Presseblick (61)

Junge Welt vom 21. März 2017

Junge Welt vom 21. März 2017

In den Niederlanden wurde der „Rechtspopulist“ (wieso gibt es nur Rechts- und Linkspopulisten, aber niemals Mittepopulisten?) Geert Wilders „verhindert“. Das lässt den Redakteur Peter Riesbeck von der Frankfurter Rundschau zur Rettung der Demokratie hinreißen und er beschwört zugleich den Martin Schulz: „Die Sozialpolitik als klassische Verteilungspolitik ist zurück.“ Klar doch. Verteilen wird der EU-Technokrat höchstens von unten nach oben. Warum warten immer noch so viele Menschen auf Erlösung? Weiterlesen

Replik auf: „Journalismus unter Beschuss“

Haben Journalisten den Mut, die Hand zu kritisieren, die sie füttert?

Haben Journalisten den Mut, die Hand zu kritisieren, die sie füttert?

Der Chef des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Frank Überall, schreibt in den aktuellen Blättern für deutsche und internationale Politik (Blätter, Ausgabe April 2016), einen Artikel über die Bedrohungen von Journalisten. Als Hauptgefahr sieht er Blogger, Social Media – Aktivisten sowie diejenigen, welche die Medien mit dem Lügenpresse-Vorwurf belegen. Er spricht von „Hass-Blogs, Hass-Mails, Hasskommentaren“ sowie von tätlichen „hasserfüllten Angriffen“ auf Journalisten bei Demonstrationen und Kundgebungen. Weder gibt es eine sachliche Analyse darüber, warum soviel Kritik (eben nicht nur „Hass“) in der Bevölkerung gegenüber den Massenmedien vorhanden ist, noch eine schonungslose und ehrliche Selbstreflektion über den aktuellen Zustand von Berufsjournalisten und Leitmedien. Weiterlesen

Presseblick (49)

Am 13. Januar 2016 hat die Berliner Polizei zusammen mit zwei Sondereinsatzkommandos (SEK) ein von der alternativen Szene bewohntes Haus regelrecht überfallen. Türen wurden eingetreten, sämtliche Wohnungen durchsucht, Möbel und Haushaltsgeräte zerstört. Der Grund war ein vermeintlicher Angriff auf einen Polizisten einige Stunden zuvor. Die World Socialist Web Site schreibt treffend: „Großeinsatz der Berliner Polizei: eine Bürgerkriegsübung zur Unterdrückung sozialer Unruhen.“ Oliver Höfinghoff Mitglied der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus kommentiert den Fall im Neuen Deutschland und schreibt: „So hat mir selbst die Berliner Polizei schon versucht, als recht prominentem Kritiker der Polizeiarbeit in zwei Fällen Straftaten vorzuwerfen.“ Und während mehr als 4.000 Menschen gegen Polizeiwillkür in Berlin-Friedrichshain demonstrierten, bezeichnet Innensenator Frank Henkel (CDU) das Wohngebiet der Alternativen als „Gefahrengebiet“, das „Terroraktionen“ ausführen würde. Weiterlesen

Faschismus ist Demokratie

faschismus_titelNach der Silvesternacht in Köln 2015/16 war nichts mehr, wie es vorher war. Pünktlich zum Start des neuen Jahres wurde der rechte, völkische und rassistische Korpsgeist der deutschen Bevölkerung wiedererweckt. Nachdem er sich jahrzehntelang nur selten, vor allem im Stammtisch- und Schrebergarten-Kreis zeigte, erfreute er sich von nun an wieder großer gesellschaftlicher und medialer Beliebtheit. Es durfte endlich wieder laut gehetzt und gezündelt werden. Flüchtlinge galten von nun alle als Sexmonster, die es auf deutsche Frauen abgesehen hätten. Linke, als naive Weltverbesserer, die nichts gegen die kriminellen Ausländerhorden unternehmen wollten. Und Gegner der Todesstrafe waren Unterstützer von Kinderschändern und galten als getarnte Pädophile. Was jetzt nur noch fehlte, war ein neuer, ein moderner Führer. Weiterlesen

Presseblick (48)

Im Forum von elitepartner.de sind sich Männer und Frauen zum großen Teil einig bei der These: „Ein Arbeitsloser, der Zeit, Energie und Geld für die Partnersuche verschwendet, handelt unverantwortlich.“ Nur ein Lohnarbeiter, der funktioniert, Geld verdient und was zum Vorzeigen besitzt, hat das Recht geliebt, geachtet und respektiert zu werden. Während es vor einigen Jahren zumindest noch ein wenig Unmut gegen die Pauschal-Diffamierung von Erwerbslosen als „Sozialschmarotzer“ gab, scheint es heute völlig normal zu sein, erwerbslose Menschen als finanziell, unwertes Leben zu diskreditieren. Das neoliberale Leistungs-, Wettbewerbs- und Konkurrenzdenken ist in Fleisch und Blut übergegangen. Man begreift sich selbst und seine Mitmenschen nur noch als Objekte, die bestmöglich optimiert und marktwirtschaftlich verwertet werden müssen. Weiterlesen

Kinder in Deutschland; Teil 35: Gewalt

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Flammen der Zerstörung: ein Osterfeuer.

