Gender. Sex. Bullshit.

sexgender_titelFrüher war die individuelle Sexualität Privatsache. Teil des Charakters und der persönlichen Selbstbestimmung. Etwas, dass man nur selten offensiv in die Öffentlichkeit getragen hatte. Keine Marke, Image oder ein Franchise. Und damit will ich explizit nicht sagen, dass ich konservative Vorstellungen oder ein neues Biedermeier befürworte, sondern, dass der inszenierte Marketing‐Missionseifer bei den Gender‐Themen völlig ausgeufert ist. Mit geschlossenen Weltbildern sollen Dogmen, Ismen und vorgefertigte Meinungen in die Köpfe eingehämmert werden. Unternehmen fahren Marketingkampagnen und die Massenmedien freuen sich über die erhöhte Aufmerksamkeit. Dabei nervt das alles nur noch. Einige Beispiele.

Er
Der Ex‐Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit ist schwul und hatte sich 2001 öffentlich geoutet mit dem legendären Satz: »Ich bin schwul und das ist auch gut so!« 13 Jahre lang war er Berlins Bürgermeister. Selbst Wikipedia schreibt primär über die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit und wie er in den Meinungsumfragen bewertet wurde. Image ist alles. Inhalte sind nichts. Kaum jemand weiß noch, dass er, zusammen mit dem Menschenfreund Thilo Sarrazin, gnadenlose Spar‐ und Kürzungspakete in der öffentlichen Verwaltung sowie im sozialen Bereich durchgesetzt hatte. Er war ja auch irgendwie cool, weil mutig, schwul und Party‐Politiker.

Im Videospiel »Dragon Age Inquisition« gibt es schwule Charaktere. »Ja, und?«, mögen manche jetzt denken, »was ist daran jetzt so besonderes?« Eigentlich nichts. Aber der Publisher Electronic Arts (EA) hat im Herbst 2014 daraus eine wochenlange Medien‐ und Marketingkampagne gemacht, über die selbst Spiegel Online (Unique User im März 2016: rund 17 Millionen) berichtet hatte. Jede Kritik daran wurde mit dem Vorwurf der Homophobie abgeschmettert. Und auch hier gilt wie in der Politik: nicht die Inhalte entscheiden, sondern das Image und der öffentliche Wirbel, der darum inszeniert wird.

ign.com vom 8. Juli 2016

ign.com vom 8. Juli 2016

Sie
Welche Folgen die vermeintliche Sexismus‐Fahndung haben kann, hat Kollege Flatter in seinem Beitrag sehr gut auf den Punkt gebracht. Im Sinne der Verschärfung des Sexualstrafrechtes werden zukünftig die Gerichte mit einer Flut von Falschbeschuldigungen bombardiert werden. Aber das kümmert weder Alice Schwarzer, die ihre Männerverachtung in der BILD (!) mittlerweile öffentlich auslebt, noch andere radikale Feministinnen, Social Justice Warrior (SJW) oder Frauen, die Männer für alles Übel in der Welt verantwortlich machen wollen. Seit der #Aufschrei‐Debatte gibt es in regelmäßigen Abständen kleine und große Feminismus‐Skandälchen in der Öffentlichkeit. Diskurse, welche die Gräben zwischen den Geschlechtern ständig tiefer setzen, statt Brücken zu bauen.

Die Massenmedien freuen sich indessen darüber, dass sie soviel Aufmerksamkeit und Kommentare erhalten, weil sich jeder bemüßigt fühlt, zu diesem Thema etwas sagen zu können. Schließlich haben wir alle ein Geschlecht und sind irgendwie Zielgruppe. Und wenn sich etwas nicht gut verkauft, wie beispielsweise die neuen Merchandising‐Produkte und der Trailer des neuen Ghostbusters‐Reboot‐Films, dann liegt das natürlich vor allem daran, dass hier Frauen in den Hauptrollen sind und die Zuschauer primär Sexisten sowie Frauenfeinde sind. Die platten Sprüche oder die mangelnden Schauspieler‐Leistungen spielen natürlich keine Rolle. Gleichzeitig gibt es totalitäres Gender‐Sprech an den Universitäten (Punktabzug bei Nicht‐Anwendung!), politisch korrekte Ansprech‐Formeln sowie eine Anita Sarkeesian, die ständig betonen muss, dass Frauen so stereotypisch in der Popkultur dargestellt werden, was für Männer natürlich überhaupt nicht gilt:

