BVG: »Abo-Leugner«

Die Werbe- und Plakataktionen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) waren in der Vergangenheit schon häufiger geschmacklos, dümmlich und autoritär. Die Werbe‑, PR- und Marketing — Hipster, versuchen schon seit Jahren zwanghaft lustig zu sein und zu provozieren. Das Motto lautet: Aufmerksamkeit generieren. Egal wie. Social Media und so. Ihr wisst schon. Und weil die BVG-Marketing-Abteilung so verdammt genial ist, nun das: vom Holocaust-Leugner, zum Klima-Leugner, über den Corona-Leugner bis zum »Abo-Leugner«. Gnarf. Gnarf. Muhaha. Ist das nicht lustig? Ich pack mich weg. Hahaha. »Abo-Leugner« Lol. Rofl. Wollt Ihr noch mehr? Weiterlesen

Propaganda

Im Jahr 1928 erschien Edward Bernays Buch »Propaganda«. Das Werk gilt bis heute als Grundlagen-Bibel für die Marketing- und PR-Branche. Da Bernay den Begriff »Propaganda« positiv besetzt, spricht er in seinem Werk auch offen über Strategien und Methoden zur Manipulation der öffentlichen Meinung. Gezielte Regierungs- und Unternehmenskommunikation seien »in einer Demokratie notwendig, um zu verhindern, dass der Souverän zu unerwünschten Entscheidungen kommt« (S.12. Orange Press Verlag. Berlin 2007). Die Bevölkerung müsse von oben geführt und gelenkt werden. Er hegte ein tiefes Misstrauen gegenüber den Wünschen, Bedürfnissen und Interessen des einfachen Bürgers. Die Manipulation der Massen, zum Schutz vor sich selbst, war für ihn ein elementarer Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Weiterlesen

Nachhaltige Lügen

»Grün grün grün sind alle meine Kleider...«

Inspiriert vom hervorragenden Dokumentarfilm »die grüne Lüge« von Werner Boote und Kathrin Hartmann ‑der endlich auf den Punkt bringt, dass nicht die vermeintlich falsche Umweltpolitik das Problem ist, sondern der Kapitalismus mit seinem Wachstumsdogma- stelle ich mir folgende Fragen:

  • Warum muss die bewertete (Kauf-)Entscheidung, ob ein Produkt ökologisch, sozial und nachhaltig produziert, verarbeitet und transportiert wurde, individuell getroffen werden?
  • Weshalb gibt es keine globalen, gesetzlichen Regelungen die Umweltzerstörung, Lohnarbeitausbeutung und Landvertreibung verbieten?
  • Warum ist der Glaube, man könne mit dem »bewussten Einkaufswagen« die Welt retten, immer noch so unverwüstlich?

Schöne Grüne Welt
»Veganer retten die Welt!«

BVG: »Weil wir Dich lieben«

Im Marketing-PR-Werbe-und-Medien-Zeitalter dreht sich alles nur um Aufmerksamkeit, Reichweite, Quote, Marktanteil, Aufrufe und Klickzahlen. Die erreicht man mit Provokation, Polarisation, Populismus und popkulturellen Referenzen. Wie man Emotionen ausbeutet und die Sprache vergewaltigt, zeigt seit einigen Jahren die Werbekampagne der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mit ihrem absurden Slogan »Weil wir Dich lieben«. Mit vermeintlich witzigen, sexistischen und diskriminierenden Werbemotiven (das ist also »Liebe«?), soll das Image der BVG (jung, frech, satirisch) aufpoliert werden. Nicht nur das hat viele verärgert, sondern auch, dass einigie Ideen und Bildmotive von Bloggern geklaut wurden. Aber egal, alles wurscht! Hauptsache wir reden drüber! :jaja:

Es geht eben nicht um Inhalte, also um mehr Busse, Züge und Personal, reparierte Gleise und Bahnstrecken, eine bessere Bezahlung der BVG-Arbeitskräfte, pünktliche Züge und Busse, günstigere Ticket-Preise, saubere Bahnhöfe, funktionierende Fahrkartenautomaten oder freundlicheres Personal — Haha! Wir sollen via Markenbildung ein positives Bild von der BVG bekommen, auch wenn die tägliche Nutzung der öffentlichen Verkehrsbetriebe in Berlin uns häufig das exakte Gegenteil beweist. Böse Zungen würden so etwas Gehirnwäsche oder kommerzielle Propaganda nennen. Dabei ist das doch alles nur Spaß! Oink, oink! Hihi, Haha! Lach doch mal mit! Du Blindfisch! :)  :)  :sick:


Ziegenjournalismus (1): Advertorials
Werbung — die Geißel der Menschheit

MacGyver

Richard Dean Anderson alias MacGyver war der Held meiner Kindheit und Jugend. Er war charmant, sympathisch, eher introvertiert, ein Technik-Nerd, aber vor allem grundlegend pazifistisch eingestellt. Er verabscheute Waffen, baute sie auseinander oder warf sie weg. Zur Konfliktlösung benutzte er vor allem seinen scharfen Verstand sowie sein Wissen über Chemie und Physik. Dabei war es mir völlig egal, ob die »Experimente« nun real auch so funktionierten oder eher übertrieben waren — wichtig war für mich primär der Versuch, einen Charakter zu etablieren, der stets nach alternativen, diplomatischen Lösungen suchte, Gewaltfreiheit propagierte und sich für seine Mitmenschen einsetzte. Weiterlesen

