Plutokratie. Neofeudalismus. Oligarchie.

„Generell wissen wir wenig über den Zusammenhang zwischen der Verteilung von Vermögen und der Frage, wie gut demokratische Institutionen in einem Land funktionieren. […] Ökonomisch gesehen ist außerdem eine bessere Wettbewerbspolitik notwendig. […] Die Politik muss sich darauf vorbereiten, dass die Vermögenskonzentration auch in Deutschland irgendwann korrosiv auf unser politisches System wirken könnte.“

– Rüdiger Bachmann. „Feudale USA“. Auf: zeit.de vom 27. Januar 2018

Anmerkung: Einfach behaupten, man kenne keinen Zusammenhang zwischen Vermögen, Macht und politischen Einfluss und schon kann man von Demokratie reden, aber in Unternehmen, Banken und Konzernen den Neofeudalismus leben. Dann macht auch das neoliberale Wundermittel „mehr Wettbewerb“ wieder Sinn. „Irgendwann korrosiv“ klingt wie „die Schere zwischen arm und reich wird immer größer“ – Nein, verdammt noch mal! Es ist jetzt so! Im Hier und Jetzt. Heute! Das die Politik sich „darauf vorbereiten“ müsse, klingt wie eine Drohung: den Unmut im Keim ersticken! Militär im Innern einsetzen. Überwachung ausbauen. Strafgesetze verschärfen. Meinungsdiktatur durchsetzen.


>> „Narrative Legenden“
>> „Anleitung zur Ausbeutung“
>> „Zehn Punkte-Plan“

Anstand kostet!

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©epikur (eigenes Werk)

Wer sich sein Gewissen, seine Fairness, seine soziale Gerechtigkeit und sein Mitgefühl bewahren will, muss dafür mit harter Währung bezahlen! Die meiste Kohle macht man, wenn man skrupellos, rücksichtslos und egoistisch ist. Wer sich scheut, auch mal bigott, verlogen und korrupt zu sein, wer nicht professionell lügen kann und will (Marketing, PR, Vertrieb etc.), wer Mühe hat, die eigene Selbstentfremdung nicht als Selbstverwirklichung zu verdrehen – der wird niemals eine steile berufliche Karriere hinlegen können! Weder in der Automobil- oder Pharmaindustrie, in einer Bank, noch in einem Konzern oder irgendeiner anderen Branche, wo man richtig Geld verdienen kann.

Nächstenliebe, Empathie und Mitgefühl sind ökonomisch gesehen nicht nur wettbewerbsschädigend, sondern schlicht nichts wert. Ja, zur Aufrechterhaltung der Arbeitsmoral und zur Mitarbeiterführung wird ein wenig Sozial-Klim-Bim betrieben und/oder gelegentlich gemenschelt. Auch werden die Ideale von Menschen, die in sozialen Berufen arbeiten, rücksichtslos ausgebeutet – all das wird aber nicht mit Euros vergütet. Es spielt zudem in der Management-Ebene, in der Finanzindustrie und auf politischer Ebene kaum eine Rolle. Was zählt, sind Quartalsberichte, Dividenden und Profite. Und weil sich Anstand schlicht nicht rentiert, sondern nur Kosten verursacht, wird auf ihn weitestgehend verzichtet.


>> Die ganz normale Ungerechtigkeit
>> Marktgerechtigkeit und Verwertungsmoral
>> Ohne Haltung

Der pädagogische Happen (18)

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Zwei Kinder im Alter von Zehn Jahren spielen und unterhalten sich auf einem Spielplatz.

Felix: „Was machst Du in den Herbstferien?“

Michel-Max: „Ich fliege mit meinen Eltern nach Ägypten.“

Felix: „Boah cool! Aber warst Du nicht gerade in den Sommerferien in Indien?“

Michel-Max: „Ja, und?

