Meinungs‐ und Deutungshoheit

Denunziation, Diffamierung und Diskriminierung unliebsamer Personen und Inhalte hat in Deutschland schon lange Tradition. In der Corona‐Massenhysterie wird das wieder überdeutlich. Die Blockwartmentalität und die Gesinnungspolizei sind weit verbreitet (quer durch alle Lager). Unbequeme -und/oder alternative‐ Aussagen, Argumente und Analysen stellt man vorzugsweise als indiskutabel hin, indem man die Personen, als unglaubwürdige Zeitgenossen diskreditiert.

Dafür gibt es mittlerweile ein ganzes Arsenal an Kampfbegriffen. Was ursprünglich ein Herrschaftsinstrument von US‐Diensten war, ist heute allgemeiner Kanon von Massenmedien und Stammtisch. Habermas Lebenswerk und sein Glaube daran, dass der Austausch von rationalen Argumenten die Grundlage für herrschaftsfreie Räume seien, wird im Angesicht dieser ausufernden Herrschaftsmethode ad absurdum geführt. Denn dieser findet kaum noch statt. Stattdessen wird fast im Minutentakt gebrüllt: Weiterlesen

Social Justice Warrior (SJW)

Jetzt muss ich auch in dieses Wespennest stechen (so wie in dieses, dieses und dieses), denn ich kann den ständigen Versuch zur Zwangs(um-)erziehung nicht mehr ertragen! Überall begegnen mir inzwischen Aktivistinnen, Feministinnen und dogmatische Ideologinnen, welche die Sprache normieren, biedere politische Korrektheit installieren und den alten, weißen Hetero‐Mann generell als toxisches Wesen definieren wollen. Besonders perfide und absurd ist diese Ideologie vor allem auch deshalb, weil sie sich mit dem »Sexismus‐Vorwurf« gegen jegliche Kritik nach außen hin immunisiert, dabei aber selbst durch und durch sexistisch ist!

Wer beispielsweise die »Ghostbusters‐Neuauflage« von 2016 oder »Captain Marvel« aus dem Jahr 2019, bei der Frauen in den Hauptrollen sind, als schlechte Filme bezeichnet (flache Figuren, mieses Drehbuch, infantiler Humor etc.), ist ein Sexist und Rassist. Punkt. So sagen es beispielsweise die TAZ, die ZEIT und die EMMA. Die Repräsentation von vermeintlich unterrepräsentierten Bevölkerungsschichten in der Unterhaltungsindustrie, ist generell zu befürworten, aber indes noch lange keine Garantie für einen guten Film, ein gutes Videospiel oder eine gute Serie. Weiterlesen

Kritik ist Hass!

Das Wesen und der Begriff der »Kritik« befinden sich immer mehr auf dem Rückzug. Kritiker werden im digitalen Zeitalter schnell verunglimpft und so zu unglaubwürdigen Gesellen gemacht. Es wird nicht mehr argumentativ entgegnet, sondern die Kritiker werden zu Populisten, Unpersonen, Hatern, Verschwörungstheoretikern, Antisemiten, Sexisten oder Putinverstehern degradiert. So geschehen bei dem »Lügenpresse‐Vorwurf«, bei NATO‐Kritik, aber auch bei Schwarm‐Kritik von vermeintlichen Internet‐Nerds zu digitalen Unterhaltungsprodukten.

Wer als Mann beispielsweise die Dialoge sowie die schauspielerische Qualität des Ghostbusters‐Reboot argumentativ inhaltlich kritisiert, wird zum Sexisten. Der analytisch wirklich gut fundierten Schwarm‐Kritik zur 8. Staffel von Game of Thrones werden keine schlüssigen Gegenargumente der Drehbuch‐Autoren und Showrunner entgegen gesetzt, nein, man macht die Unzufriedenen zu »Wutfans«, Nörglen und Hatern, die Cyber‐Mobbing sowie Schmutzkampagnen betreiben würden. Vernunft, Argument, Rationalität und demokratischer Diskurs polarisieren nicht genug, bringen zu wenig Aufmerksamkeit sowie Klicks und somit kaum Werbeeinnahmen. Indessen sucht Habermas weiter die Quadratur des großen Kommunikations‐Kreises: »Wir müssen nur alle miteinander reden! Dann wird alles gut!« :JAJA:  


Kritik ist positives Denken
»Du bist viel zu negativ!«

Der Anschlag (60)

