Bildungsrepublik Deutschland

»Der Mangel an Lehrkräften verfestigt sich. [...] Insbesondere im Grundschulbereich [...] Anwerbemaßnahmen zum Nulltarif ohne qualitative und monetäre Verbesserungen werden nicht ausreichen, um die Lücke zu schließen [...] vor allem in Schulen in sozial schwierigen Wohnquartieren.«

(13.09.2019, Marlis Tepe, GEW‐Vorsitzende)

Anmerkung: Warum es wohl vor allem bei den Altenpflegern, Erziehern und Lehrern so einen Notstand gibt? Die Arbeitsbelastung ist hoch, die Bezahlung (Ausnahme Lehrer) ist unterwältigend, die gesellschaftliche Anerkennung niedrig und die Karrieremöglichkeiten begrenzt. Wer eine neoliberale, »marktkonforme Demokratie« (Merkel) propagiert, sollte sich nicht wundern, wenn immer weniger Menschen Freude an empathischen Berufen entwickeln. Das marktradikale Motto heißt doch allerorten: »Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht!« Klappt wohl doch nicht, oder? ;)


Berliner Bildungsprogramm: eine Kritik
Neusprech: Sozial schwach und bildungsferne Schichten

Gesellschaftlicher Zusammenhalt

»Für uns war es ganz normal, die Welt in oben und unten einzuteilen. [...] Gesellschaftlicher Zusammenhalt war mit uns nicht zu machen. [...] Und diese arroganten Wichser glauben bis heute, dass es sinnvoll ist, Kinder in separate Gruppen aufzuteilen.«

(»Ansichten eines Gymnasiasten«, Michael Feindler am 29. Oktober 2017)

Anmerkung: Inklusion kann nicht funktionieren, wenn wir weiterhin ein neofeudales Schul‐ und Bildungssystem haben, dass auf dem neoliberalen Leistungsprinzip beruht, Kinder systematisch zu Verlierern macht und »Eigenverantwortung« zur Leitmaxime erhebt, bei denen Kinder aus schwierigen Verhältnissen alleine gelassen werden.


Berliner Bildungsprogramm: eine Kritik

Bildungssprache

Die »Bildungssprache« wird als Abgrenzung zur Alltagssprache in der Sprachpädagogik definiert. Die These ist, dass vor allem in Bildungs‐Institutionen, in Politik und Wissenschaft eine eigene Sprache mit spezifischen Fachbegriffen gesprochen werde, die nicht jeder Schüler gleich gut verstehen und erlernen könne. Besonders Kinder aus »bildungsfernen Familien« sowie mit »Migrationshintergrund« (sind damit auch Schweizer, Spanier und Amerikaner gemeint?) hätten hier große Schwierigkeiten, so die pädagogischen Experten.

Ist es nicht grundsätzlich fragwürdig, Bildung als das Auswendiglernen und Anwenden von Fachbegriffen zu verstehen? Begriffs‐Fetisch und Begriffs‐Dropping als primäre Merkmale von Wissenschaft, Intellekt und Bildung?


Berliner Bildungsprogramm: eine Kritik
Wunderwaffe: »Bildung«
Bildung nur für Reiche

Bildung nur für Reiche

»Laut einer aktuellen Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fehlen Eltern mit geringerem Einkommen die Ressourcen, um ihre Kinder bei der Bewältigung des größeren Lernpensums zu unterstützen.«

- Böckler Impuls Ausgabe 09/2018. »G8 verringert die Chancengleichheit«. (Hans‐Böckler‐Stiftung. Deutscher Gewerkschaftsbund. DGB)

Anmerkung: Das war und ist wohl das Ziel des Bologna‐Prozesses gewesen. Die finanziell Armen raus und unten halten. Mission erfolgreich!

Wunderwaffe: »Bildung«

BILD Dir Deine Bildung.

BILD Dir Deine Bildung.

