Medien Erklärbären

erklärbärenDie Faulheit des (Selbst-)Denkens in der Bevölkerung, zeigt sich deutlich in den Schlagzeilen der bürgerlichen Massenmedien. Sie formulieren, quasi als mutmaßlichen Leser-Service, zugleich Frage und vermeintliche Antwort. In den Headlines gibt es kaum noch Kreativität. Auch hier entwickelt sich ‑im Kampf um Aufmerksamkeit, Reichweite, Auflage und Klickzahlen- eine zunehmende Konformität. Einige Beispiele: Weiterlesen

Wort. Wert. Wirkung.

cola_titelWerbung kann in unsere Gedanken tröpfeln, unsere innere Ruhe zersetzen oder auch unser Unterbewusstsein manipulieren. In der Regel ist sie jedoch verdammt dämlich, sinnbefreit und kontextlos. Häufig werden positiv besetzte Begriffe aus dem Assoziations-Baukasten verwendet, Plastikbuchstaben und Gummiwörter eingesetzt sowie Worthülsen-Domino gespielt. Ganz ähnlich wie in der Politik. Dennoch halten sich nicht wenige PR- und Marketing-Soldaten für extravagante, kreative Zeitgeister, die stolz von sich behaupten, dass sie mit der Sprache jonglieren und Kunstwerke produzieren würden. Weiterlesen

Ideologische Sprachkolonisierung

Durch die Machtübernahme der Partei wurde sie 1933 aus einer Gruppen- zu einer Volkssprache, d.h., sie bemächtigte sich aller öffentlichen und privaten Lebensgebiete: der Politik, der Rechtsprechung, der Wirtschaft, der Kunst, der Wissenschaft, der Schule, des Sportes, der Familie, der Kindergärten und der Kinderstuben [...] es war immer, gedruckt und gesprochen, bei Gebildeten und Ungebildeten, dasselbe Klischee und dieselbe Tonart.

- Victor Klemperer. LTI. Reclam. Stuttgart 2007. S. 31

Anmerkung: Begriffe wurden mit der eigenen Weltanschauung besetzt, Schlagwörter neu definiert oder erschaffen, Wörter, die vormals positiv konnotiert waren, haben nun eine negative Bedeutung und umgekehrt. Euphemismen wurden konstruiert, um unbequeme Entscheidungen und Tatsachen zu verschönern oder zu verzerren. Ohne den Nationalsozialismus mit dem heutigen Neoliberalismus vergleichen zu wollen, so haben sich die Methoden der Machthaber, die Sprache mit der eigenen Ideologie zu besetzen, um so das Denken der Menschen zu beeinflussen, wenig geändert. Wir haben zwar keine Herrschaftspartei, die alles steuert, dafür aber ein Wirtschaftskonglomerat von Banken und Konzernen. Oder wie seht Ihr das?

Der Markttraumjob

»Mein Job ist mein Traumjob, der am Markt gefragt ist — beste Aufstiegschancen inklusive«

- Plakatwerbung der Initiative www.praktisch-unschlagbar.de vom BMBF und BMWi im Rahmen des Ausbildungspaktes

Anmerkung: Du sollst nicht die Lohnarbeit verrichten, die Dir gefällt oder Spass macht. Du sollst den Unternehmen, den Konzernen, kurz: dem Markt dienen. Dort schuften, wo Nachfrage nach Menschenmaterial besteht. Was bedeuten schon Selbstbestimmung, Würde und freie Entfaltung des Individuums, wenn der allmächtige Gott-Leviathan »Markt« Forderungen stellt? Weiterlesen

Der Neonationaliberalismus

Der Neoliberalismus spricht mit einer schrecklichen Einheitlichkeit aus all seinen Lebensäußerungen und Hinterlassenschaften [...]. Was irgendwie von der einen zugelassenen Form abwich, drang nicht an die Öffentlichkeit; Buch, Zeitung, Behördenschrift und Formulare — alles schwamm in derselben neoliberalen Soße [...]. Der Neoliberalismus glitt in Fleisch und Blut der Menge über durch Einzelworte, die Redewendungen, die Satzformen, die er ihr in millionenfachen Wiederholungen aufzwang und die mechanisch und unbewusst übernommen wurden.

