Corona Time (10)

Nun befinden wir uns mittlerweile in der zehnten Ausgabe. Man möge mir gerne Rechthaberei, Großmäuligkeit oder Sendungsbewusstsein unterstellen, aber darum geht es mir nicht. Na gut, vielleicht ein wenig.  ;) Aber ich kann nicht aufhören, Fragen zu stellen und nach der Wahrheit zu suchen. Anfangs war es nur ein Gefühl. Eine Intuition. Ein Verdacht. Ich hätte mich durchaus täuschen können. Und wäre dann auch bereit gewesen, wie ein reumütiger Hund, mich bei allen für meine Fehleinschätzung zu entschuldigen. Ganz besonders bei allen Angehörigen.

Nur leider ist aus dem anfänglichen Verdacht, ein täglicher Wahnsinn aka »neue Normalität« geworden, der scheinbar keine Grenzen mehr kennt. Keine Grundrechte. Keine parlamentarischen Kontrollgremien. Keine rechtsstaatlichen Gerichte. Keine investigative Presse. Keine kritischen Blogger. Kein wissenschaftlicher Diskurs. Keine politischen Begründungen. Und keine Opposition mehr. Bis auf wenige Ausnahmen: alles weg. Weiterlesen

Linke Überheblichkeit

Ein typisch linkes Phänomen, wenn man es denn so bezeichnen will, ist die Klugscheißerei und die Arroganz. Ich nehme mich selbst davon nicht aus, wenn ich ehrlich bin. Es wird über Andersdenkende, die da oben oder über die da unten fast gleichermaßen gespottet, gelacht und gefeixt. Man selbst muss sich stets in einer moralisch erhabenen Situation und Denkhaltung wähnen. Ja, auch mir passiert das zuweilen. Nur manche treiben es auf die Spitze. Für sie scheint es ein regelrechter Freizeitsport zu sein, andere abzuwerten und niederzumachen. Oft sogar nur wegen kleineren Abweichungen von der eigenen Meinung, Lebenseinstellung oder Perspektive. Mit geiferndem Spott und tiefer Menschenverachtung wird beispielsweise auf die vermeintlich weniger Intelligenten, Frei‐, Alternativ‐ oder Anders‐Denker sowie auf das Proletariat herumgehackt. Man selbst fühlt sich stets im Recht der einzig wahren und reinen Lehre.

»Die pauschale Diffamierung ersetzt ihnen die sachliche Auseinandersetzung.«

Es wird stets das Element gesucht, was trennt und niemals das, was verbinden könnte. Gleichzeitig fordern sie von Anderen Empathie, Solidarität und einen herrschaftsfreien Diskurs. Damit verlangen sie häufig von Anderen genau das, was sie selbst nicht bereit sind, zu geben und zu leben. Nein, man sollte hier nicht verallgemeinern. Das ist richtig. Ich kenne durchaus sehr liebevolle, mitfühlende Menschen, die aktiv zuhören und gewaltfrei kommunizieren können. Auch kann ich durchaus nachvollziehen, dass man als kritischer Mensch, in einer immer verrückter werdenden Welt, schnell sarkastisch und zynisch werden kann. Auch mir passiert das. Nur sollten wir uns vergegenwärtigen, dass man mit Verachtung, Hohn und Gehässigkeit, keine Menschen erreichen kann, sondern vielmehr das divide et impera der Herrschenden unfreiwillig mitspielt.


Aus allen Rohren!

Meinungs‐ und Deutungshoheit

Denunziation, Diffamierung und Diskriminierung unliebsamer Personen und Inhalte hat in Deutschland schon lange Tradition. In der Corona‐Massenhysterie wird das wieder überdeutlich. Die Blockwartmentalität und die Gesinnungspolizei sind weit verbreitet (quer durch alle Lager). Unbequeme -und/oder alternative‐ Aussagen, Argumente und Analysen stellt man vorzugsweise als indiskutabel hin, indem man die Personen, als unglaubwürdige Zeitgenossen diskreditiert.

