Social Justice Warrior (SJW)

Jetzt muss ich auch in dieses Wespennest stechen (so wie in dieses, dieses und dieses), denn ich kann den ständigen Versuch zur Zwangs(um-)erziehung nicht mehr ertragen! Überall begegnen mir inzwischen Aktivistinnen, Feministinnen und dogmatische Ideologinnen, welche die Sprache normieren, biedere politische Korrektheit installieren und den alten, weißen Hetero‐Mann generell als toxisches Wesen definieren wollen. Besonders perfide und absurd ist diese Ideologie vor allem auch deshalb, weil sie sich mit dem »Sexismus‐Vorwurf« gegen jegliche Kritik nach außen hin immunisiert, dabei aber selbst durch und durch sexistisch ist!

Wer beispielsweise die »Ghostbusters‐Neuauflage« von 2016 oder »Captain Marvel« aus dem Jahr 2019, bei der Frauen in den Hauptrollen sind, als schlechte Filme bezeichnet (flache Figuren, mieses Drehbuch, infantiler Humor etc.), ist ein Sexist und Rassist. Punkt. So sagen es beispielsweise die TAZ, die ZEIT und die EMMA. Die Repräsentation von vermeintlich unterrepräsentierten Bevölkerungsschichten in der Unterhaltungsindustrie, ist generell zu befürworten, aber indes noch lange keine Garantie für einen guten Film, ein gutes Videospiel oder eine gute Serie.

Ganzheitliche Verklebung
Flatter von Feynsinn bringt es auf den Punkt, wenn er sagt, dass die Abwertung eines Menschen aufgrund der Hautfarbe (oder anderer Eigenschaften) Rassismus ist. Nichts anderes machen die vermeintlich linken Vorkämpfer der SJW‐Bewegung, in dem sie alte, weiße Hetero‐Männer als minderwertig und toxisch bezeichnen. Gleichzeitig werden Frauen, Schwarze und Nicht‐Heterosexuelle allein aufgrund ihres Geschlechtes, ihrer Hautfarbe und ihrer sexuellen Orientierung aufgewertet. Das ist nicht nur positive Diskriminierung, sondern ignoriert komplett die Analyse von Inhalten. Barack Obama war als Schwarzer in mehr US‐Kriegen beteiligt, als jeder US‐Präsident vor ihm. Bundeskanzlerin Angela Merkel dient als Frau primär neoliberalen Interessen von Industrie, Konzernen und Banken. Der homosexuelle FDP‐Politiker Guido Westerwelle hat die Armen und Entrechteten verachtet. An ihren Handlungen, Aussagen und Inhalten sollt ihr sie erkennen und nicht an ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechtes oder ihrer sexuellen Orientierung!

Die (un-)freiwillige Symbiose von Unterhaltungsindustrie, Feministinnen, Produzentinnen und Drehbuchschreiberinnen bringt immer wieder seltsame Blüten hervor. Die Unterhaltungsindustrie will vor allem mehr Zielgruppen ansprechen und abgreifen. Die SJW‐Bewegung kommt ihr da sehr gelegen. Im Jahr 2019 gab es unglaublich viele Filme, Videospiele und Serien, die Menschen erreichen sollen, die nicht weiß, alt, männlich und/oder heterosexuell sind. Das ist einerseits zu begrüßen! Wenn jedoch literarische Vorbilder (»Witcher« oder »Dracula«), historische Stoffe (»Peaky Blinders«) oder beliebte Marken (»Star Wars«) für feministische, Gender‐SJW‐Botschaften instrumentalisiert werden, um die Zuschauer (um-)erziehen zu wollen, geht mir das gehörig gegen den Strich! Hinzu kommt, dass die Drehubuchschreiberinnen, Produzentinnen und Regisseurinnen die Menschen regelmäßig für dumm verkaufen wollen, wenn sie auf ihre Ideologie angesprochen werden. In aller Regel sind dann die anderen einfach Sexisten, Antisemiten oder rechte, homophobe Faschisten.

