Reichtumsgerechtigkeit

„Die in Leistungsgesellschaften durch die unterschiedlichen Talente und Fähigkeiten der Menschen erzeugte soziale Ungleichheit lässt sich langfristig nur durch eine hinreichende Fairness des Wettbewerbs rechtfertigen, vor allem durch die Gleichheit der Ausgangschancen.“

Berthold Franke. „Aus Angst wird Wut wird Hass“. Blätter. Ausgabe Juni 2017. S. 97

Anmerkung: Bei solchen Sätzen frage ich mich ernsthaft, auf welchem Planeten, in wechem Elfenbeinturm und in welcher Filter-Bubble die Herren Akademiker eigentlich leben!? Ist es (leistungs-)gerecht, dass 62 Supereiche soviel besitzen, wie die Hälfte der Weltbevölkerung? Wo, außer in der Theorie, gibt es denn überhaupt einen „fairen Wettbewerb“? Wie kann es jemals „gleiche Ausgangschancen“ geben, wenn weltweit Millionen Kinder in bitterer Armut aufwachsen, während sich die Reichen in ihren „Gated Communities“ verschanzen? Wie kann Bildung überhaupt die Lösung für alles sein, wenn neofeudale Strukturen vorherrschen? Wo ist die Eigentums- und Verteilungsfrage? :NENE:

Klettergerüste einsparen

kletter_titel

Beispielbild

An einer Schule in Berlin war ein Klettergerüst auf dem Schulhof nach gut 30 Jahren hinüber. Nachdem es vom Grünflächenamt sachgerecht abtransportiert wurde, begann der Kampf um ein neues Klettergerüst. Während sich Kommunalpolitiker gerne vor Ort mit Leuchtturm-Inklusionsprojekten oder bei anderen entsprechenden Anlässen gerne als bildungspolitische Vorzeige-Gestalten inszenieren, gehen sie sofort in Deckung, wenn es um nachhaltige Finanzierungen geht. Lehrer, Hort-Erzieher und Eltern mussten regelrecht Sturm laufen, Briefe schreiben, Spenden sammeln und einen Förderverein gründen, damit die rund 500 Kinder nach fast einem Jahr endlich ein neues Klettergerüst auf dem Schulhof haben konnten. Fast Zwei Drittel der Kosten wurden am Ende vom Förderverein getragen.

Kinder in Deutschland; Teil 42: Hausaufgaben

Hausaufgaben_Titel

„Hausaufgaben sind Hausfriedensbruch.“

Hans-Peter Vogeler, ehemaliger Vorsitzender des Bundeselternrats am 12. November 2015 auf Spiegel Online

Sobald die Kinder in die Schule gehen, sind Hausaufgaben immer wieder ein großes Konflikt-Thema. In der Schule, mit den Lehrern und vor allem Zuhause. Mit Ausnahme einiger reformpädagogischer Konzepte, Lehrern und Schulen, müssen sich alle Kinder und Eltern irgendwann damit auseinandersetzen. Nicht selten gibt es hier große Probleme. Weiterlesen

Presseblick (60)

Pedanterie und Kleingeistigkeit sowie eine vorauseilende Regel- und Gesetzeshörigkeit sind typische Anzeichen von deutschen Eichmann-Schreibtischtätern. Wie gerecht, moralisch nachvollziehbar oder angemessen viele Regeln und Gesetze wirklich sind, interessiert scheinbar weniger. Gesetz ist Gesetz. Sich daran zu halten und jede Regelwidrigkeit sofort zu melden, ist oberste Bürgerpflicht! Wir leben schließlich in Deutschland! Und Ordnung muss sein! :BULLE:

hessenschau.de vom 10. Februar 2017

hessenschau.de vom 10. Februar 2017

Weiterlesen

Narrative Legenden

bild-cover_titel

BILD-Schlagzeile vom 2. August 2016

Nebelkerzen, Alibi-Diskussionen, Trash-TV, Symbol-Politik, Boulevard-Meldungen, Teile-und-Herrsche-Diskurse sowie Nebenkriegsschauplätze, sollen uns regelmäßig von dem ablenken, was wirklich wichtig ist. Also von den Interessen der Eliten, von Reichtums-Verteilungsfragen und den wahren Hintergründen von Kriegen. Zwar weiß eigentlich jeder (mindestens gefühlt), dass es immer und überall primär nur ums Geld geht, dennoch lässt man sich immer und immer wieder auf Halb-Wahrheiten, Legenden und Mythen ein, die unsere Hirne vernebeln und unseren Verstand ausschalten sollen. Weiterlesen

Moderne Bildung

bildung_titel

Die neuen Spiegel-Bestseller des Monats. Geordnet nach Qualität, Erkenntnisgewinn und Horizonterweiterung. Bekannte Namen (vulgo Selbstmarketing/Selbstvermarktung) oder einschlägige Kontakte zu Verlagen spielen selbstverständlich keine Rolle.

