»Die Stillen gehen unter...«

Seit wann ist eine öffentliche Anschuldigung ein Beweis?

...die Lauten brüllen sich in den Mittelpunkt«. So war es schon immer! Ja. Nichts Neues. Schon klar. Und dennoch: im Social‐Media‐Zeitalter bekommt diese Redewendung eine ganz neue Dimension. Kritiken, Reviews, Forenbeiträge, Twitter‐Geschrei und Kommentare werden bei Medienanalyse‐Zwecken als quantitative Messeinheiten herangezogen, um Statistiken und vermeintlich repräsentative Grafiken zu erzeugen. Nur: die stillen Leser oder diejenigen, die ihre Meinung nicht äußern, werden gar nicht mehr mit einberechnet. Es gibt keine Quote für Lesebeteiligung (wie die Wahlbeteiligung), Umfragen für die stillen Leser (»Warum kommentieren Sie nicht?«) oder Ähnliches. In den quantitativen und qualitativen Medienanalysen existieren sie schlicht nicht.

Insofern scheinen provozieren und polarisieren für viele Webseiten‐Betreiber eine geeignete Methode zu sein,  um Aufmerksamkeit, Kommentare und Klickzahlen zu generieren (»Clickbait!«). Auch hier lautet das Motto: »Inhalte überwinden!« Argumente im Twitter‐Format. Überschriften, die Versprechen machen, die sie nicht einlösen. Zwei‐, Drei‐ und Vierdeutige Botschaften. Personalisierungen statt Sachdiskussionen. Konflikte generieren. Gezielten Bullshit in den Äther rotzen. Und vor allem: immer und überall laut brüllen!

Was sagt eigentlich Habermas dazu, der Zeit seines Lebens immer an die Macht der »Kommunikation« geglaubt hat?


Shitstorm
Die SEO‐Filter‐Bubble
Aufmerksamkeit als Währung

Jenseits der Stille

Stille. Ruhe. Einsamkeit. Langeweile. Das sind die Übel der Wachstums‐ und Fortschrittsgläubigkeit. Unser neoliberales Wirtschaftssystem ist ohne ohrenbetäubendes Aufmerksamkeits‐Geheische (Smombies, Werbe‐Industrie, Social‐Media, TV, Radio, Web etc.) und den tosenden Lärm um Nichts, kaum denkbar. Alles ist immer und überall und sofort neu, frisch, cool, toll, lustig und muss gekauft und/oder verkonsumiert werden. Bedürfnisaufschub, Nachdenken oder mal kurz in sich ruhen, stören den reibungslosen Betriebsablauf.

Gerade in den Großstädten gibt es aktuell keine Rücksicht mehr auf das Lärm‐Empfinden oder das Stille‐Bedürfnis der Mitmenschen. Es wird gebrüllt, geschrien, getobt. Auf der Straße, aber vor allem auch in den Wohnungen. Smartphones werden laut gestellt, Baulärm tobt auf den Straßen, Musik auf allen Kanälen. Es scheint eine regelrechte Panik vor der Stille zu geben. Ständige mediale Berieselung oder das Dauer‐Gelaber um die sprichwörtliche heiße Luft sind die nervtötenden Begleiter unserer Zeit. Sie nennen es: Unterhaltung. Ich nenne es: Angst vor sich selbst.


Stille Selbstverfremdung
Mut zur Stille

Hauptsache Ich!

»Personalisierung bedeutet De‐Sozialisierung, also das Wegschneiden von sozialen Zusammenhängen.«
(Harald Welzer. »Die höchste Stufe der Zensur: Das Leben in der Ich‐Blase«. Blätter. Ausgabe Juli 2016. S. 70)

Seit einiger Zeit ist der immer weiter um sich greifende Narzissmus in immer mehr beruflichen und privaten Gesprächen zu beobachten. Eine egozentrische Wahrnehmung, die nur den eigenen Mikrokosmos kennt und kennen will. Da redet man beispielsweise über Filme, die politische Situation, den Immobilienmarkt, über berufliche Angelegenheiten, die Lebensmittelindustrie, die Massenmedien oder sonst irgendetwas, und dann gibt es (gefühlt) immer mehr Leute, die diese Themen nur als Brückenkopf begreifen, um über sich selbst sprechen zu können. Die Beziehungsebene auch einmal zu verlassen und sich auf die Sachebene zu begeben, scheint immer mehr Menschen sehr schwer zu fallen:

