Für Lohn arbeiten

Immer und immer und immer und immer wieder das Gleiche und das Dasselbe jeden Tag machen. Das soll Selbstentfaltung, Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung sein? Ernsthaft?

Da gibt es Herren und Knechte; denn da muss Geld verdient werden, da muss die Hazienda ertragreich gemacht werden, damit sie mit tausend Prozent Gewinn verkauft werden kann.“
(B. Traven. „Die weiße Rose“. Universitas Verlag. Berlin 1962. S. 12)


Selbstoptimierung
Selbstentfremdung
Lohnarbeitswahnsinn

Facebook

"Wer bin ich, wenn ich bin, was ich habe, und dann verliere, was ich habe?" (Erich Fromm)

»Wer bin ich, wenn ich bin, was ich habe, und dann verliere, was ich habe?« (Erich Fromm)

»Insbesondere wenn du Inhalte, die durch geistige Eigentumsrechte geschützt sind (wie Fotos oder Videos), auf oder in Verbindung mit unseren Produkten teilst, postest oder hochlädst, gewährst du uns eine nicht‐exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare und weltweite Lizenz, deine Inhalte (gemäß deinen Privatsphäre‐ und App‐ Einstellungen) zu hosten, zu verwenden, zu verbreiten, zu modifizieren, auszuführen, zu kopieren, öffentlich vorzuführen oder anzuzeigen, zu übersetzen und abgeleitete Werke davon zu erstellen. [...] Wir behalten uns sämtliche Rechte vor, die dir nicht ausdrücklich gewährt werden.«

Aus den Nutzungsbedingungen von Facebook. Nur mal so, weil die vermutlich kaum jemand lesen wird. Ist schon eine tolle Sache. Dieses Facebook. :JAJA:


Selbstentfremdung
Selbstoptimierung

Der pädagogische Happen (24)

Vater: »Du Leon, was möchtest Du später eigentlich mal werden?«

Sohn: »Ich weiß es nicht.«

Vater: »Aber Du musst doch wissen, womit Du später Dein Geld verdienen willst! Schließlich musst Du Deine Miete mal selbst bezahlen, willst sicher auch mal in den Urlaub fahren und Dir was gönnen, oder?«

Sohn: »Ich weiß es wirklich nicht.«

Mutter: »Was macht Dir denn besonders viel Spass?«

Sohn: »Malen und zeichnen, Autoscooter fahren und mit Lego spielen.«

Vater: »Ach komm, als Busfahrer oder Künstler kann man doch keine Familie ernähren! Du wirst mal schön studieren und dann was ordentliches lernen. Arzt. Anwalt. Betriebswirtschaft. Ingenieur.«


Der pädagogische Happen (1−23)
Selbstentfremdung

»Klugscheißer!«

klug_teaserDie immer größer werdende Ablehnung gegenüber sachlichen und rationalen Argumenten ist kaum noch zu übersehen. Es wird eigentlich fast nur noch skandalisiert, boulevardisiert und emotionalisiert. Trash‐TV, Casting‐Shows, Cat Content auf Facebook oder Promi‐Todesfälle: alles muss irgendwie Unterhaltung sein, ja unterhaltend wirken. Deshalb finden sachliche Auseinandersetzungen im öffentlichen sowie im privaten Raum immer seltener statt. Wir sind zu Konsum‐Entertainment‐Robotern konditioniert und degradiert worden. Da machen Analysen von strukturellen Gewalten, Skandalen, Affären, Korruptionen, Kriegshetze, Medienpropaganda und Selbstentfremdungs‐Mechanismen einfach keinen Spaß.