Dafür gibt es mittlerweile ein ganzes Arsenal an Kampfbegriffen. Was ursprünglich ein Herrschaftsinstrument von US‐Diensten war, ist heute allgemeiner Kanon von Massenmedien und Stammtisch. Habermas Lebenswerk und sein Glaube daran, dass der Austausch von rationalen Argumenten die Grundlage für herrschaftsfreie Räume seien, wird im Angesicht dieser ausufernden Herrschaftsmethode ad absurdum geführt. Denn dieser findet kaum noch statt. Stattdessen wird fast im Minutentakt gebrüllt: Weiterlesen

Komplexität als Machtinstrument

Die Welt ist kompliziert geworden‹ heißt es oft, und meist werden Globalisierung, Digitalisierung oder Individualisierung als Ursachen dafür gesehen.«

deutschlandfunk.de vom 12. Oktober 2018

»Es ist kompliziert. Trotzdem werden die Antworten immer simpler. Das ist fatal.«

zeit.de vom 20. Juni 2018

Anmerkung: Als Jugendlicher dachte ich irgendwann »Alles dreht sich nur ums Geld — kann das wirlich alles sein?« Dieser Gedanke -der heute überall als Populismus und Vereinfachung diffamiert wird‐ sollte mir dann schrittweise via Schule, Ausbildung, Studium und Arbeitsleben ausgetrieben werden. Nun, mit rund 40 Jahren, viel Wissen, Erfahrung und auswendig gelerntem Bullshit im Kopf, muss ich leider feststellen: »Alles dreht sich nur ums Geld!« :JAJA:

Wer heute jedoch die realpolitische Praxis »Profite vor Menschen« öffentlich ausspricht, gilt wahlweise als Antisemit, Steinzeit‐Kommunist oder simplifizierender Populist. Genau deshalb muss alles immer irgendwie komplizierter werden, damit die offensichtlichen Tatsachen von Niemanden mehr gesehen und analysiert werden. Außerdem spricht man so der normalen Bevölkerung das (Nach-)Denken ab. Schließlich braucht es in einer vermeintlich immer komplizierter werdenden Welt unbedingt für alles einen Experten. Der sagt uns dann, was wir denken sollen.


Herrschaftsprinzipien

divide et impera

Ich habe den Eindruck, wir hatten noch nie so viele inszenierte und konstruierte Mikrokosmos‐Konflikte wie heute. Die Devise scheint zu lauten: »Jeder gegen Jeden — nur bitte Niemand gegen die Reichen, Mächtigen und Vermögenden!« Ein westliches Konglomerat aus Politik, Wirtschaft und Medien hat im Jahre 2020 eine gigantische Ablenkungsindustrie (Streaming, Boulevard, Soziale Medien, Videospiele etc.) geschaffen, bei der sich am Ende nur noch Wenige für das menschenverachtende Gebaren von Konzernen, Milliardären und Banken interessieren. Willig wird sich an den übriggebliebenen Knochen der Priviligierten abgenagt und sich dabei gegenseitig bekämpft:

Junge gegen Alte
Frauen gegen Männer
Eltern gegen Kinderlose
Christen gegen Muslime
Inländer gegen Flüchtlinge
Steuerzahler gegen Rentner
Veganer gegen Fleischesser
Lohnarbeiter gegen Arbeitslose
Fahrradfahrer gegen Autofahrer
Leitmedien gegen Social‐Media‐Aktivisten

Und so weiter und so fort.

Solidarität ist insofern kommunistischer Satanismus und muss unbedingt verhindert und bekämpft werden. Primäres Ziel der Reichen, Mächtigen und Vermögenden ist es, die Bevölkerungen gegeneinander aufzuhetzen und auszuspielen. Mit allen Mitteln! Nur so kommen sie vollständig aus dem Fokus und können in aller Ruhe ihren Profitinteressen nachgehen.


Herrschaftsprinzipien
Anleitung zur Ausbeutung

Angst und Macht

Eine dunkle Gasse...

