es wahrscheinlich kaum existiert.

- Naomi Klein. »Machen wir Halt: Der Kampf unseres Lebens«. Blätter Ausgabe Juli 2014. S. 59.

Anmerkung: Sweatshops, hungernde Kinder, Schlachthöfe, Ausbeutung, Kriegstote, Folter – solange wir diese Dinge nicht mit unseren eigenen Augen sehen, existieren sie auch nicht aktiv in unserem Bewusstsein. Womöglich schafft es sogar ein TV‐Beitrag uns kurzzeitig zu berühren — aber nur solange bis die Timeline oder die Daddelkiste fertig geladen hat.

Filmtipp: Planet der Affen – Revolution

Affen_PlakatDer zweite Teil der neu aufgelegten Planet der Affen – Reihe ist kein Action‐, sondern ein Antikriegsfilm. Er ist voll gepackt mit aktuellen Vergleichen (beispielsweise zur Ukraine‐Krise) und einer derben Zivilisationskritik. Der Film ist ein Plädoyer für den Pazifismus – ein für Hollywood eher seltenes Projekt, in Zeiten der weltweit geführten US‐Kriege um Rohstoffe und Rohstoffwege (Irak, Afghanistan, Libyen, Syrien, Ukraine etc.). Ganz im Gegenteil fungieren heutzutage viele Blockbuster als Anheizer und Einpeitscher von Kriegen wie beispielsweise die Transformers‐Reihe (großzügig vom US‐Militär gesponsert).
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Vampirgesellschaft

Eigentlich leben wir schon in einer Gesellschaft voller Vampire. Jedoch keine romantisierende Verwirklichung eines Bram Stokers Dracula oder eines pubertären »twilight«, sondern vielmehr von eiskalten, berechnenden, blutsaugenden und eigennützigen Vampiren. Das allgemeine geschäftliche Credo lautet:

»Je schlechter es dem Anderen geht, umso besser geht es mir!«

In den Nachrichten erfahren wir von Hungernden weltweit, von toten Soldaten, von Toten und Verletzten durch  Unfälle und Katastrophen oder von Hartz4‐Empfängern, auf die medial gespuckt wird. Solange wir uns nicht zu einer solchen Gruppe zählen müssen, fühlen wir uns besser. Des anderen leid, ist unsere Freud.

Wider dem Materialismus

Der Abenteuerfilm »into the wild« aus dem Jahre 2007 von Sean Penn handelt von einem Aussteiger. Chris hat gerade sein Studium hinter sich, will sich aber nun nicht in die ihm zugewiesene Rolle fügen, sondern um die Welt reisen und am Ende ein einsames Leben in Alaska führen. Er widersetzt sich der  Maschinerie von Lohnarbeit, Konsum und funktionellem Status‐Denken. In einer Szene sitzt er mit seinen Eltern in einem Restaurant und sie möchten ihm für sein bestandenes Studium ein neues Auto schenken. Im folgenden nun diesen kurzen Dialog. Weiterlesen

Mein und Dein

1920 veröffentlichte der deutsche Maler und Schriftsteller Erich Scheurmann ein Buch mit dem Titel: »der Papalagi — Die Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea«. In der Sprache der Samoa bezeichnet der Papalagi hierbei den »Weißen Mann«. In diesem Buch geht es um einen fiktiven Reisebericht eines Südseehäuptlings, welcher ein halbes Jahr durch Europa gereist ist, um dann anschließend seinem Stamm in der Südsee davon zu berichten. Statt jedoch sein Volk von den großen, zivilisierten Errungenschaften der westlichen Industrieländer zu erzählen, warnt er es. Der Papalagi sei zwar reich an Wissen, Macht und Einfluss — jedoch unglücklich und unzufrieden mit seinem Leben. In einer kindlich‐naiv anmutenden Sprache wird herbe Zivilisationskritik geübt, welche bis heute nichts an ihrer Aktualität eingebüßt hat. Weiterlesen