feminist-double-standard

Es
Ganze 0,26 Prozent in der Bevölkerung sind Transgender. Menschen, die sich mit ihrem biologischen Geschlecht nicht identifizieren können. Sicher, auch Minderheiten haben das Recht, gehört zu werden. Man kann es aber auch übertreiben. So gab es Anfang April 2016 einen Shitstorm zum PC‐Spiel »Siege of Dragonspear«, weil die Macher mit der Holzhammer‐Methode einen Tansgender‐Charakter in das Spiel eingebaut haben und die Ideologie den Spielern einimpfen wollten. Beiträge, die das im Entwickler‐Forum und/oder auf Steam kritisierten, wurden gelöscht.  Amber Scott, Autorin und Entwicklerin des Spieles, betonte in einem offiziellen Statement: »Ich bin stolz darauf, ein Social Justice Warrior zu sein.« Danke auch.

Anfang 2016 kam The Danish Girl in die deutschen Kinos. Die autobiografische Geschichte über die dänische Transgender‐Malerin Gerda Wegener, war ambitioniert, aber irgendwie auch zuviel des Guten. Hauptdarsteller Eddie Redmayne kam aus dem Dauergrinsen nicht mehr heraus. Es sind keine zwei Minuten vergangen, in denen er/sie/es nicht lächelt, grinst oder heult. Was soll mir das jetzt über die Transgender‐Problematik genau sagen?

Wir
Wo ist eigentlich das Wir geblieben? Das Gemeinsame? Die Zusammengehörigkeit? Das Knistern und die Spannung, wenn Menschen sich kennenlernen? Es wird nur über Differenzen und Unterschiede gesprochen, aber kaum über Gemeinsamkeiten. Darüber hinaus soll es jeder machen, wann, wo, wie und mit wem er/sie/es will. Von vorne, hinten, oben oder auch aus der vierten Dimension. Ist mir völlig wumpe. Aber so wie ich nicht jeden ungefragt meine Neigungen, Interessen und Vorlieben ins Gesicht klatsche, so möchte ich auch nicht ständig damit konfrontiert werden, was andere sexuell und/oder geschlechtspolitisch wollen, erwarten oder sich wünschen. Ich will und muss es nicht immer wissen. Wirklich nicht.

Außerdem werde ich das Gefühl nicht los, dass diese ständigen Kleinkriege, Meinungskämpfe und Diskursgefechte, um (Trans-)Gender, vermeintlichen Sexismus und Geschlechterfragen, pure Ablenkungsstrategien sind. Die gerechte Verteilung von Vermögen und Reichtum sowie die Schaffung von sozialer Gerechtigkeit, sind heute keine öffentlichen Themen mehr. Dabei sind sie das Fundament für stabile Gesellschaften, für Glück, Frieden, Sicherheit und Freiheit.