»Ja, also bei mir...«
»Ich finde ja...«
»Meine Erfahrung ist...«
»In meinem Leben...«
»Ich bin...Ich habe...«

Nein, verdammt noch mal! Es geht um die Sache und nicht um Dich, Du kleines Staubkorn! Wenn ich etwas von Dir wissen möchte, dann frage ich Dich auch direkt! Ja, wir alle sind Gefangene unseres Selbst und unserer Umgebung. Der Eigenverantwortungs‐ und Individualitäts‐Wahnsinn lässt wohl viele vergessen, dass es einen Kosmos außerhalb unserer Mikrowelt und unserer Gefühle gibt. Einen, der uns durchaus auch persönlich bereichern kann. Aber die Neugier sowie das Interesse an anderen Dingen -außer uns selbst‐ scheint in der digital‐narzisstisch‐neoliberalen Gesellschaft ziemlich verloren zu gehen. Kein Wunder, wenn jeder tagtäglich mit Selbstoptimierung und Selbstinszenierung beschäftigt ist. Macht mal einen Test: zählt mal in einem beruflichen oder privaten Gespräch, wie oft euer Gegenüber die Wörter »ich«, »mir« und »selbst« verwendet. ;)


Selbstoptimierung
Selbstentfremdung

Presseblick (79)

Es vergeht kaum ein Tag, bei der die NATO‐LeiDmedien nicht über Fake‐News, Putintrolle, Hate‐Speech, Social Bots, Populismus, Antisemitismus oder Verschwörungstheorien berichten, um jedwede alternative Berichterstattung zum neoliberalen Narrativ zu denunzieren. Und dann das: »Fake News im Spiegel«. Claas Relotius, ein Journalistenstar, der mit zahlreichen Preisen überhäuft wurde, hat im großen Stile Fake‐News betrieben: »Seine Lügen passten in ihr offizielles Narrativ, sie bestärkten die Propaganda der herrschenden Eliten.« Nein, nicht doch! Relotius ist und bleibt natürlich ein absolut bitterer und unglücklicher Einzelfall. So etwas wird es nie, nie wieder und niemals wieder geben! Versprochen! :NENE: Weiterlesen

Wertlose Arbeit?

Die soziale Arbeit wird auch im Jahr 2019 weitestgehend in ökonomische Denkmuster gequetscht werden. Durch Sprache, gesetzliche Rahmenbedingungen, Sachzwänge und das neoliberale Narrativ in den Köpfen (Eigenverantwortung, Flexibilisierung, Liberalisierung etc.). Bildungspartner werden zu Kunden. Pädagogen zu Dienstleister. Hinzu kommen: Leistungsbewertung, Standardisierung, Wettbewerbs‐ und Konkurrenzdenken sowie damit automatisch verbunden: Ausgrenzung und Stigmatisierung. Betriebswirtschaftliches Verwertungsdenken sorgt indessen weiterhin dafür, dass die soziale Arbeit »wenig wert« ist. Sie generiert keine Güter und keinen Profit.

Die Interaktion zwischen Menschen werden betriebswirtschaftlich als Beziehung zwischen Mensch und Marke betrachtet, bei dem nicht nur verwertbare Zahlen generiert werden sollen, sondern bei dem auch angeblich jeder Akteur nur seinen egoistischen Vorteil und Eigennutz im Sinn habe. Wer dieses lebens‐ und menschenfeindliche Gesellschaftsmodell auf die soziale Arbeit übertragen will -bei der uneigennützige Empathie, Lebensfreude und Solidarität essentiell sind‐ gehört als Soziopath eingesperrt. Stattdessen werden sie in Talk‐Shows und Expertenrunden eingeladen.


