»Oh Angela!«

(via wikimedia commons- Aleph vom 30. April 2008)

Gepriesen sei Dein Name! Erlöse uns von dem Übel! Unter Deinem wachen Auge finden wir Frieden und Gerechtigkeit! Deutschland hätte es nie besser treffen können! Wir vergeben Dir alle Sünden! IM Erika. NSA-und-BND-Affäre. Neoliberale Sprechpuppe für Konzerne, Banken und Oligarchen. Völkerrechtswidrige Drohnenmorde von Ramstein. Atommüll-Verseuchung. Die rückhaltlose Aufklärung der NSU-Morde sowie des VW-Abgasskandals. Waffenexporte in Steinzeit-Diktaturen. Der Bruch des Amtseids: »Schaden vom deutschen Volk abzuwenden«. Der Wirecard-Skandal. Sanktionen gegen Russland. Und. Und. Und. Alles Schnee von gestern! Schwamm drüber! Geschwätz von gestern!

Unvergessen auch Deine warmen Worte: »Deutschland geht es gut!« Die Millionen von Menschen in Deutschland, die vom Jobcenter schikaniert werden, prekär beschäftigt oder obdachlos sind, wegen steigender Arbeitsbelastung depressiv werden oder ausgebrannt sind, die Sozial- und Bildungskürzungen, die rund 3 Millionen Kinder, die in einem reichen Land in Armut aufwachsen (müssen!) sowie die Rentner, die Flaschen sammeln gehen (müssen!), weil die Rente immer weiter zusammengestrichen wird — sie alle vergeben Dir diesen Satz!

Denn jetzt haben wir die »Corona-Krise«. Und Du führst uns ins Licht! Es vergeht zwar kaum ein Tag, an dem nicht gegen das Grundgesetz verstoßen wird, das Parlament sowie der Bundesrat entmachtet werden, die Gerichte viele Beschlüsse wieder einkassieren, sowie ausschließlich via Dekrete und Verordnungen regiert wird, aber Deine Anhänger lieben Dich trotzdem! Oder auch gerade deshalb! Die gesellschaftlichen, ökonomischen und sozialen Schäden der Corona-Maßnahmen übertreffen bereits jetzt die Gefährlichkeit des Virus um ein Vielfaches! Aber es muss jetzt endlich Schluss sein mit diesen endlosen vermeintlich demokratischen, offenen Debatten! Meinungspluralität war gestern! Es muss endlich wieder hart durchregiert werden! Mit einer starken Stimme und einer knallharten Führung! Schließlich:

»Glauben Sie keinen Gerüchten, sondern nur den offiziellen Mitteilungen, die wir immer auch in viele Sprachen übersetzen lassen.« (Angela Merkel, im März 2020

Ja! Ja! Ja! Heil Dir, Oh Angela!

Transatlantiker vereinigt euch!

Kaum ist »Sleepy Joe« Joe Biden der neue US-Präsident, überschlagen sich die deutschen Meldungen vor Jubel und Euphorie. Auch die EU sowie Deutschland werden schon mal präventiv auf mehr NATO-Beteiligung, mehr Unterstüzung für US-Kriege und für globale US-Interessen eingeschworen. Das liest sich dann so:

»Joe Biden braucht echte Partner, die bereit sind mehr Verantwortung zu tragen und eine erschreckend fragile Welt sicherer zu machen.« (Berliner Morgenpost)

»Europa sollte nicht meinen, sich politisch zurücklehnen zu können.« (WELT)

»Unsere transatlantische Freundschaft ist unersetzlich.« (Merkel via Twitter)

»Wir wollen in unsere Zusammenarbeit investieren, für einen transatlantischen Neuanfang, einen New Deal.« (Außenminister Heiko Mass via Berliner Zeitung)

»Mehr Verantwortung tragen« — wir wissen ja, was dieser verschwurbelte Euphemismus bedeutet. Krieg gegen den Iran? Oder gar gegen Russland? Mehr deutsche Soldaten in Auslandseinsätzen? Einen höheren Anteil am NATO-Haushalt zahlen? Schärfere Sanktionen gegen Russland? Endlich Fracking-Gas in Deutschland? Kalter Krieg gegen China? Nein, nein alles super! Hauptsache der irre Trump ist weg! Der militärisch-industriell-digital-finanzielle-Medienkomplex darf, kann und soll wieder richtig aufblühen! Ist dann die Pandemie auch endlich bald vorbei? Schließlich wird Biden das sicher alles aufräumen (»Corona-Taskforce«). Unser Held!