Niemand braucht eine bessere Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums, eine gerechtere Steuerpolitik, nachhaltigere Umwelt‐ und Verbraucherstandards, existenzsicherende Löhne, bezahlbare Wohnungen, weniger Industriegifte oder gar Frieden auf der Welt! Haha! Was für ein linksgrün versiffter Gutmenschen‐Blödsinn! Alles was wir benötigen, ist eine bessere Bildungspolitik. Dann lösen sich viele Probleme von ganz allein! :JAJA:

»Bildung und Ausbildung sind mehr als eine Schmiede für den Arbeitsmarkt. Hier werden die Weichen für das ganze Leben gestellt.« (spd.de)

»Für die Zukunft Deutschlands ist entscheidend, dass Bildung und Forschung im Mittelpunkt unseres Handelns bleiben.« (cdu.de)

»Deutschland braucht ein Update für bessere Bildung, mehr Wirtschaftskraft und moderne Infrastruktur.« (fdp.de)

»Wir Grüne im Bundestag kämpfen für gute Bildungschancen für alle. Egal, woher sie kommen, egal, wo sie jetzt leben.« (gruene.de)

»Zugang zu Bildung für alle, auch digital.« (linke.de)

Berliner Bildungsprogramm: eine Kritik

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Das Berliner Bildungsprogramm ist das pädagogische Leithandbuch für alle Berliner Kindertageseinrichtungen. Viele Bundesländer haben so eine Bibel für Kita‐Pädagogen. Auch wenn dieses Handbuch viel dazu beigetragen hat, die Kindertageseinrichtungen als Bildungsinstitutionen und eben nicht nur als Aufbewahrungs‐ und Abschiebeanstalten für Kinder zu verstehen (damit die Eltern ordentlich lohnarbeiten können!), so ist leider auch dieses Werk durchsetzt von marktwirtschaftlicher Verwertungslogik. Schließlich sollen Kinder für uns weiterhin der Zukunfts‐Rohstoff, anstatt unsere Gegenwart sein. Weiterlesen

Reichtumsgerechtigkeit

»Die in Leistungsgesellschaften durch die unterschiedlichen Talente und Fähigkeiten der Menschen erzeugte soziale Ungleichheit lässt sich langfristig nur durch eine hinreichende Fairness des Wettbewerbs rechtfertigen, vor allem durch die Gleichheit der Ausgangschancen

Berthold Franke. »Aus Angst wird Wut wird Hass«. Blätter. Ausgabe Juni 2017. S. 97

Anmerkung: Bei solchen Sätzen frage ich mich ernsthaft, auf welchem Planeten, in wechem Elfenbeinturm und in welcher Filter‐Bubble die Herren Akademiker eigentlich leben!? Ist es (leistungs-)gerecht, dass 62 Supereiche soviel besitzen, wie die Hälfte der Weltbevölkerung? Wo, außer in der Theorie, gibt es denn überhaupt einen »fairen Wettbewerb«? Wie kann es jemals »gleiche Ausgangschancen« geben, wenn weltweit Millionen Kinder in bitterer Armut aufwachsen, während sich die Reichen in ihren »Gated Communities« verschanzen? Wie kann Bildung überhaupt die Lösung für alles sein, wenn neofeudale Strukturen vorherrschen? Wo ist die Eigentums‐ und Verteilungsfrage? :NENE:

Klettergerüste einsparen

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Beispielbild

An einer Schule in Berlin war ein Klettergerüst auf dem Schulhof nach gut 30 Jahren hinüber. Nachdem es vom Grünflächenamt sachgerecht abtransportiert wurde, begann der Kampf um ein neues Klettergerüst. Während sich Kommunalpolitiker gerne vor Ort mit Leuchtturm‐Inklusionsprojekten oder bei anderen entsprechenden Anlässen gerne als bildungspolitische Vorzeige‐Gestalten inszenieren, gehen sie sofort in Deckung, wenn es um nachhaltige Finanzierungen geht. Lehrer, Hort‐Erzieher und Eltern mussten regelrecht Sturm laufen, Briefe schreiben, Spenden sammeln und einen Förderverein gründen, damit die rund 500 Kinder nach fast einem Jahr endlich ein neues Klettergerüst auf dem Schulhof haben konnten. Fast Zwei Drittel der Kosten wurden am Ende vom Förderverein getragen.

Kinder in Deutschland; Teil 42: Hausaufgaben

Hausaufgaben_Titel

»Hausaufgaben sind Hausfriedensbruch.«

Hans‐Peter Vogeler, ehemaliger Vorsitzender des Bundeselternrats am 12. November 2015 auf Spiegel Online

Sobald die Kinder in die Schule gehen, sind Hausaufgaben immer wieder ein großes Konflikt‐Thema. In der Schule, mit den Lehrern und vor allem Zuhause. Mit Ausnahme einiger reformpädagogischer Konzepte, Lehrern und Schulen, müssen sich alle Kinder und Eltern irgendwann damit auseinandersetzen. Nicht selten gibt es hier große Probleme. Weiterlesen