In weiten Bevölkerungsteilen herrscht zudem eine regelrechte Verachtung gegenüber Akademikern und Intellektuellen. Diese Besserwisser, Klugscheißer und Möchtegerns halten sich wohl für etwas Besseres? Daher ist es nur folgerichtig, wenn arbeitslose Akademiker oder Doktoranden in Call Center‐Jobs oder Lagerarbeiten gepresst werden. Damit sie endlich mal sehen, was echte Arbeit ist! :JAJA:

Traumjob: Selbstverwertung

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Gesehen am 13. Oktober 2017 in einem Berliner U‐Bahnhof

»Studiere jetzt für die realen Zukunftsanforderungen in Unternehmen!«

Vor rund sechs Jahren habe ich schon einmal den »Markttraumjob« thematisiert. Für Politik, Wirtschaft und Marketing scheint es weiterhin ein Naturgesetz zu sein, dass die Selbstverwirklichung des Einzelnen nicht nur zwingend in Lohnarbeit enden soll, sondern auch, dass jeder abhängig Beschäftigter stets immer genau dort seine Erfüllung finden muss, wo Unternehmen gerade dringend menschliche Waren aka »Humankapital« benötigen. Die eigentlichen Motive von Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung -also das Erforschen und Entdecken der eigenen Leidenschaften und Interessen‐ jenseits von monetärer Lohnarbeitsverwertung, werden schlicht pervertiert. Und niemanden fällt es auf, dass es eben keine Selbstverwirklichung, sondern eine Selbstentfremdung ist, wenn ich primär die Interessen von Anderen bediene, anstatt das zu machen, was mir Erfüllung und Zufriedenheit bringt. Und natürlich habe ich immer genau dort meine Kompetenzen, was der ominöse »Markt« gerade von mir verlangt. Schließlich sind wir unendlich formbare (»lebenslanges Lernen!«) Ressourcen im Dienste des Kapitals. :JAJA:

»Erwachsene sind doof!«

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Mir fällt auf, dass ich bei kleineren und/oder größeren familiären Feiern oder Festlichkeiten von Freunden und Bekannten, kaum noch Bock auf Erwachsene habe. In der Regel dreht sich alles immer um das große Fressen Buffet, den Kuchen oder das Essen. Sobald es verteilt oder eröffnet wurde, stürzen sie sich drauf und schlagen sich die Bäuche voll, als gäbe es kein Morgen mehr. Dann verteilen sich die Herrschaften in kleineren Grüppchen und reden über die typischen Themen: Geld, Wohnung, Lohnarbeit, Sozial‐Status, Kinder, Smartphones, Urlaub, Haus, Garten, Auto, Fussball... bla bla bla — der übliche kleinbürgerliche Biedermeier‐Spießer‐Weltverleugnungs‐Selbstentfremdungs‐Bullshit. Spätestens dann entferne ich mich regelmäßig von den Sitzfleisch‐Labergrüppchen und suche die Nähe der mitgebrachten Kinder bzw. meines eigenen Sohnes. Ich muss mich nicht regelmäßig im Kreis und um mich selbst drehen. :NENE: Weiterlesen

Identitätsproduktion

change_titelIch habe das nie verstanden. Da geht Mann oder Frau zum Frisör, kauft sich neue Klamotten und/oder macht eine erfolgreiche Diät und sofort reden alle davon, dass er oder sie sich verändert habe. Eine riesige Medien‐ und Schönheitsindustrie produziert und profitiert von diesem Narrativ. Natürlich ist das Aussehen Teil der individuellen Identität. Aber eben nur ein Teil. Wer sich seiner selbst bewusst sein, also selbstbewusst werden will, erreicht das eben nicht mit dem Konsum von gleichgeschalteter Marken‐Identitätsproduktion. Persönlichkeit und Charakter verkommen hier zu kollektiven Konsum‐Worthülsen, da sie jeder überall kaufen kann.

Selbstinszenierung, Selbstoptimierung und Selbstentfremdung sind die modernen Werte der digitalen Unfreiheit. Authentische Veränderung hingegen, kommt aus sich selbst heraus. Sie ist Sein und nicht Haben. Sie ist das Ergebnis von persönlichen Erfahrungen und Erkenntnissen. Sie kann nur entstehen, wenn man mit Neugier, Empathie und Selbstreflektion durch das Leben geht. Eigenschaften, die vielen Facebook‐Selbstinszenierer‐Narzissten völlig fremd sind.

