Auf der Suche nach Mr. Perfect

– Über Anspruchsdenken. Dekadenzerscheinungen. Erwartungshaltung. –

perfect_titelMittlerweile bin ich schon fast drei Jahre Single. Aber an mir kann es nicht liegen. Ich sehe gut aus, bin schlank, charmant, verdiene gut in meinem Job und ich werde auch öfter mal von Männern angesprochen. Nur das sind alles Idioten! Protzig. Aufdringlich. Unterbelichtet. Dumm. Und unerotisch. Manche sind zwar zuvorkommend, sympathisch, zahlungsfähig, durchtrainiert, liebevoll, aufmerksam, tierlieb, kreativ, tolerant, hingebungsvoll, ehrgeizig, mutig, vertrauensvoll, leidenschaftlich, kinderlieb, intelligent, respektvoll, stark oder gentlemanlike – aber keiner davon kann alles vorweisen! Und ich bin ja nicht so blöd und verkaufe mich unter Wert! Ich habe es verdient, einen Mann zu finden, der mir all das zusammen bieten kann! Weiterlesen

Sprache der Liebe (Update)

sprach_liebe_titelNach rund sieben Jahren zum ZG-Artikel „Sprache der Liebe“ gibt es heute ein paar Ergänzungen (weitere Beispiele gerne in den Kommentaren!). Für mich ist es mittlerweile offensichtlich, wie sehr unsere zwischenmenschlichen Beziehungen sowie unsere Sprache von marktwirtschaftlichem Denken geprägt sind (Erich Fromm hat dies in der „Kunst des Liebens“ bereits vor über 50 Jahren prognostiziert). Angebot und Nachfrage, Besitz-, Konsum-, Haben- und Profitdenken, Wettbewerb, Konkurrenz, Egoismus und Eigennutz bestimmen unsere tatsächlichen Vorstellungen von der Liebe. Auch wenn sie in der Unterhaltungsindustrie häufig romantisch-esoterisch verklärt wird.

  • „Du bist mir echt zu billig!“
  • „Das Vertrauen hat sich ausgezahlt, wird sich sicher auszahlen.“
  • „Eine Bilanz von der Beziehung ziehen. Die Beziehungsbilanz.“
  • „Davon profitieren wir beide!“
  • „Diese Beziehung hat sich nicht mehr gelohnt.“
  • „Das hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.“
  • „Deine Aussage nehme ich für bare Münze.“
  • „Das kommt mir teuer zu stehen.“
  • „Ich will ihn/sie haben.“
  • „Die Zeit mit ihm/ihr war unbezahlbar!“
  • „Aussehen und Sozial Status bestimmen meinen Marktwert.“
  • Kaufst Du ihm das ab?“
  • „Es war eine kostbare Zeit. Und hat mein Leben bereichert. Es war ein Gewinn für mich.“

Kulturimperialismus

Plakat des katholischen Hilfswerkes "Misereor". Marktwirtschaftliche Methoden als vermeintliche Lösungen, um den Welthunger zu bekämpfen. Auch eine Form von kulturimperialistischer Propaganda. Schließlich kann der Welthunger durch Reichtums-Umverteilung sehr viel effektiver verhindert werden.

Plakat des katholischen Hilfswerkes „Misereor“. Marktwirtschaftliche Methoden als vermeintliche Lösungen, um den Welthunger zu bekämpfen. Auch eine Form von kulturimperialistischer Propaganda. Schließlich kann der Welthunger durch Reichtums-Umverteilung sehr viel effektiver verhindert werden.

In linkspolitischen Kreisen werden häufig NATO-Angriffskriege, prekäre Beschäftigungsverhältnisse sowie die politischen Massenverarmungsprogramme kritisiert. Auch die entsprechenden Hintergründe und Zusammenhänge werden analysiert. Ein Aspekt kommt mir jedoch häufig zu kurz: die Macht und der Einfluss von Büchern, Filmen und der Unterhaltungsindustrie auf unser Denken, Fühlen und Beurteilen. Denn unsere Wertvorstellungen werden nicht nur von unserem Elternhaus und der Schule geprägt, sondern auch wesentlich davon, was wir medial im Laufe der Jahre konsumieren. Gleichzeitig sind viele Unterhaltungsprodukte ein Spiegel gesellschaftlich gelebter, aber nicht zwingend gesetzlich verankerter Konventionen. Weiterlesen

Verschwende Dein Leben!

verschwendung_titel

Mach was Dir gefällt! Das, worauf Du Lust hast, was Dir Spaß, Erfüllung und Freude bringt! Denke nicht daran, ob es nützlich ist, Dir etwas bringt oder Du einen Vorteil davon hast. Ob man das Wissen oder Können irgendwie monetär verwerten kann. Wer gerne und viel schreibt, sollte nicht immer gleich ein Buch schreiben sollen müssen. Wer gerne eine bestimmte Sportart betreibt, sollte nicht immer gleich Profisportler werden wollen. Wer gerne künstlerisch tätig ist, sollte dies primär aus Freude an der Sache machen und nicht, um damit Geld, Anerkennung, Aufmerksamkeit und/oder Ruhm verdienen zu wollen. Denn immer wenn der Zwang zur Verwertung die Ideen und Gedanken sowie das Wissen und Können infiziert, ist es meist vorbei mit der Freiheit, authentisch und selbstbestimmt leben zu können. Weiterlesen

