Anerzogene Unmündigkeit

Kind: (abends) Du Mami, warum ist die Erde eigentlich rund?
Mutter: Musste mal googlen. Kann ich Dir jetzt nicht sagen.
Kind: Und warum leuchten die Sterne in der Nacht?
Mutter: (leicht genervt) Ich glaube, das hat irgendwas mit der Sonne zu tun. Frag mal Deine Lehrerin. Wo wir gerade dabei sind, hast Du heute Deine Hausaufgaben gemacht?
Kind: Nein.
Mutter: (gereizt) Und wieso nicht?
Kind: Habe ich vergessen, weil ich gerade an den Weltraum denke.
Mutter: Das kannst Du später immer noch machen. Nun aber ran an Deine Hausaufgaben!

Die Faulheit des Selbstdenkens, der Verlust der Neugier sowie der Unbeschwertheit und die Abneigung gegen vermeintlich uneigennütziges Wissen, kennzeichnet den modernen Erwachsenen.

7 Gedanken zu “Anerzogene Unmündigkeit

  1. Wie auch? Als Kind ging es denen schon genauso — da wurden diese »Träumereien« auch schon bekämpt. Das Kind lernt früh, dass Anpassung das wichtigste ist, andere entscheiden darüber, was er wissen muss und was nicht. Was »nützlich« ist, später eine gute, unterwürfige, funktionierende Arbeitsdrohne zu werden. Der Erwachsene geht den ganzen Tag ner Arbeit nach, die ihn im tiefsten Innern anwidert. Nach außen ist er aber stolz darauf, er muss ja die Miete, Strom, Heizung und was zu Futtern bezahlen — auch für das Balg. Also hat es gefälligst zu spuren...

    Der Druck zum Konformismus ist grade von Seiten der Eltern eigentlich am stärksten (oft sogar bei eher gesellschaftskritischen). Kinder mit »Ecken und Kanten« gibt es doch heute so gut wie keine mehr, die triste »erwachsene« Gesellschaft wird eben im Kindesalter geformt, geprägt. Dafür gibt’s ja auch passende Diagnosen und Medikamente. Soma und Prozium II lassen grüßen. ;)

  2. Kinder mit Ecken und Kanten gäbe es heute fast nicht mehr? Mal mehr auf die Straße schauen und nicht nur kleine Kinder auf kleine Kinder sehen, sondern eher Jugendliche.

  3. Ich schrieb »so gut wie keine« — und schaue grade auch auf die »Straße«. Da sehe ich aber kaum noch welche, weil zu gefährlich. Und wenn die Mutti sie nicht im SUV vor die Schule kutscht, laufen sie mit nem reflektierenden Ganzkörperanzug rum. Wenn ich dann mal ohne Fahrradhelm an nem 10‐jährigen vorbei fahre, fragt der mich gerne in nem sehr altklugen Ton, wo denn jener sei...? :P

    Zieht man das meist eher symbolische, folgenlose pubertäre Aufbegehren ab, bleibt da nicht viel — außer Konformismus; die Kids werden zu den gleichen Spießern wie schon ihre Eltern. Grade unter Kindern und Jugendlichen ist es doch am wichtigsten, in der Masse mitzuschwimmen. »Rebellisch« hab ich meine Altersgenossen damals in der Summe jedenfalls nicht mal annähernd empfunden. Und wenn ich heute auf die Jüngeren blicke — noch weniger; ich empfinde dagegen viele Kinder und Jugendliche im Erleben / Gespräch schon als erschreckend »alt« / »erwachsen«. Während meines eher späten FH‐Studiums, als ich etwa den anderen 6–8 Lebensjahre voraus war — hab ich z. B. gar fast ausnahmslos nur vollkommen unkritische, gleichförmige, unterwerfungs‐ und anpassungswillige »Maschinen« erlebt...

  4. @Dennis82

    Zustimmung. Es gibt sie zwar schon noch, die rebellischen und eigenwilligen Jugendlichen, aber die »Flusen« -also das selbstbestimmte Denken‐ wird ihnen heute sehr viel schneller von Eltern und Lehrern »ausgetrieben«, als ich noch in dem Alter war (vor ca. 25 Jahren). Die Eltern sind heutzutage so voller Zukunftsängste, so dass sie ihre Kinder teilweise schon mit 5 Jahren zum Chinesisch‐Unterricht verdonnern. China. Zukunft. Humankapital optimieren.

    »Kinder sind doch unsere Zukunft!«, heißt es überall. Unser »Rohstoff«. Und was ist mit ihrer Gegenwart? Gerade Kinder auf eine zukünftige Lohnarbeitsware zu reduzieren ist extrem menschenverachtend. Das Schlimme daran ist, dass viele nicht einmal merken, wie sie ihre Kinder mental und emotional verkrüppeln, sondern ganz im Gegenteil: Sie wollten doch immer nur »das Beste« für ihren Nachwuchs.

  5. Kind fragt während der Hausaufgaben für Geografie: »Papa! Wo liegen eigentlich die Apenninen?« (Gebirgszug in Italien.)

    Papa: »Ich glaub, in der Schale mit den Appananen, sonst frag Mami!«

    Zu Ecken und Kanten: Meine jüngste Enkeltochter hat vor Wochen spontan entschieden, sich ab sofort vegetarisch zu ernähren. Jetzt hat die Familie ein Problem und hofft, dass das wieder vorübergeht. Anstatt sie in ihrer Veränderung zu unterstützen und ernst zu nehmen, wird ihr heimlich Fleisch untergeschoben und behauptet, sie wolle doch nur dem Opa imponieren.

  6. Dat Kind braucht Fleisch – frei nach dem bekennenden
    Vegetarier Hagen Rether. Sonst fällt sie u.U. nicht nur wegen
    fehlender Anpassung, sondern auch wegen fehlendem
    Übergewicht aus dem Rahmen des nicht nur optisch Gewohnten.
    Vegetarismus ist ja so lebensfeindlich: deswegen sind die
    Inder ja fast ausgestorben …

  7. Pingback: Der moderne Erwachsene. | Red Skies over Paradise

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