Kritik ist Hass!

Das Wesen und der Begriff der »Kritik« befinden sich immer mehr auf dem Rückzug. Kritiker werden im digitalen Zeitalter schnell verunglimpft und so zu unglaubwürdigen Gesellen gemacht. Es wird nicht mehr argumentativ entgegnet, sondern die Kritiker werden zu Populisten, Unpersonen, Hatern, Verschwörungstheoretikern, Antisemiten, Sexisten oder Putinverstehern degradiert. So geschehen bei dem »Lügenpresse‐Vorwurf«, bei NATO‐Kritik, aber auch bei Schwarm‐Kritik von vermeintlichen Internet‐Nerds zu digitalen Unterhaltungsprodukten.

Wer als Mann beispielsweise die Dialoge sowie die schauspielerische Qualität des Ghostbusters‐Reboot argumentativ inhaltlich kritisiert, wird zum Sexisten. Der analytisch wirklich gut fundierten Schwarm‐Kritik zur 8. Staffel von Game of Thrones werden keine schlüssigen Gegenargumente der Drehbuch‐Autoren und Showrunner entgegen gesetzt, nein, man macht die Unzufriedenen zu »Wutfans«, Nörglen und Hatern, die Cyber‐Mobbing sowie Schmutzkampagnen betreiben würden. Vernunft, Argument, Rationalität und demokratischer Diskurs polarisieren nicht genug, bringen zu wenig Aufmerksamkeit sowie Klicks und somit kaum Werbeeinnahmen. Indessen sucht Habermas weiter die Quadratur des großen Kommunikations‐Kreises: »Wir müssen nur alle miteinander reden! Dann wird alles gut!« :JAJA:  


Kritik ist positives Denken
»Du bist viel zu negativ!«

Die binäre Bewertung

Die SEO‐Algorithmen von Google, Amazon, Facebook und vielen anderen digitalen Portalen produzieren und fördern ein moralisch totalitäres Denken. Denn um Big Data besser verwerten zu können, gibt es häufig nur 0 oder 1. Sämtliche Grauzonen, Differenzierungen und tiefergehende Analysen, verschwinden in der öffentlichen Bewertung und Wahrnehmung von Ereignissen. Bist Du dafür oder dagegen? Brexit? Impfen? EU? Abtreibung? Uploadfilter? Weiterlesen

Die binäre Wahrnehmung

binär_titelLike oder Nicht‐Like. Daumen rauf. Daumen runter. Schwarz oder weiß. Gut oder böse. NATO oder Putin. Hype oder Shitstorm. Fleischfresser oder Veganer. Es gibt zwar US‐Serien, die differenzierte Darstellungen von Themen und Charakteren zeigen, aber im politischen und sozialen Diskurs herrscht in aller Regel die eindimensionale Polarisierung vor. Es werden simplifizierende Weltbilder und vorurteilsbehaftete Erklärungsmuster geliefert. Narrative, die moralisch‐emotionale Deutungskriterien bedienen, sachliche Argumente verabscheuen und tiefergehende Analysen ablehnen. Wissenschaftliche und akademische Herangehensweisen erzeugen im Aufmerksamkeitswettbewerb zu wenig Klicks, Reichweite und Quote. Die binären Erklärungsmuster entspringen einem absurden ökonomischen Zahlenfetischismus, der alles und jeden messen, zählen und statistisch verarbeiten will.