Felix: „Ich war noch nie außerhalb von Europa. Meine Eltern sagen, sie haben dafür kein Geld.“

Michel-Max: „Können wir jetzt Deinen Fussball zum Spielen nehmen?“

Felix: „Wieso das?“

Michel-Max: „Weil das ein richtiger Ball ist! Meine Eltern kaufen mir immer nur so Plastikbälle von Aldi. Obwohl ich mir schon lange einen richtig guten Fussball wünsche, bekomme ich ihn nicht!“


>> „Der pädagogische Happen“

Verarmt und Vergessen

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Beitrag auf zeitgeistlos.de von roberto j. de lapuente

Finanzielle Armut hat vielschichtige Auswirkungen. Es geht eben nicht nur darum, dass man weniger Geld zur Verfügung hat, sondern auch gesamtgesellschaftlich als überflüssige Ballastexistenz wahrgenommen, ja abgewertet wird. Wer wenig Geld hat, dem werden nicht nur mangelnde soziale Kompetenzen zugeschrieben („sozial schwach“), der wird nicht nur für dumm erklärt („bildungsferne Schichten“), nein, der wird auch weniger Freunde finden und in der Schule bei gleichen Leistungen, im Vergleich mit Kindern aus finanziell starken Haushalten, schlechter bewertet werden. Und zur Krönung wird die Massenarmut stets mit der Eigenverantwortungs-Dogmatik verargumentiert.

Man könnte zur Abwechslung doch mal das Narrativ verbreiten, dass die Wertschätzung eines Menschen nicht an seinen finanziellen Status geknüpft werden darf! Selbstwert und Selbsbewusstsein sollten nicht mehr an der Höhe des Kontostandes gemessen werden! Aber dann würden ja sämtliche Karriere-Psychopathen, Chef-Narzissten und Lohnarbeits-Fetischisten eine ernsthafte Sinnkrise bekommen. Und das darf natürlich nicht sein! Denn eine menschenverachtende Profitmaschinerie ist ohne Psychopathen nicht überlebensfähig.


>> Armut schwächt die sozialen Beziehungen
>> Lehrer trauen sozial schwachen Schülern weniger zu
>> Beiträge zum Thema Armut

Alternativlos.org

alternativlos_orgDer aktuelle Podcast (Folge 41) von Frank und Fefe auf alternativlos.org beschäftigt sich  mit den Themen Bitcoin, KI, Machine Learning und die Frage nach der Verantwortung für technische Entwicklungen. Eine der vielen interessanten Thesen ist beispielsweise, dass eine Erhöhung von technischer Komplexität von Politik und Wirtschaft gerne in Kauf genommen werden, da man hiermit die Verantwortung für technische Fehler und Mängel unsichtbar machen könne. Ein durchaus spannendes und unterhaltsames Gespräch zum Mithören!

Presseblick (68)

zeit.de vom 5. Dezember 2017

zeit.de vom 5. Dezember 2017

Marx, Orwell und Huxley sollten verboten oder besser: als irrelevant gelehrt werden. Humanistische Werte wie Empathie, Solidarität und Nächstenliebe sollten durch Wettbewerbs- und Konkurrenzdenken sowie durch einen gesunden Egoismus in der Pädagogik ersetzt werden. Wir brauchen weniger Menschen, die womöglich noch eigenständig denken (Hilfe!), dafür aber umso mehr funktionierende Lohnarbeits-Roboter, die genau das tun und genau das denken, was das Kapital will. :BULLE:   Weiterlesen

Das Sozialticket

sozialticket_titelDie schwarz-gelbe Landesregierung in NRW wollte Ende November das Sozialticket schrittweise abschaffen. Dagegen gab es große Proteste. Nun rudert sie zurück. Vorerst. Interessant ist, wie und was in der Öffentlichkeit -abseits von dpa copy and paste- zu diesem Testballon geschrieben wurde. Eine kleine Meinungsblase. Weiterlesen

Selbstentlarvende Realsatire

„Politisch mag das Scheitern der Jamaika-Verhandlungen aufwühlend sein. Der deutschen Wirtschaft dürfte es aber kaum schaden. Denn die fährt schon eine Weile ganz gut ohne Politik. […] Vieles spricht dafür, dass ein paar weitere Monate politischer Stillstand der Wirtschaft zumindest kurzfristig sogar ganz gut tun. […] Und egal ob es nun auf eine Große Koalition, eine Minderheitsregierung oder Neuwahlen hinausläuft – keines der möglichen Szenarien würde die grundsätzliche Stabilität Deutschlands infrage stellen.“

spiegel.de vom 20. November 2017

Anmerkung: Ergo, es ist völlig egal, ob und welche Regierung wir in Deutschland haben, solange sie nur im Sinne von Banken, Konzernen, der Finanzindustrie, Wirtschaftskanzleien und Millionären Politik macht oder zumindest keine Politik gegen sie macht. Auch ist die „grundsätzliche Stabilität Deutschlands“ gleichzusetzen mit der Profit- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Ob die Menschen, also die Bevölkerung glücklich und zufrieden sind (Haha!), interessiert absolut gar Niemanden. Mit solchen Sätzen offenbaren Journalisten sehr deutlich und direkt, dass sie zum Sprachrohr des Establishments mutiert sind und den Anschluss an die „normale Bevölkerung“ längst verloren haben. Die Selbstbeweihräucherung als „Vierte Gewalt“ kann hier nur noch als schlechte Satire durchgehen.

