Interessen

Im ersten Semester »Politikwissenschaft« lernt man, dass jeder Akteur, in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Interessen hat. Diese Erkenntnis mag auf den ersten Blick banal wirken, wird aber in der Analyse und Bewertung von Entscheidungen und Sachverhalten immer wieder -bewusst oder unbewusst‐ nicht mit einbezogen. Diese Interessen folgen leider eher selten übergeordneten oder zivilgesellschaftlichen Zielen, sondern sind häufiger mit persönlichen Vorteilen verbunden. Um diesen schnöden Sachverhalt zu vertuschen, wird getäuscht, getrickst -und ja‐ auch gelogen. Das ist weder Populismus, noch Verschwörungstheorie, sondern ganz normaler Alltag.

Kein Politiker wird jemals zugeben, dass er primär seine berufliche Karriere im Sinn hat, Entscheidungen nach persönlichen Vorteilen trifft und die Demokratieförderung bzw. der Wille des Volkes eher selten sein Entscheidungs‐Kriterium sein wird. Journalisten werden selten zugeben, dass sie Selbstzensur betreiben müssen, wenn sie ihren Job behalten wollen. Auch Arbeiter und Angestellte werden aus ganz persönlicher Existenzangst, selten zugeben, dass sie bei Fällen von Betrug und Menschenverachtung auf ihrem Arbeitsplatz regelmäßig schweigen und wegschauen.

Interessen mögen per se ganz persönlicher und individueller Natur sein. Gleichzeitig sind sie es auch nicht. Denn jeder hat das Interesse nach Existenzsicherung, Anerkennung, Liebe, Wertschätzung und nach der Befriedigung aller Grundbedürfnisse. Darüber hinaus werden die Interessen der neoliberalen Machtelite, regelmäßig im Nebel des akademischen Wissenschaftsdiskurses, unsichtbar gemacht: »Wir leben in einer komplizierten Welt!«, heißt es dann. Nein, manchmal ist es auch ganz einfach.

Alibipolitik

Für die Krise des Marktes gibt es die Heilung des Marktes.“
(Serge Halimi. »Hollande auf dem falschen Pferd«. Le Monde Diplomatique. Ausgabe März 2016. S. 4)

Statt die sozioökonomischen Rahmenbedingungen positiver zu gestalten, verfrachten wir die Leute in die Psychotherapie, damit sie sich besser selbst optimieren können.

Statt die Arbeitsbedingungen von Lohnarbeitern dauerhaft zu verbessern, schicken wir einen Coacher oder Supervisor, damit die Kollegen sich mal auskotzen können.

Statt effektiven Klima‐ und Umweltschutz zu betreiben, führt man einen marktkonformen Emmissionshandel ein.

Statt in Schulen und Kindergärten zu investieren und soziale Berufe attraktiver zu machen, werden die Anforderungen an das Fachpersonal und die Qualität herunter geschraubt, um Geld zu sparen.

Statt.....

Podcast‐Empfehlungen

»Wenn die Katze ein Pferd wär, dann würde sie den Baum hochreiten.« (Stromberg)

GameStar Podcast — Folge 21: Spielesucht — Was Service‐Games so gefährlich macht, und wie man der Suchtspirale entkommt.« Die Psychotherapeuten Daniel Illy und Jakob Florack betreiben eine Berliner Klinik für Videospiel‐ und Internetabhängigkeit. Hier werden sie ausführlich zu diesem Thema interviewt. Hörenswert!

In Folge 26 von alternativlos.org wurde die Journalistin Gaby Weber zu den Themen Adolf Eichmann, verdeckte Atombombentests und investigativen Journalismus interviewt. Sehr empfehlenswert!

Der Deutschlandfunk veröffentlicht mittlerweile eine ganze Reihe an Podcast‐Sendungen. Politische sind weniger empfehlenswert, da sie auf Putin‐Bashing‐Mitte‐Mainstream‐Niveau sind. »Im Gespräch«, »Streitkultur« oder auch die »Interviews« kann man sich aber geben.

Joschka Fischer und Emmanuel Macron

Am 4. Juni 2018 gab es in der Urania Berlin einen Vortrag mit Joschka Fischer (Grünen‐Politiker, Kosovo‐ und Afghanistankrieg‐Befürworter, hielt Vorträge bei Investmenbanken, Berater für RWE, OMV, BMW und Rewe Group) über Emmanuel Macron: »Visionär für Europa und Herausforderung für Deutschland«. Der Staatspräsident von Frankreich kommt aus der Bankenbranche und steht für:

  • Sozialabbau
  • Neoliberalismus
  • Genosse der Bosse
  • Abbau von Bürgerrechten
  • Steuern für Reiche senken
  • Armut, Leiharbeit, Niedriglohnsektor
  • weitere Grausamkeiten für die Bevölkerung und Segen für das Kapital

Fischer verteidigt Macron auch auf bundestag.de: »Politik und Medien in Deutschland müssten sich zudem endlich redlich mit den Reformvorschlägen des neuen pro‐europäischen französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron auseinandersetzen.« Macron selbst zeigt sich als Menschenfreund: »Ich werde von einer absoluten Entschiedenheit sein. Ich weiche auf keinen Fall zurück — nicht vor den Faulenzern, nicht vor den Zynikern, nicht vor den Extremisten.« Da kommt zusammen, was zusammen gehört! :SICK:


