Für Lohn arbeiten

Immer und immer und immer und immer wieder das Gleiche und das Dasselbe jeden Tag machen. Das soll Selbstentfaltung, Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung sein? Ernsthaft?

Da gibt es Herren und Knechte; denn da muss Geld verdient werden, da muss die Hazienda ertragreich gemacht werden, damit sie mit tausend Prozent Gewinn verkauft werden kann.“
(B. Traven. „Die weiße Rose“. Universitas Verlag. Berlin 1962. S. 12)


Selbstoptimierung
Selbstentfremdung
Lohnarbeitswahnsinn

»Hartz 4 ist toll!«

-Oder: »Spätrömische Dekadenz«-
-Oder: Fordern und Fordern‐
-Oder: »Danke, Gerhard Schröder, Frank‐Walter Steinmeier und Peter Hartz!«-

Für die Ewiggestrigen, Sozialstaatsromantiker und Gutmenschen hier mal eine Auflistung, warum ein modernes Deutschland ohne die Arbeitslosengeld 2‐Aktivierung nicht mehr denkbar ist: Weiterlesen

Neofeudale Psychopathen

»Beschäftigte mit bestimmten Persönlichkeitsstörungen sind in Führungspositionen überrepräsentiert und kassieren im Schnitt höhere Löhne. [...] Eine Reihe antisozialer Persönlichkeitsmerkmale erhöht demnach die Chance auf Beförderungen und hohes Einkommen.«

Böckler Impuls Ausgabe 192017

Anmerkung: Wie jetzt? ich dachte immer, dass die Korrelation stets heißt: wenig Geld gleich wenig Bildung und wenig Empathie (»sozial schwache Schichten«/»bildungsferne Schichten«)? Jetzt kommt raus, dass die sozialresistenten Schichten, die Reichen, die Karrieristen und Chefs, die eigentlichen Psychopathen sind. Für viele ist das sicher keine brandneue Erkenntnis. Aber schön, dass sich auch mal Ökonomen und Forscher damit beschäftigt haben. :d


» „Aber mein Chef braucht mich!“
» Immer schön die Klappe halten!
» »Ach, wie überraschend: Reiche Menschen sind sozial schwächer«

Der tägliche Lohnarbeitswahnsinn (Teil 9)

lohnarbeit_titel1

 [Im Personalbüro]

Herr Schabanowski: »Mach doch erstmal drei Probetage, dann sehen wir weiter!«

Bewerber: »Den ersten Tag arbeite ich gerne unentgeltlich, aber für die anderen zwei Tage müssten wir jetzt eine ortsübliche Vergütung ausmachen!«

Herr Schabanowski: »Aber ich weiß doch gar nicht, ob Du das alles kannst, was Du in Deinen Unterlagen so alles reingeschrieben hast?«

Bewerber: »Das sehen Sie doch dann am ersten Tag!«
Weiterlesen

»Hauptsache Arbeit!«

arbeit1_titel

Mutter: »Endlich hast Du Arbeit gefunden!«

Sohn: »Möchtest Du nicht wissen, was und wo ich jetzt arbeite?«

Mutter: »Och, eigentlich ist mir das fast egal! Nach so langer Zeit bin ich nur froh, dass Du jetzt eine Arbeit hast! Denn das bedeutet, dass Du jetzt Dein eigenes Geld verdienst und finanziell unabhängig bist. Von daher: Glückwunsch!«

Sohn: »Nach dieser Logik könnte ich ja auch Waffen für Kindersoldaten produzieren, Drogen verkaufen oder für die Mafia arbeiten?«

Mutter: »Aber die Mafia tötet Menschen!«

Sohn: »Und Du glaubst, Banken und Konzerne töten keine Menschen?«


» „Wer wirklich arbeiten will, der findet auch eine Arbeit!“
» Der tägliche Lohnarbeitswahnsinn
» Über den gemeinen Erwerbslosen