Erfolgsorientierter Verwertungszwang

marktschlau_titelWenn ich mich mit Freunden, der Familie oder mit Arbeitskollegen über Menschen wie beispielsweise Daniela Katzenberger, Dieter Bohlen oder Verona Pooth unterhalte, kommt irgendwann die Floskel, dass die alle ja doch irgendwie klug und clever seien, weil sie es schließlich geschafft hätten, irgendwie Geld zu machen. Echte Kenntnisse in Literatur, Musik, Kunst, Wissenschaft oder Kultur spielen bei der Bewertung von Menschen scheinbar nur noch insofern eine Rolle, wenn dieses Wissen irgendwie nützlich zur Geldvermehrung, im Beruf oder für den persönlichen Vorteil verwertet werden kann. Intelligent sei, wer sich oder irgendeinen Mist verkaufen kann. Ansonsten ist es per se unnützes Nerd-Wissen oder Klugscheißerei. Hierbei stelle ich mir folgende Fragen:

  • Heißt das etwa auch, schlau ist, wer clever-kriminell ist? Wer Steuern hinterzieht, kreative Buchhaltung betreibt oder mit Finanzprodukten krumme Geschäfte macht?
  • Jubelt die Bevölkerung etwa Kriminellen zu? Sind sie die neuen und/oder echten Vorbilder? Sind Uli Hoeness und Tony Soprano unsere heimlichen Helden?
  • Sind Tricksereien, Menschenfeindlichkeit und Korruption etwa die eigentlich anstrebsamen Werte? Weil man damit mehr Geld machen kann?
  • Wenn der Ehrliche der Dumme ist, ist dann der Lügner der Schlaue?
  • Ist das eine Welt, in der wir wirklich leben wollen? Und wie verlogen erziehen wir dann eigentlich unsere Kinder?

>> „Marktintelligenz“
>> „Nutzklugheit und Marktintelligenz“
>> „Wertlose Schöpfungen“

Vom Geld-Selbstwert

selbstwert_titelArmut und Arbeitslosigkeit machen krank und depressiv. So lautet das allgemeine Narrativ und das öffentliche Dogma. Und das heißt eben auch: wer arm und/oder krank ist, soll möglichst nicht glücklich und zufrieden sein. Denn das würde ja Stillstand und mangelnden Veränderungs-, Ehrgeiz- und Verbesserungswillen bedeuten, so der industriell-neoliberale Habitus. Immer in Bewegung sein, unendlich viele Bedürfnisse haben und niemals mit dem Ist-Zustand zufrieden sein, erzeugt jedoch chronisches Unglücklichsein. Und nein, das bedeutet freilich nicht, politisch erzeugte Massenarmut als fatalistisches Schicksal bedingungslos und devot zu akzeptieren.

Die eigene innere Zufriedenheit und das Selbstwertgefühl sollen an eine Lohnarbeit-Selbstverwertung und an den eigenen Kontostand gebunden sein. So will es der moderne Zeitgeist. Und so wollen es die Eliten aus Politik und Wirtschaft. Sie produzieren damit -neben ökonomischen und strukturellen Abhängigkeiten- auch eine mental-emotionale Hörigkeit. Ich halte es für elementar, das Selbstwertgefühl eben nicht an vergängliche Konsumgüter, an das eigene Aussehen oder an die eigenen Finanzen zu knüpfen. Das erzeugt langfristig nur Depressionen.

Und ja, ich höre schon die Einwände: natürlich sollten elementare Grundbedürfnisse, wie Wohnen, Essen oder auch mal Urlaub, stets gedeckt sein. Es ist für das eigene, langfristige Wohlbefinden jedoch deutlich gesünder, seine innere Zufriedenheit aus den eigenen Leidenschaften, Interessen und kreativen Ideen -jenseits von monetärer Verwertung- zu ziehen.