Die zehn Gebote des Neoliberalismus
Bundestagswahlen 2017
Schöne Grüne Welt

»Wie konnten wir das nur wissen?«

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Das Jahr 2025. Überall in Europa haben rechtsradikale Parteien, Bewegungen und Organisationen großen Zulauf. Linke Parteien, Bewegungen und Gewerkschaften sind fast völlig von der Bildfläche verschwunden. In Italien, Spanien sowie in vielen Ländern Osteuropas werden rechtsextreme Parteien teilweise ganz offen von Banken, Konzernen, Milliardären sowie von Geheimdiensten unterstützt. Auch die Massenmedien berichten nun ganz positiv von der AfD als alternativlose Wahloption. Gleichzeitig haben sich alle rechten Kräfte in Europa miteinander vernetzt und das jeweilige Militär für sich gewonnen. Immer wieder verschwinden in ganz Europa Gewerkschafter, Oppositionelle und Menschenrechtsaktivisten. Doch niemand berichtet darüber. Die sozialen Medien sind indessen fast vollständig verstummt. Es herrscht überall die pure Angst. Viele fragen sich: »Wie konnte es nur so weit kommen?« :WTF:  

Der Anschlag (49)

anschlag_teaserDie Lebensmittel‐ und Textilindustrie befürwortet weitere Geschlechtstypen. Neben divers, queer und inter, soll es noch hundert weitere Geschlechter‐Identitäten geben. Nur so kann die Industrie weitere Zielgruppen erschließen und neue Produkte auf den Markt bringen: Inter‐Toast, Queer‐Schuhe, Homo‐Obst und Trans‐Shampoo.

Da in Deutschland Organmangel herrscht und die doofen Deutschen ihre Organe nach ihrem Ableben nicht freiwillig der Organmafia spenden wollen, soll es nun ein Gesetz geben, dass alle deutschen Staatsbürger zur Organspende verpflichtet. Derweil rätseln Politik und Massenmedien, wie es nur sein kann, dass so viele Menschen kein Gefühl mehr für Solidarität und Empathie entwickeln.

Die neue alte Bundesregierung will die Dauer von zukünftigen Koalitionsverhandlungen und Sondierungsgesprächen auf mindestens fünf Jahre verlängern. »Es muss möglich sein, in aller Ausführlichkeit miteinander zu verhandeln. Medien und Bevölkerung müssen sich in Geduld üben!«, so ein Sprecher.

Bullshit‐Bingo‐Gelaber

Bei all der berechtigten Medienkritik die von allen Seiten kommt, vergisst man häufig einen Aspekt: den zunehmenden Mangel von präziser und interessanter Sprache bei Journalisten. Aktuell gibt es politische Sondierungsgespräche zwischen den Parteien über die zukünftige Regierungskoalition. Unsere bürgerlichen Massenmedien entblöden sich dabei nicht, über Nicht‐Nachrichten zu schwadronieren. Alles Spekulationen, Vermutungen und Thesen. Aber Hautpsache irgendwie, irgendwas rumlabern:

  • »Union, FDP und Grüne müssen zeigen, dass sie die Königsdisziplin der Demokratie beherrschen: den Ausgleich von Interessen.« (sueddeutsche.de vom 23.10.)
  • »Wenn eine schwarz‐gelb‐grüne Koalition zustande kommt, hat sie das Potenzial, für frischen Wind zu sorgen.« (fr.de vom 23.10.)
  • »Die Atmosphäre passt — doch ab jetzt geht es zwischen Union, FDP und Grünen um die Details.« (spiegel.de vom 23.10.)
  • »Es bekommt einfach jeder seine Ausgabenwünsche erfüllt, solange Geld da ist oder noch etwas länger« (faz.net vom 23.10.)

Was für ein »frischer Wind«? Welche »Demokratie«? Welche »Atmosphäre«? Was labern die alle für einen Bockmist? Gibt es noch so etwas wie Vernunft, authentische Sprache oder selbstdenkende Journalisten abseits von Plastikbegriffen, Gummiwörtern und hohlen Bullshit‐Bingo‐Phrasen? Sind denn alle verrückt geworden? :WTF:

Politisch engagiert

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Sie: (interessiert) »Ah, Sie sind politisch engagiert?«

Er: »Ja!«

Sie: »Das ist ja echt selten heutzutage! Viele denken nur an sich und ihren Eigennutz!«

Er: »Viel zu oft, ja. Leider.«

Sie: »Was genau machen Sie denn? Sind Sie in einer Partei? Sie müssen mir auch nicht sagen, in welcher.« (grinst)

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Moderne Politik

»Es geht also nicht um politische Überzeugungen, sondern um die Frage, was man sagen muss, um zu gewinnen.«

Christophe Ventura. »Der Superstratege von Buenos Aires«. Le Monde Diplomatique. Ausgabe April 2017. S. 16

Anmerkung: Das ist der machiavellistische Zeitgeist aktueller, weltweiter Politik. Ob Links‐, Rechts‐ oder Mittepopulismus: das Wahlkampfthema entscheidet. Ein Neusprech‐Begriff, der schon andeutet, dass Themen (beispielsweise Rente, Soziale Gerechtigkeit, Mietpreise, Steuern, Migration etc.) primär dazu instrumentalisiert werden, um Stimmen zu gewinnen. Es darf also ganz offiziell alles versprochen und erzählt werden, es sei schließlich nur ein Wahlkampfthema. Nach der Wahl ist die (Real-)Politik der Macht dann wieder komplett alternativlos. Was auch kein Wunder ist, wenn diejenigen, die entscheiden, nicht diejenigen sind, die gewählt wurden.