»Du hast das Falsche studiert!«

studi_titelDiesen Satz bekommen Geisteswissenschaftler, aber auch alle Anderen, die erfolgreich ihr Studium abgeschlossen, aber noch keine Erwerbsarbeit gefunden haben, immer wieder zu hören. Nur wer entscheidet eigentlich, was das »richtige Fach« ist (MINT!?), was man angeblich hätte studieren müssen, um schneller oder eine bessere Lohnarbeit zu finden? Unternehmen, der ominöse Markt, die Politik, die Medien oder die Familie? Alle Anderen wissen es scheinbar regelmäßig nicht nur besser, sondern wollen auch festlegen, was einen zu interessieren hat, ja was man beruflich hätte machen müssen.

»Doch genau das ist das Problem vieler Geisteswissenschaftler. Sie haben für alles studiert, nur nicht für den Markt.«

welt.de vom 15. Mai 2015

Nur wie kann es eine »falsche Wahl« gewesen sein, wenn man es gerne gemacht hat? Wenn man mit Leidenschaft, Interesse und Neugier dabei war? Wie können Tätigkeiten, die einen erfüllen und gleichzeitig niemanden verletzen, falsch sein? Soll etwa der ökonomische (Selbst-)Verwertungszwang  immer und überall das oberste Kriterium sein? Sollen etwa alle Werte -bis auf den Tauschwert‐ wertlos seien? Spätestens beim Titelzitat entblößen sich die Phrasen von der »Selbstbestimmung«, der »Eigenverantwortung« und des »Sei Deines Glückes Schmied« — als pure Unterwerfungsdogmen an die herrschenden Gegebenheiten. Wie soll man bitte glücklich werden, wenn man stets nur das sagt und macht, was andere  von einen erwarten? :WTF:

Die Dunkelheit trinken

Wenn man ein Gefühl für soziale Gerechtigkeit und Respekt für den anderen hat, kündigt man jeden Job in den ersten fünf Minuten. Also kämpfe ich gegen mich selbst und akzeptiere die Herrschaftsbeziehungen.“

Mustapha Belhocine, „Mein erster Job im Jobcenter“. Le Monde Diplomatique. Mai 2015. S. 21

Anmerkung: Wenn mich jemand danach fragt, was die wenig greifbare Redewendung von Selbstentfremdung durch Lohnarbeit eigentlich konkret bedeuten soll, dann trifft es das obige Zitat in knappen Worten ziemlich genau.

Selbstentfremdung

selbstent_titelOft werde ich gefragt, was Selbstentfremdung durch Lohnarbeit eigentlich genau bedeuten soll? Schließlich verdiene man sein eigenes Geld, sei unabhängig, liege niemandem auf der Tasche und man würde sich mit seinem eigenen Job doch auch selbst verwirklichen? Nun zu behaupten, das Gegenteil sei der Fall, empfinden viele nicht nur als absurde und steile These, sondern auch als einen persönlichen Angriff auf ihren Lebensstil. (Lohn-)Arbeit mache doch schließlich unabhängig. Oder etwa nicht?

Im Einzelfall mag es Jobs geben (besonders im sozialen, geisteswissenschaftlichen oder künstlerischen Bereich), in denen Menschen Sinnerfüllung und Freude durch ihre Tätigkeiten erfahren und davon sogar noch halbwegs gut leben können. In den meisten Fällen dürfte es aber eher so sein –insbesondere in Anbetracht des Arbeitsmarktes‐ das Mann und Frau an Lohnarbeit nehmen, was sie kriegen können. Hauptsache Arbeit. Egal welche. Eine Funktion ausfüllen ohne erfüllt zu sein. Weiterlesen