8 Gedanken zu “Gender. Sex. Bullshit.

  1. Ich komme in der letzten Zeit immer mehr dazu, es offen auszusprechen: Die Regenbogenfahne ist heutzutage nur noch eine Marke. Was mit ihr verbunden ist, ist eine Agenda; das hat nichts mit Schwulsein oder mit in seinem Wunschgeschlecht zu leben zu tun.
    In etwa so wie die kommerzielle Raumfahrt etwas damit zu tun hat, auf den Mars zu kommen: Sieht gleich aus, ist dasselbe Themengebiet, das war’s dann aber auch. Das eine will kommerziell ausschlachten, das andere hat Ambitionen.
    In der Hinsicht kann man sogar die russische Gesetzgebung ein Stück weit nachvollziehen, dass sie dieses permante Gerede darüber und über Sex aus der Öffentlichkeit weghaben wollen. Weil damit über 90%% der Bevölkerung täglich beschallt werden, die es nicht betrifft und auch nicht anspricht. Einen Kopf machen sich darum aber alle, wenn sie dauerhaft so berieselt werden.
    Die ganze Sache ist mittlerweile eine Schande für alle diejenigen, die aufgrund ihrer Neigung oder ihres Selbstverständnisses Gewalt erfahren haben, umgebracht wurden oder sich das Leben genommen haben.
    Nebenbei, dass man zu diesem sozialen Aktivismus auch mal eines sagen muss: Die stürzen sich auch wieder mal bloß darauf, zu werben. NGO‐Arbeit zu betreiben. Soft power walten lassen wie der NED oder die INSM. Da muss man wieder einmal keine Erfolge vorweisen können und kann sich immer herausreden, dass die Bevölkerung intellorant ist. Man braucht auch echte Intelligenz dazu. Denn mit echter Intelligenz würde einem auffallen, dass beispielsweise in diesem Land sich eine Mehrheit (!) im Bundestag immer noch dagegen sträubt, eine eingetragene gleichgeschlechtliche Partnerschaft »Ehe« zu nennen, obwohl in allen kleinen Instanzen ihnen mittlerweile die gleichen gesetzlichen Versorgungsvorteile zugesprochen wurden wie herkömmlichen Ehen aus Mann und Frau — und es würde einem vielleicht auch mal in den Sinn kommen, den Abgeordneten in die Hacken zu treten, dass sie mal am Transsexuellengesetz was machen sollten, dass seit den 80ern (!) keiner mehr großartig angefasst hat, nach dem aber heute immer noch Transitionen gesetzlich ablaufen müssen (!), weil der Gesetzgeber es damals nicht anders verfasst hat. Zwischen den 80ern und heute liegen mittlerweile 30 Jahre Zeitunterschied, da kann sich an den Lebensrealitäten auch mal was ändern, sodass Gesetze auch mal angepasst werden müssen.
    Aber nein — in Kunst, Musik, Medien und sozialen Netzwerken wieder für einen Wind im Glas sorgen, das ist ja einfacher und man bekommt mehr Aufmerksamkeit. Egal, wem man auf die Füße tritt. Und man kann sich am Ende als Sieger hinstellen, diese passiv‐aggressive Scheiße.

  2. sehr guter artikel. durch sowas werden echte maßnahmen zur gleichstellung verdrängt.
    ich las mal bei https://schwulemiker.wordpress.com/
    , dass die offensive zurschaustellung homosexuellen lebens auch daher rührt, dass das hetero‐dasein quasi als normalität selbstverständlich von jedem proklamiert wird, auch wenns denjenigen garnicht darum geht. bestes bsp.: »verheiratet« gibts im personalausweis immer noch nur bei heteros. somit ist man bei bewerbungsgesprächen als homo direkt auffällig.

    und die nummer mit he‐man vs. barbie trifft es extrem gut. als würden in filmen/serien/werbung... nicht auch nahezu alle männer nach attraktivität gecastet.
    dieser hype um sex, gender, gender‐pay‐gap, gleichstellungsbeauftragte, feminismus, rape culture (!), sexualstrafrecht usw. hat mittlerweile ausmaße angenommen, die es einem weißen hetero mann unmöglich machen, sich nicht damit zu befassen.

  3. »Außerdem werde ich das Gefühl nicht los, dass diese ständigen Kleinkriege, Meinungskämpfe und Diskursgefechte, um (Trans-)Gender, vermeintlichen Sexismus und Geschlechterfragen, pure Ablenkungsstrategien sind.«

    Mehr noch als Ablenkung ist es vielmehr Vollendung. ›There is no such thing as society‹ — die Atomisierung der Gesellschaft, die schon lange nichts mehr mit Individualismus zu tun hat, das Auseinanderdividieren, die Absetzung und Abgrenzung — das alles ist die logische Fortsetzung und eben Vollendung des neoliberalen Projekts. Dass das auch noch vorwiegend von Leuten betrieben wird, die sich immer noch als ›irgendwie links‹ verstehen, ja dass ›Links‹ sich mittlerweile schon mehr darüber definiert als über den ›klassischen‹ Blick auf Eigentums‐ und Herrschaftsverhältnisse, ist dabei besonders fatal. Falls das eine Strategie war, ist sie geradezu wunderbar aufgegangen. Voll eingespannt, und merken es nicht mal...

