Trash‐Dating

Es war einmal...

Es begann mit Helmut Kohl, Leo Kirch und RTL: die ersten Kulturpessimisten beschworen den Untergang des kulturellen Abendlandes. Dann folgten »Tutti Frutti« und später »Big Brother«. Danach wurden wir mit »Dschungelcamp«, Casting‐Formaten sowie inszenierten Nachmittags‐Talk‐Shows beglückt. Heidi Klum punktete zwischendurch mit »Germanys Next Kotzmodel«. Jedes Mal arbeiteten sich sog. »Medienexperten« an den Phänomenen der massenmedialen Verblödung ab und waren sich sicher: noch niedriger kann das Niveau nicht mehr sinken. Sie alle wurden eines Besseren belehrt. Billig produzierte »Pseudo‐Dokusozialsoaps« fluteten die Nachmittags‐ und Abendprogramme der privaten TV‐Sender. Der Fremdschämfaktor hat aktuell einen neuen Höhepunkt erreicht: »Trash‐Dating‐Shows«. Inszenierte Formate bei denen man nicht nur viel nackte Haut sieht (geil, geil, geil, sabber! :SICK: ), sondern wo sich die Protagonisten auch -in aller Öffentlichkeit‐ angraben und miteinander rum machen sollen:

»Naked Attraction«
»Adam sucht Eva«
»Bauer sucht Frau«
»Love Island«
»The Bachelor«
»Undressed«

Ich freu mich schon auf die kommenden TV‐Highlights: »Natursekt und Kaviar«, Pimmel‐Battle« sowie »Rent a Slut«. :SHOCK:

Der Anschlag (14)

anschlagIm Zuge einer erneuten, alternativlosen Rettung von systemrelevanten Banken, werden die Geldreserven aller europäischen Bürger auf Giro‐ und Sparkonten mit einer einmaligen Abgabe in Höhe von 30 Prozent des vorhandenen Guthabens besteuert. Um einen »Banken‐Run« der EU‐Bevölkerung zu verhindern, werden bundesweit alle Sparkassen, Finanzinstitute und Geldautomaten für eine Woche komplett geschlossen (5 Comments, keine Shares).

Der Bundesrat hat mit überwältigender Mehrheit die »Verordnung zur Aufrechterhaltung der deutschen Leitkultur« verabschiedet. Demnach müssen ab dem 30. Juni 2015 alle Bürger ohne deutsche Staatsangehörigkeit und alle Menschen mit Migrationshintergrund, die nicht mindestens schon 15 Jahre in Deutschland leben und arbeiten, bis spätestens 31. Dezember 2015 das Land verlassen. BILD, RTL, CDU, die Pegida‐Bewegung, die AfD und die NPD befürworten die neue Regelung (mehr als 1.000 Likes, 100 Comments und 200 Shares).

Der Mini‐Rock von Heidi Klum, Model und Moderatorin, ist bei einer Preisverleihung gerissen, was Live im TV übertragen wurde (mehr als 5.000 Likes, 300 Comments und 500 Shares).

Digitale Premiumexistenzen

social_titelNachdem ich mich bereits ausführlich über die sogenannte »Shitstorm‐Bewegung« ausgelassen, sowie die These aufgestellt habe, das Social Web bedeute eben nicht zwingend ein mehr an qualitativer Kommunikation und Vernetzung, sondern sei vor allem eine Plattform zur Selbstinszenierung und Selbstbestätigung (gebt mir Likes!) – so möchte ich mich heute mit den Inhalten auseinandersetzen. Also  damit, was die Facebook‐Jünger so gerne tausendfach teilen. Und was sie komplett ignorieren. Weiterlesen

Der Anschlag (6)

anschlag_teaserDie große Koalition will die Todesstrafe in Deutschland wieder einführen. Zunächst sollen Kinderschänder, Vergewaltiger und andere Sexualverbrecher davon betroffen sein. In Kooperation mit großen Unternehmen und den Massenmedien sollen diese Live übertragen werden, mit Public Viewing, Bier und Bratwürstchen. Zunächst werden den Verurteilten Nägel unter die Haut getrieben, sie müssen Schweinemist fressen und ihnen werden die Finger und Zehen abgehackt. Die Prozedur soll künftig mehrere Stunden dauern, bevor sie von einer ausgewählten Menge gesteinigt werden. Laut einer RTL‐ und BILD‐Umfrage begrüßen 80 Prozent der Deutschen das neue Gesetz.

Die Deutsche Telekom startet eine Kunden‐Offensive, um der Service‐Wüste in Deutschland effektiv entgegen zu treten. Dazu will das Unternehmen über 10.000 Arbeitskräfte fristlos entlassen, ihre Tarife um 30 Prozent erhöhen, die DSL‐Geschwindigkeit drastisch verringern, keine Kundenanfragen per E‐Mail, Telefon oder Fax mehr beantworten und ihre Kunden‐Hotlines durch automatisierte Systeme ersetzen.