Die Destruktivität des Leistungsgedanken
Der tägliche Lohnarbeitswahnsinn
Eigennützig Gemeinnützig

Ihre Renteninformation

Einmal pro Jahr erhält man die sog »Renteninformation« von der Deutschen Rentenversicherung. Als Grundlage für die künftige Rentenhöhe werden die Beitragszahlungen der letzten fünf Jahre herangezogen. Bei der aktuellen Rentenformel werden hier die Wenigsten eine große Summe stehen haben. Altersarmut ist indes kein Schicksal, sondern politisch gemacht. Interessant ist denn auch der letzte Abschnitt »Zusätzlicher Vorsorgebedarf«, darin heißt es:

»Da die Renten im Vergleich zu den Löhnen künftig geringer steigen werden und sich somit die spätere Lücke zwischen Rente und Erwerbseinkommen vergrößert, wird eine zusätzliche Absicherung für das Alter wichtiger (»Versorgungslücke«). Bei der ergänzenden Altersvorsorge sollten Sie — wie bei Ihrer zu erwartenden Rente — den Kaufkraftverlust beachten.«

Verstehe ich das richtig, dass die Deutsche Rentenversicherung als Teil der gesetzlichen Sozialversicherung und Körperschaft des öffentlichen Rechts in Deutschland, mir Angst machen mich dazu ermutigen will, privat vorzusorgen? Sie will mich in die Arme von Hedgefonds, Bankster und Finanzheuschrecken treiben?

Inhalte überwinden!

»Wir sind angewiesen, ein bisschen pro Regierung zu berichten«
(freie WDR‐Autorin Claudia Zimmermann am 18. Januar 2016 in der niederländischen Sendung »De Stemming«)

  • Wer die Massenmedien kritisiert, ist ein »Lügenpresse‐Schreihals« und damit ein verkappter Nazi!
  • Wer die US‐Regierung, US‐Geheimdienste, die Wall‐Street oder Großbanken kritisiert, ist ein Querfront‐Antisemit!
  • Wer nicht an die öffentlichen Verlautbarungen von Regierungen und Politiker glaubt, ist ein Verschwörungstheoretiker!
  • Wer die Schulmedizin oder Impfungen kritisiert, ist ein Esoteriker, der an Jesuswasser und Chemtrails glaubt!
  • Wer die Interessen der Mehrheit und der Bevölkerung im Fokus behält, ist ein Populist!
  • Wer nicht an die NATO‐Propaganda glaubt und kein Russland‐Bashing betreibt, ist ein Putinversteher!
  • Wer die westlichen Narrative und Werte hinterfragt, ist ein Extremist und Kommunist!

Meinungskontrolle. Diskurshoheit. Kampagnen‐Journalismus. Es geht schon lange nicht mehr um den Austausch von Argumenten, Ursachen oder Analysen, sondern nur noch darum, den Sender der Botschaft zu diffamieren. Insbesondere dann, wenn die vermeintliche neoliberale Alternativlosigkeit als Herrschaftsinstrument enttarnt wird. Damit die Meinung der Herrschenden auch die herrschende Meinung bleibt.


Populismus
Antisemitismus
Verschwörungstheorie

Nichtwähler

»Die Wahlbeteiligung am 24.9. hat direkten Einfluss auf den Stimmenanteil der AfD im Bundestag. Gehst Du nicht wählen, stärkst Du aktiv Rechtsnationale.« (Aufgenommen in Berlin‐Kreuzberg im September 2017)

Nicht wählen zu gehen würde die Demokratie gefährden, wird uns immer wieder gesagt. Am linksgrünen Stammtisch, in der politischen Talk‐Show oder auch durch Medien‐Kampagnen. Seit Jahrzehnten werden hier die gleichen Argumente bemüht: wer nicht wählen gehe, unterstütze damit die Extremisten, nehme seine Pflicht auf Mitbestimmung nicht wahr und habe dann auch kein Recht sich zu beschweren. Warum manche radikale Parteien verboten (KPD) und andere weiterhin im Rennen bleiben dürfen (AfD, NPD) entscheidet übrigens nicht das Volk.

Partizipation ist an sich eine tolle Sache, wenn aber der festgelegte Rahmen von neoliberalen Machteliten -jenseits irgendeiner demokratischen Wahl‐ bestimmt wird, Neoliberalismus, Konzern‐ und Industriepolitik sich nicht abwählen lassen und die Wahlen nur dazu dienen, der Demokratie‐Simulation seine Zustimmung zu geben, dann bin und bleibe ich überzeugter Nichtwähler! Bei den nächsten Wahlen sollen dann Linke wieder den marktkonformen Einheitsbrei CDU/SPD/GRUENE/FDP wählen, nur um die AfD zu verhindern. Nicht mit mir! Davon abgesehen ist eine freie Wahl nur dann wirklich frei, wenn die Enthaltung eine legitime Entscheidung ist.


Nichtwähler sind politisch
Die AfD und die Wahlen
Bundestagswahlen 2017: Idiokratie