Sonderstellung USA
Die Trump-Apokalypse

Kriegstrommeln

»Deutschland kommt Zwei-Prozent-Ziel näher. Aufgrund der Coronakrise wird Deutschland in diesem Jahr dem Zwei-Prozent-Ziel der NATO deutlich näher kommen. Im Vergleich zur schrumpfenden Wirtschaft steigen die Militärausgaben demnach sprunghaft an.«

Weiter heißt es bei der aktuellen Kamera Tagesschau am 27. Mai 2020:

»Deutschland dürfte dem Zwei-Prozent-Ziel der NATO dank der Corona-Krise in diesem Jahr deutlich näher kommen.«

Anmerkung: »Dank der Corona-Krise«? Wie soll ich das jetzt verstehen? Ist die Pandemie also doch ein Segen für uns alle? Die »Zwei-Prozent« sind und bleiben auch ein skandalöser Euphemismus (»Deutschland muss endlich wieder mehr Verantwortung übernehmen!«). Denn es sind rund 50 Milliarden Euro und somit laut Statistischem Bundesamt, nicht nur ein Siebtel des Gesamt-Haushaltes (rund 350 Milliarden), sondern es ist auch der zweitgrößte Ausgaben-Posten überhaupt! Aber »Zwei-Prozent« lässt sich dem Pöbel wohl besser verkaufen. Klingt eben so schön lächerlich klein. In diesem Sinne: auf in den Kampf! :rock:  :rock:  :rock:


Kriegssprache
Kriegspropaganda

Filmtipp: »Parasite«

Der südkoreanische Spielfilm von Bong Joon-ho aus dem Jahr 2019, ist sicher kein Geheimtipp mehr. Schließlich hat er eine Fülle an Auszeichnungen und insgesamt vier Oscars abgeräumt. Viele bezeichnen ihn als Beitrag zum Klassenkampf oder als verschnörkelte Kapitalismuskritik. Das wird dem Film aber nur in Teilen gerecht. Denn er erzählt und visualisiert auf vielen (Meta-)Ebenen, durch die Bildsprache sowie im Subtext, was Erich Fromm schon im Jahr 1976 mit »Haben oder Sein« verdeutlichen wollte. Achtung Spoiler! Weiterlesen

Interviewpartner

Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.“

(Paul Sethe, Gründungsherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, im Jahr 1965.)

Unsere geschätzten Lückenmedien spüren immer stärker den Verlust ihrer Meinungs- und Deutungshoheit. Deshalb schlagen sie auch wild um sich, in dem sie jede noch so sachliche, linke Medienkritik als Populismus, Verschwörungstheorie oder Fake News diffamieren. Der linke Vorwurf, dass die bürgerlichen Medien, primär Systemmedien sind, welche die Gedanken und Interessen der Reichen, Vermögenden und Herrschenden drucken, ist nicht neu, aber dieser Tage wieder überall zu beobachten. Beispielsweise bei der Wahl ihrer Interviewpartner.

Ob Spiegel, Welt, ZEIT, FAZ, BILD, ARD oder ZDF: in aller Regel kommen PR-Pressesprecher, Lobbyverbände von großen Unternehmen, die Industrie, Banken, Manager oder vermögende Leute viel häufiger zu Wort als Gewerkschaftsvertreter, Betriebsräte, soziale Bewegungen, Mietervereine, Arbeiter oder gar Erwerbslose. So geschehen beispielsweise in der Berliner Zeitung am Mittwoch, den 11. Dezember 2019. Interviewpartner: Kommunal- und Landespolitiker, ein Sprecher des Immobilienverbandes BBU, ein Fussballtrainer und die Ex-BVG-Chefin Sigrid Nikutta.


Ziegenjournalismus

»BER? Ha! Ha! Ha!«

»Auf Dauer wird es langweilig, über den BER zu witzeln.«
(BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup in der Berliner Zeitung vom 17. Dezember 2019)

Dann fange ich gleich mal an...

»Chuck Norris übernimmt morgen um 8 Uhr die Bauleistung des neuen Berliner Flughafens… Um 10 Uhr ist Eröffnung.«

»Was ist der Unterschied zwischen Martin Schulz und dem Berliner Flughafen? Martin Schulz ist fertig.«

»Für das Geld, das der BER bisher gekostet hat, hätte man jedem Menschen in Deutschland inzwischen 82 Kugeln Straciatella-Eis kaufen können.«

Hahahahaha! Also ich finde das lustig, Herr Lütke Daldrup! Sie nicht? Deutsche Inkompetenz Ingenieurskunst sollte man doch gebührend feiern, oder etwa nicht?

Werbemüll

Startseite der PC Games vom 20. Dezember 2019. Gleich vier Advertorials direkt in die Fresse.