Das Dating‐Portal elitepartner.de hat 3.000 Accounts unwiderruflich gelöscht. Nach einer internen Recherche wurden besonders »soziale Hängematten« aus der Datenbank entfernt. Die Zielgruppe der sozial schwachen Überflüssigen, die keine Leistung erbringen, faul seien und sowieso kein Vermögen besitzen, soll sich bei unterschichtpartner.de anmelden, so die Macher des Portals. Schließlich lebe das Unternehmen von zahlungskräftigen Eliten und nicht von Sozialschmarotzern.

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Werter Leser,

ich bin ein suchmaschinenoptimierter Text ohne Sinn und Verstand. Ich schreibe nicht für Sie, sondern für eine Maschine. Ferner, ich täusche Ihnen natürlich vor, als hätte ich wahnsinning wichtigen CONTENT, als würde ich etwas zu sagen haben. Aber in Wahrheit schreibe ich ausschließlich für GOOGLE. Und um dort besser gefunden zu werden, gibt es das sog. SEO (»Search Engine Optimization«). Dieses besagt, dass ich im Blog‐ und Artikelnamen sowie im Text KEYWORDS unterbringen muss, um ein besseres PAGERANKING erzielen zu können: RTL, YOUTUBE, FACEBOOK, AMAZON, BILDER, GELD, EBAY, ARBEIT, SEX und so weiter.

Insofern ist »www.zeitgeistlos.de« für die Suchmaschinenoptimierung eine schlechte Wahl, denn wer gibt dieses Wort schon bei google ein? Besser wäre: »www.zeit-berlin-geist.de«. Außerdem rät mir SEO auf Wortschöpfungen, Neologismen und Gedichten zu verzichten. Kreativ ist nur das, was SEO erlaubt, d.h. was Menschen bei GOOGLE eingeben. Wichtig sei die ONPAGE‐ und OFFPAGE‐OPTIMIERUNG einer Seite. Bitte benutzen Sie mich und setzen Sie BACKLINKS.

Herzlichst,

Ihr bezahlter SEO‐Autor

Problembeschäftigungstherapie

Unsere sozialen Lebenswelten scheinen aus der täglichen Beschäftigung mit vermeintlichen Problemen und ihren Lösungen zu bestehen. Der Lebenssaft, der uns daran erinnert, am Leben zu sein. Denn Leben ist leiden, motzen, meckern, klagen, schimpfen, jammern, heulen und nörgeln. Wer von sich behauptet wenig bis keine Konflikte oder Probleme in seinem privaten Umfeld zu haben und mit sich selbst im großen und ganzen zufrieden ist, der ist langweilig und hat nichts zu erzählen. Der Klatsch‐und‐Action‐Sender RTL mit seinen Pseudodokusozialsoaps zeigt uns auf, was als wichtiges Problem zu gelten hat:

Welche Couch soll ich mir kaufen? Was koche ich mir morgen? Warum hat Person X so schlecht über mich gesprochen? Welche Pflanzen sind für meinen Garten geeignet? Welches Iphone passt am besten zu meinem Charakter? Weiterlesen

Gelebte Intoleranz

NRW‐CDU‐Wahlplakat aus dem Jahre 2005

In Deutschland gibt es regelmäßig Kampagnen, Initiativen und Gedenkveranstaltungen, die zu mehr Toleranz, Mitmenschlichkeit und gegenseitigem Respekt aufrufen. Auch wenn solche Aktionen wichtig sind, so sind sie gesamtgesellschaftlich gesehen eher wirkungslos, solange Toleranz nicht im Alltag gelebt wird. Meist sind sie nur Alibi‐ und Profilierungsveranstaltungen, denn bei genauerer Betrachtung werden von Politik und Wirtschaft Antihumanismus und Menschenverachtung gepflegt, gefördert und verinnerlicht. Im folgenden Beispiele alltäglich gelebter und verinnerlichter Intoleranz. Weiterlesen

Und täglich grüßt der gleiche Beitrag

Punkt 6, Punkt 9, Brisant, Volle Kanne — Service täglich, Punkt 12, ARD‐Buffet, drehscheibe Deutschland, ZDF‐Mittagsmagazin, hallo deutschland, Explosiv — Das Magazin

Die genannten TV‐Sendungen (und sehr wahrscheinlich noch ein paar mehr) bringen jeden Tag immer und immer wieder den gleichen Beitrag. Und zwar diesen hier:

»Sozial ist, was rumhängt«...

Quelle: wikimedia

...sagte die Sozialministerin Ursula von der Leyen bei einer Rede des Arbeitslosenverbandes Deutschland e.V. Wer seit Jahren erwerbslos und geringqualifiziert sei, der solle sich besser nicht bemühen, einer sozialversicherungspflichtigen Lohnarbeit nachzugehen. »Mehr als Absagen würde er eh nicht erreichen«, so die Ministerin. Weiterlesen