Presseblick (68)

zeit.de vom 5. Dezember 2017

zeit.de vom 5. Dezember 2017

Marx, Orwell und Huxley sollten verboten oder besser: als irrelevant gelehrt werden. Humanistische Werte wie Empathie, Solidarität und Nächstenliebe sollten durch Wettbewerbs‐ und Konkurrenzdenken sowie durch einen gesunden Egoismus in der Pädagogik ersetzt werden. Wir brauchen weniger Menschen, die womöglich noch eigenständig denken (Hilfe!), dafür aber umso mehr funktionierende Lohnarbeits‐Roboter, die genau das tun und genau das denken, was das Kapital will. :BULLE:   Weiterlesen

Traumjob: Selbstverwertung

arden_uni02

Gesehen am 13. Oktober 2017 in einem Berliner U‐Bahnhof

»Studiere jetzt für die realen Zukunftsanforderungen in Unternehmen!«

Vor rund sechs Jahren habe ich schon einmal den »Markttraumjob« thematisiert. Für Politik, Wirtschaft und Marketing scheint es weiterhin ein Naturgesetz zu sein, dass die Selbstverwirklichung des Einzelnen nicht nur zwingend in Lohnarbeit enden soll, sondern auch, dass jeder abhängig Beschäftigter stets immer genau dort seine Erfüllung finden muss, wo Unternehmen gerade dringend menschliche Waren aka »Humankapital« benötigen. Die eigentlichen Motive von Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung -also das Erforschen und Entdecken der eigenen Leidenschaften und Interessen‐ jenseits von monetärer Lohnarbeitsverwertung, werden schlicht pervertiert. Und niemanden fällt es auf, dass es eben keine Selbstverwirklichung, sondern eine Selbstentfremdung ist, wenn ich primär die Interessen von Anderen bediene, anstatt das zu machen, was mir Erfüllung und Zufriedenheit bringt. Und natürlich habe ich immer genau dort meine Kompetenzen, was der ominöse »Markt« gerade von mir verlangt. Schließlich sind wir unendlich formbare (»lebenslanges Lernen!«) Ressourcen im Dienste des Kapitals. :JAJA:

Der tägliche Lohnarbeitswahnsinn (Teil 8)

lohnarbeit8_titel

[Auf der Weihnachtsfeier]

Frau Sonntag: „Herr Schabanowski, ich hätte da ein paar Ideen, damit die Buchhaltung effizienter geführt werden könnte!“

Herr Schabanowski: „Aha. Lassen Sie mal hören!“

Herr Schmitt: (30 Minuten später) „Herr Schabanowski, ich wollte Ihnen nur Bescheid geben, dass ich die Präsentation schon fertig habe!“

Herr Schabanowski: „Sehr gut!“

Frau Lange: (30 Minuten später) „Herr Schabanowski, ich sollte Sie doch daran erinnern, dass Herr Zander noch einen Anruf heute Abend von Ihnen erwartet!“ Weiterlesen

Der pädagogische Happen (10)

_happen_Mutter: (gibt gerade ihre fünfjährige Tochter Dorothea in der Kita ab. Zur Erzieherin gewandt. Lächelt künstlich.) „Sie hustet ein bisschen, ist aber ansonsten ganz fit!“

Erzieherin: (begrüßt Mutter und Tochter) „Sie sieht aber schon ein wenig blass aus. Habt Ihr Fieber gemessen?“

Mutter: „Ja. Alles in Ordnung! Entschuldigt, ich muss dringend los. Zur Arbeit.“ (Verabschiedet sich schnell von Ihrer Tochter und geht dann los. Beim Mittagessen übergibt sich Dorothea. Die Erzieher dürfen zwar kein Fieber messen, bemerken aber, dass sie ganz warm und lustlos ist.)

Erzieherin: (zu Dorothea gewandt) „Du sag mal, wie ging es Dir denn gestern so?“

Dorothea: (schaut verlegen weg und sagt dann leise) „Mir war schlecht, aber ich musste versprechen, nichts zu sagen!“

Erzieherin: (ruft die Mutter an) „Sie müssen Ihre Tochter sofort abholen und zum Arzt bringen. Sie hat sich beim Mittagessen übergeben und hat höchstwahrscheinlich Fieber!“

Mutter: „Ich kann hier leider nicht weg. Ich muss arbeiten!“

Erzieherin: »Sie holen Ihr Kind bitte sofort ab! Wir sind eine Bildungseinrichtung und keine Krankenstation! Darüber hinaus können sich andere Kinder, Erzieher und Eltern anstecken!«