  4. @ Peinhart
    Manchmal soll es einen nicht lumpen, ob es zwischen diesen ganzen sich selbst als »links« bezeichnenden Gruppen, die aber mehr Kindergarten spielen als links sind, ob es dort nicht genauso bezahlte Maulhuren wie zwischen allen anderen politischen Strömungen gibt.
    Denn — auffällig ist es, dass von Übersee bis überall in die westliche Welt sich um die gleichen Themen und dann auch noch in der gleichen (!) verhärteten Art und Weise gestritten wird.
    Es würde einen auch nicht wundern, wenn die Amerikaner es nach der McCarthy‐Ära als die bessere Strategie verstanden haben, den Kommunismus zu bekämpfen, indem, dass man die linke politische Strömung ideologisch weichspült, dass sie sich nur noch um ganz andere Themen als die geltenden Besitzverhältnisse kümmert. — Denn, mal offen gesprochen, bekloppt werden alle Menschen nicht auf einmal. (Es sei denn, wenn man ihnen was in den Tee tut.)

  5. Aus der vorgeblichen Gleichstellung ist längst eine Gleicherstellung geworden , die vielleicht sogar selber das neue Biedermeier ist .
    Guter Artikel.

    @Peinhart

    Treffende Zustandsbeschreibung der Linken.

  6. Der letzte Absatz von Epikurs Beitrag trifft und bringt es auf den zusammenfassenden Punkt, wenn man nach dem Sinn, dieser von Politikern und Medien inszenierten Kampagnen fragt.

    Dazu noch die Gedanken von Peinhart, die ich ebenfalls als mehr als zutreffend werten darf. Nicht zuletzt der Kommentar von Art Vanderley und dazu seine »Zustandsbeschreibung der Linken«.

    Dieser gesamte Hype kann nur als Ablenkung von den realen Missständen und als ein gesellschaftlicher Spaltungsversuch im Sinne von »There is no such thing....« gewertet werden.

    Seit zig Jahrzehnten werden die Themen um Sexualität, Selbstbestimmung, Schwul, lesbisch, transgender, Feminismus (ein Elitenprojekt m.M.n.) ausgeschlachtet und immer wieder neu entfacht.
    Solange es ein staatliches Willkürprogramm namens Hartz IV(ALG II) gibt und dieses Sozial‐KZ noch nicht einmal von »Linken« täglich angeprangert wird, sehe ich Genderthemen als Unfug an.

  7. Peinhart trifft es ziemlich auf den Punkt!

    Man schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe; eine weitere Variante des divide et impera. Sexualität spielte da schon immer eine große Rolle. Nun hat man halt die Möglichkeit, nicht mehr ganz langweilig nur Männlein gegen Weiblein auszuspielen, sondern kann durch unzählige sexuelle Untergruppierungen noch intensiver spalten.

    Zumal der »Westen« diese vermeintlich progressive, fortschrittliche (aber real eben nicht vorhandene) »Normalität« ja auch als propagandistische »Waffe« gegen unliebsame Feinde benutzt — oder allein nur darum, sich in der schleimigen Soße der vermeintlichen Überlegenheit zu suhlen; weil man »hier« ja jetzt so supi‐dupi tolerant ist (sieht man mal vom widersprüchlichen Sexismus‐Irrsinn ab). Thematisiert man z. B., dass der pöhse Putin nicht höchstpersönlich beim CSD teilnehmen will, erstrahlt eben der eigene Saustall wieder in einem helleren Licht; man lenkt die Leute von wesentlichen Problemen ab...!

  8. Völiig zutreffender Artikel. Es ist manchmal wirklich mühselig als Genderwahn‐Kritiker zu vermitteln, dass man genauso tolerant (wenn nicht noch toleranter) gegenüber sexuellen Orientierungen ist, aber das künstliche, konfrontative und eindimensionale Gehabe drumherum nicht erträgt. Wie du schon sagst — das ist seitens der Initiatoren solcher Kampagnen mehr Marketing als Haltung. Und diejenigen, die sich im Anschluss damit identifizieren, rennen mit dogmatischen Glaubenssätzen durch die Gegend, statt ernsthaft weltoffen und reflektiert zu sein.

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