Wenn man seinen Kindern Action-Spiele verbietet, wird ihnen psychische Gewalt angetan!“ So eine (zugegeben provokante) These in den Raum geworfen und Mann kann sich sicher sein, dass die Besser-Esser-Bio-Öko-Eltern, die Helikopter-Mamis und die vermeintlich politisch überkorrekten Emo-Glucken-Mütter ihren rhetorisch-pädagogischen Würgegriff einsetzen werden. Ob Schwertkämpfe mit Holzstöcken, oder mit Star Wars Laser-Plastik-Schwertern, Wasserpistolen-Spiele oder Playmobil-Cowboys, die mit Gewehren ausgerüstet sind – wer das bei seinem Kind zulässt, erzieht einen Gewalttäter heran, so die Hobbyerzieherinnen. Einen verhaltensauffälligen Aggressor und Soziopathen, der bald zum Kinderpsychologen oder zur Ergotherapie geschickt werden muss. Weiterlesen

Gewaltbereite Islamisten

„Extremismus: Zahl gewaltbereiter Islamisten steigt stark an“ (zeit.de vom 3. Juni 2014)

„Gewaltbereite Islamisten: Terroralarm in Bremen“ (faz.net vom 1. März 2015)

Diese Formulierung ist mittlerweile zur Allgemeinsprache in den Massenmedien geworden, dabei ist sie gleich in mehrfacher Hinsicht bedenklich. Jederzeit bereit, Gewalt einzusetzen, sind vor allem auch Regierungen, Gerichte, Polizei und Militär. Nicht zu vergessen, die allgegenwärtige Gewalt der Behörden, insbesondere bei Hartz 4 in Form von Sanktionen. Die Begriffe „gewaltbereite Polizisten“ oder „gewaltbereite Jobcenter“ gibt es indessen nicht. Außerdem müsste es ja dann auch das Gegenteil, also „friedliche Islamisten“ geben, oder? Davon ist unseren LeiDmedien aber nie die Rede.

Die Vokabel soll uns Angst machen und den Islam primär als Terror-Religion diffamieren. Nicht zufällig tauchen zu dem Schlagwort dann noch Panikbegriffe wie Extremismus, Terror und Anschlag auf. Gibt es eigentlich auch gewaltbereite Christen, Juden und Buddhisten? Wenn ja, warum gibt es dann nicht auch solche Bezeichnungen? Oder ist jeder, der von gewaltbereiten Juden spricht, ein Antisemit und wer von gewaltbereiten Islamisten schreibt, ein Verteidiger des Abendlandes?

Zombie Nation

„[…] dass Fremde – ob Migranten oder Asylsuchende – so etwas wie Barbaren sind, gegen deren Invasion sich die EU wehren muss. […] Sind 113.000 Asylsuchende wirklich eine Bedrohung für einen Kontinent, auf dem 500 Millionen Menschen leben? […] Im Vergleich zu früher gibt es unter den Neuankömmlingen heute kaum noch sogenannte Wirtschaftsmigranten. Die meisten von ihnen wollen politischer und religiöser Verfolgung entkommen.“

– Niels Kraditzke. „Brüssel liegt nicht am Meer“. Le Monde Diplomatique. November 2014. S. 4

Anmerkung: Menschen, die der Gewalt und dem Tod entkommen wollen, werden kriminalisiert, in Auffanglager gesteckt und/oder wieder abgeschoben. Während die Sicherheitskräfte der EU-Grenzpolizei Frontex, regelmäßig unter Gewaltanwendung, Flüchtlingsboote mit Verzweifelten und Hungernden wieder ins Mittelmeer zurücktreiben. Wer ist denn hier der wirkliche „Barbar“?

Sprachanomalien

  1. Wenn es unschuldige Opfer (also Frauen, Kinder, alte Menschen und Zivilisten) gibt, wer sind dann die schuldigen Opfer? Männliche Soldaten?
  2. Alle Welt spricht vom Mindestlohn. Was ist mit dem Maximallohn? Warum gibt es hierfür keine Begrenzung? Oder kann ein Mensch tatsächlich so viel „leisten“, dass es ein Millionen-Gehalt rechtfertigt? Während der einfache Lohnarbeiter mit 8,50 Euro die Stunde abgefertigt werden soll?
  3. Wenn es sinnlose Gewalt und nackte Gewalt gibt, was ist dann die sinnvolle Gewalt? Die staatliche Gewalt etwa? Beispielsweise der brutale Polizei-Einsatz bei der S 21 Demonstration im Oktober 2010? Oder der Bombenabwurf in Kunduz im Jahre 2009 bei dem über 140 Zivilisten getötet wurden? Nationale Kriege vielleicht?
  4. In den Massenmedien gibt es häufiger Artikel, die vom frischen Geld schreiben. Was ist denn bitte altes und verdorbenes Geld?
  5. Sind nur Islamisten, Kriminelle und Terroristen gewaltbereit? Polizisten, Soldaten, Geheimdienste, Sicherheitsleute und Söldnerfirmen in aller Welt etwa nicht?