Unter Muttis

Als Vater gibt es kaum etwas schlimmeres als allein unter einer Schar von Übermuttis zu sein. Sei es auf Elternabenden, Schul‐, Laternen‐ oder Sommerfesten. Denn für weibliche Elternteile gibt es meist nur ein Thema: das eigene Kind. Hier vermischen sich Wettbewerbs‐, Konkurrenz‐, Leistungs‐ und Anspruchs‐Denken mit einer (über-)fürsorglich-rührseligen Affektsoße. Gleichzeitig verwerten sie die eigenen Kinder zu Objekten ihrer ganz persönlichen Projektions‐ und Profilierungsfläche. Erfolge der Kinder sollen hier stets auf die elterliche Erziehungsfähigkeit beruhen und für die Niederlagen sind regelmäßig Andere schuld: Erzieher, Lehrer, Schule, Kita, falsche Freunde, YouTube und so weiter. Mit kindfremden Themen braucht man gar nicht erst anfangen.

In so einem Diskursrahmen, den es in Deutschland wohl millionenfach gibt, sind spannende Gespräche in aller Regel selten möglich. Viele moderne Muttis scheinen zudem deutlich spießiger, verbohrter und langweiliger zu sein, als es unsere eigenen Eltern jemals waren. Statt also den weltfremd‐ignoranten‐Biedermeier‐Weltverleugnungs‐Kreis zu durchbrechen, wird lieber Heile‐Welt gespielt und sich in den eigenen Komfortzonen‐Bunker verkrochen. Im digitalen Social‐Media‐Wahnsinn bekommt dieser Aspekt eine unverschämt aufdringliche Dimension: »Schaut her, wie toll unser Leben ist!« Kultivierte Selbstentfemdung als Selbstverwirklichung zu etikettieren, ist jedoch weder emanzipiert noch alternativ.


Selbstentfremdung
Selbstinszenierung
Selbstoptimierung

Endlose Bilderflut

wikipedia.org

Heute scheint jeder ein Fotograf zu sein. Einfach alles wird mit dem smartphone fotografiert. Jeder Fliegenschiss, jedes Bauwerk, jeder flüchtige Moment, jeder oberflächliche soziale Kontakt muss digital eingefangen und für das eigene soziale Kapital verwertet werden. Dabei haben die meisten Bildfetischisten überhaupt keine Sensibilisierung für »das Recht am Bild«. Von Urheber‐ und Persönlichkeitsrechten ganz zu schweigen. Vielleicht ist Berlin aber auch nur noch von Tourismus‐Foto‐Zombies bevölkert.

Dabei hat diese endlose visuelle Reizüberflutung vor allem den Effekt, dass der Wert von Bildern und Fotos immer weiter abnimmt. Ja, ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Aber tausend Bilder sagen überhaupt nichts mehr! Wie viele Bilder haben denn beispielsweise die zahlreichen Eltern da draußen von ihren (Klein-)Kindern? Und welche Bedeutung hat hier das einzelne Foto überhaupt noch? Überall wird man mit Abbildungen der vermeintlichen Realität von Wichtigmenschen zugebombt. Aufmerksamkeit. Inszenierung. Narzissmus. Das Auge muss wohl in Bewegung bleiben, damit der Geist keine Ruhe finden kann.


Selbstinszenierung
Bilder in Fernsehnachrichten
Reale Welten vs. Fiktive Welten

Ostertanz

Liebe Freunde der seicht‐zynischen Blogger‐Nörgelei‐und‐Empörung! Der olle epikur kommt sich manchmal vor, als wäre er eine Blog‐Maschine mit dauerhafter Fehlfunktion. Ich könnte natürlich einfach aufhören mich zu empören, mir die Tippserei sparen, aber dafür bin ich viel zu stur. Ich will das Feld nicht einfach kampflos räumen, auch wenn der Infokrieg gegen die neoliberale Propaganda kaum zu gewinnen scheint. Einer der ersten Beiträge im ZG‐Blog ging am 23. September 2008 mit dem Titel »Sozial ist, was Arbeit schafft« online. Ob vor 10 Jahren oder heute: der menschenverachtende Habitus ist weiterhin sehr stark ausgeprägt. Ich könnte alte Beiträge rauskramen und sie neu veröffentlichen, es würde inhaltlich kaum einen Unterschied machen.

Mittlerweile sind fast 2.000 Beiträge veröffentlicht worden und ich weiß gar nicht, wie wir das eigentlich geschafft haben. Ja, auch ich habe das Gefühl mich öfters zu wiederholen. Das ist auch kein Wunder, weil der allzu offensichtliche Irrsinn überall freudig immer und immer und immer wieder neu begrüßt wird. Lange Rede, kurzer Sinn: ich werde mir ab und an fortan kleinere (Inspirations-)Auszeiten gönnen. Und damit fange ich gleich mal an: bis zum 29. April gebe ich mich dem sinnlosen Ostertanz hin. Auf mittelalterlichen Burgen (Rabenstein) und in trüben Gewässern (Ostsee). Glück auf! Schreitet wohl! Bis Bald!


Selbstoptimierung
Selbstinszenierung
Selbstentfremdung

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...Objekte zur Kompensation zur Selbstverwirklichung!