Anmerkung: Die Zitate wurden aus Victor Klemperers Buch »LTI« (lingua tertii imperii — die Sprache des Dritten Reiches), Stuttgart 1975, Reclam Verlag,  übernommen und die Begriffe Nationalsozialismus bzw. Drittes Reich mit Neoliberalismus ersetzt.

Die Methode der Verleugnung

Eines der wohl beliebtesten rhetorischen Werkzeuge in der Politik, ist die Methode der Verleugnung. Tatsachen, Zustände und Gegebenheiten werden einfach als nicht vorhanden abgeschrieben. Das geht meist sogar so weit, dass an die eigene Verleugnung geglaubt wird. Wenn also Müntefering mit dem Zitat »in Deutschland gibt es keine Unterschichten, sondern nur Menschen die es schwer haben« auftrumpft, dann ist es eher unwahrscheinlich, dass er lügt. Er glaubt an seine eigene Realitätsverleugnung. Auch Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder glaubte sicherlich an seinen Satz, den er am 5. Juli 2004 in der ARD-Sendung »Bericht aus Berlin« der Nation mitteilte: »Es gibt keine Alternative zu meiner Reformpolitik«. Auch viele Experten die davon überzeugt sind, dass es keine Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland gäbe und dass Hartz4 ja eigentlich etwas ganz tolles sei, glauben sehr wahrscheinlich an ihre eigenen Aussagen. Auch Westerwelle ist eher ein Überzeugungstäter, als ein notorischer Lügner.

Es ist eine Sache, gezielt zu lügen und Dinge zu verleugnen. Eine andere ist es, an die eigene Lüge zu glauben. Wie nennt man sowas noch gleich in der Psychologie?

Gefährliche Sprache

»Es darf keine ethnischen Rabatte mehr geben«

- Heinz Buschowksy, SPD-Bürgermeister von Berlin-Neukölln im ZDF Heute-Journal am 7. Oktober 2009

Anmerkung: Sarrazins umstrittene Äußerung wird von vielen im Grundtenor zugestimmt. Er habe sich eben nur im Ton vergriffen, inhaltlich habe er jedoch Recht. Ausländer integrieren sich nicht, sind selbst schuld.  »Keine ethnischen Rabatte« bezeichnet somit, es solle den Ausländern keine Nachlässigkeit und kein Verständnis mehr entgegengebracht werden. Mich beschleicht ein mulmiges Gefühl. Sollen Fremden — und Ausländerfeindlichkeit wieder auf breiter Ebene salonfähig werden? Will man für den kommenden Sozialabbau die Wut auf Ausländer und Menschen mit Migrationshintergrund lenken? Divide et impera? Weiterlesen

Der Euphemismus

Der Euphemismus bezeichnet ein Wort oder eine Formulierung, welcher einen Sachverhalt verschleiernd und beschönigend darzustellen versucht. Wie z.B. »heimkehren« für »sterben« oder »Umbau« statt »Abbau«. In George Orwells Dystopie Roman »1984« wurde diese Technik der Sprachmanipulation  bis zur Spitze getrieben. So wurde das öffentliche »Folterzentrum« als »Liebesministerium« und das »Kriegsministerium« als »Friedensministerium« bezeichnet. Euphemismen gehören im politischen Sprachgebrauch auch heute noch zum Alltag. Weiterlesen

Methoden der Sprachmanipulation

Meine Wenigkeit steckt mitten in der Diplomarbeitsphase. Wenig überraschen wird es den einen oder anderen, dass sich mein Thema um den Bereich »Politik und Sprache« dreht. Da ich dadurch zwar etwas weniger Zeit zum bloggen habe, mich in den Themenbereich jedoch noch intensiver als ohenhin schon einlese, finde ich auch die eine oder andere Perle, die ich euch nicht vorenthalten will. Eine gute Einführung und Übersicht über gängige Sprachmanipulationen bieten: Wolfgang Beutin in »Sprachkritik-Stilkritik« und Wolfgang Bergsdorf in »Politik und Sprache«. Weiterlesen