Wer die NATO öffentlich kritisiere oder positiv von Russland oder Putin spreche, müsse zukünftig mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen, so das Bundesjustizministerium. Die Gesetzesänderung solle ein weiteres effektives Werkzeug im Kampf gegen Putintrolle, Fake News, Populismus, Hassreden und Verschwörungstheorien sein. :JAJA:

In Zukunft sollen nur noch Filme über Transgender, Homosexualität, Sexismus und Gender finanziell gefödert werden. Das seien die wirklich wichtigen Themen in unserer Gesellschaft, so die Staatsministerin für Kultur und Medien. »Soziale Ungleichheit, Wirtschaftskriminalität oder Neoliberalismus hätten keine aktuelle zivilgesellschaftliche Relevanz!«

In Deutschland öffnen die ersten Sexual‐Kanzleien. Diese ermöglichen rechtssichere und beglaubigte Verträge zwischen Menschen, die Sex haben wollen. Nur so könne man Sicherheit haben, dass man hinterher nicht wegen Vergewaltigung verklagt werden könne.


»Der Anschlag«

Der Anschlag (59)

Die acht reichsten Menschen der Welt besitzen so viel wie 3,6 Milliarden Menschen. Das Problem sei hierbei nicht die krass ungerechte Verteilung von Eigentum, Besitz und Vermögen, sondern, dass unter den acht reichsten Menschen nicht eine Frau sei! So betonen es zahlreiche Feministinnen in der Wahrheitspresse.

Hätten Selbstmord‐Attentäter eine starke Frau hinter sich, die ihnen den Social‐Justice‐Warrior‐Pfad zeigen würden, so hätten sie keinerlei Grund sich selbst und andere in den Tod zu reißen.

Wären weltweit Frauen an der Macht, gebe es weniger Kriege, Armut, Plastikmeere und soziale Ungerechtigkeit, so das Narrativ. Wie friedvoll, ehrlich und selbstlos Frauen seien können, sollte jeder Vater, der Unterhalt zahlen, aber seine Kinder nicht sehen darf, bereits erfahren haben.


»Der Anschlag«

»Temptation Island«

Was einmal Geist hieß, wird von Illustration abgelöst.“
Theodor W. Adorno. »Minima Moralia«. Suhrkamp Verlag. 8. Auflage 2012. S. 160

Trash. Trash. Trash. Trotzdem reden und schreiben alle darüber. RTL lässt mal wieder selbstverliebte Schauspieler‐Models aufeinander los. Es gibt bei »Temptation Island« viel nackte Haut zu bewundern. Gesehen hat es natürlich Niemand. Aber sich künstlich darüber empören (und nebenbei den Klick abholen), das können sie. Die Journalistinnen der LeiDmedien. Weiterlesen

Presseblick (80)

Hauptsache: Aufmerksamkeit!

Auf horizont.net entdeckt Cosmin‐Gabriel Ene den Leser: »Leserumsätze sind nicht nur ein modisches Extra zu Werbegeldern für die Verlagsbranche, sie sind eine Notwendigkeit — und das erkennen die Medienmacher zunehmend. Nun müssen sie mit den unbequemen Feinheiten dieser Erkenntnis zurechtkommen, den Kniefall vorm viel zu lange ignorierten Nutzer machen.« Frei nach dem Motto: gebt uns euer Geld, aber die Meinungs‐ und Deutungshoheit behalten wir! Oder werden tatsächlich die zahlreichen, geschlossenen Kommentar‐Sektionen der großen Medienportale wieder eröffnet? :PFEIF:

Der Fake‐News‐Skandal um Claas Relotius ist und bleibt natürlich ein absoluter Einzelfall: »Acht weitere Redaktionen haben Belege für Manipulationen gefunden.« So etwas wird es nie nie wieder geben! Versprochen! »Recycelte Protagonisten, geänderte Namen, falsche Altersangaben« — also das kann in der Hektik des WDR‐Alltags schon mal passieren! :JAJA: Weiterlesen

Trigger‐Themen

Mit dem Einkaufswagen die Welt retten!

