Mary Sue

»Mary‐Sue steht synonym für eine bestimmte Sorte Charakter, der hübsch oder herausragend talentiert ist, dem alles ohne großes Zutun oder Opfer gelingt, der im Zentrum des ganzen Universums steht, der keine Fehler macht und auch keine (wirklichen) Fehler hat — kurzum, ein perfekter Charakter ist.« (fanfiktion wiki)

Im Zeitalter von Social‐Justice‐Warrior‐Kämpferinnen (SJW) in der Unterhaltungsindustrie, trifft man diese Form der weiblichen Charakterzeichnung leider immer häufiger an. Dabei gibt es eben keinen langweiligeren Helden als den (fast) unbesiegbaren »Superman«. Ein Charakter, der (so gut wie) keine Schwächen und Fehler hat, entwickelt sich nicht. Mit ihm kann sich niemand so wirklich identifizieren, weil so eine Figur über den Dingen schwebt. Ein prominentes Beispiel für eine »Mary Sue« ist beispielsweise »Rey« aus der neuen Star Wars‐Reihe. Während Luke Skywalker noch Meister Yoda benötigte, um die Macht zu lernen (und dabei ordentlich Fehler machte), besiegt Rey, die noch nie ein Lichtschwert in der Hand hatte, gleich beim ersten Kampf Kylo Ren, der jahrelanges Training bei einem Meister hatte.

Auch Michael Burnham aus »Star Trek: Discovery«, kann alles, weiß alles und hat keine wirklichen Schwächen. Captain Marvel, Buffy und Pipi Langstrumpf, wären weitere Beispiele. Dabei gibt es toll geschriebene weibliche Rollen, wie Ripley aus der Alien‐Saga oder Carrie in der »Homeland« Serie. Und ja, es gibt auch den männlichen »Gary Stue« (Captain Kirk!). Aber wenn ich mir so die heutige Filmlandschaft anschaue, scheint man da, was männliche Charakterzeichnungen angeht, erheblich weiter zu sein. Oder was denkt Ihr?


Moviefans
TV‐Reflektion

4 Gedanken zu “Mary Sue

  1. Wenn ich nach dem Hörensagen gehe, was mir durch andere Quellen zugetragen wird, scheint Charakterentwicklung in diesen Tagen sowieso kein Thema in Hollywood zu sein. Dahingerotztes, oberflächliches Popcorn‐Kino mit wenig (oder Pseudo-)Tiefgang — das ist, was in dieser Zeitepisode bei den Studios angesagt ist. Dementsprechend sehen dann auch die Filmkritiken aus, wenn sie mal nicht von PR‐Leuten geschrieben werden... Das dürfte aber auch noch mit einem anderen Aspekt zusammenhängen: Ein Film muss wirtschaftlich wenigstens seine Kosten wieder einbringen. In dieser Hinsicht scheinen die großen filmproduzierenden Firmen seit einigen Jahren wenig für Experimente übrig zu haben (so wie in der Musikindustrie auch). Bevor sie sich also etwas grundlegend neues einfallen lassen, rebooten sie lieber eine bekannte Reihe oder drehen ein paar neue Filme in dem Universum der Story — wenn auch natürlich in dem seichtweichen Stil, den sie generell in dieser Zeit haben wollen.
    Social Justice Aktivismus kommt auf diese Gesamtsituation noch oben drauf. Die Figuren sind schon so seichtweich gestrickt, ohne größere »Ecken und Kanten«, und dann kommen noch welche hinzu, die meinen, es müsste unbedingt eine Frau die Hauptrolle spielen (und sie darf ausschließlich nur positiv konnotiert werden — bitte keine Antagonistinnen!), oder es muss ein bedeutender Charakter in der Story schwarz sein, Rauchen darf auch nicht mehr zu sehen sein — komisch, dass in diesen Tagen bisher die Klischee‐Schwulen‐Charaktere noch keine größere Verwendung finden... (»Klischee« meint: Hollywood‐Kino ist nicht in der Lage, auch mal ein absolutes Raubein, dass z. B. Zombies abknallt, schwul sein zu lassen — immer kommt nur dieses eine Bild zum Einsatz, das vom femininen Mann, der es jedem schon fast wie eine Faust ins Gesicht drückt.) Oder vielleicht liegt das daran, dass man meint, die Werbetrommel für Toleranz ist für diese Gruppe mittlerweile etwas ausgeschöpft. Ist nicht mehr nötig, oder so ähnlich...
    Wenn man es aus der Perspektive von »eine Geschichte erzählen« betrachtet — alles mehr als nur unbefriedigend. Um nicht zu sagen: Anspruchslos.
    Es beschweren sich Leute, warum ihre Kinder als Teenager so dumm und oberflächlich und kaum zu etwas eigenständigem fähig sind — ja, wenn man sie mit solchen Geschichten in der Fiktion umgibt, ist das kein Wunder. Von »glattgebügelt« als Vorlage zur Identifizierung kommt kein Tiefgang. Vor allen Dingen resultieren daraus auch keine realistischen Ansprüche an das Leben selbst.
    Schlussendlich will jeder ein Leben wie Mary Sue haben, obwohl sie selbst ein völlig unrealistisches Konzept ist.