Der Zusammenhang zwischen Angst und Macht wurde schon vielfach untersucht. Beispielsweise von Rainer Mausfeld, der die modernen Herrschaftstechniken hervorragend aufzeigt. Wie stark die Ängste der Menschen in den letzten 30 Jahren gestiegen sind, kann man besonders gut an den Eltern beobachten. Die gefühlten Elternängste steigen von Jahr zu Jahr. Sie haben mit den tatsächlichen Gefahren meist wenig zu tun, denn kaum ein Elternteil lässt sich mit Kriminalstatistiken oder rationalen Argumenten überzeugen. Da herrschen oft die pure Panik und die ungebändigte Hysterie, die via whatsapp, facebook, BILD, RTL sowie Boulevard‐ und Skandalpresse -zum Zwecke der Aufmerksamkeitsgenerierung‐ ordentlich angeheizt und aufgeputscht werden. Am Ende verkriechen sich immer mehr in ihre weltverleugnenden Komfortzonen‐Wohlfühlbunker.

Ängste werden bewusst und unbewusst geschürt und angeheizt. Von der Politik, den Massenmedien, von Denkfabriken oder Lobbygruppen. Denn es gibt einige Interessengruppen, die sich viele Vorteile von unsicheren und ängstlichen Menschen versprechen. Sie konsumieren mehr. Sie glauben mehr. Sind leichter zu steuern und zu manipulieren. Sie nehmen die Einschränkung von Bürgerrechten leichter hin. Sie lassen sich besser auf Feindbilder und Kriege einschwören. Sind im Lohnarbeitsleben gefügiger. Sie leisten weniger Widerstand. Und sie halten generell stärker am gegenwärtigen Zustand fest, auch wenn er ihnen Unglück bringt. Insofern haben die Reichen und Mächtigen absolut kein Interesse daran, dass die Bevölkerung sorglos, ausgeglichen, angstfrei, bescheiden und selbstsicher ist.


Herrschaftsprinzipien
Probleme schaffen. Lösungen anbieten.

Einsamkeitsgipfel

Ich habe an dieser Stelle schon häufig erwähnt, dass die Realität sämtliche Dystopien und Satiren längst überholt hat. Nun wird es auch noch absurd: die CDU in Berlin veranstaltet einen »Einsamkeitsgipfel« und will einen »Einsamkeitsbeauftragten«. Fazit der Experten: »Das Phänomen sei kaum greifbar«. Ich könnte lachen, wenn es nicht so traurig wär. Und wie üblich wird nicht nach Ursachen gesucht, sondern an den Symptomen herumgedoktert. Symbolpolitik. Nebelkerzen. Ob indigene Völker oder afrikanische Dorfbewohner auch unter Einsamkeit leiden?

»Zwischenmenschliche Beziehungen sind heute vielfach tief verinnerlichter Neoliberalismus, bei dem große Bevölkerungsschichten als überflüssige Ballastexistenzen marginalisiert werden.«

Es ist wie im Irrenhaus: seit mehr als 30 Jahren predigen Politik und Wirtschaft neoliberale Eigenverantwortung, Wettbewerb und Konkurrenz, betreiben radikalen Sozialabbau, entzweien ganze Bevölkerungsgruppen (»Bedarfsgemeinschaft«), reduzieren den Bürger auf seine Lohnarbeitsfunktion und seinen Konsumentenstatus (»Hobbys sind überflüssige Zeitverschwendung!«), hetzen medial gegen jede soziale oder ökologische Bewegung, erheben Profite stets, immer und überall zur Maxime (der Mensch ist zweitrangig) und verteufeln jede Form von Solidarität als kommunistischen Satanismus — und dann wundern sie sich, dass beispielsweise in Berlin mehr als die Hälfte aller Haushalte Single‐Haushalte sind? Was rauchen die alle? :NENE:


Alleinsamkeit
Vereinsamung als Herrschaftsprinzip

Klima: »Du bist schuld!«

»CO2‐Emissionen durch SUV steigen stärker als durch Luftfahrt und Schwerindustrie.«