Neoliberales Identitätsbewusstsein
Im Kern sind weder die SJW‐Bewegung, noch die Vegan‐Bewegung links. Sie haben sich vielmehr in der neoliberalen Komfortzone gemütlich eingerichtet und begrüßen autoritäre Verbotsregelungen. Sie befürworten das Prinzip der Eigenverantwortung (»Ernähre Dich vegan!«), das Motiv von »Jeder ist seines Glückes Schmied« und sie thematisieren in aller Regel Einzelfälle, statt vorherrschende Machtstrukturen. Und anstatt die Solidarität zwischen den Geschlechtern, Hautfarben und sexuellen Orientierungen durch eine gleiche, große, vielleicht ideal‐utopische Idee aufzubauen, werden ständig die Unterschiede betont und verschiedene Konfliktfronten aufgemacht und angeheizt. Konkurrenz. Wettbewerb. Neoliberalismus. Teile und Herrsche.

»...weil alle männlichen Figuren entweder Verbrecher und damit allzu eindeutige Antagonisten sind oder Zuträger und dienstbare Geister, die damit Traditionen umdrehen, nie aber als Ebenbürtige ernst zu nehmen sind.«

- Rüdiger Suchsland zum Kino‐Remake der TV‐Serie »Drei Engel für Charlie« auf heise.de vom 2. Januar 2020

Es ist nicht nur eine große Nebelkerze und Ablenkung davon, dass 8 Menschen böse Männer soviel besitzen, wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung und wie so etwas strukturell und machtpolitisch überhaupt möglich ist, sondern begräbt zugleich die Idee der sozialen Gerechtigkeit als gerechte Vermögensverteilung. Themen wie Armut, Ausbeutung, Selbstentfremdung, Neokolonialismus, Medienpropaganda, militärisch‐industrieller‐Komplex, Banken‐Wahnsinn, oder gar völkerrechtswidrige NATO‐Angriffskriege sieht man bei der politischen Korrektheits‐SJW‐Bewegung so gut wie gar nicht. Das kommt den vermögenden Eliten und Kriegstreibern dieser Welt sicher sehr entgegen.

Stattdessen fordern sie Zensur, Sprachverbote und/oder Sprachnormierungen, diskriminieren eine ganze Bevölkerungsgruppe als Tätervolk (alt, weiß, männlich, hetero), polarisieren, provozieren und analysieren bevorzugt im binären Lagerdenken (böse Männer, gute Minderheiten), beschimpfen jede Kritik an ihrer Ideologie als Hassrede, sexistisch, faschistisch, rechts oder homophob, und instrumentalisieren (pop-)kulturelle Unterhaltungsprodukte für ihre Gesinnung — das alles soll links, humanistisch, empathisch, progressiv, respektvoll und solidarisch sein?


Jungen und Mädchen
Gender. Sex. Bullshit.
Männlich. Weiß. Hetero.

13 Gedanken zu “Social Justice Warrior (SJW)

  1. In diesem Zusammenhang sollte deutlich differenziert werden. Selbst wenn man die Rassismus Definition von Feynsinn zugrunde legt (und nicht bei Rassismus ein Machtgefälle verlangt), so muss doch unterschieden werden zwischen dem Aufzeigen von Privilegien und Rassismus. So ist der Satz »Weiße Männer können nicht menschlich reagieren« eindeutig rassistisch, der Satz »In der deutschen Verwaltung werden weiße Männer grundsätzlich besser beurteilt als Frauen oder Menschen mit dunkler Hautfarbe.« beschreibt Privilegien (hier sogar real existierende). Hier dient der weiße Rassismus‐Vorwurf eindeutig dazu, die Diskussion über die Abschaffung der Privilegien zu vermeiden.
    Aber es gibt eine großen grauen Bereich. Z.B. »Weiße alte Männer sind Schuld an der ungerechten Verteilung des Wohlstands in der Welt« Klingt rassistisch umschreibt aber auch eine empirische Tatsache. Auch hier lenkt der Rassismus‐Vorwurf von dem eigentliche Problem ab (Klassenkampf und weiße oder männliche Privilegien) ab.
    Das »Teile und Herrsche« funktioniert nicht nur, wegen der Rassismusdiskussionen, sondern auch weil es tatsächliche Diskriminierung und Privilegien gibt.
    Das bestimmte Formen des Fetischismus‐Antirassismus (-Sexismus), wie der hat »Neger« gesagt oder »Barbie‐Puppe« gekauft, ein Phänomen des rechten politischen Spektrums ist, steht für mich außer Frage. Haben diese Kräfte doch gerade massiv mitgeholfen, eine linke Regierung in Großbritannien zu verhindern.