  1. Gina-Lisa Lohfink: „Mich und wie das Gras so wächst“
  2. Justin Bieber: „Die verwunschene Feder im Finsterwald“
  3. Günter Oettinger: „Neuland für Dummies“
  4. Claudia D.: „Männer sind Minus!“
  5. Angela Merkel: „Brokkoli in Sahnesauce und 42 weitere spannende Polit-Rezepte zum Selbermachen“
  6. Daniela Katzenberger: „Anleitung zum Geräusche sehen“
  7. Boris Becker: „Meine Frauen und mir selbst“
  8. Josef Joffe: „Was Putin und Chuck Norris vereint“
  9. Dale Carnegie: „Wie ich lernte Sozialabbau, Lohndumping und Menschenverachtung zu lieben“
  10. Eckart von Hirschhausen: „Diarrhoe und andere Witzigkeiten“

Brotlose Künste

kein geld_titelLohnarbeit, Ernährung, Wohnungseinrichtung, Haus, Garten, Auto, TV-Programm, Selbstoptimierungs-Sport, Facebook, smartphone, Geld, Familien-und-Arbeitskollegen-Getratsche, Kinder, WhatsApp, Alltags-Gedöns – Das sind die Themen, die den Deutschen bewegen. Immer. Überall. Und sowieso. Alles andere ist ja sooo anstrengend. Der radikale Rückzug ins Private, das neue Biedermeier, paart sich mit dem Lohnarbeits-Fetisch, einem vorauseilenden Gehorsam gegenüber dem Chef sowie einem allgemeinen Desinteresse an allem, was nicht im eigenen Filter-Erlebnis-Radius liegt. Wir wurden erfolgreich umerzogen. Zu infantilen und einfältigen Krämerseelen. Zum Homo Neoliberalicus.

Als intelligent, klug und schlau gelten heute Menschen, die wissen, wie man Geld macht oder zu Geld kommt. So seien Fussball-Profis, die keinen anständigen Satz formulieren können, beruflich erfolgreiche Rapper, die Bullshit labern sowie ehrgeizige Models, die keine Prozentrechnung können, intelligente Zeitgenossen. Schließlich haben sie Kohle. Money. Moneten. Bildung sei schließlich nur dazu da, später ein besseres Gehalt zu bekommen. Mittel zum Zweck. Insofern ist es nur folgerichtig und angemessen, wenn Afrikanistik, Kunstgeschichte, Philosophie, Germanistik und all die anderen Klugscheißer-Wissenschaften immer unwichtiger werden. Zusammenhänge erkennen, Ursachen analysieren und bestehende (Eigentums-)Verhältnisse in Frage stellen, ist überflüssig und unerwünscht.

Neulich auf dem Spielplatz

spielplatz_titelGespräch mit einer Mutter. Ihre 4 Jahre junge Tochter schaukelt gerade.

Mutter: „Also ich will schon, dass Helena (Name geändert) später Abitur macht und studiert.“
Ich: „Daran denkst Du jetzt schon? Sie ist doch erst im Kindergarten.“
Mutter: „Je früher desto besser! Wenn ich schon sehe, wie hier die Vorschularbeit so läuft, dann muss ich mir ernsthaft überlegen, ob ich mir nicht eine andere Einrichtung suche.“
Ich: „Echt jetzt? Aber sie hat doch hier ihre Freundinnen und sie geht doch auch gerne in die Kita, oder?“
Mutter: „Das schon, aber die Bildungsarbeit gefällt mir hier ganz und gar nicht. Mal sehen, vielleicht suche ich für sie später auch einfach nur einen Arabisch-Sprachkurs. Die Sprache ist ja jetzt wichtig, wegen den ganzen Flüchtlingen und so.“
Ich: „Willst Du sie nicht erstmal nur Kind sein lassen? Der Lohnarbeitswahnsinn kommt doch noch früh genug.“
Mutter: „Ja. Eben!“

Business Intelligence

Die gewerkschaftsnahe Hans-Boeckler-Stiftung behauptet im Böckler Impuls 03/2016: „BWL-Studium: Betriebsräte sind kein Thema.“ Die Ausbildungsinhalte von mehr als 50 Studiengängen an 25 Hochschulen wurden hierzu untersucht. Das Ergebnis: Mitbestimmung, Betriebsräte und Gewerkschaften kommen zwar am Rande vor, sind aber kein integraler Bestandteil des BWL-Studiums. Denn:

„Statt kollektiver Verhandlungen sind marktförmige Beziehungen zwischen Individuen vorgesehen.“

Ich kann das nur bestätigen. Während meines Studiums hatten wir öfter mal lebhafte Diskussionen mit BWL-Studenten. Für die meisten sind Humanismus, Menschenrechte und ethische Standards nicht nur Fremdworte, sondern auch moralische Handelshemnisse gewesen. Für so einige BWL-Schnösel ist die Welt ein großer Apfelbaum, bei dem jeder so viele Äpfel wie möglich pflücken will. Nur für sich, versteht sich. Soziale Interaktionen werden als Kosten-Nutzen-Matrix, Menschen als Humankapital und Verbraucher- sowie Arbeitsrechte als profitstörende Faktoren betrachtet. Für sie besteht die bessere Welt darin, dass der eigene Geldbeutel prall gefüllt wird.

Kritik ist positives Denken

kritik_titel

„Immer musst Du alles so negativ sehen!“ oder: „Du hast ja an allem etwas auszusetzen!“ oder: „Musst Du immer so viel kritisieren?“, sind typische Vorwurf-Sätze, die kritisch eingestellte Menschen fast täglich hören. In der Vergangenheit habe ich mich zu diesem Phänomen bereits hier, hier und hier ausführlich dazu geäußert. Leider ist die absurde Behauptung, dass kritisches Denken zwingend mit einer negativen Lebenseinstellung verbunden sei, nach wie vor fest in den Köpfen der Leute verankert. Dabei verhält es sich genau umgekehrt: wer vor Armut, Ausbeutung, Unrecht und menschenverachtender Ideologie die Augen verschließt und davon nichts wissen will, weil es doch so anstrengende Themen seien, wer denkfaul, fatalistisch und obrigkeitshörig ist, wer seinen inneren moralischen Kompass mit Geld und Konsum zum Schweigen gebracht hat, wer seinen Verstand und seine Kreativität nur noch zur ökonomischen Verwertung einsetzen will – der ist dem Leben wahrhaft negativ gegenüber eingestellt. Egal, wie viel dabei gelächelt und gelacht wird. Weiterlesen