Ziegenjournalismus (5): Personalisierung

Haben Journalisten den Mut, die Hand zu kritisieren, die sie füttert?

Die Rubrik »Ziegenjournalismus« will sich mit den ganz alltäglichen und üblichen Methoden der Mainstream‐Presse, der Leitmedien, der bürgerlichen Medien (oder wie auch immer man sonst die großen, auflagen‐ und reichweitenstärksten Presseerzeugnisse nennen will) beschäftigen. Der Verlust der Deutungs‐ und Meinungshoheit sowie der Glaubwürdigkeit großer Medienhäuser, hat eben nicht erst mit den Social‐Media‐Phänomenen, vermeintlichen Fake News, Facebook, Verschwörungstheorien, Putintrollen, den Lügenpresse‐Vorwürfen oder mit dem Populismus angefangen, sondern schwelt im Hintergrund schon seit Jahrzehnten.

Ein typisches und weitverbreitetes journalistisches Stilmittel ist die »Personalisierung«. Hierbei werden Einzelpersonen, dessen Charakter, Handeln und Schicksal in den Vordergund der Berichterstattung gestellt. Die Relevanz und Reichweite der Nachrichten soll so durch Boulevardisierung  erhöht werden, indem man gute »Storys« mit spannenden Figuren erzählt. Gleichzeitig werden so Strukturen, Organisationen, Machtverhältnisse, Inhalte und Sachzwänge, meist ausgeblendet, versteckt und unsichtbar gemacht. Weiterlesen

Menschelnde Unternehmen

Konzerne, Marken und Unternehmen werden in den Massenmedien als handelnde Lebewesen, als schöpferische Menschen mit Ängsten, Wünschen und Hoffnungen inszeniert und personalisiert. Ganz so, als sei eine Firma ein in sich geschlossenes System. Als sei sie eine Schöpfung Gottes, dass auf äußere Reize reagiert, Bedürfnisse hat und Gefühle empfindet. Die kalte Fratze des profitorientierten Geschäftsgebarens von neoliberalen Leistungslügnern, die Lohnarbeiter nur als Mittel zum Geld‐Zweck betrachten, wird dadurch versteckt. Zur Verdeutlichung meiner These hier einige Beispiele. Weiterlesen

Personalisierung ist Entpolitisierung

Die übliche Methode von Massenmedien, Politik und Wirtschaft, um Diskussionen über gesellschaftliche, gesetzliche oder wirtschaftspolitische Veränderungen zu vermeiden, ist die Personalisierung. Wann immer es um Skandale, Korruption oder um kritikwürdige Verhältnisse geht, wird das Problem, sofern möglich, auf eine Person reduziert. Man nimmt dem Skandal die politische Brisanz, verharmlost den Sachverhalt zu einem »Einzelfall« und zu einer persönlichen Verfehlung. So wird der Blick auf die wahren Verantwortlichen, auf Strukturen und Mechanismen von Politik und Wirtschaft verdeckt und auf einzelne Personen fokussiert. Diese wird dann meist öffentlichkeitswirksam mit Sanktionen belegt und anschließend geht man wieder zur Tagesordnung über. Weiterlesen