  2. Volle Zustimmung: Solche Figuren sind einfach nur öde. Schlimmstes Beispiel in meinen Augen: James Bond.

    Ich weiß auch gar nicht, was der Scheiß soll. Haben Feministinnen so wenig Selbstvertrauen, dass sie das nötig haben?

    Und wo wir bei starken Frauenrollen sind: Linda Hamilton als Sarah Connor in Terminator 2! Einfach großartig.

  3. @altautonomer
    Wohl definitiv eine der Frauenrollen, bei denen man Respekt kriegt. Jedenfalls ging mir das beim Original so (mal gesichtet aus Neugier). Der Teil, der vor Revenge kommt, der fällt sehr Filmstudenten‐mäßig aus; unrealistisch. Allerdings, als die geschändete Frau in den Rachemodus umschaltet, wird sie kälter als Hundeschnauze. Ein bisschen unerwartete Wendung... Will man sich nicht mit anlegen.
    Beim Remake wurde der ganze Film generell etwas realistischer angegangen, der Grundton der Hauptfigur bleibt aber so beibehalten. Finde, die Darstellung fällt sogar noch etwas heftiger aus (weil Revenge‐Teil sich öfter spezifischer an den Penigern selbst und dem, was sie getan haben, orientiert). Beim inhaltlichen Nachfolger (Teil 3) vom Remake dann gut dargestellt in der Hinsicht, dass sie von dieser ständigen Rachenummer allmählich einen Knall im Kopf bekommt und Freund von Feind nicht mehr unterscheiden kann.

    @Rano64
    Sarah Connor lag mir auch auf den Lippen (passte nur beim Beitrag nicht). Bei der Figur fing es speziell sogar mit Mary‐Sue‐ähnlichen Geschichten sogar erst an in Teil 1, die Kyle aus der Zukunft mitgebracht hat. Und die leibhafte Sarah Connor war in der Gegenwart alles andere als das... Sie musste erst darin hineinwachsen.

    Wenn man Filmgeschichte (ältere als auch jüngere) durchfoscht, findet man eigentlich einige ausdrucksstarke weibliche Charakterrollen. Man darf sich dabei nur nicht auf ein gewünschtes Schema festlegen (das wird wohl das Problem sein)...
    Sydney aus Scream war so etwas (wurde es erst im Verlaufe der Reihe), in der De Palma Verfilmung von »Carrie« lassen sich einige weibliche Charakterrollen finden (hier auch speziell als große Antagonistin: ihre Mutter), Laurie Strode aus Halloween (zumindest in die Helden‐Rolle wuchs sie hinein), Nightmare on Elm Street enthielt in den verschiedenen Filmen auch immer wieder stärkere weibliche Charaktere (wenn ich mich recht erinnere).
    Nicht gesehen, aber vom Hörensagen und Kritiken bekannt, ist mir auch »Monster« (mit Charlize Theron).

    Im Auslandskino (abseits von Hollywood) hat auch die Figur der Yvonne in den dänischen Olsenbanden‐Filmen was ausdrucksstarkes.
    Ist zwar nur eine Nebenfigur, an ihren Gardinenpredigten ist häufig aber viel wahres dran, und sie tritt, obwohl verheiratet und in der Hausfrauenrolle, keinesfalls als zugeknöpftes Mauerblümchen auf.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.