Weibliche Trennungslegenden

trennung_titelAuch wenn das wieder ein typisches Mann-Frau-Spaltungsthema sein mag, so muss ich mich heute über die immer wieder auftauchenden Trennungsfloskeln auslassen. Ähnlich wie bei den Beziehungsmythen, gibt es auch beim „Schluss machen“ typische, weibliche Rechtfertigungs-Narrative. Nicht weil ich persönlich betroffen oder frustriert wäre (Ja, dieser Vorwurf kommt immer gleich als Erstes! Nein, ich bin in einer glücklichen Beziehung!), sondern weil ich seit einiger Zeit in meiner näheren Umgebung -und letztlich seit über 20 Jahren- viele Fälle erlebt habe, die aus Frauenperspektive rhetorisch stets gleich ablaufen. Der eher subtil ausgesprochene Grundsatz lautet (wen könnte es verwundern): „Der Kerl ist stets und immer an allem schuld! Frau selbst sei nur das Opfer gewesen!“ Weiterlesen

Gender. Sex. Bullshit.

sexgender_titelFrüher war die individuelle Sexualität Privatsache. Teil des Charakters und der persönlichen Selbstbestimmung. Etwas, dass man nur selten offensiv in die Öffentlichkeit getragen hatte. Keine Marke, Image oder ein Franchise. Und damit will ich explizit nicht sagen, dass ich konservative Vorstellungen oder ein neues Biedermeier befürworte, sondern, dass der inszenierte Marketing-Missionseifer bei den Gender-Themen völlig ausgeufert ist. Mit geschlossenen Weltbildern sollen Dogmen, Ismen und vorgefertigte Meinungen in die Köpfe eingehämmert werden. Unternehmen fahren Marketingkampagnen und die Massenmedien freuen sich über die erhöhte Aufmerksamkeit. Dabei nervt das alles nur noch. Einige Beispiele. Weiterlesen

Die perfekte Fassade

fassade_titelDer Schein trügt. Millionenfach. Da bleiben Paare zusammen, obwohl die Liebe längst erloschen ist. Wegen der Gewohnheit. Den Kindern. Der finanziellen Abhängigkeit. Oder einfach, weil die Leute sonst reden würden. Das neue Biedermeier, oft getarnt als Hipster, Linksgrüner oder Progressiver, ist wieder konservativ und spießig bis ins Mark. Karriere und Familienglück seien alles was zählt. Familie und Kinder sind nur weitere Status Symbole, wie eine gesellschaftlich wertgeschätzte Lohnarbeit. Sie sind Besitz und Eigentum. Sie steigern das soziale Kapital. Aber eben nicht zwingend das persönliche Glück.

Wie es hinter der öffentlichen Inszenierung einer lupenreinen Beziehungs- und Familienharmonie aussieht, ist eine ganz andere, eine authentische und ehrliche Frage. Die stellt heute aber keiner mehr. Wie generell kaum noch Fragen, dafür aber viel zu viele Antworten geliefert werden. Heuchelei, Zwangsharmonie und Bigotterie sind die neuen Stützpfeiler zwischenmenschlicher Interaktionen. Authentisch ist heute, wer so ist, wie andere es erwarten.

Vereinsamung als Herrschaftsprinzip

vereinsamung_titelDer Anteil der Singlehaushalte in Deutschland liegt bei 37,2 Prozent, damit leben 17,1 Prozent der Bevölkerung allein. Von diesen 13,4 Millionen Personen sind nur 17,6 Prozent jünger als 30 Jahre. 42 Prozent von ihnen leben in Großstädten mit mindestens 100 000 Einwohnern (Statistisches Bundesamt). Tendenz steigend. Wie üblich wird in unserer kapitalistisch-medial-verdummten Gesellschaft kein Diskurs über die Ursachen geführt oder warum wir diese starke Vereinsamungsquote haben. Stattdessen gibt es, wie üblich, jede Menge Profithaie, die an diesem Problem verdienen und nach marktkonformen Lösungen suchen wollen. Dabei ist diese Entwicklung weder Zufall, noch Schicksal oder ein unabwendbarer Trend. Sie ist das Ergebnis vom Zusammenspiel geplanter und gezielter Faktoren auf der Makro- und Mikroebene. Weiterlesen

Gleichgültigkeit ist Liebe

Rund drei Millionen Views hat das BVG-Lied „Is mir egal!“ von Kazim Akboga auf youtube.com bisher generiert. Die Berliner Nahverkehrsbetriebe wollen im Rahmen ihrer „weil wir Dich lieben – Kampagne“ das Image der BVG verbessern.

Vergessen wurden leider folgende Zeilen:

Schwarzfahrer eingeknastet – Is mir egal!
Sparen, kürzen, entlassen – Is mir egal!
Überhöhte Fahrpreise – Is mir egal!
Assi-Kontrolleure – Is mir egal!
Überfüllte Busse – Is mir egal!
Miese Löhne – Is mir egal!