  • Geld und/oder eine Lohnarbeit bei der ich viel Gehalt und Ansehen bekomme!
  • Muskeln und/oder einen schlanken Körper.
  • Viele FB‐Freunde und whatsapp‐Gruppen.
  • Etiketten, aber keine Inhalte.
  • Einen Partner zum Vorzeigen.
  • Viel Aufmerksamkeit und Bewunderung!
  • Jemanden, der sich täglich von mir mit inhaltsleeren Geschwätz zutexten lässt. Ich nenne das: Kommunikation und mir zuhören kann.
  • Den Weg des geringsten Widerstandes.
  • Ehrlichkeit, aber nur wenn sie mir gefällt.
  • Pure Emotionen und Diskussionen nur auf der Beziehungsebene.
  • Bequemlichkeit und Komfortzonen.
  • ...

Ich. Bin. Wichtig.
Selbstoptimierung
Selbstentfremdung

Selbstinszenierung

Im Übrigen wird nach Aussehen und Ansehen verurteilt. Das unausgebildete Gewissen der Masse ist auf diese Weise befriedigt.“
(Gustave le Bon. „Psychologie der Massen“. Nikol Verlag. Hamburg 2009. S. 152)

In der modernen, neoliberalen und digitalen Gesellschaft, gibt es primär drei bestimmende Aspekte des Selbst: die Selbstoptimierung, die Selbstentfremdung und die Selbstinszenierung. Diese Phänomene geben das Framing und die Agenda der sozial und gesellschaftlich erwünschten »Individualität« vor. Wer sich nicht in diesem vordefinierten Rahmen bewegen will oder kann, muss mit persönlichen Nachteilen oder Sanktionen rechnen. Wer sich beispielsweise nicht gut verkaufen kann oder will, hat womöglich Schwierigkeiten bei der Jobsuche. Wer sich auf Facebook, whatsapp, Twitter oder Instagram nicht gut in Szene setzen kann oder will, muss womöglich mit sozialen oder gar beruflichen Nachteilen rechnen. Identitätsproduktion, Selbstvermarktung und Geltungsbedürfnisse, erzeugen ein narzisstisches Ich‐Miteinander, bei dem Objekte über ihre Masken Dialoge führen. Weiterlesen

»Temptation Island«

Was einmal Geist hieß, wird von Illustration abgelöst.“
Theodor W. Adorno. »Minima Moralia«. Suhrkamp Verlag. 8. Auflage 2012. S. 160

Trash. Trash. Trash. Trotzdem reden und schreiben alle darüber. RTL lässt mal wieder selbstverliebte Schauspieler‐Models aufeinander los. Es gibt bei »Temptation Island« viel nackte Haut zu bewundern. Gesehen hat es natürlich Niemand. Aber sich künstlich darüber empören (und nebenbei den Klick abholen), das können sie. Die Journalistinnen der LeiDmedien. Weiterlesen

»Sucht ist eine Krankheit...

...und keine Charakterschwäche!« Solange man gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch funktioniert, sind Drogen erlaubt und teilweise sogar erwünscht: Bierchen mit Kollegen, Kaffee als täglicher Wachmacher, »Smombie‐Kommunikation«, Aufputschmittel und so weiter. Im Zeitgeist der Eigenverantwortung, Selbstoptimierung und Selbstinszenierung, gilt die Sucht (materiell und immateriell) als Zeichen einer individuellen Schwäche und als Unfähigkeit zur Selbstdisziplin. Dabei ist die Sucht eine medizinisch anerkannte Krankheit. Eine Fehlsteuerung des Belohnungssystems, die im Gehirn nachgewiesen werden kann. Außerdem übernehmen Renten‐ und Sozialversicherungsträger die Behandlungskosten.

Ich stelle leider immer wieder fest, dass in beruflichen und/oder privaten Gesprächen und Diskussionen »Sucht« eben nicht als Krankheit akzeptiert wird. Der Süchtige sei nur schwach, unfähig und habe keinen Willen. Es ist insofern auch nicht verwunderlich, dass Süchtige ihre Krankheit zunehmend verheimlichen: sie wird als Solche eben nicht akzeptiert. Stattdessen werden Süchtige stigmatisiert und sozial verurteilt.


Ich. Bin. Krankheit.
Neusprech: Krankheit
»Jeder ist seines Krankheit Schmied!«

Facebook

"Wer bin ich, wenn ich bin, was ich habe, und dann verliere, was ich habe?" (Erich Fromm)

»Wer bin ich, wenn ich bin, was ich habe, und dann verliere, was ich habe?« (Erich Fromm)

»Insbesondere wenn du Inhalte, die durch geistige Eigentumsrechte geschützt sind (wie Fotos oder Videos), auf oder in Verbindung mit unseren Produkten teilst, postest oder hochlädst, gewährst du uns eine nicht‐exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare und weltweite Lizenz, deine Inhalte (gemäß deinen Privatsphäre‐ und App‐ Einstellungen) zu hosten, zu verwenden, zu verbreiten, zu modifizieren, auszuführen, zu kopieren, öffentlich vorzuführen oder anzuzeigen, zu übersetzen und abgeleitete Werke davon zu erstellen. [...] Wir behalten uns sämtliche Rechte vor, die dir nicht ausdrücklich gewährt werden.«

Aus den Nutzungsbedingungen von Facebook. Nur mal so, weil die vermutlich kaum jemand lesen wird. Ist schon eine tolle Sache. Dieses Facebook. :JAJA:


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