Der neoliberale Habitus (Ich‐Zentrierung, Eigenverantwortung, Wettbewerb etc.) hat es nicht nur geschafft, die wirklich existenziellen Themen im öffentlichen (und privaten) Diskurs zum Verschwinden zu bringen, sondern hat auch zahlreiche Nebelkerzen gezündet und Nebenkriegsschauplätze aufgemacht. Dort darf sich jeder -wie auf einem Spielplatz der Möglichkeiten‐ beliebig austoben und auskotzen. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe an Trigger‐Themen, bei denen man nur eine Aussage oder These in den Raum werfen muss, um den Bolzplatz zu eröffnen: Trump, Sexismus, Ossi‐Wessi, AfD, Veganismus, Feminismus, Flüchtlinge, Putin, (Trans-)Gender, Nachhaltigkeit und so weiter.

Da rede ich beispielsweise (im beruflichen oder auch privaten Kontext) von der Makroebene und viele kommen aus ihrer Mikroebene nicht heraus. Nur die eigene kleine Ich‐, Familien‐ und Lohnarbeits‐Blase wird als Bewertungs‐ und Analysemuster heran gezogen: »Also bei mir ist das so...«, Ich kenne da einen Fall, wo es so und so ist« Mit immer mehr Menschen ist es schlicht unmöglich, über Strukturen, Gesetze, Rahmenbedingungen und Sachzwänge zu reden. »Eigenverantwortung« beherrscht die Köpfe. »Was kann ich gegen den Klimawandel und gegen Plastikmüll tun?« Dabei sind und bleiben die Industrie und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen das eigentliche Problem. Den überwiegenden Anteil der Treibhausgas‐Emissionen, des weltweiten Mülls sowie der Umweltgifte (»Diesel‐Skandal«) produziert immer noch die Industrie! Darüber will man aber nicht reden.


Neusprech: Bedauerlicher Einzelfall
Hauptsache Ich!

Nebenkriegsschauplätze

Liegt ein Punkt auf einer Geraden?

Die mediale Etablierung und Fokussierung auf gesellschaftspolitische Nebenkriegsschauplätze steht absolut im Zeitgeist. Hauptsache, es werden keine Eigentumsverhältnisse, keine geostrategischen Machtinteressen oder die neoliberale Wirtschaftsordnung thematisiert. Darüber spricht man nicht gern und wer das in irgendeiner Form öffentlich -und vor allem kritisch beleuchtet‐ ist wahlweise Populist, Verschwörungstheoretiker oder gar ein (verkappter) Antisemit. Fast jeder infantil‐banal‐idiotische Medienzirkus um jeden noch so nichtigen Schwachsinn, ist zur Ablenkung erlaubt und erwünscht. Nebenbei bringen vermeintliche Skandale, ganz im SEO‐Sinne, die so dringend benötigte Reichweite und Aufmerksamkeit, nach der die bürgerlichen Massenmedien so lechzen. Weiterlesen

»Die Stillen gehen unter...«

Seit wann ist eine öffentliche Anschuldigung ein Beweis?

...die Lauten brüllen sich in den Mittelpunkt«. So war es schon immer! Ja. Nichts Neues. Schon klar. Und dennoch: im Social‐Media‐Zeitalter bekommt diese Redewendung eine ganz neue Dimension. Kritiken, Reviews, Forenbeiträge, Twitter‐Geschrei und Kommentare werden bei Medienanalyse‐Zwecken als quantitative Messeinheiten herangezogen, um Statistiken und vermeintlich repräsentative Grafiken zu erzeugen. Nur: die stillen Leser oder diejenigen, die ihre Meinung nicht äußern, werden gar nicht mehr mit einberechnet. Es gibt keine Quote für Lesebeteiligung (wie die Wahlbeteiligung), Umfragen für die stillen Leser (»Warum kommentieren Sie nicht?«) oder Ähnliches. In den quantitativen und qualitativen Medienanalysen existieren sie schlicht nicht.

Insofern scheinen provozieren und polarisieren für viele Webseiten‐Betreiber eine geeignete Methode zu sein,  um Aufmerksamkeit, Kommentare und Klickzahlen zu generieren (»Clickbait!«). Auch hier lautet das Motto: »Inhalte überwinden!« Argumente im Twitter‐Format. Überschriften, die Versprechen machen, die sie nicht einlösen. Zwei‐, Drei‐ und Vierdeutige Botschaften. Personalisierungen statt Sachdiskussionen. Konflikte generieren. Gezielten Bullshit in den Äther rotzen. Und vor allem: immer und überall laut brüllen!

Was sagt eigentlich Habermas dazu, der Zeit seines Lebens immer an die Macht der »Kommunikation« geglaubt hat?


Shitstorm
Die SEO‐Filter‐Bubble
Aufmerksamkeit als Währung