  2. @Kakapo3

    »Weiße alte Männer sind Schuld an der ungerechten Verteilung des Wohlstands in der Welt«
    -> empirische Tatsache
    sorry, das is Bullshit, und mit etwas Reflektion kommst du da selbst drauf. Hättest du gesagt, größtenteils in jüngerer Geschichte ....
    Ansonsten waren und sind daran grüne, gelbe, blaue, rote, schwarze beteiligt ;)

  3. Hoffentlich wird das bald endgültig geklärt, ob man sich jetzt mit der Unterdrückung durch das Wirtschaftssystem oder mit Formen der Unterdrückung und Ausgrenzung, die auch durch andere gesellschaftliche Prozesse verursacht werden, beschäftigen soll. Denn wie bei jedem Menschen haben auch in meinen Kopf keine zwei Dinge gleichzeitig Platz. Im Zweifelsfall müssen die betreffenden Minderheiten halt bis nach der Weltrevolution warten.

  4. @thom
    Ich dachte ausschließlich an die Gegenwart. Und da stimmt es.

    @Andi
    Das ist genauso bescheuert als wenn man sagen würde, es kann erst eine Revolution geben, wenn vorher die Gleichberechtigung erreicht ist und es keinen Rassismus mehr gibt. Unterdrückte gegeneinander auszuspielen das ist mit teile und herrsche gemeint.

  5. Epi... (darf ich das jetzt so abkürzen?)
    ...Wenn es um den Geschlechterteil von diesem Zirkus geht, was meinst du wie oft ich hinter verschlossenen Türen bei mir dafür deutliche und auch (in den Augen von anderen bestimmt) sehr böse Worte finde. Davon landet aber nicht viel im Außen — wegen Schutz von Privatsphäre.
    Wie soll ich es in wenigen Worten ausdrücken...?
    Es tut sehr oft sehr weh, was für eine Scheiße dort in den Umlauf geschickt wird von diesen selbsternannten Gerechtigkeitskämpfern.
    Vor allen Dingen, man bemerkt eines mit der Zeit: Eigentlich geht es hier nur darum, auf Gedeih und Verderb Weiblichkeit zu rechtfertigen und sie auf ein Podest zu heben, um sie anzubeten wie eine Gottheit. Um mehr geht es nicht. Alle anderen, die auch in ihre Schemata passen würden (!), aber nicht die von ihnen gewünschte Richtung einnehmen, die sind wie irrelevant, existieren nicht, oder werden eher noch als »bekehrungswürdig« erachtet.
    Und so was dann ins Gesicht von »Leuten«, Promenadenmischungen, die sich anmaßen für genau diese Gruppe zu sprechen!
    Schön, als wären die Traumata, die von den »Normalos« verursacht wurden, nicht schon genug gewesen... Kommt da noch so eine besserwissende Bande an.
    Es fällt schwer, dabei nicht in Emotionen zu geraten.
    Dieses Herumgeeirere aus Übersee... mittlerweile kann ich es nicht mehr sehen und auch nicht mehr hören. Genauso wie das reaktionäre Gegengeeiere, was aus anderen Ecken als »Opposition« dazu kommt. Entkommen kann man dem aber nicht, also muss man sich taube Ohren zulegen oder das Gehirn auf Durchzug schalten.
    Aber, trotzdem... eines bleibt. Es tut weh. Es tut sehr weh. Es tut sehr, sehr, SEHR weh.

  6. @Kakapo3:
    Da kam wohl die Ironie nicht durch.
    Ich wünschte, man würde in der Debatte zwischen der legitimen Gesellschaftskritik der Gender‐Studien und deren alberner Pervertierung durch den Mainstream in Politik und Medien mehr (bzw. überhaupt) unterscheiden. Seit wann orientieren wir uns überhaupt an taz und Emma? Schmeißen wir demnächst Marx und Adorno über Bord, weil die FAZ gesagt hat, Özdemir und Nahles seien links?