»Wir müssen reden!« (2)

Labern. Sitzen. Labern. Saufen. Labern. Fressen. Labern. Rauchen. Labern. Schwafeln. Quatschen. Der Glaube an das Allheilmittel Kommunikation ist bei einigen Bevölkerungsschichten (Pädagogen, Psychologen und Frauen) sehr stark verankert. Auch das Quantität nicht gleichbedeutend mit Qualität ist, wollen die endlosen Quasselstrippen, nervigen Labertaschen und narzisstischen Ich-Bin-Wichtig-Blubberinnen nicht verstehen. Ich vermute, es gab noch nie so viel Kommunikation wie heute (aka soziale Medien) und gleichzeitig wurde noch nie so wenig gesagt.

Stattdessen: Bullshit-Bingo (PR, Werbung, Marketing), inszenierte Diskurse (Polit-Talkshows), Clickbait-SEO-Nicht-Nachrichten sowie unerträglich viel Hype-Gewese um langweilige Nichtigkeiten, Familien-Gedöns, lustig-lustige YouTube-Filmchen und profane Alltagsbanalitäten. Im Jahr 2019 wird nicht zu wenig miteinander geredet, sondern eher viel zu viel. Insofern: »Es gibt kaum etwas Besseres, als mit einem guten Freund über ein interessantes Thema zu schweigen.« (Alec Guinness)


»Wir müssen reden!«

Authentizität vermarkten

Authentisch sein bedeutet, so zu sein wie andere Dich haben wollen!

In der zweiten Folge von »Black Mirror« hält der Protagonist eine Rede (ab der 50. Minute) vor einer Casting-Show-Jury. In dieser betont er, dass die Menschen einander nicht mehr wirklich zuhören, nur noch ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen im Fokus haben, er spricht über Konsumterror und das es vor allem keine echte Authentizität mehr geben würde. Die Reaktion der Jury ist nicht Empörung, Leugnung oder Widerspruch, nein, sie stimmen ihm zu und geben ihm fortan eine eigene TV-Sendung, in der er seine Gesellschaftskritik weiter ausführen darf.

Das ist die Totalität des Neoliberalismus: alles kann und muss vermarktet werden. Individualität, Authentizität, Persönlichkeit — alles wird produziert, darf, kann, soll und muss konsumiert werden. Alles ist Ware. Von der Arbeitskraft bis zur Identität. Jede Pore des Lebens unterliegt den Gesetzen der Verwertung.

Hinzu kommt: Authentizität ist nur im Rahmen von engen sozioökonomischen Grenzen erwünscht und erlaubt. Weshalb sonst gibt es massenweise »Verhaltensknigge« für Bewerbungen, Vorstellungsgespräche, Gehaltsverhandlungen, für das erste Date, wie man sich auf Weihnachts- und Betriebsfeiern zu verhalten hat usw.? Kommunikationstrainer und Coacher wollen uns ständig sagen, wie wir uns zu verhalten haben, um vermeintlich wirtschaftlich erfolgreich im Leben zu sein. Authentisch sein bedeutet, so zu sein, wie andere Dich haben wollen!


»Bleiben Sie authentisch – aber verkaufen Sie sich!«
Neusprech: Authentisches Marketing
So werden Sie authentisch!

Verklärte Großstadtromantik

Kathedrale von Barcelona auf dem Platz »Pla de la Seu« im Stadtviertel Barri Gòtic

Nachdem ich jetzt in Paris, London und Barcelona war (und dauerhaft in Berlin lebe), sind für mich die ewigen Lobgesänge auf die Großstadt-Metropolen (»Stadt der Liebe« etc.) nur noch typische PR-Tourismus-Blasen. Denn die Millionen-Städte sind allesamt groß, laut, stickig, überfüllt, eng, stressig und verstopft. Im Sommer darf man Autoabgase und riesige Smog-Wolken genießen, ständig quetscht man sich durch die Menschenmassen und überall ist Bau- und Verkehrslärm zu hören. Aber Hauptsache man kann sagen: »Hey, ich war schon mal in der und der Stadt«, um dann bewundernswerte Blicke und »Oh-Rufe« zu ernten. Ganz ehrlich ‑und das wird der Tourismus-Branche nicht gefallen- ihr habt absolut nichts verpasst! Und dennoch: ich lebe gern in Berlin und würde nur ungern in irgendein Kaff ziehen, wo wenig los ist. :jaja:

Zum Thema Sexismus

gesehen und fotografiert am 28. Januar 2016 in Berlin, an einer großen Hauptstraße.

Und weil es so schön ist:

gesehen und fotografiert am 16. November 2017 in Berlin

gesehen und fotografiert am 16. November 2017 in Berlin

Sexismus ist ein Instrument für Vertrieb, Marketing und Werbung. Darüber hinaus erfüllt die öffentliche Debatte derzeit primär zwei Herrschaftsprinzipien: Teile und Herrsche sowie Ablenkung. Wir sind immer noch extrem oversexed, aber underfucked. Ich bin jedenfalls kein Befürworter für die Spaltung der Geschlechter. Wem, außer Dating-Portalen, bringt das was?