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft 2019 beginnt der Konsumterror. Kaufen. Kaufen. Kaufen. Konsumverzicht ist ein Kapitalverbrechen. Bescheidenheit ist wettbewerbsschädigend. Besonders nervig sind die »Advertorials« oder euphemistisch »Native Advertising«. Dabei hat der Bundesgerichtshof (BGH) bereits im Jahr 2014 entschieden:

»Redaktionelle Pressebeiträge, für die ein Unternehmen ein Entgelt bezahlt, müssen als Anzeige gekennzeichnet werden.«

Und wen interessiert das? Keine Sau! Sie machen einfach überall weiter. Müllen uns mit ihrem Werbedreck zu, vergiften unsere Hirne, benebeln unser Denken, beuten unsere Emotionen aus und wollen uns Bedürfnisse einimpfen, die uns unglücklich machen, damit wir immer und immer und immer wieder neue Scheisse kaufen. Ich habe erst vor kurzem meine Wohnung komplett entrümpelt und ohne Ende Zeug weggeworfen. Neues wird nicht mehr hinzukommen. Ein tolles Gefühl. :jaja:


Kommerzielle Propaganda
Ziegenjournalismus (1): Advertorials
Werbung – die Geißel der Menschheit

Unabhängige Untersuchungen

  • Eine von der Regierung beauftragte offizielle Untersuchung kam zu dem Schluß, dass die Regierung richtig gehandelt habe.
  • Eine Umfrage bestätigt: Smartphone-Nutzer finden Smartphones praktisch!
  • Das Personal der Bankenaufsicht, dass größtenteils selbst in der Finanzindustrie arbeitet oder gearbeitet hat, sieht keinerlei Interessenskonflikte zwischen Bankenaufsicht und Banken.
  • Eine von Unternehmen X finanzierte Studie konnte keinerlei gesundheitliche Bedenken hinsichtlich der Produkte von Unternehmen X feststellen.
  • Experten empfehlen, dass zu diesem Sachverhalt vor allem Experten befragt werden sollten.
  • Eine unabhängige Untersuchung, die vom Axel-Springer-Verlag in Auftrag gegeben wurde, hat ergeben, dass die Leitmedien für den Verlust der Meinungs- und Deutungshoheit nicht verantwortlich sind.

Affären. Lügen. Skandale.
Lob des Lobbyismus: eine Replik

»Karriere? Ohne mich!«

Ab einem gewissen Alter scheint es für viele Leute kaum ein anderes Thema als Lohnarbeit, Geld, Konsum und Geldvermehrung zu geben. Hobbys, Leidenschaften oder andere — eben nicht familiäre Interessen- werden immer seltener in Gesprächsrunden thematisiert. So wurde ich vor kurzem beispielsweise von unterschiedlichen Personen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und an unterschiedlichen Orten gefragt, ob ich nicht Karriere machen wolle? Ob ich nicht eine Leitungsposition anstreben, Vollzeit arbeiten, den bestbezahlten Job in der Branche suchen (in Berlin ist das im sozialen Bereich vor allem der öffentliche Dienst) und ob ich nicht etliche Fortbildungen machen wollen würde, um meinen Marktwert zu steigern?

Ich antwortete auf alle Fragen ohne groß zu zögern mit einem klaren »Nein«. Ich soll mich 40–50std/Woche bis zur chronischen Krankheit kaputt schuften, kaum mehr Zeit für Familie, Freunde, Leidenschaften und Hobbys mehr haben, ständig körperlich und geistig erschöpft sein, mich selbst entfremden und das alles eben nur für Geld? Geld. Geld. Geld. Solange die existenziellen Bedürfnisse gedeckt sind und ein kleines Taschengeld übrig bleibt, brauch und will ich nicht mehr lohnarbeiten. Wofür? Für mein Ego? Für irgendeinen materiellen Kram, der meine Selbstwert-Lücken füllen soll? Für künstlich konstruierte Bedürfnisse, die mir die Werbeindustrie einimpfen will? Für Konsum-Events, die meine innere Leere kompensieren sollen?


Geld stinkt!
Vom Geld-Selbstwert
»Warum ich nicht reich sein will...«

The Outer Worlds

© Obsidian Entertainment

Das Action-Rollenspiel »The Outer Worlds« ist am 25. Oktober 2019 für PC und Konsole erschienen. Entwickelt wurde es von Obsidian Entertainment, die vor allem für »Fallout: New Vegas«, »Star Wars Knights of the Old Republic II« und »Pillars of Eternity« bekannt geworden sind. Die Sci-Fi-Dystopie »The Outer Worlds« ist größtenteils solide, hat aber auch eklatante spielmechanische Schwächen. Das Spiel ist aber deswegen hervorzuheben, weil es erzählerisch, eine ätzende, zynische und bissige Kapitalismuskritik bietet, bei der sich der Kapitalismus zu Tode gesiegt hat. Weiterlesen