  7. @Andi

    »Seit wann orientieren wir uns überhaupt an taz und Emma? Schmeißen wir demnächst Marx und Adorno über Bord, weil die FAZ gesagt hat, Özdemir und Nahles seien links?«

    Es bringt wenig in Elfenbeintürmen zu leben, zu denken und zu handeln, während der neoliberale SJW‐Mainstream‐Zeitgeist alle Poren des Lebens durchdringt. Und von »Orientierung« hat auch Niemand gesprochen. Von Analyse schon.

  8. @ epikur:
    Gibt es nur im Elfenbeinturm Leihbüchereien und Wikipedia? Und wenn ja, wäre es dann nicht trotzdem sinnvoller, mit der breiten Masse unaufgeregt und gelassen zu diskutieren, ob die Feminismusbewegung und die »SJWs« (wer auch immer die genau sein mögen) eben kein homogener Block aus dogmatischen Irren sind, die uns alle aus dem nichts »Zwangsumerziehen« wollen (durch schlechte Kinofilme?), sondern dass sich dahinter ein ganzer interdisziplinärer Forschungszweig und verschiedene gesellschaftliche Strömungen und Gruppen verbergen? Wäre es nicht vernünftiger, sich erstmal mit den Begriffen und theoretischen Grundlagen etwas vertraut zu machen (z. B. Gender‐Theorie, toxische Männlichkeit,...) bevor man irgendwelche Trottel der Qualitätspresse als Beispielhaft für alle erklärt, die auf die Bedenklichkeit sozialer Rollenbilder und subtilere Formen der Unterdrückung hinweisen?

  9. @Andi

    Ich werde meine kostbare Freizeit nicht dafür opfern, stundenlange Vorträge über SJW, Gender und Feminismus zu veröffentlichen (könnte ich schon machen, will ich aber nicht), die am Ende sowieso Niemand liest und/oder kommentiert (Ich hab nach über 10 Jahren da so meine Blog‐Erfahrung gemacht^^). Außerdem gehe ich davon aus, dass meine Leser über ein fundiertes Allgemeinwissen verfügen. ;)

  10. Mich erinnern SJW an die Ultras in den diversen Fußballstadien. Diese »Fans« kommen ja nicht ins Stadion, um Fußball zu sehen, das interessiert die meisten nur nebenbei.

    Diesen Gruppen geht es doch nur darum, sich selbst zu präsentieren. Ihre Choreografie, ihre Protestmärsche und Solidaritätstaktionen, wenn ein paar gewaltbereite Kollegen tatsächlich bestraft wurden — da macht das Leben eines Ultras wirklich Sinn. Das Geschehen am Platz interessiert nur insofern, dass es als Anlass für Randale, bengalische Zündelei und Raketenschüsse (vorzugsweise auf Menschen außerhalb Ultraszene) herhalten muss.

    Und so ähnlich funktionieren auch die SJW: auf sich selbst bezogen, wichtig nehmend und auf keinen Fall die Welt verändern wollen. Denn wo bliebe dann die Selbstbestätigung?

  11. @Kakapo3

    Zu den vermeintlichen männlichen Privilegien siehe:
    Privilegiencheck für Frauen

    Aber es gibt eine großen grauen Bereich. Z.B. »Weiße alte Männer sind Schuld an der ungerechten Verteilung des Wohlstands in der Welt« Klingt rassistisch umschreibt aber auch eine empirische Tatsache.

    Die Menschen, die ihr Leben ließen, um gegen Unterdrückung und Tyrannei zu kämpfen, waren ebenfalls alte weiße Männer. Sind einfach dufte, diese Typen. Die Besten, das Salz der Erde.

    Frauen hingegen... man nehme die »fiese Friede«, oberste Chefin der »BLÖD«. Merke: Hinter jeder erfolgreichen Frau liegt ein toter Mann. Oder Liz Mohn: Mit ihr an der Spitze eines Medienkonglomerat ist dieses einfach das beste, was der Menschheit passieren konnte, nicht wahr? Ist die eigentlich weiß?

    Jaja, die Frauen, unschuldig:

    Männer richten die Welt zugrunde. Frauen sitzen zu Hause vor dem Fernseher.

  12. Pingback: Mausfeld: Demokratie bedeutet nur, andere Hirten aus dem Personal des Herdenbesitzers zu wählen | uepsilonniks

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