Spiegel Online vom 17. Oktober 2019

Anmerkung: Die Klima‐Debatte beherrscht aktuell sämtliche Diskurse. Und dennoch werden (wieder einmal) die üblichen Herrschaftsprinzipien eingesetzt. Der Fokus auf die »Eigenverantwortung«, Spaltungsdebatten sowie Ablenkungs‐ und Alibi‐Diskurse. Wer soll denn wirklich glauben, dass SUV´s die Umwelt mehr verdrecken als Großindustrie, Schifffahrt oder der weltweite militärische Komplex? Die militärischen Emissionen werden bei allen Debatten systematisch ausgeklammert. Und wieder redet kein Mensch mehr über die weltweiten Kriege, über den perversen Reichtum einiger Weniger oder über korrupte und kriminelle Strukturen. Stattdessen: »Keine Plastiktüten mehr verwenden, dann rettet Ihr die Welt!« Ja nee, ist klar.


»Herrschaftsprinzipien«
»Mehr Eigenverantwortung wagen!«

Die Banalisierung von Adorno

(©Jeremy J. Shapiro. wikipedia.org. 1964)

Wie macht man einen Beitrag über den 50. Todestag eines beißenden Gesellschaftskritikers, der die Mechanismen, Methoden und Herrschaftsprinzipien vom Faschismus und Marktradikalismus in zahlreichen Büchern, Schriften und Aufsätzen präzise aufgezeigt hat, ohne groß über seine Erkenntnisse zu schreiben? Man macht einen Podcast über seine Heimat: »Theodor W. Adorno kritisierte seine Umwelt als eine von Riesenkonzernen gesteuerte Massenkultur. Ein richtiges Leben im falschen sei unter diesen Bedingungen unmöglich. Im bayerischen Amorbach fand der Philosoph trotzdem so etwas wie Heimat.«

Man schwadroniert über sein Haus, sein Lieblingsrestaurant, seine Familie, seine Stammkneipe und -Apotheke und über seine Nachbarn. Man erzählt wie er einmal einen Beschwerdebrief wegen einer Umgehungsstraße an die Stadtverwaltung verfasst hatte und über Wildschweinfütterung. Es menschelt. Bürgerlich. Bieder. Spießig. Der Deutschlandfunk schafft es auf diese Art, die kritischen Gedanken des Theodor W. Adorno über die Themen Macht, Herrschaft und Ideologie dem (vielleicht uninformierten) Leser komplett vorzuenthalten. Diese extrem oberflächliche und unpolitische Aufarbeitung des großen Denkers Adorno ist nicht nur eine intellektuelle Beleidigung, sondern auch eine schamlose Entstellung gegenüber seinem Lebenswerk: »Was einmal Geist hieß, wird von Illustration abgelöst.« (Theodor W. Adorno. »Minima Moralia«. Suhrkamp Verlag. 8. Auflage 2012. S.160)


»Gerechtigkeit ist subjektiv!«
Kritik ist positives Denken

Neusprech: »Bedauerlicher Einzelfall«

»Ich bin nur ein Einzelfall!«

»Nur Einzelfälle? Die lange Liste rechter Ausrutscher.«

(derstandard.at vom 21. November 2018)

»Dass Mietzahlungen bereits wegen geringer Überschreitungen der angemessenen Miete gekürzt werden, ist in Essen leider kein Einzelfall.«

(hartz4-essen.info vom 27. Februar 2018)

Kinder‐ und Altersarmut
Obdachlosigkeit
ALG2‐Willkür
Völkerrechtswidrige Angriffskriege
NATO‐Journalismus
Explodierende Mieten
Soziale Ängste
Landraub
Korrupte Politiker
Depressionen
Hungertote
Kriminelle Banken
Prekäre Arbeitsverhältnisse
Plastikmeere
Missbrauchsfälle bei der katholischen Kirche
Steuerhinterziehung
...

Das alles sind leider »bedauerliche Einzelfälle«. Dahinter steckt kein System! Es gibt keine Gesetze, Rahmenbedingungen, Mechanismen und/oder Strukturen, die bestimmte Verhaltens‐ und/oder Handlungsweisen hervorrufen. Es gibt nur die »Eigenverantwortung«. :JAJA:


Neusprech
Einzelfalltheorie